Unter der Woche wurde das Geschmeide geschrubbt und poliert.
Pediküre, Waschungen und weitere rituelle Handlungen ließ man den Auserwählten angedeihen.
Alles freute sich mit dem Strahlen der Herbstsonne auf das Event. Nur der Wetterbericht war nicht auf Seiten der Teilnehmenden, die dann an "ihrem" Tag unter großer Nervosität den für sie unbekannten und ungewohnten Weg über den Hügel zum Wahl-Areal marschierten. Begleitet von einem wunderbaren Klangkonzert.
Wir ließen ihnen ein wenig Vorsprung, frühstückten und schnürten dann die Wanderschuhe, um ebenfalls über den Hügel zu ziehen und das Ereignis in Augenschein zu nehmen.
Ja und sie waren auch nicht zu übersehen, die zahlreichen herausgeputzten Aspirantinnen auf die Titel der "Miss Fahrni" und "Miss Euter". Auch ein Titel für die Lebensleistung wird vergeben.
Auf frischen Sägespänen stehen mehr als 100 Kühe. Die allerdings die Freude über den Anblick, die ihre Besitzer verspüren, so gar nicht teilen mögen. Angeleint, kein Wasser, kein Futter - da würde ich auch protestieren.
Zudem wurde ihr Halsschmuck entfernt und aufgereiht präsentiert. Was jedoch in Anbetracht der enormen Resonanzkörper nachvollziehbar ist. Schon der Abzug der 11 Kühe von unserem Hof war ohrenbetäubend - aber schön. Der Klang von 100 und mehr Glocken dürfte an ein akustisches Inferno grenzen.
Angeleint und aufgereiht warten die Kandidatinnen auf ihren Einsatz. Erfreulicherweise hat wenigstens der Regen aufgehört.
Die Jury der 3 weiß-bekittelten Herrn ist bereits im Einsatz und beurteilt nach uns unbekannten Kriterien.
Jede Möchte-Miss muss zudem kurz defilieren und sich möglichst elegant und kraftvoll präsentieren.
Wobei allerdings manche Dame Eigenschaften der Gattung "Zicke" an den Tag legt und lieber mit ihrem "Kavalier" rangeln möchte.
Ich stelle mir das gar nicht so leicht vor, gute 600 kg widerborstiges und kämpferisch gestimmtes Lebendgewicht zu bändigen.
Man lernt doch nie aus im Leben, denke ich mir so beim Anblick der Schönheiten. Jedenfalls fiel mir bisher nie auf, dass Kühe Pferdeschwänze haben!
Aber kein Wunder, denn hier wuseln die Besitzer eifrig zwischen ihren Tieren umher, um sie immer noch mit Wasser und Bürste zu verschönern und auch ihrem hintersten Ende optischen Schick zu verpassen.
Und wie die Kühe ordentlich aufgereiht sind, so hängen auch Glocken und Treichseln akkurat am Weidezaun.
Wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns die Aspirantinnen von Nahem an. Dank der anhängenden Schilder erfahren wir auch ihre Namen: Maloja und Bernina, Dolly und Duchesse - so klangvoll wie mancher Halsschmuck :-)
Trachten gibt es leider keine zu sehen. Doch solch eine Ladung geballter tierischer Schönheit bringt vier neben uns stehende Männer dazu, spontan einen mehrstimmigen Jodlergesang anzustimmen - trotz der schon am Morgen weingefüllten Gläser sitzt jeder Ton - zum Herniedersinken.
Welche der Schönheiten letztendlich gekürt wurde und welche die begehrten Titel gewannen, erfuhren wir nicht, denn Zeit bis zum Abend und zur Verkündung der Gekührten hatten wir leider nicht. Unser Programm sah noch einen 20-km-Lauf für mich bzw. einen 22-km-Lauf für meinen eidgenössischen Ehemann vor.

So machten wir uns also wieder auf den Rückweg. Erfreulicherweise brauchten wir unsere vorsorglich mitgeführten Regenschirme nicht aufzuspannen, der Tag blieb trocken.
Zurück also nochmals durch eine sehr herbstliche Stimmung an der Schnittstelle zwischen Berner Oberland und Emmental.
Für unseren Lauf haben wir uns erneut die Thuner Allmend vorgenommen, wo wir unsere Runden um den Waffenplatz drehen. Diesmal ohne Platzverweis, denn wir bewegen uns ja im gestatteten Rahmen für Zivilpersonen. Wie eine ganze Reihe anderer Sportler auch: Radler, Skater, Hundetrainingsgruppen, Hobbykicker, Modellflugzeugpiloten, sogar ein Kite-Skateboarder ist unterwegs. So drehe ich meine 5,5 Runden, die ich bei langsam einsetzender Dämmerung -mal wieder zu schnell gelaufen- abschließen kann. Mein Mann ist da schon längst dank seines flotteren Tempos fertig. Nun steht nur noch eine lockere Woche an. Und so die Lokführer unserer DB wollen, sind wir in wenigen Tagen in Amsterdam, während heute in München die Marathonis durch die Stadt stürmen...
10.10.:
19 Grad, 6,1 km, 40:01, (6:33 Min/km), Puls 125
11.10.:
18 Grad, 20,04 km, 2:10.56, (6:31 Min/km), Puls 127








































