Nachdem ich bei Marianne das Elliptigo kennen gelernt hatte, war doch der Wunsch da, ein solches einmal intensiver zu testen.
Wie der Zufall es will, gibt es gute 6 km entfernt einen Händler, der selbige vermietet.
Also Termin gemacht, gutes Wetter zum Feiertag bestellt und das Testobjekt in mein Auto verfrachtet (Ich hätte das Gesicht des Händlers fotografieren sollen... mein Auto ist äußerlich sehr klein, aber das Gerät ging komplett hinein).

Und was ist nun ein Elliptigo? Nun, es hat 2 Räder, einen Lenker, einen Kettenantrieb, der aber schon arg anders eingebaut ist.
Zwischen Vorder- und Hinterrad ist weder Sattel noch Tretrollerstandfläche, sondern 2 bewegliche Trittbretter. Auf diesen gilt es, sich zu platzieren und dieselbe Bewegung wie beim Laufen zu vollführen. Und schwupps - ab geht die Fahrt.
Das mit dem "schwupps" ist aber nicht ganz so leicht. Die erste Ausfahrt noch am Abholabend verlief enttäuschend. Der Händler hatte mir die größte Trittweite von 4 verfügbaren eingestellt "Die ist gut für Sie." Ich hatte zwar leichte Zweifel, was denn dann groß gewachsene Menschen einstellen sollen, aber ja nun, der Mann ist Fachhändler. Die Fahrt führte schon nach einem km zu (subjektiver) Atemnot und meuternden Oberschenkeln, ein Gefühl, als hetze man eine Treppe mit viel zu hohen und zu langen Stufen hinauf.
Heute dann mit wenigen und frauentauglichen Handgriffen die Trittweite reduziert, und siehe da, schon der erste Test macht sofort Laune und führt zu mal eben 6 durchs Feld geflogenen km. Diese begleitet vom etwas eigentümlichem Geräusch des Gefährts, dessen Trittbrettmechanik eine Art Schleifton fabriziert.
Mein eidgenössischer Ehemann macht in farblich perfekt harmonierendem Outfit das Model und zeigt, wie Gefährt und Fahrer/Nutzer/Läufer (ja wie sagt man nun dazu?) gemeinsam aussehen.

Ein wenig Übung braucht es schon. Die Position ist sehr hoch und absteigen führt zu einem entsprechend tiefen Schritt nach unten. Auch Kurven erfordern zunächst noch erhöhte Aufmerksamkeit, doch als ich dann zu einer etwas längeren Tour aufbreche, läufts rasch richtig flüssig.
Da das schöne Wetter und der freie Tag viele ins Freie locken, erweckt dieses "Ding" große Aufmerksamkeit. Spaziergänger, Radler, fast alles dreht die Köpfe. Und selbige müssen auch sich noch etwas in die Höhe bewegen, denn die Fahrposition ist wirklich hoch, man guckt allen auf den Scheitel. Auf einem Radwanderweg gerate ich vor eine größere Radgesellschaft, die mein Gefährt aufmerksam beobachtet. Ich lasse mir den Schneid nicht abkaufen und trete kräftig, was mir im 3. Gang zu knapp 30 km/h verhilft. Einer der Radler kommt längsseits und bleibt gleichauf. Mit seinem "Wasn das?!" eröffnet er eine nette Plauderei, bevor wir uns eine gute Weiterfahrt wünschen und die Gruppe abbiegt.
Ein kurzes Stück muss ich einen Radweg entlang einer Bundesstraße benutzen. Ein Autofahrer scheint so fasziniert, dass er auf mein Tempo verlangsamt und parallel fahrend beobachtet, bis er von hinten "angeschoben" wird.
Langsam bin ich im Rhythmus und trete und rolle und trete und rolle. Doch rasch spüre ich auch die andere Beanspruchung der Muskeln, besonders in den Oberschenkeln. Gelegentlich ertappe ich mich dabei, dass ich mich gern wie beim Rad auf den Sattel setzen würde, aber nix da, sitzend radeln kann ja jeder!
Schlussendlich zeigt mir meine Polar (die ich zuvor noch auf die Sportart "Rad" umgestellt hatte), dass ich gute 24 km abgespult habe, Durchschnittsgeschwindigkeit 20 km/h. Ja, es macht Spaß, so "laufend" durch die Landschaft zu flitzen, mit schönem Rundumblick. Man darf, so denke ich, dieses Gefährt allerdings nicht mit einem Fahrrad vergleichen, das sicher noch schneller wäre und auf dem man weiter fahren würde. Das Elliptigo verstehe ich als Trainingsgerät für Läufer, es spricht eine andere Zielgruppe an. Vor allem solche, die beim Laufen Knie-, Rücken- oder ähnliche Probleme haben. Denn diese Art des Laufens ist in dieser Hinsicht sehr schonend.
Und dass es seinen Trainingszweck erfüllt, merke ich, als ich nach Rückkehr mal eben im Keller etwas kühles Flüssiges holen möchte. Nach der drittten Stufe jaule ich auf. Ein Gefühl in den Beinen wie nach einem Marathon. Ein Glück, dass es ein Geländer gibt...
Und sonst? Die 3-Gang-Schaltung reicht im Flachen für meine Bedürfnisse aus, Rennasse und Bergsteiger können auf Modelle mit 8 oder gar 11 Gängen zurückgreifen. Die Bremsen greifen sehr gut. Das Gefährt macht einen robusten Eindruck.
Zum Licht der Schatten: Es sollte schon Asphalt sein, und der sollte keine Löcher haben. Unebenheiten werden gnadenlos durchgereicht. Das sollte bei der Wahl des Terrains berücksichtigt werden.
Beleuchtung und Klingel? Fehlanzeige.
Vom Preis will ich hier gar nicht schreiben. Daher bringe ich es morgen auch brav zurück.
Nachtrag: Ich bin dann doch noch schwach geworden und habe mir ein Elliptigo zugelegt.
Herrlich! 😁
Unter dem Label ElliptoGo sind meine Erlebnisse zu finden.

















































