Montag, 19. Oktober 2020

1. Heidenburger Wald-Marathon (2020)


Der Heidenburger Wald-Marathon – noch nie davon gehört? Kein Wunder. Erstens hatte er vergangenen Sonntag Premiere, zweitens war er nur einem erlauchten Kreis geladener Läufer*innen zugänglich. Und wenn orange so etwas wie die Mottofarbe des Laufs war, ist Eingeweihten schon klar, wer der Veranstalter war: Unsere liebe Helge hat es sich nicht nehmen lassen, mit ehelicher Unterstützung (Andi) und backtechnischer Zulieferung (Frank, Gabi, Karina – ich hoffe, ich habe niemanden vergessen) ein schönes Lauferlebnis im heimischen Heidenburg hoch über der Mosel auf die Beine zu stellen.

Der Lauf besteht aus einer 7-km-Schleife (120 Höhenmeter), die mehrmals -ggf. bis zur Marathondistanz- zu durchlaufen ist. Kürzere persönliche Teilnahme über weniger Runden ist möglich. Das Reglement wartet mit einer Besonderheit auf: Vergehen wie Zu-spät-kommen, Behinderung anderer, schlechtes Benehmen im Wald, Hinterlassung von Abfall u.ä. wird geahndet. Und zwar nicht mit Zeitstrafen, sondern es wird in Schokoladentafeln einer bestimmten schweizer Marke aufgewogen. Da die Palette der Möglichkeiten uns recht engmaschig erscheint, liefern wir vorsichtshalber gleich einige Ausfertigungen des beschriebenen Produkts ab. Was natürlich keine Bestechung darstellen soll.


Wir laufen uns gemeinsam über einen guten km ein, vom Sitz des Organisationsteams zum Start am Waldrand. Bei 3° bin ich froh über die eingepackten Handschuhe! Doch ansonsten bleibt uns das Wetter gewogen: Kein Regen, nur minimaler Wind und die Temperatur verdoppelt sich noch im Laufe des Laufs.

Helge-Bild

Auch ein Helge-Bild

Sogar ein Begleitfahrrad ist dabei. Dies „aus Gründen“ aber nicht für den jeweils Führenden, sondern für die Beste Frau (man beachte das Kleingedruckte auf dem Schild) im Feld. Doch Pedalist Torsten ist flexibel und kümmert sich auch nebenher um die anderen Laufenden.


Am Startpunkt wird uns die Strecke nochmals kurz erklärt, zudem ist sie in Mottofarbe markiert. Und los geht’s, bevor wir alle erfrieren. Kurz skizziert, laufen wir, wie Matze es so nett ausdrückte, einen großen „Lolli“ mit 2 “Blasen“ am Stiel, über Waldwege, wenig Asphalt und eine Wiese. Es geht bergab und bergauf. Immer wieder in einem Maße, dass man erst abwärts wunderbar Schwung nehmen kann, der sodann durch Bergauflauf wieder kompensiert werden muss. Und kurz bevor deshalb die ersten Flüche herauswollen, naht erneut eine schwunggebende versöhnlich stimmende Abwärtspassage. Ein durchaus motivierendes Profil! Bei km 3 und 7 passiert man zudem den Verpflegungspunkt.

Auf der ersten Runde setzen sich bereits 3 schnelle Hirsche nach vorn ab, während Mittelfeld und Nachhut zunächst nachhaltig auf Betriebstemperatur kommen und in Ruhe die Strecke erkunden möchten.






Zu unserem ersten Schreck gibt es schon nach ca. 5 km den ersten unfreiwilligen Abgang zu konstatieren: Chris ist spurlos in den Tiefen des Hunsrücker Waldes verschwunden! Helge macht sich sofort auf die Suche, doch kurz bevor die Heidenburger Bergrettung in Gang gesetzt werden muss, ist er wieder „auf Kurs“. Er hatte schlichtweg die ebenfalls orangefarbenen Markierungen der Forstarbeiter als Streckenhinweise aufgefasst.

Nach der ersten Runde ist uns allen dann jedoch der Verlauf klar und jede/r kann spätestens jetzt sein/ihr Tempo rennen. Mein Ziel sind 3 Runden, ggf. eine weitere als Zugabe. Daher lasse ich mich nicht allzusehr nach vorne ziehen. Andere peilen kürzere Gesamtstrecken an und geben entsprechend mehr Gas. So kann ich auch dies und jenes neben der Strecke wahrnehmen.

Unübersehbar leider die wegen Borkenkäferfraß zwangsweise gefällten Bäume. Aber auch hier und da sind im Unterholz Pilze und sogar Waldbewohner zu finden. Ansonsten ist dieser schöne Wald erstaunlich leer. Kein Dutzend anderer Menschen sehe ich, keinen einzigen Gassigänger. Es ist, bis auf gelegentliches Vogelzwitschern markant still. Noch nicht einmal aus der Ferne dringen Geräusche, wie etwa Verkehrslaute, an mein Ohr. Den Pilzsammler mit stinkendem Moped blende ich an dieser Stelle einmal aus.






Meine erste Runde noch in Gesellschaft läuft gut, ab etwa km 10 bin ich dann für mich unterwegs, kann einfach nur genießen. Am VP treffe ich gelegentlich Mitlaufende. Runde 3 ist gekennzeichnet durch Tempiwechsel an den Anstiegen, um Kraft für Runde 4 zu sammeln. Denn es käme mir irgendwie dünn vor, für nur 21 km angereist zu sein. Also gehe ich auch auf Runde 4. Der Einstieg ist leicht, wegen des Schwungs auf den ersten Kilometern. Und wenn man den genossen hat, nimmt man den Rest einer weiteren Runde eben auch noch auf sich. Über die so erlaufenen 28 km und die besonders schöne Medaille freue ich mich sehr! Inzwischen hat sich die Schar der Mitstreitenden auch schon vermindert. Als einziger 6-Runden-Finalist ist nur noch Chris unterwegs, der sein selbst gesetztes Ziel von 6 Runden = Marathon nicht aus den Augen verliert. Auf seiner letzten (Ehren-)Runde begleitet ihn Torsten auf dem Rad, da seine Beste Frau ebenfalls schon früher gefinisht hatte. Dank dieser Begleitung kämpft sich Chris auch wacker ohne einen einzigen gegangenen Schritt bis ins Ziel (Man(n) will sich ja keine Blöße geben). Zudem hat er mit seinem Verirrungs-Ausflug ja sogar einen Ultra absolviert!

Bild von Helge oder Frank gemacht?


Schlussendlich sind alle sehr zufrieden mit dieser Premiere! Und welch eine Titelflut prasselt auf uns herab: Da gibt es die vom Start weg Beste Frau (Karina), die schnellste Frau (Gabi) und die Frau mit der längsten Distanz (ich). Es gibt den besten Schweizer, zugleich nunmehr Heidenburger Rekordhalter sowie ältester und jüngster Sieger in Personalunion, so ziemlich jede/r hat eigentlich seine AK auf seiner Distanz gewonnen!

Einen ganz herzlichen Dank für diese gelungene Premiere eines vielversprechenden neuen Laufevents!


Helges Ansage, im nächsten Jahr einen Heidenburger  Frühjahrsmarathon auszurichten, nehmen wir sehr verbindlich. Wenn nicht, setzt es Bestrafung in Form von Schokoladenprodukten...
Heidenburg, mach Dich bereit zum 2. Wald-Marathon, wir kommen!

Und was hat Helge selber zu berichten? Hier entlang: Link

Sonntag, 11. Oktober 2020

Talsperrenlauf Eupen (2020)

 

Es gibt sie doch noch, "richtige" Läufe in echt, mit anderen auf einer Strecke und Wettkampfcharakter. Trotz Corona stellte der LAC Eupen seinen Talsperrenlauf in der 45. Auflage auf die Beine, was wiederum zahlreiche Läuferbeine erfreute. 14,7 km geht es etwas profiliert um die Wesertalsperre. Da es für die deutsch-belgische Grenzregion eine Corona-Ausnahmeregelung gibt, konnten wir uns ohne Gewissensbisse dorthin begeben. Zudem war die Durchführung des Lauf  gegenüber den Vorjahren natürlich ebenfalls stark verändert. 
Kein Gruppenstart, sondern alle 30 Sekunden ging ein einzelner Läufer auf die Strecke. Keine Siegerehrung, keine Verpflegung unterwegs. Maskenpflicht im Start/Zielbereich. Das Startprozedere klappte hervorragend. Und bei 9° fanden auch nur einzelne Zuschauer den Weg hierhin.







Den Verein erlebten wir als sehr freundlich. So bekamen wir per Mail ein Dankeschön für die Überweisung des Startgelds (6 EUR) und die Frage, ob wir einen besonderen Wunsch für die Startzeit hätten. Hatten wir, möglichst zeitnah an Wolli und Marion. Und wahrhaftig werden wir alle 4 hintereinander losgeschickt.





Nach dem Start geht es eine abschüssige Kurve hinunter und man kann einen Blick auf die Staumauer von Belgiens wichtigstem Trinkwasserreservoir werfen. Zwar kann ich so gleich ordentlich Schwung nehmen, aber was dann passiert war klar. Chris hat noch mehr Schwung genommen und überholt mich schon auf dem ersten Kilometer.




Nach einem Kilometer taucht man ein in den Wald, der sich noch sehr grün präsentiert, allerdings mit durchaus herbstlichen Akzenten. Nachdem Chris schon längst von dannen gezogen ist, muss ich noch einige weitere Schnellere vorbeiziehen lassen. Was nicht anders zu erwarten war, denn der Blick auf die Ergebnisliste des Vorjahres deutete an, dass hier vornehmlich die "schnellen Hirsche" auf der Piste sind. Mir fehlt ein wenig die musikalische Inspiration, die mir beim virtuellen Köln Marathon per App geboten wurde. So muss ich mir eben die flotten Rhythmen im Geiste in Erinnerung rufen, um die Beine anzutreiben. Da es auch unterwegs nicht viel zu sehen gibt, kann ich mich ansonsten voll auf den Lauf konzentrieren. Es gelingt mir sogar, eine Läuferin vor mir zu überholen. Das hilft mir auch über einen kleinen inneren Kampf bei km 7 hinweg, wer will sich schon selbst zurück-überholen lassen...




Unterwegs habe ich dann auch genügend Zeit mir Gedanken zu machen,  wie denn die Weser hier aus Belgien nachher nach Niedersachsen und über Bremen und Bremerhaven in die Nordsee gelangen soll? Immerhin, wie ich nachher lese, gelangt ihr Wasser über Ourthe und Maas am Ende in die Nordsee. Allerdings ist die belgische Weser ansonsten ein eigener Fluss. 


Berührung mit Straßen gibt es nur kurz, und wenn, ist alles bestens markiert. Die Strecke wird als babyjoggergeeignet angepriesen, ich sah sogar einen schiebenden Vater! Ungefähr bei km 9 läuft ein gutes Stück weit vor mir ein rot und blau gewandetes Paar gemütlich vor ich hin. Na das ist doch Ansporn zur Überholung. Aber ich täusche mich. Obwohl ich mich durchaus anstrenge, komme ich kaum näher. Dabei habe ich subjektiv doch das Gefühl, hier zackig durch den Wald zu preschen.... Ja so ist das mit der Subjektivität! 
Ich renne und renne und komme nur milimeterweise an die beiden heran. Einmal sucht der männliche Teil des Duos kurz die Büsche auf, ich passiere ihn, und dann sprintet er locker und fluffig an mir vorbei zurück zu seiner Partnerin. 
Donald Duck hätte hier eine Sprechblase über sich mit "Grrrpmpf!", während ein Bein kräftig auf den Boden stampft.


Aber immerhin, ich bleibe dran. Ab km 13 schmilzt die Distanz zu den beiden vor mir. Wieder ist der See linkerhand gut zu sehen und kündigt das nahe Ziel an Jetzt nur noch ein Bogen nach rechts....


Schon liegt das letzte Stück vor uns, das abschüssige Stück gleich nach dem Start. Doch was anfangs abschüssig war, stellt sich nun natürlich als letzte Steigung dar. Ich hänge rot/blau an den Fersen. Könnte nun wohl vorbei, aber das würde Kraft kosten. Lasse es also.


Als gute 100 m vor dem Ziel das Terrain wieder flach wird, setzen sich die beiden leicht nach vorn ab.
Chris, Marion und Wolfgang erwarten mich. Als ich ihnen zuwinke, bricht dann aber doch der Kampfgeist durch. Ich gebe Gas wie wild (innerlich fühlt es sich jedenfalls so an...) und kann mich zur eigenen Überraschung doch noch zügig an dem Duo vorbeischieben und das Ziel entern.

Foto: Wolfgang


Mit meiner 1.22:57 bin ich höchst zufrieden. Wohl wissend, dass ich damit ziemlich weit hinten liege bei den 256 Teilnehmenden.
Doch an dieser Stelle kommt eine höchst erquickliche Regelung des Veranstalters zum Tragen: Es gibt eine Age- und Gender Grading Ergebnisliste! Das bedeutet, die tatsächlichen Ergebnisse werden zu Alter und Geschlecht in Relation gesetzt und so ist hier dann nicht der absolut Schnellste mit 48:53 der Sieger, sondern in dieser Wertung nur 9. . Das führt bei uns vieren zu allerhöchst erfreulichen Optimierungen. Marion ist im Gesamtklassement gleich zweite (mit 2 Herren auf dem virtuellen Podest), Wolfgang fünfter. Chris schiebt sich 65 Plätze nach vorn auf Rang 60 und ich gewinne gar 149 Plätze und glange auf Rang 75! Ich LIEBE diese Wertungsmethode!!!

Foto: Wolfgang

Eine Siegerehrung muss leider entfallen. Dabei soll gerade die hiesige eine ganz besonders schöne sein mit tombola-artigen Gaben für alle Teilnehmer im nahen Ausflugslokal. Aber es ist gerade wie es ist dank Corona. Wir sind auf alle Fälle eher sehr froh darum, dass hier überhaupt ein Lauf stattfand, der  den sonst ja etwas ziellosen Trainingsläufen einen Push gibt.
Schon am frühen Sonntagmorgen erreicht uns eine wiederum sehr freundliche Mail mit Links zur offiziellen Ergebnisliste und der Liste, wie sie klassisch und ohne Gendering aussähe. Romain wünscht uns gute Erholung und einen schönen Sonntag. Sie sind wirklich nett hier im deutschsprachigen Teil Belgiens! 
Auch ein Video ist bereits online: https://www.facebook.com/watch/?v=370543947425137

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Da sprinten selbst die Hühner

 

Heute soll endliche eine neue Errungenschaft getestet werden, meine kürzlich erworbene Regenjacke. Zwar bin ich nach wie vor mit meiner Gore-Jacke sehr zufrieden, doch die ist vornehmlich für kältere Temperaturen konzipiert. Etwas leichteres musste her.
Und gut sichtbar auch in der dunklen Jahreszeit solls auch sein.


Also wurde es nun eine hyperleichte On-Jacke. Leider geruhte der Himmel nicht, mir heute zum ultimativen Test Regen zu schicken, aber der stürmische Wind erlaubte gute Beurteilung der Wind-Undurchlässigkeit und des Halts der Kapuze am Kopf. 

In diesen Punkten vermochte das Stück zu überzeugen. Trägt sich leicht und angenehm und lässt sich in die Brusttasche hineinfalten.

Bin gespannt, wie sie sich bei Regen machen wird.


Heute liegt bei mir ein kleiner Zwischensprint an. Die tolle Form des  Halbmarathons vom Sonntag möchte ich zum nächsten Wochenende hinüberretten. Also gemütlich einlaufen, dann 6 km in 5:30 und nochmal gemütlich auslaufen. 
Klappt gut und fühlt sich prima an.
Und wie praktisch, dass ich eimal zu ungewohnter Uhrzeit lief, am späten Vormittag. Das ergab die Gelegenheit, den sprintenden Hühnern  zuzuschauen. Sie leben ja in einem hochtechnisierten Hühnermobil auf der Wiese. Abends schließt die Automatik die Pforten, damit der Fuchs sich nicht in den mobilen Stall verirrt. Am späten Vormittag, nachdem hoffentlich alle Damen ihre Eier im Wagen gelegt haben, öffnen sie sich wieder. Es sind unter dem Boden befindliche Rampen, die dann ausgefahren werden. So kann ich zunächst beobachten, wie die muntere Schar es kaum erwarten kann und die erst halb abgesenkte Rampe richtiggehend herauspurzelt.

Devise zum Auftakt in den Tag: Sammeln beim Wagen!


Sodann: SPRINT! Nämlich zum Rand der Weide, wo schon Fans und Anhänger erspäht wurden. Denn die halten erfahrungsgemäß meist Hühnerleckerlis bereit.


Die Hühnerprozession sieht schon lustig aus. Deutlich erkennbar am Boden, wie liebend gern sich das Federvieh am Zaun aufhält...


Einen kleinen Sprint habe ich auch an der Nähmaschine hingelegt. Ich horte ja allzu gern Devotionalien größerer Läufe. So zum Beispiel auch noch einen Startbeutel vom Berlin Marathon 2018. Eigentlich schade, wenn der nur im Schrank liegt... 
Also flugs eine etwas ansehnlichere Tasche draus gemacht. Innen gefüttert mit Köln Marathon-Shirt 2009. Auch wenn ich sie zur Schonung sicher nicht in den Supermarkt mitnehme, wird sie wohl nicht so lange halten. Das Material ist papierähnlicher Kunststoff. 
Aber bis dahin ist es eine schöne Erinnerung an ein tolles Lauferlebnis!



Sonntag, 4. Oktober 2020

Köln Halbmarathon 2020 (virtuell)

Ein wenig Herausforderung muss doch sein, so hatte ich mich entschieden, den virtuellen Kölner Halbmarathon zu buchen. Und wenn schon denn schon, das "große" Paket.
Rahmenbedingung war, dass man am eigentlichen Tag des Laufs, also heute am 4. Oktober, zwischen 8 und 18 Uhr läuft. Mittels Tracking-App erfolgte die Erfassung und Auswertung.
Das angesprochene große Paket hatte ich ja schon gezeigt, äußerlich.
Die "inneren Werte" können sich aber auch sehen lassen. Flüssige und feste Nahrung, Startnummer, Shirt, Stirnband, ein für mich unerklärliches Mini-Gummiband, das Editions-Kölschglas für diesen speziellen Lauf, eine Power-Bank (zur Handyunterstützung). Und die Medaille, als Ansporn zum ehrenhafen Erringen!


Im Vorfeld war die App zu installieren. Und eine Playlist zu laden. Jesses, ich habe noch nie im Leben eine solche Liste geladen. Wenigstens weiß ich, dass das dann wohl Musiktitel sind. Ich bin eben ein Kind der Epoche von Musik-Cassetten und schwarzen Scheiben. Es gelingt mir irgendwie, aber wo nun die Titel gespeichert sind, um sie später nochmals zu hören...? Ich bin einfach keine Digital-native 😣 Aber immerhin, es wird funktionieren.
Zur Einstimmung gibt es ein kleines Video in dieser 3D-Technik, bei der man sich "in" der Videowelt bewegen kann. Das fotografisch zu zeigen, ist allerdings schwierig...


So stehen also Chris, der sich selbstlos als mein persönlicher Pacemaker einspannt, und ich vor der Haustür und zugleich virtuell in Köln-Deutz. 14°, trocken, aber Windböen bis 60 km/h. Das Tracking kann man nur 1x starten und nicht mehr stoppen. Nach dem Start hat man gerade mal 10 Sekunden, um dann noch schnell das Handy zu verstauen. 
Die ersten Sekunden gehen mir hier schonmal verloren.
Dann begrüßt mich via App Sportreporter Tom Bartels und die schmissige kölsche Hymne des Köln-Marathons heizt mir ein. "Wenn du willst, kannst du's erreichen ...." (Restübersetzung liefere ich gern auf Anfrage). Ja, das alte Thema der Langläufer...
Nach wenigen Metern wird erst einmal die Musik plötzlich leiser. Mist, ich muss das Handy wieder rausnehmen, Lautstärke neu einstellen. Nochmals Sekundenverlust. Mit Ohrstöpseln bin ich überhaupt erst einmal gelaufen, vor vielen Jahren, und fühlte mich nur gestresst. Wenn ich nicht hören kann, was um mich herum geschieht, fühle ich mich unwohl. Und wenn der Rhythmus nicht zu meinem Tempo passt, steigt Unwille auf. Aber ich lasse mich, Gottseidank, wie sich herausstellen wird, auf das Experiment ein. Also wummern die Beats kräftig in meine Ohren. Chris merkt schnell, dass heute nur nonverbale Kommunikation geht, denn Lippenlesen beherrsche ich nicht.


Nach dem ersten Kilometer vermeldet mit eine freundliche Frauenstimme "Elke, du hast den ersten Kilometer in 5:47 geschafft". Das ist mir aber eigentlich zu schnell.
Erstaunlicherweise passt die Musik zu meinem Tempo bzw. umgekehrt und ich bin "drin". Daher wird der zweite Kilometer auch nicht langsamer. Meine neue Lauffreundin vermeldet mir sogar eine Zielzeitprognose von 2:06 Std. Das wäre ja klasse, aber scheint mir nicht machbar. Schließlich habe ich nicht systematisch trainiert. Nur einfach so, wie mir war, und mir war öfter nicht.
Doch es läuft richtig gut und fluffig. Im Nachbarort begegnet uns ein Läufer, den wir schon vom Frühstücktisch aus sahen. Ein junger Mann im gleichen Köln-Marathon-Shirt wie ich, in Begleitung von 2 Radlern. Ha, da weiß man doch, was der macht! Allerdings, wenn er seit unserem Morgenmahl immer noch läuft, ist wohl seins die Volldistanz.
So trabe ich hinter meinem Pacemaker her und ergötze mich an der Musik. Da jammert ein Bursche etwas von virtueller Liebe, und dass er nach Lissabon wolle. Ob sein Anfall vorüber geht? Ein anderer kalkuliert sein erstes Date mit der Angehimmelten. Lustig eine flotte Nummer, in der einfach sinnlos kölsche Begriffe aneinander gereiht werden, aber zu flotter Dancefloormucke. "Lecker Mettbrötschen, Karneval, Alaaf, Kölle, schäl Sick..." Und "I'm sexy an I know it", 😅 Nur wenn man manchmal genauer auf englischsprachige Texte lauscht, lässt mitunter die Erbauung nach.


Die mir vermeldeten Zwischenzeiten gehen nicht hoch, wohl sinken die Prognosen rapide unter 2:06 Std. Wo soll das enden?
Tom Bartels ist eher schweigsam. Ich hatte gedacht, er würde hier und da einstreuen, wo ich gerade virtuell laufe (so wie es beim GP Bern gemacht wurde). Aber er hält sich diesbezüglich bedeckt, steuert dann allerdings gelegentlich eine Liste der Sponsoren zu meiner Unterhaltung bei. Egal. Ich fühle mich richtig wohl! Außer bei km 9, wo wir einen guten km voll gegen den Wind rennen. Surfer ziehen bei so etwas Sturmsegel auf!
Nach knapp 11 km erreichen wir wieder die heimische Haustür, wo ich mein Getränk deponiert habe. Kurze Stärkung, weiter gehts. Ein wenig werden die Beine nun müde.
Den Rest traben wir kreuz und quer durch den Ort, der uns etwas Windschutz bietet. Die Zielzeitprognosen nähern sich inzwischen 2:02, dann  2:01 Std. Das ist der Wahnsinn hier und heute!

Bei km 17 komme ich drauf, warum sich die Füße etwas komisch anfühlen. Ich habe die falschen Schuhe gewählt. Keine Laufschuhe, sondern Alltags-Sportschuhe, solche, mit denen man eben tagsüber unterwegs ist. Nun denn, die Kenianer laufen ja auch mit allem, was ihnen die Sponsoren zur Verfügung stellen.
Inzwischen werden die Beine so richtig bleiern, aber die Zielprognose, nun bei 2:00:10, lockt mich wie die Möhre den Esel. Und dazu immer noch die heißen Rhythmen, die keine Verlangsamung zulassen.

2 km vor dem Ziel verrät mir Tom Bartels dann, dass hier der Hotspot Rudolfplatz wäre, mit viel Publikum und Menschen, die meinen Namen rufen und dass die letzten Kilometer nun von allein laufen... Die Vorstellung hilft tatsächlich. Die App hat auch eine Funktion, die einem jederzeit anzeigt, wo man virtuell in Köln gerade wäre. Aber bei der Lauferei und ohne Lesebrille am Handy herumfummeln - da verzichte ich lieber.

Den letzten km können wir mit Seiten- und Rückenwindböen absolvieren. Und gerade sollen wir den Dom sehen können, vermeldet begeistert Herr Bartels, theoretisch jedenfalls.
Längst renne ich am Anschlag. Ich stelle mir die echte Strecke vor, kratze alles zusammen, was geht. Die 2 Stunden müssen doch zu knacken sein....!
Plötzlich gratuliert mir unvermittelt die freundliche Dame, es sei geschafft. Die Musik stoppt, Ende, finito.
Die Zeit: 1:59:40! Meine PB ist 1:59:12. 
Was wäre da nicht alles möglich gewesen, wenn ich die richtigen Schuhe angehabt hätte...! 
Egal. Es war klasse. Es war richtig stimmungsvoll. Es war mitreißend. Es hat Spaß gemacht!
Der Muskelkater wird ein kräftiger sein. Aber der erinnert mich dann nachhaltig an dieses tolle Erlebnis!