Irgendwie passt mein läuferischer Jahresausklang zum insgesamt durchmischten Jahr.
Da wir schon den Nikolauslauf, bei dem man am Ende mit dem köstlichen und nicht gerade unterdimensionierten Weckmann belohnt wird, verpassten, sollte es aber bitte noch der Bedburger Silvesterlauf sein. Dort liefert derselbe Bäcker seine ebenfalls köstlichen Neujahrsbrezeln als Finisherpräsent.
Doch schon am Vortag stellt sich bei mir Halsweh ein, was mich vom Plan, mindestens die 15,8 km, im Falle sportlerischen Überschwangs gar die 21,1 km zu laufen, schnell abrücken ließ. Das ist ja der große Vorteil in Bedburg, man kann sich unterwegs entscheiden und zwischen 5,2 und 21,1 km frei wählen. Eine Zeitmessung gibt es nicht, just for fun läuft man hier.
Bei Chris stellten sich auch erste Erkältungsanzeichen ein. So stehen wir bei zwar 10°, aber stürmischen Böen mit rund 200 anderen Sportwilligen an der Startlinie, meinereine ziemlich fröstelnd. Und dann lassen die sich auch noch Zeit mit dem Start...😟
Als es endlich losgeht, ist bei mir erst einmal warmlaufen zur Hebung der Körpertemperatur angesagt. Chris zieht wie immer von dannen. Schon auf den ersten 100 m pustet ihm der Wind die Kappe vom Kopf.
Wie immer geht es kurz durch den Weiler Hohenholz, bevor wir auf eine renaturierte ehemalige Tagebaufläche gelangen.
Das Gelände ist nicht schön im klassischen Sinne, passt aber für mich zur Jahresendestimmung. Leere Landschaft, in der man seinen Gedanken nachhängen kann.
Immerhin ist mir bald doch warm geworden. Aber der Wind kommt anfangs auch von hinten. Was bedeutet, da der Kurs eine Art langgezogenes Oval ist, wird er auch später von vorn kommen...
Aus mir unerklärlichen Gründen laufe ich recht weit vorne im Feld. Wohl, weil die anderen noch größeren Abstand zur Startlinie gehalten haben. Aber es überholt mich auch kaum jemand, seltsam.
Bei der Abzweigung für die 5,2 km sehe ich bereits einige abbiegen. Obwohl ich mich matt fühle, will ich dennoch die 10,5 km angehen, das wäre einmal das komplette Oval absolviert.
Gerade, als ich in mich horche, ob nicht doch die 15,8 machbar sein könnten (dazu wäre der hintere Teil des Ovals zweimal abzulaufen), nimmt Petrus mir die Entscheidung ab. Regen setzt ein, und dann kommt auch noch die Gegenwindpassage, bei einer Windstärke, die den Surfer das Sturmsegel aufziehen liesse. Nee, nicht hier und heute, und nicht mit Erkältung im Anzug.
Ein warmer Tee beim Getränkestand in einem Unterstand tut gut. Es macht sogar Spaß, die Trailschuhe durch die schlammigen Wege zu lenken, zumal hinter mir ein Läufer männlichen Geschlechts dazu permanentes "Iiihhh" oder "Bäh" oder "Muss das sein" artikuliert.
Ich stemme mich gute 4 km dem orgelnden Wind und Regen entgegen, komme nach 10,5 km und 1:04 Std zufrieden am Ziel an, gönne mir ein wenig Verpflegung. Selbstredend stoppt der Regen und ja, ein prächtiger Regenbogen baut sich auf! So groß, dass er nicht auf ein Bild passt. Das linke Ende liegt genau bei Start/Ziel. Ich nehme es mal als gutes Omen...
Dann heißt es warten. Klar würde Chris einen Halbmarathon versuchen, obwohl er sich auch nicht ganz fit fühlt. Ich hole das Auto und kann so nah am Ziel parken, dass ich dort drin windgeschützt sitzend warten und ihn ankommen sehen kann.
Es dauert ein wenig länger diesmal, aber für den Tag unter diesen Bedingungen ist seine 2:05 passabel.
Damit komme ich auf eine Jahreslaufleistung von 1951 km. Verdammt knapp am Wunschziel von 2000 km. Aber es ist so, aus Gründen, und tut daher nicht weiter weh, auf ein Neues in 2024.
Euch allen ein glückliches neues Jahr, Gesundheit und Zufriedenheit und viele schöne Laufkilometer!