Donnerstag, 11. September 2014

Workout in Wolfsburg

Ich kann wieder einmal einen "weißen Fleck" auf meiner Landkarte tilgen, erstmals gerate ich nach Wolfsburg.
Und versuche, das Maximum an Sport mit der Dienstreise zu verbinden. Beginnend mit einem strammen Marsch mit meinem Rollkoffer vom Bahnhof zum Hotel (30 Minuten) und vom Hotel zum Sitzungsort (20 Minuten, ohne Koffer). Nach der Sitzung gibt es eine Stadtführung (90 Minuten) und anschließend mehrfacher Gang zum Buffet des gewählten asiatisch-mongolischen Restaurants (Zeit vernachlässigbar). Macht schonmal 2:20 Stunden Gutschrift auf dem Bewegungskonto. Und auch auf dem Bildungskonto tut sich was, denn ich wusste beispielsweise nicht, dass diese Stadt, noch unter anderem Namen, im 3. Reich gegründet wurde als Wohnort für die Arbeiter, die die neuen Volkswagen bauen sollten. Nach dem Krieg benannte man sich dann um. Daher ist das Ambiente etwas eigen, keine lauschige Altstadt, nur irgendwie der Eindruck einer künstlichen Reißbrettstadt. Dafür heißt die Fußgängerzone, die mit dem Lineal in die Landschaft gezogen wurde, Porschestraße und früher war sie wahrhaftig eine 4(!)-spurige Chaussee, mit Geschäften beidseitig, heute teils baumbepflanzt. Das schreit doch nach einem morgendlichen Frühlauf!

Und es gelingt mir wahrhaftig, kurz nach 6 Uhr startklar zu sein! Noch nichtmals die vergessenen Laufsocken hindern mich, schlüpfe ich eben barfuß in die Schuhe!
Zunächst laufe ich an diesem putzigen Kunstwerk vorbei, eine überlebensgroße Giraffe bei der Nahrungsaufnahme.
Dann geht es die Porsche-Piste (keine Fotos, die will wirklich keiner sehen) zum Bahnhof zurück.

Dort interessiert mich der Zugang zur Autostadt. Denn wer hier sein "Schnauferl" persönlich in Empfang nehmen möchte, braucht nur aus dem Bahnhof kommend 2x links zu gehen, und schon erwartet ihn ein Highlight modernen Architektentums, eine Fußgängerporschestraße quasi. Man muss nur über eine Brücke über den Mittellandkanal und schon ist man im Vergnügungspark der Automobilisten. Ein Stück hinter diesem fotografierten Punkt beginnt sogar ein Fußgängerfließband wie im Flughafen, dass einen über das Wasser trägt.

Unterwegs kann man bereits einen Blick erhaschen auf die Fabrik, die hier das Stadtbild und auch das Leben in der Stadt entscheidend prägt. Wolfsburg hat rd. 125.000 Einwohner und rd. 125.000 Arbeitsplätze. Eine Traumquote.








Am anderen Kanalufer stolpert man schon wieder über Hightec. Doch leider ist zu so früher Stunde noch kein Einlass und ich muss hier schon wieder wenden.

Auch ruft der 2. Teil der Sitzung.
Und danach noch ein weiterer Aspekt des läuferischen Workouts. Denn neben Bahnhof und Übergang zur Autostadt lauert das Outlet-Center, und dort speziell 4 Markenshops von Sportschneidereien. Die Gelegenheit mag ich mir doch nicht entgehen lassen ;-)
Mein Favorit ist der Nike-Laden. Groß, geräumig, hell, gut sortiert, prima Preise, die komplette Läuferkollektion erfreut das Herz. Mir wird schon Angst und Bange, wie verlockend dann erst die anderen sind... Aber die Sorge legt sich rasch. Adidas und Puma präsentieren sich wie Rudis-Reste-Rampe: Eng, düster, vollgestopft, schlecht sortiert. Gerade mal nach Männlein, Weiblein und Kinderlein. Aber in diesen Kategorien ziemlich alles durcheinander. Da vergeht mir doch die Lust zum konkreten shoppen. Natürlich gibt es ansonsten noch jede Menge weiterer Läden verschiedener Preiskategorien im stylishen Center. Die Gefahr ist nicht zu verachten, aber ich habe eine feste Zugbindung gebucht und so kann ich fast ungeschoren das Areal verlassen. ;-)

Der Bahnhof ist übrigens das kleine Gelbe links. Rechts das Phaeno, Kunst mit Wissenschaft verquickt.
Auf der Heimfahrt manifestiert sich das Gefühl des Morgens. Brummschädel und laufende Nase, als wenn da eine Erkältung kommen wollte. Damit bin ich nun aber nicht einverstanden!
Wenigstens der Frühlauf lief ganz gut. Und auch die Heimfahrt dauert nur wenige Minütlein mehr, als der Fahrplan angibt.


Ca. 10 Grad, 5,9 km, 38:31, (6:35 Min/km), Puls 131

Dienstag, 9. September 2014

Gruselig


Die letzten Tage waren, ich kann es nicht anders bezeichnen, auch läuferisch ein kleines Desaster.
Schon beim meinem letzten Lauf hatte ich am Ende ein leicht ungutes Gefühl. Das steigerte sich am Abend in Übelkeit & Co, brachte mich zu einer Krankmeldung im Büro, weil ich nicht aus der Horizontalen kam. Ich fürchtete einen Infekt, allerdings konnte ich dann feststellen, dass es eine akute Unverträglichkeit eines an sich völlig unverdächtigen Medikaments war. Das ich verschrieben bekam, noch nie vorher erlebte und das auch sicherlich nie mehr nachher.
Jedenfalls konnte ich am Samstag vorsichtig eine knappe Stunde laufen, ging ganz gut und die Bewegung nach 2 Tagen liegen war eine Wohltat. So verlegte ich den für Sonntag vorgesehenen Lauf von 27 km dann einfach auf den Montag. Wetter war prima, los gings. Aber es wurde nur grausam. 
Wer kennt nicht das Gefühl am Anfang eines Laufs, dass es etwas zäh ginge? Gut, meistens legt sich das bei mir und wenn die Beine eingelaufen sind, trabt es sich doch von allein. 
Meistens. Nicht immer. 
Zwischen Armen und Beinen fühlte es sich an wie Tonne, schwer, drückend, bewegungsunwillig. Der Kreislauf ein Gefühl wie kurz vor Kurzschluss. Auch nach einer Stunde immer noch dieses Gefühl. Keine Selbstmotivation half, kein Gedanke "Jetzt hast Du schon eine Stunde, den Rest schaffst Du auch". Im Gegenteil, mein kleiner Bauchbeutel, sonst nie zu spüren, fühlte sich an wie mit Wackersteinen gefüllt. Sogar bei Gehpausen drückte das Ding.
Und dann noch die optischen Eindrücke. Denn  ich trabte in Richtung Manheim, dem Dorf, das derzeit umgesiedelt wird, wegen des nahenden Braunkohletagebaus. Was sich so "leger" anhört, sieht aber optisch drastisch aus.

Hier stand ich noch im Mai:














Heute sieht diese Stelle so aus:



Das Haus ist weg, als wenn dort nie etwas gewesen wäre.



























Der Schuppen soll wohl noch ein wenig genutzt werden.

























Im Dorf selber sieht eigentlich alles ok aus, auf den ersten Blick. Aber der 2. Blick enthüllt: Wo die Fensterläden geschlossen sind, wohnt niemand mehr, wo eine Mülltonne steht, ist noch einer:



Das ist erst der Anfang. Bald werden die leerstehenden Häuser ebenso wie das Gutsgebäude komplett abgeräumt. Dann erkennt man nur noch am Asphalt der Straße, wo einmal Menschen wohnten. Und dann kommt auch der weg.






Gespenstische Stimmung im Ort, obwohl doch Autos umherfuhren, auf dem Sportplatz gerade Fußballtraining lief.
Aber wie hier die Stimmung an tristen Novemberabenden sein wird, vor allem, für die Bewohner .... ?
Gruselig wahrscheinlich.
Und der letzte macht das Licht aus.







Tja, gruselig fühlt sich mein Lauf an. Am Ende muss ich lange Passagen gehen, nichts anderes möglich. Und daheim verkrümele ich mich gleich ins Bett.
Hoffe, es geht die Woche besser. Morgen geht es auf Dienstreise.

7.9., 21°: 7,5 km, 49:34, (6:37 Min/km), Puls 134
8.9., 20°: ca. 21 km, 2:40




Donnerstag, 4. September 2014

Es geht voran ...












... der Herbst lässt schonmal grüßen. Der Abend ist zwar für 2014 erfreulich warm, aber das eher kraftlose pastellige Licht zeigt, dass die letzten Sommertage angebrochen sind. Es riecht auch anders, nicht mehr frisch und nach grün, sondern erdig, strohig. Der Wind streicht über Stoppelfelder, andere Äcker werden für die Wintersaat vorbereitet. Nur die Zückerrüben dürfen noch weiter dicker und dicker werden.

... das Staffelprojekt in der Firma läuft. Wir werden mit 2 Staffeln in Köln laufen. Heute war letzte Lagebesprechung und allmählich wird allen klar, dass sie sich auf etwas eingelassen haben.
Wie geht das mit den Kleiderbeuteln?
Wie findet man seinen Wechselpartner?
Wo ist überhaupt mein Wechselpunkt (Berechtigte Frage in Köln, sie haben gerade erst am Montag mitgeteilt, das Punkt 3 verschoben wurde weswegen Läufer 3 nun 12,5 km laufen muss, der Schlussläufer aber nur 7,6)?
Wo bringe ich die Startnummer an?
Und nun wird doch ein gemeinsames Outfit gewünscht, Baumwollshirt tut's doch, oder?
Nun ja, wenn es für das Gemeinschaftserlebnis förderlich ist, laufe ich auch in BW.

... das Pulsuhrauswahlprojekt kommt auch voran. Überall im Netz sehe ich mal reizvolle Modelle mit tollen Leistungsmerkmalen, aber immer verbunden mit irgendeinem Pferdefuß. Dennoch hilft es mir, mich überhaupt einmal in das Angebot einzuarbeiten. Ich kann nun einiges der Angebotspalette unten und oben ausschließen. Auch habe ich eine Rangfolge der von mir gewünschten Ausstattungsmerkmale entwickelt. Ganz oben steht die Lesbarkeit des Displays. Was nützt mir der tollste Schnickschnack, wenn ich beim Laufen nicht erkennen kann, was das Teil mir vielleicht sagen will. Must have ist auch die individuelle Programmierbarkeit von Trainings (Intervalle mit meiner alten Uhr sind prima). Doch wieder nach hinten gerutscht ist die Pulsmessung am Handgelenk ohne Brustgurt. Wenn ich dafür die Uhr wie ein Korsett anschnallen muss, und auch im Winter auf der Haut statt auf dem Jackenärmel, nehm' ich dann doch den blöden Gurt.
Einen leichten Vorsprung hätte ja im Moment die Suunto Ambit 2R. Ich würde sie mir genau wie die anderen Kandidaten in natura ansehen. Doch in der Domstadt gibt es keinen Händler, der sie führt. Auf der Marathonmesse scheint Suunto nicht vertreten. Laut Webseite ist Support für D/A/CH derzeit nur eingeschränkt möglich. Nicht gerade gute Vorzeichen, wenn man später mal 'ne Frage hätte. Jo, da grübel ich dann mal weiter.

... auch das Training läuft ... so lálá. Heute ein lockerer Lauf bei 6:30 Min/km, der mir aber erstaunlich schwer fiel. Die Beine bleiern, ein leicht kraftloses Gefühl. Sonntag warten 27 km darauf gelaufen zu werden, bis dahin sollte es wieder besser gehen.

23 Grad, 10,6 km, 1:08:53, (6:31 Min/km), Puls 136

Dienstag, 2. September 2014

Dämmerung

Es dämmert.
Nicht am Morgen im Rheinland (Nein, das Bild ist eine kleine Erinnerung an den Urlaub neulich).
Auch habe ich keinen Morgenlauf hingelegt.

Es dämmert MIR.

Nämlich dass ich nun doch langsam an die Beschaffung einer neuen Laufuhr gehen sollte. Nachdem ich schon neulich Probleme mit der Kalibrierung des Schrittsensors hatte und der Annahme war, dieser sei nun justiert, zeigte der heutige Lauf doch weiterhin Mängel. Da meine Trainingsvorgabe und die meines eidgenössischen Ehemannes fast gleich waren (jeweils Tempo 6:30 Min/km, er 50 Minuten, ich 60), nutzten wir die Gelegenheit eines romantischen "Lauf-Tête-à-Têtes". Wir liefen nebeneinander her, aber der Vergleich der jeweils von seiner Garmin und meiner Polar angezeigten Tempowerte ergab, dass uns Dutzende Meter trennen mussten. Wobei wir aber anscheinend hin und her hoppelten wie die Hasen - jedenfalls laut Anzeigewerten. Mal lagen wir 30 Sekunden auseinander (meist war ich langsamer), mal fast gleichauf und mal lag ich leicht vorn. Die kurze Vermutung, dass ich bei unebenen Feldwegen ungleichmäßige Schritte mache wurde widerlegt, als auch auf topfebenen Asphaltwegen die Werte schwankten wie Schilf im Wind. Der Schrittsensor hat eine neue Batterie, daran kann es nicht liegen. Vielleicht gibt das Ding langsam den Geist auf?
Dann wäre die Gelegenheit, nun eine Uhr zu erstehen, die die mir wichtigen Funktionen hat. Gesteuertes Training (besonders bei Intervallen), Pulsmessung am Handgelenk, großes Display (lesbar auch unterwegs ohne Lesebrille - lacht da einer? Ihr kommt auch noch in das Alter), GPS, Auswertungsmöglichkeiten per PC (aber bitte zuverlässig und ohne Zwangsupdates), robuste Verarbeitung, guter Herstellerservice. Navifunktion wäre nett, aber kein Muss.
Kann doch eigentlich nicht so schwer sein. Aber immer wenn ich eine potenzielle Kandidatin sehe, lese ich bestimmte Nachteile, immer muss man wohl zugleich eine Kröte schlucken, will man ein bestimmtes Feature drinhaben...
Was tragt Ihr denn so am Handgelenk spazieren, seid Ihr damit zufrieden, was ist das Beste und das Schlechteste an Eurem Modell?

19 Grad, 8,65 km (Polar: 8,34 km), 55:00, (6:22 Min/km, Polar 6:36 Min/km), Puls 125

Samstag, 30. August 2014

Montelino (10 km)


Mein Trainingsplan wünscht einen 10-km-Lauf im Wettkampfmodus um 57 Min. Wenn's weiter nichts ist...
Gleich um die Ecke, von mir aus gesehen hinter unserem selbst gebastelten (Köstlich ausgedrückt, Blumenmond!) Hausberg startet heute in Niederzier der Monte Sophia (28,1 km, 370 Höhenmeter), sowie dessen "kleiner Bruder", der Montelino, ein 10er mit aber auch immerhin 80 Höhenmetern. Eine nette familiäre und gut organisierte Veranstaltung. Entlang der Strecke zeigen Römer (im Bild der für die 28,1 km zuständige Sandalenträger) die Distanzen an. Ist nicht so weit hergeholt, denn im Rahmen des Tagebaus, in dessen Nahbereich wir hier sind, wurden und werden immer noch zahlreiche römische Überreste entdeckt. Der Monte Sophia ersteigt ausführlich die begrünte Abraumhalde, besagte Sophienhöhe, der Montelino kratzt ein wenig am Berghang.

Es ist unaugustlich frisch mit böigem Wind und dunklen Wolken. Der Hauptlauf startet um 16 Uhr, mein kleiner 10er 10 Minuten später. Ich bin recht früh da. Bei Erreichen des Start-/Zielbereichs wird der regionale Charakter der Veranstaltung auch akkustisch unterstrichen, mit "kölsche Tön". "Kommmmm in meinen Haaaarem" tönt gerade aus den Boxen, naja.
Weiter geht das muntere Lied "...isch mach' Dir den Tiger" Uuuuuuaaaah!
In der Turnhalle treffe ich Heidrun und Vera und wir haben viel Zeit zum Quatschen. Vor allem ist es angenehm warm und windstill dort drinnen.

Das Starterfeld ist beim "Kleinen" übersichtlich, die meisten ziehen das große Event vor. Die Zeitnahme geschieht manuell. Leider, denn ich brauche ein paar Sekunden, bis ich über die Linie gehe. Wäre es mit Chip und ab Startlinie, hätte ich nachher wohl eine neue PB.
Zunächst führt der Kurs ein Stück über einen schmalen Wirtschaftsweg. Erstaunlich, wie breit sich manche Leute machen. Laufen als Gruppe zu dritt nebeneinander, wo eigentlich schon 2 auf dem engen Weg reichen würden. Ansprache zwecklos, in den Ohren stecken Stöpsel...
Bald reicht mir das und ich weiche auf holpriges Grün neben dem Weg aus um zu überholen. Kurz darauf wechseln wir auf richtige Feldwege, ausgefahren, mit Pfützen und vor allem mit kräftigem Wind. Doch der macht mir schon nichts mehr aus. Hieß es am Start noch bibbern, so bin ich nun warmgelaufen. Kein Wunder, meine Uhr zeigt mir um die 5:20 pro km an. Eigentlich zu schnell, aber es kommen ja die Anstiege... Wenigstens wird der Untergrund bald besser, breite platte Naturbodenwege. Das Feld zieht sich rasch auseinander, es geht inzwischen am Fuß der Sophienhöhe durch den jungen Wald, der vor rd. 20-25 Jahren angepflanzt wurde. Vereinzelt laufen wir an kleinen liebevoll gestalteten Beeten mit jeweils einem wuchtigen Naturstein vorbei. Auf den zweiten Blick erkenne ich, was es ist. Eine moderne Darstellung des Kreuzwegs Jesu- welch ein Omen! Ich erkenne die ersten Nummern, wir laufen also in Richtung immer schlimmerer Pein...

Bald kommt auch der erste Anstieg bei km 3.
Ich nehme mir vor, mich nicht zu verausgaben und das steilste Stück in flottem Gang.
Auch danach steigt das Gelände weiter an, wenn auch sehr viel moderater. Das ist läuferisch dann kein Problem.
Die Natur der Strecke bringt es mit sich, dass die Teilnehmer hier draußen unter sich sind. Anfeuernde Zuschauer lassen sich an einer Hand abzählen. Aber immerhin!

Ab km 5 dann die zweite, happigere Steigung. Über einen mit Split befüllten Trailpfad. Hier gehen alle (jedenfalls in meinem Bereich).
Vor mir eine Läuferin, die erkennbar mit einem männlichen Pacemaker läuft und sichtbar kämpfen muss. Doch der Mann macht ihr immer wieder ungeduldig Zeichen, sie solle schneller werden. Am Ende der Steigung, wir haben unseren höchsten Punkt erreicht, ziehen die beiden ein Stück von mir weg. Ich lasse mich nicht darauf ein, möchte meine Kräfte einteilen.
Den Kreuzweg hatten wir vor dieser Steigung verlassen, nun sind wir wieder auf ihm unterwegs, doch nun in umgekehrter Richtung. Ich erkenne die Nummerierung für Station 12, dann 11 usw. Prima, vom schlimmsten Leiden also rückwärts. Auch ein Symbol für das, was nun kommt, nur noch abwärts und es läuft immer besser - heißa.  Teils sind die nun wieder breiten Wege etwas ausgewaschen, teils auch durch Split schwammig und rutschig, doch immer wieder kann ich die Beine fliegen lassen. Bisweilen sehe ich auf diese Weise wundersame Zeiten auf meiner Uhr. Ach, solch ein Laufgefühl möchte ich immer haben! Die Beine fühlen sich gut an, auch wenn ich durchaus spüre, dass ich insgesamt "auf Kante" laufe. Am Verpflegungsstand schnappe ich mir einen Becher Cola. Fehler! Nur 2 Schluck, aber dieses Geblubber im Magen macht mich sofort langsamer. Zudem verlasse ich nun den Wald, der Bergabschwung verebbt in der Ebene und ich bin dem starken Wind schutzlos ausgesetzt. Kurz ein Gefühl, wie gegen eine Betonmauer zu prallen. Aber ich kann das kleine Tief überwinden und ziehe wieder kräftiger durch.
Noch 2 km.
Vor mir läuft ein junger Mann in neongelb, laaangsam kann ich mich an ihn heranarbeiten.
Und ihn passieren.
Dann ein Mädchen, deutlich mit Übergewicht und keuchend (was ich allerdings auch tue), vorbei.
Ich nähere mich wieder dem Frau&Mann-Gespann von der zweiten Steigung. Komme heran, überhole die Frau, erreiche den Mann. Er nimmt mich wahr, aber was er sieht, passt ihm wohl gar nicht. Jedenfalls beschleunigt er, ohne nach der Frau zu schauen, sie zieht mit.
Noch 1,5 km.
Gerade denke ich, lass die beiden mal ziehen, bleib im Windschatten, da bremst die Frau abrupt ab und wechselt von Trab auf Gang, sie kann nicht mehr. Der Mann merkt das erst mit Verzögerung, als er sich nach mir umdreht. Er schaut unwillig, kehrt aber dann um zu ihr.
Vor mir laufen noch weitere einzelne Läufer, doch ich spüre, weitere Überholungen sind heute nicht mehr drin. Ich höre bereits die Geräuschkulisse des Zielgeländes, halte meine Pace, kein Endspurt heute, ist alles ok so.
Ich laufe in den Zielkanal ein - wusch- da zischt neongelb doch glatt auf den letzten 10 Metern und mit letzter Kraft an mir vorbei! Aber auch egal. Ich habe meine Vorgabe für heute sowieso übererfüllt und bin sehr zufrieden. 54:05 zeigt die Uhr, ja, hätte wohl auch 53:59 sein  können. Wie gesagt, die paar Sekunden vor der Startlinie. Aber Mensch, fiel da nicht gerade in China ein Sack Reis um...?
Und überhaupt, in diesem profilierten Gelände ist die Zeit nochmals höher zu bewerten.

Ich hole meine in der Turnhalle deponierte Jacke. Heidrun muss nun noch gute 2,5 Stunden auf ihren 28,1 km laufen ... Bei dem frühherbstlichen Wetter mache ich mich auf nach Hause.
Als akkustische Verabschiedung von dieser empfehlenswerten Veranstaltung nehme ich ein weiteres putziges Lied mit auf den kurzen Heimweg:
"Lebt denn der alte Holzmichel noch,
Holzmichel noch,
Holzmichel noch?"
"Jaaaaaaaa,
er lebt noch,
er lebt noch,
stirbt nicht."

19 Grad, 10 km, 54:05 (eigene Messung)/54:08 (nach Rangliste), (5:32 Min/km), heute mal ohne Pulsmessung. Rangliste: 90. von 139 (m+w), AK-Platz 3