Sonntag, 26. Juni 2016

Bodenkontakt

Die dritte Trainingseinheit in dieser Woche: Nach einem weiteren Knietestlauf (7,4 km) heute eine endlich wettermäßig ermöglichte längere ElliptiGo-Tour.
Ich klinke mich in die Neffelbachfahrradroute ein und rolle über schöne autofreie Wege entlang des namensgebenden Bächleins.
Mein Plan: Diesmal weiter südlich als zuletzt fahren und dann über einen mir noch völlig unbekannten Radweg zuerst ost- und dann wieder nordwärts zurück. Die Mitnahme der Karte scheitert an fehlenden Staumöglichkeiten. Das muss ich noch dringend ändern. Ich präge mir die Route ein und bin sicher, sie auch so zu finden.

Erstaunlich wenige andere Menschen treffe ich an diesem schönen Sonntagmittag an.
Zudem sind die Wege, wo sie naturbelassen sind, weit überwiegend halbwegs trocken, trotz der vielen Regenfälle der letzten Zeit. Ich erfreue mich an der mir doch so lange, viel zu lange, bisher unbekannten Strecke.







Auf einer umzäunten Weide sehe ich zuerst typische Futterstände, wie man sie sonst im Wald für Rehe und Hirsche sieht. Gerade wundere ich mich noch ein wenig, da kommen schon die Nutznießer in den Blick. Ein kleine Gruppe Damwild kommt neugierig an den Zaun, aber gerade so nah, dass ich sie nicht berühren kann.
Ich erinnere mich an einen früheren Chef, der sich in der Freizeit als Jäger betätigte und solche Tiere gern vor die Flinte nahm, mir über die vielen Fraß-Schäden durch die Tiere berichtend, die er so vermeiden würde. Ich könnte das nicht.

Flott komme ich voran, trotz des Windes, der meist von vorn bläst. Doch an einer Stelle werde ich ausgebremst, als anscheinend ein Radwegweiser fehlt und ich etwas ratlos vor dem Metallgittertor des Fliegerhorstes Nörvenich strande. Muss ich eben nach Gefühl navigieren. Klappt, und ich treffe im nächsten Dorf wieder auf meine Route.

Hier bin ich noch nie im Leben gewesen! Ich verlasse den Neffelbach, folge nun dem geplanten Weg ostwärts. Doch bald fehlt auch hier der Wegweiser. Mist, verfranst, und die Karte daheim! Auch schon über eine Stunde bin ich unterwegs und spüre einmal mehr, dass ElliptiGo doch anstrengender ist als Fahrradfahren.
So beschließe ich, dann eben doch die gleiche Route zurück zu wählen. Plötzlich finde ich das zuvor vergeblich gesuchte Stück der Neffelbachroute. Hätte ich mir besser gespart, denn im sehr schattigen Wald ist der lehmige Boden noch nicht abgetrocknet und es heißt vorsichtig manövrieren, um nicht im Matsch auszurutschen. Der Weg wird immer schwieriger zu fahren und mutiert zunehmend zum Trail, MTB-Fans wären begeistert. Irgendwann kämpfe ich mich in Sichtweite des Fliegerhorsttors durchs Unterholz zurück auf die Straße.

Schon länger sah ich hinter mir aus der Eifel eine dunkle Wolkenformation heranziehen. Der Wind frischt zunehmend auf. Da sollte ich vielleicht doch zügig auf kürzestem Weg heim?
Gesagt getan, ich wähle einen  asphaltierten Wirtschaftsweg neben der Bundesstraße, der sich wie eine Rad-Autobahn fährt, zumal der Wind nun von leicht schräg hinten kommt.
Die Beine verfallen von selber in einen zackigen Tret-Rhythmus.
Hinter Blatzheim kommen die ersten Tropfen. Doch ab hier habe ich den Wind zunehmend im Rücken und kann im höchsten Gang kräftig Tempo machen. Am Ende ergibt das einen mustergültigen Negativ-Split (1. Hälfte 15,6 km/h im Mittel, 2. Hälfte 18 km/h) und eine Spitzengeschwindigkeit von stellenweise 31,5 km/h. Tut gut, sich nun im Endspurt, das Ziel schon in einigen km vor Augen, auszupowern.
Mir kommen 3 andere Exotengefährte entgegen: Drei Monowheel-Fahrer (wenn man die so nennt, oder sind es Roller?). So etwas könnte mich auch noch reizen, für den arbeitstäglichen Weg zur Bahn. Aber mit Sport haben sie nichts zu tun.

Ein Stück weiter dann blockieren 3 Jugendliche mir ihren Motorrollern komplett den Radweg, sie haben eine Panne. Ich erspähe eine Umfahrungsmöglichkeit über den Grünstreifen und steuere den an. Im letzten Moment erkenne ich, dass es kein Grünstreifen ist, sondern ein leicht zugewachsener Regensammler mit Gitterroststangen in Fahrtrichtung.
"Das könnte jetzt aber dumm ausgehen" denke ich mir noch, als es auch schon dumm ausgeht. Das Vorderrad hat plötzlich keinen Halt mehr, mir gelingt zwar eine Notbremsung, aber mein rechter Fuß findet keinen sicheren Stand und in Zeitlupe, geordnet, aber unaufhaltsam gehe ich neben den Motorrollern zu Boden. Sofort kommen die drei Jugendlichen an, entschuldigen sich für die Blockade, helfen mir hoch, fragen, ob alles ok sei. Das ist es erstaunlicherweise, ich habe nicht die kleinste Schramme und auch meinem Gefährt ist nichts passiert. Wieder und wieder entschuldigen sich die drei. Doch ich hätte auch umsichtiger vorgehen können und besser angehalten. So haben wir alle vier etwas gelernt und wünschen uns noch einen schönen Sonntag.

Regentropfen fallen mittlerweile keine mehr. Nach 34 km in 2:01 Stunden rolle ich zufrieden in die heimische Garage.
Herrliche Tour und nächstens dann mit Karte an Bord!

Kommentare:

  1. Zum Glück nochmal alles gut gegangen, liebe Elke! Ohne Karte ist doof. Ich hab mir extra einen Mini-Rucksack für Touren in unbekannte Gefilde zugelegt, in den Karte und Regenanorak plus Geld und Handy passen. Spürt man kaum, ist aber sehr hilfreich!

    Viele Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,
      stimmt, Rucksack hätte ich, aber ich möchte möglichst ohne so etwas rollen. Habe aber gestern noch eine Möglichkeit gefunden. Im Bodenbereich hat das ElliptiGo so etwas wie eine Bodenplatte, die mit den Holmen eine Wanne ergibt. Da lässt sich eine kleine Tasche deponieren, habe nun etwas passendes im Bestand gefunden.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Nimmst du auch kein Smartphone mit? Dann könnte man sich mit Offlinekarten und GPS die papierne Karte sparen. Beim Laufen finde ich das auch zu unhandlich aber per Rad habe ich das Smartphone, seit auch ich Besitzerin eines solchen bin, immer dabei. Wegbestimmung und -findung ist eine seiner Hauptaufgaben denn ich verfahre mich in München auch noch häufig bzw. bin mir des Weges nicht sicher.

    Am guten Ausgang des Sturzes merkt man doch, wie geschmeidig deine Knochen noch sind und wie gut dein Reaktionsvermögen ;o)

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    1. Liebe Lizzy,
      nee, ich bin nicht so der Smartphonenavigationstyp. Ich liebe den Überblick der Karte. Dass die Knochen heil blieben, hat mich auch überrascht, man muss auch mal Glück haben :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    nimm doch Deinen Laufrucksack mit auf solche Touren. Da dürfte eine Karte doch gut reinpassen.

    Glück gehabt beim Sturz, das wäre ein Ding gewesen, nach der gerade ausgeheilten Treppensturzgeschichte.

    Das Verhalten der Jugendlichen finde ich klasse. Es gibt es also doch noch, das gute Benehmen!

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      ich habe gestern noch eine Möglichkeit zur Mitnahme einer kleinen Tasche auf dem Bodenblech des ElliptiGos gefunden, ich möchte möglichst nichts am Körper tragen.
      Ja das wärs echt gewesen, gleich nochmal was lädieren! Über die 3 Jugendlichen war ich auch erstaunt und positiv überrascht! Sind doch nicht alle so, wie man manchmal meint.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,

    et hätt noch immer joot jejange... so ungefähr und ein Glück. Oder wie sagte mein Hausarzt mal: Es geht deutlich häufiger gut aus als schlecht.

    Wie Lizzy, frag ich mich auch, ob Du nicht mit einem Smartphone navigieren kannst oder bist Du der Mensch, der noch keins besitzt? ;-)

    Ansonsten viel Spaß noch beim weiteren Entdecken Deiner Umgebung.
    Gruß
    Anja

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    1. Liebe Anja,
      genua, man muss auch mal Glück im Unglück haben.
      Ich habe ein Smartphone, aber ohne Internetfunktion. Und das dienstliche Gerät benutze ich natürlich nicht privat. Irgendwie bin ich da Old-School. Im Auto finde ich Navi aber klasse.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,
    ich würde auch für ein Wischfon plädieren. Habe ich mittlerweile auf Radtouren auch des Öfteren mit, entweder als Navi am Lenker befestigt, oder als Sicherheitsding in der Rückentasche. :)
    Was mich aber auch sehr begeistert, sind deine 7,4km des zweiten Laufversuchs!!! Alles gut vertragen? :)

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    1. Liebe Doris,
      irgendwie bin ich nicht so der Smartphone-Typ, kann vielleicht noch werden.
      Die 7,4 km liefen leicht besser als sonst. Zwar wieder der unangenehme Druck im Knie, aber nicht die Schmerzen, die sonst immer danach kamen. Ich nehme es als Silberstreif am Horizont.
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    Ui, da hast du aber Glück gehabt. Wenn nichts passiert ist, ist ja alles gut. Dann weißt du jetzt auch, wie es sich anfühlt, in Zeitlupe und geordnet zu Boden zu gehen :-)))
    Eine schöne Tour hast du da gemacht. Und das ohne Karte auf "fremden" Gebiet. Ist doch immer wieder schön, neue Wege zu finden und auszuprobieren, oder?
    Wie aber verlief den der 2. Knietestlauf?
    Helfen die Spritzen?
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      auch wenn es in Zeitlupe war, öfter brauche ich solche Bodenkontakte nicht.
      Ich reise schon dauernd mit dem Finger über die Landkarte und ärgere mich zunehmend über den Regen, der weitere Touren verhindert.
      Mir scheint, die 1. Spritze hat eine kleine Linderung gebracht. Zwar baut sich der unangenehme Druck im Knie auf, der sonst folgende Schmerz blieb aber aus. Morgen gibts die nächste Dosis.
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Noch mal gut gegangen, ein Glück!
    Übrigens war ich am WE beim 24h-Lauf in Breitscheid (Bericht folgt). Da gab es dieses Jahr erstmals auch eine offizielle Tretroller-Wertung. Ich denke, mit dem ElliptiGo bist du da nächstes Jahr gern gesehen!

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    1. 24-Std-ellipieren?! Ui das wäre heftig! Andererseits, könnte reizvoll sein. Habe aber auf der Webseite gar nichts dazu gefunden.
      Dann bin ich auf Deinen Bericht ja schon sehr gespannt!
      Liebe Grüße
      Elke

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  8. puuuh, gut, dass dieses Malheur gut ausgegangen ist. Hätte auch richtig böse enden können. Aber du trägst ja zumindest einen Helm wie ich mit Freude sehen kann :)

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    1. Lieber Markus,
      natürlich mit Helm, die Fallhöhe wäre mir doch zu deftig. Und mit Handschuhen, die haben mir Kratzer erspart.
      Liebe Grüße
      Elke

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  9. Liebe Elke,

    kann man bei dem ElliptiGo keine Tasche am Lenker befestigen, wenn du Rucksack so gar nicht magst?
    Und Monowheel habe ich noch nie gehört/gesehen. Ist das bei euch im Trend? Sieht irgendwie eieriger als ein ElliptiGo aus finde ich.
    Dem Knie weiterhing gute Besserung!

    PS: Was für ein schön bebilderter und beschriebener Ahratonbericht im Blog.

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    1. Liebe Roni,
      Tasche an den Lenker ginge, gibts wohl auch im Heimatland der ElliptiGos, den USA, doch ich möchte möglichst wenig Gewicht am Lenker, der ist ja sehr lang nach oben und da ist es statisch günstiger, Sachen möglichst unten zu deponieren.
      Monowheel, das sind keine Einräder. Das sind Elektrofahrzeuge: Ein Rad, etwas größer als ein runder Kuchen, darin Technik, und an beiden Seite der Nabe eine kleine Stütze um draufzustehen. Man muss also balancieren, aber rollen tut es von allein, ähnlich wie Segways.
      Danke und danke und liebe Grüße
      Elke

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