Sonntag, 4. November 2018

Hornkuh-Initiative

Wäre ich Staatsangehörige der schweizerischen Eidgenossenschaft, dürfte ich ca. zweimal jährlich an Volksabstimmungen teilnehmen.
Ich finde das eine gute Sache, denn das macht es doch der Politik leichter, wenn sie weiß, was das Volk wünscht. (Mitlesende Politiker würden an dieser Stelle vielleicht das Gegenteil behaupten).
So durfte das schweizer Stimmvolk beispielsweise schon über Mindestlohn abstimmen (abgelehnt), die Anschaffung neuer Kampfjets (sog. Gripen, abgelehnt), Deckelung von Managergehältern (abgelehnt), Schengen (angenommen) und viele spannende Dinge mehr. Ja es gibt hier sogar Gemeinden, die haben keinen eigenen Gemeinderat, sondern die Einwohner stimmen jeweils selber ab. Aus Sicht einer deutschen Kommunalbeamtin ein Ding der Unmöglichkeit! Hier funktionierts.

Meinen langen Lauf konnte ich zu echten Feldstudien nutzen. Denn ein neues Abstimmungsthema steht im November 2018 an:
Kühe und deren Haltung.







Auch wenn ich in einem Dorf aufgewachsen bin, sind mir nicht alle Details aus dem Leben der Kuh bekannt. Zwar war mir bewusst, dass es Kühe mit und Kühe ohne Hörner gibt. Doch dachte ich, das seien halt verschiedene Rassen. Erst später erfuhr ich, dass das Menschenwerk ist.





Schaut man bewusst hin, so finde ich, sehen doch Kühe MIT Hörnern auch viel imposanter aus. Und liegt da nicht auch mehr Zufriedenheit im Blick...?









Aus Menschensicht mag es Vor- und Nachteile geben und wirklich lebensnotwendig mögen die Hörner ja vielleicht nicht sein.










Würde man das Argument auf den Menschen anwenden, kämen mir spontan manche Dinge in den Sinn ... lieber nicht zu Ende denken.

Also allerhand Denkstoff. Wer nachlesen will, findet HIER die offizielle Webseite zur Hornkuh-Inititaive mit einem guten Erklärvideo.
Übrigens in sehr verständlicher Sprache dargestellt, unter erfreulichem Verzicht auf Behördensprech.
Tja, gar nicht so einfach, die Sache. Man darf sehr gespannt sein, wie das Volk abstimmt.
Interessanterweise sehe ich bei meinem Lauf deutlich mehr behornte als unbehornte Kühe.

Wäre auch sehr interessant, was Volksabstimmungen ergeben würden, gäbe es sie in Deutschland.
Wäre Berlin Bundeshauptstadt geworden?
Gäbe es allgemeine Tempolimits auf Autobahnen?
Hätten wir den Euro?

Manches Gesetz könnte vielleicht anders aussehen.
Doch, wie mir in der Schweiz schon gelegentlich gesagt wurde, wir Deutschen wählen ja alle 4 Jahre und lassen dann die Politiker machen, was sie für richtig halten. Ohne sie weiter beeinflussen zu können. Aus schweizer Sicht wohl gewöhnungsbedürftig.
Vielleicht heißt es daher ja auch am Wahlsonntag, man gibt seine Stimme ab...?
Da unterscheiden sich beide Länder nicht nur landschaftlich voneinander.
14,5 km in frischer Herbstluft machen auf alle Fälle Spaß.
Den Anteil der Hornkühe und Ohnehornkühe werde ich mal im Auge behalten.
🐄🐐



Kommentare:

  1. Liebe Elke, eine wirklich tolle Initiative, scheinbar aber leider ohne Erfolgschancen. Tiere mit Hörnern haben diese aus guten Gründen. Enthornung ist ausschließlich ein Wirtschaftlichkeitsfaktor. Etliche Biobetrieben zeigen ja dass es sehr wohl auch mit Hörner im Stall funktioniert.
    Es gibt nur sehr wenig Rinderrassen ohne Hörner (die Galloways sind wohl die bekanntesten), bei einigen Rassen wird versucht die Hörner wegzuzüchten, aber dem Großteil der Hornlosen wurde die Hornansätze in den ersten Lebenswochen entfernt. Einfach mal bei Youtube schauen, da wird einem die heile Welt der Enthornung gezeigt. Dass es möglicherweise nicht immer so harmonisch (Betäubung, Desinfektion) zugeht, kann sich wohl jeder gut vorstellen, wenn man den Vorgang mal mit Tiertransporten vergleicht. Also Wunschvorstellung und Wirklichkeit. Betäubung, Sedierung usw. kostet Geld und Zeit, in der Landwirtschaft wird notwendigerweise jeder Cent dreimal umgedreht. Auf den Punkt gebracht: den Kälbern wird mit einem glühenden Schneidrohr der Hornansatz ausgebrannt. Auf so eine Idee können nur Menschen kommen.
    Nutztierhaltung und Ignoranz der Menschen ... ein Thema für sehr lange Beiträge ...
    (ich bin übrigens gelernter Landwirt, Schwerpunkt Milchvieh, bin aber lange raus dem Beruf).
    Genieß die Schönheit der Hornviecher, Hörner zeigen auch eine Menge Charakter bei einem Rind :-)

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    1. Lieber Oliver,
      schon allein die Länge Deines Kommentars ließ schon vermuten, dass Du einen besonderen Bezug zum Thema hast, dann bist Du ja Fachmann!
      Seit den 10 Jahren, die wir hier auf einem Bauernhof unsere FeWo haben, sehe ich das Thema Landwirtschaft auch mit anderen Augen. Der Fleischappetit ist deutlich geringer. Nicht, weil die Tiere hier so schlecht gehalten werden, nein, wegen des Gegenteils. Wenn man sieht, dass Fleisch vorher Augen und Beine hat, weil die Kühe fast jeden Tag auf der Weide sind. Oder wie sie manchmal rumtollen wie die jungen Pferde, wenn sie im Frühjahr nach dem Schnee rausdürfen. Daher will ich den Vorgang des Enthornens auch lieber gar nicht googlen.
      Ich weiß nicht, ob diese Initiative Sinn macht. Denn wenn sich Landwirte zwar wegen des Geldes für Hörner entscheiden, dann aber die Tiere anbinden, scheint mir das kein Fortschritt. Mir scheint die Intention gut, aber der gewählte Vorschlag zu Umsetzung problemtaisch.
      Andererseits: Es geht doch auch schon jetzt MIT Hörnern. Du wärst wahrscheinlich für unsere Vermieter ein interessanter Gesprächspartner, weil wir leider kaum Fragen zur deutschen Landwirtschaft beantworten können ;-). Außer, dass bei uns ein Hof mit 18 Kühen, so wie der hier, wohl kaum überlebensfähig wäre. In der Schweiz geht Landwirtschaft wohl anders.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,
    interessante Überlegungen. Ich selbst bin ganz eindeutig für Hörner, aber ich arbeite auch nicht in der Landwirtschaft und so kann ich leicht und idealistisch reden... :/
    Was dabei rauskommt, wenn man die Regierung "einfach machen lässt" müssen wir hier bei uns momentan leider mitansehen... Da wäre ich vehement für mehr direkte Demokratie.
    Aber zum Schluß noch zu etwas positivem - einen schönen Lauf hast du da hingelegt, in herrlicher Umgebung und mit ansprechenden Zaungästen! :D

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    1. Liebe Doris,
      ich finde auch, man sollte doch den Kühen ihre Hörner lassen, wie es ja durchaus auch bei manchen Bauern zu funktionieren scheint. Ich hoffe, unterm Strich kommt dabei etwas für die schweizer Kuh heraus.
      Diese Art der gelebten Demokratie finde ich sehr gut.Schließlich geht ja nach der Verfassung die Staatsgewalt vom Volke aus, da muss es doch auch mal sagen dürfen, was es möchte.
      Ja, das Läufchen tat gut :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. So genau wußte ich das alles bis dato noch nicht. Danke für die Aufklärung. Und wieso etwas entfernen wenn es doch so schön ist. Habe um's Eck einen Demeter-Bauer und da sind die Hörner wie selbstverständlich dran!

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    1. Lieber Markus,
      ja man lernt nie aus im Leben ;-)!Irgendwann wird mal einer mit der Hornentfernung angefangen haben. Ich finde gut, wenn das nun mal hinterfragt wird und eine andere Meinungsbildung käme.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,

    ich sehe Volksabstimmungen sehr zwiegespalten. Gerade in Zeiten des zunehmenden Populismus möchte ich nicht wissen, was sich unser Volk so zurecht stimmen würde, wenn es wenn nur von den Richtigen angestachelt wird. Und die gewählten Politiker heißen nicht umsonst Volksvertreter.

    Den Kühen die Hörner zu nehmen ist wider der Natur. Aber das ist ja nicht das einzige wo der Mensch der Natur zuwider läuft. Aber vielleicht geht es hier ja gut für die Rinder aus.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      in der Schweiz geht man mit Abstimmungen sehr sensibel um. Klar gibt es von verschiedenen Seiten Diskussionen und Argumentationen. Mit deinem Argument dürfte man ja dann fast schon keine normalen Wahlen mehr zulassen, auch da wird ja teils massiv agitiert. Vielleicht wird umgekehrt ein Schuh draus: Wenn sich das Volk über Abstimmungen einbringen kann, muss es nicht auf andere Seelenfänger und Heilsbringer hereinfallen.
      Ansonsten: Geben wir den Kühen ihre Hörner zurück!
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Liebe Elke,

      für mich ist das Brexit-Desaster ein Beispiel dafür wie ein Volksentscheid mit dramatischen Folgen in die Hose gehen kann, weil nicht alle und nur die Falschen wählen gegangen sind.

      Es läßt sich trefflich darüber diskutieren. Ich fürchte nur, dass sprengt den Kommentarrahmen :-)))

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    3. Stimmt, den Brexit könnte man so sehen. Aber dann hätten die anderen doch abstimmen gehen können. Und wenn es dann nunmal die Mehrheit so ergeben hat?
      In der Tat, ein weites Feld, das einen Diskutiermarathon füllen könnte ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Es gibt Initiativen, Kühe nicht zu enthornen und Ferkel nicht ohne Betäubung die Hoden zu entfernen.
    Gleichzeitig wird es akzeptiert, dass kleinen Jungs ohne Betäubung die Vorhaut entfernt wird.

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    1. Da gäbe es dann auch Handlungsbedarf.
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    erst einmal zu deinem Lauf: ich möchte auch mal wieder einen 14,5km-Lauf in frischer Herbstluft und so toller Umgebung machen! CRY - Aber ich gönne ihn dir! Sehr schön!

    Zu Kühen selbst kann ich nicht viel sagen, habe aber schon aus deinem Beitrag etwas gelernt! Obwohl ich nicht, wie Oliver aus der Landwirtschaft komme, bin ich auch hierbei der Meinung, dass wir Menschen viel zu viel reinpfuschen und "versauen"!

    Volksabstimmungen: bestimmte Ergebnisse sollten evtl. von Zeit zu Zeit überdacht werden können, auch wenn es noch mehr Aufwand bedeutet, aber eine Demokratie ist sowieso viel zeitaufwändiger, als andere "Systeme"! Diese Zeit müssen und sollten wir aber aufbringen und mündige Bürger hören, auch wenn Spinner unter ihnen sind. Das sollte eine "gesunde" Gesellschaft aushalten können ... und wenn wir mehr sagen dürften, würden wir uns auch mehr mit gesellschafts-politischen Themen auseinandersetzen! Es würde eine ganz andere "Kultur" entstehen! Da bin ich sehr offen, da das auch etwas mit Toleranz zu tun hat! ... etc.

    LG Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      och neulich bist Du doch auch 42 km durch eine ganz tolle Stadt gelaufen... alles hat so seine Vorzüge :-)
      Ich denke auch, dass wir Menschen uns in einigen Dingen der Natur etwas mehr zurückhalten und Respekt vor anderen Lebewesen haben sollten.
      Ja das Thema Volksentscheide ... noch zu ergänzen: die Schweizer sind ja geübte Volksabstimmer und haben da vielleicht auch eine andere Herangehensweise, wie sie ohnehin durchaus teils anders kulturell ticken als wir. Man muss auch konstatieren, dann kann und müsste auch jeder seine Verantwortung wahrnehmen. Und wenn dann nachher ein Ergebnis entsteht, das nicht jeder mag, dann ist das eben Demokratie. Unsere Bedenken kann wohl kein Schweizer nachvollziehen. Aber ich kann verstehen, wenn es durchaus Sorgen dazu gäbe, wenn es das ebi uns in dem Ausmaß bestünde.
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Liebe Elke,
    sehr interessant. Das mit den Hörnern wusste ich nicht. Aber was wir Menschen den Tieren antun, damit habe ich mich leider viel zu oft befasst. Manchmal wünsche ich mir, das irgendjemand kommt und die Menschen als vorherrschende Spezies ablöst ...
    Natürlich hat auch der Pulsmesser recht, wenn er auf bösartige Bräuche bei den Menschen aufmerksam macht, allerdings sind Millionen der kleinen Jungs inzwischen groß und haben selbst nix dagegen unternommen, das zu verhindern. Ich finde, die Menschen wollen es nicht anders. Sie hätten es ja in der Hand. Aber den Tieren gibt man ja keine Stimme. Die haben keine andere Möglichkeit als das irgendwer anders dafür kämpft.
    Wir Menschen sind echt grausam.
    Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      ja, was der Mensch den Tieren antut, dabei wollen wir doch die "Krone der Schöpfung" sein. An der Horngeschichte ist mir selber klargeworden, wie weit man das schon als "normal" empfindet. Das zeigen ja auch die Kommentare hier.
      Ich hoffe, dass dieses Problembewusstsein weiter um sich greift und wir die Natur schützen statt sie nur unseren Interessenunterzuordnen.
      Liebe Grüße
      Elke

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