Meine Osterlaufrunde ergibt sich quasi automatisch. Was bietet sich mehr an, als zu Ostern mal beim Weihnachtsbaum im Walde vorbeizuschauen? Und unterwegs gleich eine Anregung von Doris aufzugreifen, laufend Kirchen in umliegenden Nachbarorten zu besuchen.
Bei ihr gefallen mir immer die hübschen alpenländischen Kirchlein. Aber hier im Rheinland... nun ja, die Geschmäcker sind verschieden.
Ich fange dann mal an mit der Kirche wenige 100 m von daheim entfernt. Et voilà, St. Ulrich, 15. Jahrhundert:
Man beachte das Nachbarhaus zur Linken. Hinter dem weißen Bogen befand sich einst ein Geschäft. Im öffentlichen Archiv gibt es dazu ein Foto:
Ein Miederwarengeschäft gleich neben einer katholischen Kirche! Uiuiui, was mag da wohl der Pfarrer gesagt haben...?
Weiter zum nächsten Stadtteil, Horrem. Zunächst Kirche Christus König von 1931:
Dann weiter zur Kirche St. Clemens, Turm aus dem 12. Jh, Kirche in mehreren Jahrhunderten schrittweise erweitert. Sie ziert sich ein wenig, liegt auf einem Hügel, will aber nicht komplett aufs Bild.
Und wenn ich schon hier bin, kann ich noch die paar Schritte zur Gruft gehen. Hier liegt einer der bekanntesten Söhne der Stadt, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Formel 1-Rennfahrer. Leider 1961 in Monza tödlich verunglückt. Er war nahe daran, den Weltmeistertitel zu holen, rangierte am Ende der Saison nur einen Punkt hinter Phil Hill, der den Titel errang.
An der Stelle kommt mir Musik in den Sinn. Ich muss hier etwas ausholen:
Der Musiker Chris Rea ("Driving home for Christmas") war schon immer Fan von historischen Rennwagen und auch von Wolfgang Graf Berghe von Trips. Was kaum bekannt ist, er produzierte 1996 den Film "La Passione" mit autobiografischen Zügen und vielen Sequenzen zum "Renngrafen". Und natürlich mit viel Musik, wunderbare Anklänge an die Epoche von Trips', aber auch Rea-typische Sounds. Für diesen Film ließ er den Ferrari nachbauen, den von Trips fuhr, einen "Sharknose" (Ferrari F 156), denn es gibt kein authentisches Exemplar mehr.
>>> Nachtrag: Eine interessante Reportage zum Film und Hintergründen der Entstehung, mit Fotos hier: Link
Bei einem Konzert, das er in Köln gab, erfuhr er, wie nah er dem Heimatort seines Idols war und nahm sich die Zeit, hinzufahren, tauchte dort im kleinen, von einem Verein geführten Museum auf, war begeistert. Schlussendlich stellte er seinen nachgebauten Sharknose dem Museum als Leihgabe zur Verfügung. Ich habe ihn noch gesehen, den roten Renner dort.
Aber leider drehte die Welt sich weiter. Das Museum kam in Probleme, Sponsoren, Räumlichkeiten kamen abhanden. Und auch der Ferrari wurde zurück nach England geholt.
Und nun, der Weihnachtsbaum wartet. Daaaa hinten!
Wie schon fast erwartet, es leuchtet mir etwas entgegen, ein paar Ostereier, in Gesellschaft zweier Weihnachtskugeln. Herrlich!
Auf dem Rückweg kommt mir noch eine Kirche in den Sinn, die ich "mitnehmen" könnte. St. Cyriakus, 18. Jh.
| Es könnte noch Aprilwetter werden... |
Und so neigt sich Ostern 2026 den Ende zu. Die munteren Osterhasen haben sich eine Runde Schlaf verdient... Vielleicht träumt dieser hier von Weihnachten, von Autorennen oder Musik...?
Liebe Elke,
AntwortenLöschenwenn ich das niedliche Häschen-Motiv mit den Kuschelmöhrchen so anschaue, frage ich mich spontan, ob du jetzt ins Postkartenmotiv-Geschäft einsteigst. Ob sich damit noch was verdienen lässt im Zeitalter von KI und sinkenden Postkarten-Versandzahlen? Dafür geeignet wären deine Zeichnungen allemal! Oder als Vorlage für Kuscheltier-Produktionen?
Eure Kirchen dort wirken in der Tat um einiges robuster, kompakter, gedrungener als die süddeutschen Exemplaren. Vermutlich ist der liebe Gott im Pott bodenständiger. Und die Pfarrer durften sich ganz offiziell an den Miederwaren in der Nachbarschaft etwas erfreuen ;-)
Liebe Lizzy,
Löschenkeine Sorge was weitere Aktivitäten in Sachen Kitsch angeht. Da zu rechne ich das hier abgebildete Häschen auch. Aber es ist soooo kitschig, dass es schon wieder süß ist! Technisch betrachtet reizten mich die vielen Falten und Schatten, Kissen, Decke, Pyjama.
Ich finde unsere hiesigen rheinischen katholischen Kirchen recht düster. Von innen können sie durchaus heller sein.
Ich wüsste schon gern, wie die Miederwaren neben dem Kircheingang damals ankamen. Leider kenne ich niemand, den ich fragen könnte.
Liebe Grüße
Elke
Liebe Elke,
AntwortenLöschendanke für die Kirchentour! Ich mag ja diese schlichten (gotischen?) Gebäude sehr gerne, gerade für Kirchenhäuser. Die sind irgendwie geradliniger, als das ganze Barockzeug. Und dass du sie alle mit Namen nennst, macht mir bewusst, dass ich die Kirchen hier immer nur als Zielpunkt der jeweiligen Gemeinde angesehen habe.
Und dann noch Zusatzinfos über Chris Rea und einen weiteren großen Rennfahrer aus Kerpen (liegt da irgendwas in der Luft?), das war mir alles neu. :D
Der Osterbaum - wie schön, der ist scheinbar nicht nur für dich ein wiederkehrendes Ziel. Und das Häschen - wie schon gesagt - zum anbeißen!
Liebe Doris,
Löscheninteressant, dass dir der dunkle Backstein gefällt. Ich finde ihn eher düster. Innen sind die Kirchen auch gern heller.
Ja, die Kerpener Luft ist Rennfahrern förderlich. Der Renngraf holte die ersten Karts nach Deutschland, und mit so etwas drehten dann die Schumacherbrüder ihre ersten Runden, bevor sie wiederum in die Formel 1 einstiegen. Auf der hiesigen Kartbahn, die darauf zurückgeht, trainierten viele spätere Größen der F1.
Ja mein Osterhasi, ein süßes Kerlchen ;-)
Liebe Grüße, Elke
Ha, ein Lauf mit Zwischenstopp beim Weihnachtsbaum mit Ostereiern... das ist doch perfekt! Super gemacht, liebe Elke!
AntwortenLöschenDoris hat recht, so übel sind deine Kirchen gar nicht, einfach weniger verschnörkelt. Und vom 12. Jahrhundert! Schon recht historisch! Mir fällt auf, dass die immer auf Hügeln gebaut sind. Macht irgendwie auch Sinn, so sieht man sie wenigstens von weitem.
Die Geschichte rund um von Trips und Chris Rea ist interessant! Wer hätte das gedacht? Dass du den Sharknose sogar noch gesehen hast, ist ja fast schon ein kleines Zeitzeugnis.
Machst du auch so eine Grafik wie Doris, wo du die Kirchen abhaken kannst?
Liebe Grüsse aus dem sonnigen Cape Town!
Liebe Catrina,
Löschenna ich wollte doch schauen, ob der Weihnachtsbaum auch österliche Deko bekommen hat! ;-)
Ist mir noch gar nicht aufgefallen das mit den Hügeln. Wobei die jüngste Kirche aber ganz flach am Marktplatz steht. Ich muss bei den nächsten mal darauf achten!
An eine Grafik habe ich noch nicht gedacht, mal sehen, danke für die Idee.
Der Rea-Film kam leider nicht groß in die Kinos. Bei der Deutschland-Premiere war ich sogar dabei, im Trips-Museum. Leider war der Künstler selber nicht dabei. Und das kleine Museum kenne ich nun auch schon von 3 verschiedenen Orten, Mittlerweile scheinen die Bestände nicht mehr ausgestellt zu sein.
Liebe Grüße aus dem heute auch sonnigen Rheinland!
Elke
Liebe Elke,
AntwortenLöschendurften sich die Pfarrer und Priester daran erfreuen, oder mussten sie mit vorgehaltener Hand dran vorbeigehen? Vielleicht haben sie in der einen oder anderen Predigt auch geschimpft, dass so etwas neben einer Kirche so offenherzig verkauft wird?! ;-)
Wie groß war denn deine Runde, dass du gleich so einige Kirchen abklappern konntest?
Ich finde katholische Kirchen von innen oft überladen mit Schmuck, Bildern und Verzierungen, aber die älteren und ältesten sind architektonisch oft interessant! Manche haben auch interessante Entstehungsgeschichten! - Eine meiner Lieblingsansichten ist die Westseite der Klosterkirche Maria Laach, dem am besten erhaltenen und hervorragenden romanischen Bauwerk Deutschlands. - War aber sicherlich teuer und man möchte nicht wissen, wie die Gelder eingetrieben wurden!?!
Darf ich das so süße, muntere Osterhäschen ausdrucken und den Enkelinnen schenken, oder ist da eines mit originaler Widmung drin?
Aus dem sonnigen Eberstadt!
Liebe Grüße Manfred
Lieber Manfred,
Löschenich hätte wirklich auch gern gewusst, wie die Reaktionen auf das Geschäft waren. Schließlich sind wir hier im erzkatholischen Rheinland...
Meine Runde war 12,5 km. Wir haben hier eine hohe Kirchendichte ;-). Die evangelischen habe ich rausgelassen, weil das Nachkriegsbauten sind und mich interessieren eher ältere Gebäude. Ja, die jeweiligen Entstehungsgeschichten wären sicher spannend.
Gern darfst du das Häschen ausdrucken, ich fühle mich geehrt! Das ist einfacher und schneller, als dass ich irgendwann die Zeit hätte, es nochmals zu zeichnen (waren 2 Tage Arbeit). Ich kann es dir bei Bedarf auch nochmals in einer besseren Auflösung schicken.
Liebe Grüße, Elke
Du hast die Kirchen-Challenge falsch verstanden Elke, pro Lauf nur eine Kirche!!! Oder sind die Spielregeln da flexibel? ;-)
AntwortenLöschenAuf jeden Fall sind da ja ein paar recht alte Gemäuer dabei, danke auch für den sehr interessanten Geschichtsuntericht.
Und schön den Weihnachts-Osterbaum mal wieder zu sehen, etwas karg geschmückt, aber naja, immerhin.
Und schon ist Ostern wieder vorbei. Deine Zeichnungen werden aber immer besser :-)
Lieber Oliver,
Löschenich habe einfach spontan unterwegs entschieden, ein paar rheinische Kirchenbilder mit zunehmen. Mal schauen, wie es weitergeht damit.
Ich denke, wäre der Nadelbaum über und über mit Ostereiern verziert, wäre das schon schräg. Andererseits - schön zu sehen, dass es einige Getreue gibt :-)
Danke, das Osterhäschen hat mir auch viel Spaß gemacht. ;-)
Liebe Grüße, Elke