Freitag, 25. September 2026

Kurs Nord-Nord-West

Kleine Auszeit im Norden.

Zunächst wehte uns mit bis zu 75 km/h der Wind in Bremerhaven um die Nasen. Klasse, passt (Nur nicht zum laufen)!

Nicht so ganz passte, dass in dem schnieken Hotel direkt am Alten Hafen unsere Anmeldedaten gehackt wurden, komplett mit Adresse und Telefonnummer, Gottseidank ohne Visa-Daten. Tja, man räumte ein, dies sei nicht der erste Fall, man arbeite dran, aber Schuld sei nicht das Hotel sondern der Dienstleister. Hilft mir das weiter?

Wie dem auch sei, immerhin war die Aussicht vom Zimmer rund um die Uhr atemberaubend. Da verzichtet man gern auf das Hotelfrühstück zu 27 EUR pro Person und genießt stattdessen frische lokale Bäckerbrötchen mit mitgebrachter eigener Frühstücksausrüstung.






Nachdem wir mittags ankamen, ging es gleich in das direkt nebenan liegende Auswandererhaus. Ein Museum, in dem man die Auswanderung früherer Menschen nach- und miterleben kann. Statt Eintrittskarte erhält man z.B. eine Bordkarte mit dem Namen eines real (früher) existierenden Auswanderers, dessen Stationen man dann im Verlauf des Besuchs konkret nachlesen kann.

Eingangs findet man sich passend zum Thema an einem nachbauten Pier wieder und kann Auswanderern zuhören, nachgebaute Kojen verschiedener Jahrhunderte bestaunen und beispielsweise im Speiseraum Platz nehmen.




Schlussendlich landet man auf Ellis Island, kann digital den Original-Einwanderertest früherer Zeiten durchlaufen und erfahren, ob man hätte einreisen dürfen. Pro Frage sind 5 Sekunden Antwortzeit möglich, sonst geht es sofort wieder heimwärts.

Wartezone Ellis Island
Im Erfolgsfall geht es weiter zur Grand Central Station und dann schnuppern ins Alltagsleben der neuen Welt.




Der zweite Tag war ganz dem Klimahaus gewidmet. Dort erlebt und durchläuft man eine Reise um den Globus auf dem 8. Längengrad. Beginnend in Bremerhaven geht es über Isenthal/Schweiz, dann Sardinien, Niger, Kamerun, Antarktis, Samoa und Alaska über eine Hallig zurück. Jeder Ort ist plastisch und mit jeweiligem Klima dargestellt. Muss man erlebt haben! Es ist faszinierend. Außer, es sind gerade ebenfalls Schulklassen pubertierender antiautoritär Erzogener zugegen. Da kann man schonmal mörderische Gedanken entwickeln... 

Melken lernen in der Schweiz

Eisige Kälte spüren in der Antarktis

Würde man das Fotografieren anfangen, käme man gar nicht durch. Wir sind gute 4,5 Stunden (inkl. Kaffeepause) in der Erlebnisausstellung. Das ist aber nur das halbe Museum, denn danach gibt es noch diverse Mitmach-, Wissens- und Forschungsstationen. Man könnte wirklich den ganzen Tag dort verbringen, aber das ist geistig fast schon überfordernd. Wir schauen nur noch kurz in spezielle kugelartige Räume um zu erfahren, wie der Klimawandel den Menschen in den zuvor besuchten Regionen zusetzen wird. Das drückt aufs Gemüt.
Ein paar nette Weisheiten finden sich auch:

Eigentlich sind wir ziemlich abgefüllt mit Eindrücken, aber ein U-Boot am Wegesrand nehmen wir doch noch mit, die Besichtigung ist ja überschaubar, uff.


Am nächsten Morgen geht es weiter nach Worpswede, ein bezaubernder kleiner Ort im Teufelsmoor nahe Bremen, das Bekanntheit durch seine Künstlerkolonie um die vorletzte Jahrhundertwende erlangte. Die Dichte an (eher kleinen) Museen und Galerien ist immens. Wir schaffen 3 Kunstmuseen. Schulklassen toben hier nicht herum, dafür erleben wir eine andere störende Erscheinung: Seniorengruppen. Tja. Da spricht eine Führerin in ein Headset. Aber nicht, um Kopfhörer ihrer Gäste zu versorgen, sondern einen mitgebrachten Lautsprecher. Nervige Zwangsbeschallung der anderen Besucher ist das Resultat. 😕😖
Immerhin, nun haben wir es gesehen und leckeren Kuchen gabs auch.

Café an der Großen Kunstschau (geschlossen)
Abends Ankunft in Bremen. 

Original ...


... und künstlerische Interpretation

Hier war mein Hauptziel die Kunsthalle. Dort hängt u.a. eines DER Werke von Claude Monet, bevor er sich den Seerosen widmete. "Camille im grünen Kleid" mit den Ausmaßen von 2,31 x 1,51 m hat er in nur 4 Tagen gemalt. Ein beeindruckendes Bild.


Die modernen Bereiche sprechen uns weniger an. Lustig mutet noch eine raumgreifende Installation an, die man auch betreten darf:




Am beeindruckendsten war jedoch der "Pixelwald", ein schwer bis gar nicht zu fotografierendes Erlebnis. Auf 160 qm sind 3.000 LEDs in verschieden geformten Leuchtkörpern über Spiegelfußboden installiert, die zu wunderschönen Musikklängen immer wieder ihre Farben wechseln. 
Gottseidank sind wir allein, ohne Junioren und Senioren, ein Genuss! Ich hätte dort stundenlang bleiben können... 😄

Erläuterung zur Technik und Konzeption: Video-Link
Trailer der Kunsthalle, Lautsprecher einschalten!: Video-Link

Aber es ging ja noch weiter, in den Schnoor, ein an sich wunderschöner kleiner Altstadtbereich. Schön vor Mittag, bevor die Läden öffnen. Danach wird's voll...





Die Tour schließen wir ab mit einem kleinen Spaziergang zur Schlachte, wo inzwischen auch die Alexander-von-Humboldt dauerhaft als Restaurantschiff liegt. Das Schiff, das zu markigem Seemannsgesang einst mit seinen grünen Segeln für eine Brauerei Reklame über die Bildschirme schipperte. 
Ich durfte einmal vor einigen Jahren aus wenigen Metern Entfernung mit ansehen, wie sie in Bremerhaven auslief, beeindruckend.


Und dann war es auch schon Zeit für die Rückfahrt. 4 Tage volles Programm, das braucht nun erst mal Erholung! 😂

2 Kommentare:

  1. Liebe Elke
    Vier Tage, und ihr habt offenbar versucht, ganz Norddeutschland in diesen vier Tagen unterzubringen! Aber viele sehr interessante Reisetipps, danke!
    Das Auswandererhaus klingt richtig spannend, vor allem die Idee mit der persönlichen „Bordkarte“. Und die Idee vom Klimahaus ist ja super. Isenthal liegt auf dem gleichen Längegrad wie Bremerhaven - das war mir nicht bewusst.
    Nur die pubertierenden Schulklassen hätte ich ebenfalls nicht gebraucht. Und schon gar nicht die schwerhörigen Senioren... warum müssen alle immer so laut sein? 😂

    Worpswede steht bei mir jetzt jedenfalls auch auf der Liste! Irgendwann schaffen wir es da hoch.

    Hast du deine Laufsachen mitgenommen? Oder hattest du dafür gar keine Zeit?

    Liebe Grüsse aus Mölln!

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    1. Liebe Catrina,
      nicht ganz Norddeutschland, da hätte schon noch einiges gefehlt. Aber in unserer Zielregion haben wir doch einiges erleben können. Die beiden Museen in Bremerhaven sind wirklich sehr besuchenswert, da sehr lebendige Konzepte dahinter stecken. Außer, wenn da Schulklassen sind, war wirklich nervig. Gerade in stillen Räumen (ZB einer mit kleinem Klavierkonzert von/mit Ludovico Einaudi in der Arktis >>>https://www.youtube.com/watch?v=2DLnhdnSUVs<<<, da stürmten die teils mit Gegröle durch). Mir ist ja klar, dass die Energieüberschuss haben, aber Rücksicht kennen die nicht. Aber die Senioren mit eigener Beschallung waren auch durch ihr Miteinander-Geschnatter und im Weg stehen etwas anstrengend...
      Ich hatte ganz vergessen, im Auswandererhaus hat man Zugriff auf verschiedene Dateien, um evtl. ausgewanderte Familienangehörige zu finden...
      Laufsachen hatten wir mit, Chris hat es sogar geschafft. Ich war schon allein von den Museen geschafft...
      Liebe Grüße nach Mölln aus dem sonnigen Rheinland!
      Elke

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