Samstag, 13. Juli 2013

Horremer Abendlauf

Der gestrige Tag hielt zwei große Herausforderung bereit:
1. Unser Kater musste zur Impfung   und
2. Der Horremer Abendlauf wollte absolviert sein.

Nr. 1 war insofern fordernd, als unsere Fellnase sich nicht freiwillig in eine Box setzen lässt. Doch wie im Läuferleben auch, so half hier zielorientiertes Training unter Einbeziehung seiner individueller Motivationsprioritäten. Will sagen: Für Leckerlis tut er alles, marschiert sogar nach einer Woche entsprechendes Trainings dann doch in die Kiste. Nr. 1 war also erledigt.

Nr. 2 hatte natürlich mit noch mehr Training zu tun und ich war gespannt, wie es sich so nach dem 10'er am Sonntag zuvor anlassen würde. Das Wetter war uns jedenfalls freundlich gesonnen, knappe 20 Grad und Wind.
Bei unserer Ankunft können wir gerade den Start des 5-km-Felds mitverfolgen und den freundlichen Worten der Bürgermeisterin lauschen. Und schon nach wenigen Minuten läuft bereits die Spitze des 5'er-Feldes ein. Gelegenheit, Laufstudien zu betreiben. Da gibt es Läufer, deren Lauf geschmeidig, kräftig und Blick zielgerichtet nach vorn geht. Und gleich daneben läuft einer optisch völlig unrund, manchmal mit Anleihen bei Watschelenten - und dennoch, beide kommen mit fast gleicher Zeit ins Ziel. Das wird mir ewig ein Rätsel bleiben...
Wir laufen uns ein wenig ein.
Währenddessen füllt sich der Marktplatz weiter gut, denn dank der Wurstbratereien und der Biertische und -bänke entstandenen Biergartenatmosphäre zieht das Ereignis nicht nur typisches Läufervolk an.
Gegen 19 Uhr macht sich das knapp 450 Teilnehmer starke Hauptlauffeld startklar. Der Blick auf die Laufshirts verspricht ein buntes Läuferpanoptikum: Da stehen "...-Wahnsinn" und "...Power" nebeneinander, "Alpenglühen", "Laktatkönige" und "Krabbelgruppe ....". Und "die Feuerwehr löscht alles"!

Zunächst geht es einige 100m noch durch ruhige Anliegerstraßen, hier u.a. unterstützt durch kräftiges, aber schräges Posthorntuten eines älteren Musikindividualisten. Dann biegen wir ab in den schattigen Wald. Hier überholt mich der mir schon am vergangenen Sonntag aufgefallene Läufer des Diabetes-Programms wieder, ich werde ihn erst im Ziel wiedersehen.
Ansonsten ist auf den ersten km das Mittelfeld noch recht eng beieinander. Mein Tempo pendelt sich bei knapp über 5:30 Min/km ein. Bei km 3,5 die erste Wasserstelle, viele, wie auch ich, nehmen das nicht zu kühle Nass dankbar an. Nun schließt sich die lange Gerade durch ein Wohnviertel an. Während der Wind kräftig entgegenpustet, kann man allerlei unterschiedliche Publikumstypen studieren:

Die Begeisterten:
-stehen klatschend am Straßenrand, setzen Rasseln, Tröten, Glocken und ähnliche lautgebende Utensilien ein, worüber sich jeder Läufer freut.

Die Schweigsamen:
- stehen mit undurchdringlichen Mienen am Straßenrand, zeigen möglichst keine Emotion, als seien sie fast eher zufällig hierhin zwangsversetzt.

Die traditionellen Anlieger:
- wenn schon vor der eigenen Haustür etwas passiert, dann muss das mitverfolgt werden! Man öffnet das Fenster zur Straße, legt ein großes weiches Kissen auf die Fensterbank und darauf den Oberkörper gemütlich in einer so geschaffenen temporären Relax-Position ab. Wenns gut läuft, werden zuvor noch Lautsprecher in Position gebracht und Musik erklingt, so haben auch die Läufer etwas davon.

Die Stimmungsmacher:
- Steigerungsform im Anliegerbereich. Balkon- bzw. Terrassensitzmöbel werden vor dem Haus in Stellung gebracht. Die Versorgung mit Getränken und Nahrungsmitteln ist bestens organisiert. Gestern sah man sogar Stimmungsmacher mit Sternchen: Dort waren die Namen von teilnehmenden Freunden, Verwandten und Bekannten mit bunter Kreide nach Tour-de-France-Manier auf den Asphalt geschrieben. Gern strecken sich Kinderhände zum Abklatschen ins Läuferfeld :-)

Die Coolen:
- sitzen auf Designerstühlen vor dem Haus und tippen auf ihren Smartphones herum. Sind meist jünger. Aber warum muss man sich zum sms'en oder surfen extra Stühle auf den Gehsteig stellen, wenn man sich sowieso nicht für den Lauf interessiert...?

Kurz vor km 5 steht eine Trommlergruppe und sorgt für brasilianische Stimmung bei den Teilnehmern und Zuschauern. Auf geht's in die zweite Runde. Gern würde ich ja beim Ziel, das wir hier einmal durchqueren, einfach ausscheren, aber aufhören ist nicht, die zweite Runde steht an. Trotz der Anstrengung hat sich inzwischen der Körper eingelaufen, der Puls liegt bei knapp über 160. Der Postillion steht immer noch schmetternd auf seinem Posten.
Im Wald sehe ich plötzlich einen Knirps ein gutes Stück vor mir laufen.
Von hinten der Ruf "Der Junge da vorn soll stehenbleiben!"
Antwortet jemand "Ist das Tom?"
"Ja-haaa!"
"To-om, bleib steeee-hen!"
Tom dreht sich kurz um, er scheint mir vielleicht 7 oder 8 Jahre alt zu sein, also für diesen Lauf gar nicht zugelassen, und antwortet kurz, prägnant und selbstsicher "Nö!" und läuft weiter.
Anscheinend hat er beim Schülerlauf soviel Spaß an der Sache bekommen, dass er nicht zu bremsen ist.

Ca. bei km 6 laufe ich langsam auf eine Gestalt auf. Zuerst vermute ich einen älteren Mann, doch beim Näherkommen ist es eine Seniorin. Sie läuft ihren Stiefel, doch als sie mich bemerkt setzt sie alles daran, sich nicht überholen zu lassen. Jedesmal, wenn ich knapp neben ihr bin, legt sie eine Winzigkeit zu. Ich laufe am Anschlag und möchte daher mein Pulver hier nicht verschießen. Andererseits passt so die Pace auch für mich. So laufen wir bis ins Ziel, ich von ihr gezogen, sie von mir geschoben. Diesmal habe ich in Zielnähe allerdings keine Energie mehr für einen Endspurt, sie kann sich ein paar Meter absetzen. Doch wie ich vermute, und mir nachher auch die Resultateliste  bestätigt, ist meine Endzeit schneller, da sie einige Sekunden vor mir gestartet war. Allerdings - Chapeau- sie ist W 65!

Ich erreiche das Ziel leider nicht in neuer persönlicher Bestzeit. Ok, aber das spornt dann nur an.
Ich bin 50. Frau von 108 und 5. in meiner AK, in der nächsthöheren W55 hätte ich gewonnen! Was für eine tolle Perspektive zum älter werden :-)

Nachdem ich im Ziel meine Puste wiedergewonnen habe, hole ich bei der Kleideraufbewahrung unsere Sachen ab. Dort erhält jeder Teilnehmer als Erinnerung ein Kölschglas. Für Nicht-Rheinländer: Das sind Gläser mit 0,2 l Fassungsvermögen, also genau richtig für ein paar Schluck kühles, frisches Bier, das in rheinischen Kneipen dann gleich wieder ebenso frisch nachgeschenkt wird, kölsches Qualitätsmanagement quasi.
Lustigerweise ist aber der Zielbogen gesponsert von einer bayerischen Brauerei, was in der hiesigen Kölschbierhochburg schon recht bemerkenswert erscheint. Ich schlendere zurück, um dies noch fotografisch zu dokumentieren:


Erst bei Sichtung des Fotos erkenne ich, dass ich da gerade Tom bei seinem Zielspurt erwischt habe.
Aus dem wird mal ein echter Kämpfer!

Endzeit 55:53 Min., Durchschnittstempo 5:35 pro km, Pulsdurchschnitt 160
19-20 Grad, windig


Donnerstag, 11. Juli 2013

Noch schnell die Beine lockern

In Anbetracht des morgen anstehenden 10-km-Rennens wollte ich heute nur nochmals kurz die Beine etwas lockern. Doch da entgegen den ursprünglichen Wetterprognosen für diese Woche (Die Wetterfrösche sind auch nicht mehr das, was sie mal waren) auch heute nochmals gute Laufbedingungen bei 20 Grad statt erneuter Hitze herrschen, sind die Beine kaum zu bremsen und automatisch stellt sich ein Tempo von 5.44 Min/km ein. Da ich mich dennoch ja eben nicht auspowern will, reduziere ich das Tempo und laufe gemütlicher durch ein Neubaugebiet in der Nähe.
Dabei drängt sich mir fast der Eindruck auf, meine Pulsuhr kann hellsehen...  denn üblicherweise habe ich die Anzeige auf Puls, Tempo und Zeit stehen, doch heute -ohne dass ich es verändert hätte, zeigt mir das Ding die Kalorienanzahl. Als wenn es wüsste, dass ich heute Mittag in der Teeküche doch ein paar von diesen leckeren Schoko-ummantelten Plätzchen genascht hätte. Und daneben standen auch noch Pralinen, und so ein Champagner-Trüffel-Exemplar war schon arg verlockend... :-)

A propos Pulsuhr:
Nachdem mir Polar auf meine Anfrage nach der Lieferbarkeit eines neuen Armbandes den Hinweis auf neuen Lagerbestand zukommen ließ, wollte ich gleich heute bestellen. Allerdings gleicht der Bestellvorgang einer Ware im Wert von 9,95 EUR (inkl. MWSt.) dort einem Hindernisparcours erster Güte. Nicht nur, dass man bei Polar für dieses Invest ein Kundenkonto anlegen muss. Nein, auch der Bezahlvorgang über ein anderes, mir bis dato unbekanntes Unternehmen erfordert zunächst die Eröffnung eines weiteren Kundenkontos. Das dann per SMS-Code aktiviert werden muss. Doch als ich mich nach diesem Schritt durch Wahl der Option "Abbuchung" fast am Ziel wähne, ist das Räderwerk virtueller Folter noch lange nicht zum Stilstand gekommen, denn plötzlich wird mir nur noch die Option "Überweisung" angeboten, die mich -welch Wunderwerk der digitalen Welt- sogleich zu meiner Bank durchleitet. Hier soll ich nun eine Überweisung tätigen und eben noch eine TAN zur Hand haben.

Und was ist mit meiner schon angeklickten Abbuchungsoption? Zahle ich hier nachher doppelt?

Also alle Schritte zurück um zu sehen, ob ich irgendwo etwas übersehen hätte... Am Ende habe ich dann gar keine Bestellung mehr im Polar-Kundenkonto, und mein Bezahl-Kundenkonto ist gesperrt.
Im zweiten Anlauf dann gelingt mir der Coup, ich durchlaufe in Kenntnis des mir bevorstehenden Wahns alle Stufen im Durchmarsch und eine Bestellbestätigung krönt mein Mail-Postfach.
Wenn ich diese Zeit zusammenrechne - da laufen Spitzenathleten locker mehr als 5 km...

4,6 km in 27:26 Min, Puls 139, 20 Grad

Dienstag, 9. Juli 2013

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf

Nachdem wir am Sonntag einen  10-km-Wettkampf -sehr kurzfristig entschlossen- absolviert hatten, steht bereits am kommenden Freitag der nächste an.
Das wirft für mich die Frage auf, wie die Woche dazwischen gestalten? Denn nach einer Wettkampfbelastung sollte man ja regenerieren, vor einem Wettkampf auch eher moderat laufen. Das würde eigentlich für eine gemütliche Woche sprechen. Aber ein wenig Bewegung sollte schon sein, damit die Beine gefordert bleiben. Mein dickes Laufbuch hat keinen Rat zur Hand, also geht's einfach nach Bauchgefühl:
Montag, der Tag nach dem Wettkampf ist klar: ausruhen.
Donnerstag, der Tag vor dem Lauf, sollte auch maximal eine ruhige kurze Laufrunde beinhalten. Bleibt also heute und morgen.

Letztendlich kommt der Kompriss heraus, heute zunächst einmal eine Runde des auf 2 Runden angelegten Volkslaufs in gemäßigtem Tempo zu laufen.
Da der Lauf im Nachbarort, nur 2,5 km entfernt stattfindet, sind wir in einer sehr komfortablen Situation. Die Strecke selber kenne ich in Teilen, die ich allerdings noch nicht in dieser Kombination gelaufen bin.
Wir steigen an dem Punkt in den Kurs ein, der uns am nächsten liegt. Beginnen zwischen Waldrand und Bebauung, kurz danach geht es hinein in den Wald. Es ist erstaunlich, wie stark man sofort den Temperaturunterschied von 27 in der Sonne und dem deutlich kühleren Wald wahrnimmt. Es geht ein leichter Wind, sehr angenehm. Wir laufen mit etwas über 6 Min/km. Als wir den Wald kurz verlassen, um am Feldrand weiterzulaufen, spürt man sofort wieder die Kraft der Sonne, doch nur kurz, bald tauchen wir wieder in den Wald ein, laufen entlang eines Flüsschens, unter einer Autobahn hindurch. Die kühle Luft lässt selbst den Autolärm in den Hintergrund treten. Dann überqueren wir den kleinen Wasserlauf, vorbei an einigen malerischen Fachwerkhäusern geht's zurück in den Ort, eine sehr lange, schnurgerade Straße mit Ein- und Mehrfamilienhäusern. Hier fühlt man noch die Tageshitze, es weht ein kräftiger Wind, er kommt uns genau entgegen. Schon stehen die Parkverbotsschilder für Freitag in Position, man überlässt nichts dem Zufall, es ist aber auch eine bewährte Veranstaltung. Wir biegen kurz auf den Marktplatz ab, wo Freitag Start und Ziel sein wird, dann nochmals ein Stück zwischen den Häusern hindurch und zurück zum Auto. Nun kennen wir den Verlauf, der uns zumindest mit schätzungsweise 2 oder 3 Höhenmetern und den langen Waldstücken sicherlich entgegen kommen wird.

5,6 km, 35 Min, Puls 144, 27 Grad.

Sonntag, 7. Juli 2013

Rheinbogenlauf

Oder: Heute zur Abwechslung mal quälen ;-)

Noch vor 3 Tagen war mir von meiner Teilnahme an diesem Lauf nichts bekannt, aber als Chris mit dem Vorschlag kam, doch die 10 km zu laufen, erschien dies bei aller Skepsis doch eine gute Option, ein wenig Dynamik ins Training zu bekommen.
So machen wir uns heute an einem wunderschönen Sommersonntagsmorgen auf nach Köln-Weiß. Schon um 8 Uhr waren 20 Grad zu verzeichnen. Die Autobahn ist gähnend leer, das hätte ich mir all die Jahre gewünscht, die ich hier meinen täglichen Weg zur Arbeit zurücklegte...

Der Rheinbogenlauf stellt sich als eher familiäre Veranstaltung dar, 2012 gab es beim Hauptlauf rd. 250 Teilnehmer/innen. Wie wir schon zuvor erfahren hatten, ist das Parken im eng bebauten Wohnviertel rund um das Sportplatzgelände ein wenig schwierig, doch der Verein hat dort freundliche Helfer postiert, die uns ein wenig bei der Parkplatzsuche unterstützten. Nach einem kleinen Spaziergang erreichen wir das Sportgelände, wo wir unsere Nachmeldung problemlos erledigen können. Ich lerne ein neues Zeitmesssystem kennen, kein Mikatiming-Chip, kein Chip auf der Rückseite der Startnummer, sondern ein Abrissband an der Startnummer, das man sich gemäß Anleitung als Schleife vorne auf die Schuhschnürung setzen muss. Sieht ein wenig aus, wie der Anfang eines Geschenkbandes :-)

Da noch länger Zeit bis zu unserem Lauf ist, können wir uns ein wenig umsehen. Es gibt einen kleinen Verkaufsstand, einen großen Tisch mit Prospektmaterial anderer Läufe, sogar der Luzern-Marathon, Bettmeralp und Aletsch-Region sind vertreten! Und hinten im Schatten lockt schon das Kuchenbuffet, wo liebevoll selbstgebackene Werke für nur 1 EUR pro Stück feilgeboten werden. Auch ein Fotografenteam bereitet seinen Einsatz vor, Fotos zum Sofortmitnehmen. Also alles bestens vorbereitet. Wir nehmen auf einer Bank im Schatten Platz. Plötzlich - ein schmatzendes kurzes Geräusch, ich spüre ein paar feuchte Tropfen. Wir schauen uns an, Chris hat einen dicken Vogelsch... auf der Schulter seines weißen Shirts, am Arm rinnt weiteres herab. Der Blick nach oben zu den Bäumen lässt den Übeltäter nicht erkennen, aber ein Spatz war DAS nicht! Welch ein Omen, was will uns der Himmel damit sagen...? Nach Reinigung begeben wir uns aber zunächst einmal zum Zieleinlauf der 5-km-Läufer und des Minimarathons für Kinder (3,8 km). Viele Kids stürmen teils hochkonzentriert, atemlos, rotwangig zur Freude ihrer Eltern ins Ziel, lassen sich ihre Medaillen ebenfalls im Mini-Format, umhängen.

Bald wird es für uns Zeit. Beim Einlaufen spüre ich einige Seitenstiche, die Sonne steigt und strahlt. Ja, wir wollten alle den Sommer, und hier isser!
Langsam formt sich das Starterfeld an der Linie. Die Insider wissen, es gibt keine Zeitmessung beim Start, nur beim Ziel, also läuft für alle mit dem Schuss die Zeit. Einige "Cracks" drücken physisch und verbal nach vorne, es gibt Schubsen von naßgeschwitzten Männerarmen. Das "Team Luftwaffe" ist schon jetzt am Boden sehr auf aktiven Raumgewinn bedacht, "Laufmonster" äugen um sich. Sogar ein gutes altes Baumwoll-T-Shirt mit grünem Slogan mache ich aus, unzweifelhaft lange Jahre ehrenhaft getragen.

Ich stelle mich gern nach hinten, weiß ich doch mein Laufvermögen realistisch einzuschätzen. Kurz und schmerzlos wird das Startsignal gegeben. Ich passe mich dem noch langsam laufenden Feld im Tempo an, denn mein alter Fehler, zu schnell anzugehen, kommt doch immer wieder durch. Ein bunter Läuferlindwurm begibt sich auf den Feldweg zwischen Getreidefeldern. Bald kommt links ein Pferdehof in Sicht, doch schon vorher kündigt er sich eher für die Nase an, denn die Hitze (25 Grad) befördert gewisse olfaktorische Botenstoffe. Einige Pferde stehen in Decken auf der Weide, sie haben wohl den Frühsport schon hinter sich, eines trägt sogar einen Umhang im Zebramuster. Bei km 1 verspüre ich wieder Seitenstiche, Gottseidank legen sie sich bald.
Ich wundere mich sehr über einige Läufer, die bei diesem Bedingungen schwarze Kleidung tragen, ich habe schon in leichtestem Outfit mit der Hitze zu kämpfen... Jeden möglichen Schatten nehme ich dankbar an. Der Kurs knickt bald ab in Richtung Rhein, den man aber nur ahnen kann, denn hier liegt am Ufer ein größerer Campingplatz. Dort machen sich die Gäste zum Sonnenbad bereit, der Biergarten ist geöffnet - das wärs jetzt! Aber jeder sucht sich sein Schicksal selber aus... Meine Geschwindigkeit liegt knapp über 5:30 Min/km, der Puls geht kräftig, ich habe das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Doch schon kommt ein Verpflegungsstand in Sicht und danach ein längeres kühlendes Waldstück. Welch eine Labsal! Beides tut gut, es macht Spaß, den Vögeln zu lauschen und den Schatten zu genießen, nur die Radfahrer und Spaziergänger, die ihr Gewohnheitsrecht auf dem schmalen Weg ausüben, stören heute ein wenig.
Am Ende des Waldstücks sieht man ganz weit entfernt den Startbereich, also die Hälfte der Strecke, aber bis dahin lauert noch ein Hitzestück auf Asphalt in praller Sonne. Die Wassergabe an km 5 tut so gut, und damit geht es auf die zweite Runde. 
Das Gute ist, ab hier weiß ich, was kommt. Das Schlechte ist, ab hier weiß ich, dass alles nochmal kommt. 
Ein Veranstaltungshelfer ruft laut die Zwischenzeiten, prima Service! Wenigstens bin ich bis hier nicht von der Spitze überholt worden, die haben wohl auch mit der Hitze zu tun. Ich schaue mir die anderen Läufer an. Alle pusten, schnaufen und kämpfen. Ich bewundere einen älteren Läufer aus dem Diabetes-Programm. Den hatte ich am Anfang überholt, nun treffen wir am nächsten Verpflegungspunkt wieder aufeinander, ein kleiner, aufbauender Wortwechsel, und er zieht an mir langsam aber sicher vorüber. Ich konzentriere mich auf das letzte Drittel. Der Schweinehund, der mich zum gehen bewegen will, wird ziemlich vorlaut. Aber die Beine traben, der Puls pocht, hat sich aber bei erfreulichen 160 eingependelt, doch die -subjektive- Luftknappheit lässt nicht mehr zu. Das nun nochmals folgende Waldstück erfrischt ein wenig. Ich kann einige einzelne Läufer überholen, auch jüngere -was mich, ja, ich gebe es zu, doch ein wenig aufbaut. 
Auf den letzten beiden km höre ich eine "Dampflok" von hinten heranschnaufen, ein Mann, der wirklich das Letzte aus sich herausholt. Den muss ich ziehen lassen, dann folgt noch einer im froschgrünen Outfit eines Pharmakonzerns in der Region. Beim Überholen drückt er mich fast ins Gebüsch, muss ja auch nicht sein! Das spornt an, ich hänge mich an seine Fersen. Ein letzter schattiger Waldrand, dann eine Linkskurve und noch rd. 200 m bis zum Ziel.
Der Froschgrüne kommt nicht wirklich weg, ich nehme mir ein Herz und rase los (die Pulsuhr zeigt mir hier später 4:19), ich schließe auf, bin neben ihm. Hält er dagegen? Nein, er kann nicht mehr, immer schneller fliegen meine Beine, ich mache mir Sorge, auf dem holprigen Weg nicht zu stolpern. Kaum können die Beine das Tempo noch halten, doch endlich ist das Ziel da!
Ich-bin-so-was-von-fer-tig-und-aus-ge-pumpt,
    ich        kann        nicht        mehr...

Chris, der seit 10 Minuten im Ziel ist, erwartet mich an der Linie und hält mir ein Getränk entgegen. Da er schon eine Weile so mit dem Becher bewaffnet dort stand, hatte ihn zwischenzeitlich schon ein anderer Läufer mit der letzten Kraft darum gebeten. Aber es gab genug zu trinken und Chris überließ ihm gern den rettenden Tropfen, holte gleich wieder Nachschub.
Im Ziel steht das Gros des Starterfelds, drängt sich im Schatten.Viele, so auch ich, müssen erst einmal verschnaufen - im wahrsten Sinn des Wortes. Ich muss mich einen Moment setzen, habe keine einzige trockene Faser am Leib, als ich die Cap abnehme, rinnt der Schweiß nur so in die Augen. Noch nicht einmal der Gedanke ans Kuchenbuffet muntert mich wirklich auf, das will etwas heißen! Doch bald hat sich der Körper beruhigt, wir treten, bewaffnet mit Leckereien für daheim, den Rückweg an.
Dann kann der 10er am nächsten Freitagabend kommen!

Endzeit 57:05 (3. AK W50, na wenigstens...), Durchschnittstempo 5:42, Puls 160. Distanzmessung mit Polar Fußsensor 9990m

Samstag, 6. Juli 2013

Change of plans

Eigentlich wollte ich heute eine gute Stunde laufen und morgen einen längeren Dauerlauf, doch mein eidgenössischer Ehemann fand, wir könnten doch morgen bei Köln an einem 10-km-Lauf teilnehmen... Nun ist mir ja als deutscher Beamtin des höheren Dienstes Flexibilität in Fleisch und Blut übergegangen (lacht da etwa jemand...?), also wurde der Plan geändert und ich lief heute nur eine kleine Lockerungs-Runde auf meiner "Hausstrecke".

Schon um 10 Uhr zeigte das Thermometer 23 Grad im Schatten, unser Kater zog da schon ein ruhiges Plätzchen vor.

Ich trabte also los. Eine meiner üblichen Perspektiven ist diese:
Wir machen hier unsere Wolken selber ..., nein, das ist nicht wirklich der Sinn. Es sind Kohlekraftwerke. Das im Vordergrund ist übrigens im bundesdeutschen Vergleich Topklasse im Schadstoffausstoß. Irgendwoher muss ja der Strom für die Klimageräte, die Unterhaltungselektronik (auch im Stand-by) usw. kommen. Also, je mehr Leute ihre elektrischen Geräte in Gang setzen, umso fleißiger pusten sie hier Wolken in den Himmel. Zwar gibt es zunehmend auch Windkraftanlagen in unserer Region, aber wie man auf dem Bild sieht, weht gerade in Bodennähe kein Wind. 
Ein anderes Landschaftsmerkmal gäbe es hier zu sehen:
Genau in der Bildmitte, hinter den Bäumen, liegt ein Berg. Wirklich! Leider nur im Dunst gerade nicht erkennbar. Wir bauen hier nämlich auch unsere Berge selber.... ok, auch das nicht wirklich. Früher, also vor 25-30 Jahren war es dort hinten tatsächlich noch flach. Aber dann wurde der Tagebau begonnen (siehe Post vom 4.7.13), und je mehr und je tiefer man ein Loch gräbt, umso mehr Abraum fällt ja an, bis man auf Kohle stößt. Und der muss irgendwo hin, kann man ja schlecht in Köln auf die Domplatte kippen oder ins Stadion des 1.FC. Also kann man ja auch einen Berg damit bauen. Das ist die Sophienhöhe, höchster Punkt 301 m. Ich werde aber hier baldmöglichst ein Bild ohne Dunst posten, versprochen!

Da wir in diesem Jahr so lange Kälte hatten, sind wir anscheinend an Wärme schon fast kaum noch gewöhnt, denn trotz sehr langsamem Lauf schießt mein Puls auf über 140, der Schweiß rinnt, liegt vielleicht auch an der typisch rheinischen dampfenden Luft.

Am Ende hatte ich 4,5 km in 29:29 Min., Pulsdurchschnitt 142, das kann ja morgen heiter werden...! Aber wenigstens die Beine fühlten sich gut an.

Daheim liegt der Kater nach wie vor gemütlich unterm Bambus:
Körperliche Aktivitäten entwickelt er am ehesten, wenns zum Fressnapf geht...:-) Herzliche Grüße an Brigadier Broccoli!