Donnerstag, 11. Dezember 2014

Laufen in Flohbegleitung

Plötzlich tat sich ein Fenster auf.
Nein, nicht das, hinter dem Kater Hoss sein Näschen warmhält, mich beobachtend,
während ich auf der anderen Seite mein selbiges in den kalten Wind halte, wartend auf ein Satellitensignal.
Nein, es tat sich ein Zeitfenster auf, das mir heute ganz plötzlich ein Läufchen erlaubt.
Ein Adventslaufzeitfenster sozusagen.

Kurz hadere ich mit dem Wetter, denn es stürmte schon nachmittags recht gut, und soll ja noch zunehmen. Ein Blick aus dem Haus gaukelt mir eher wenig Luftbewegung vor. Oder ob das die Ruhe vor dem Sturm ist, bzw. sind wir gar im "Auge" des Hurricans...?
Wenigstens kein Regen, nur etwas nasskalt.

Ich greife angesichts der 4 Grad zu einer zweiten wärmenden Lage an den Beinen. Bewährt sich gut, denn draußen windet es dann doch nett. So bleibe ich im Ort und nutze den Windschatten der Häuser.
Inzwischen sind doch mannigfaltige Lichtinstallationen zu bewundern. Der Trend scheint aktuell in Richtung Kaltlicht-LEDs zu gehen, und zu durch Lauflicht simulierte fallende Eiszapfen (so interpretiere ich das jedenfalls, oder soll es Glitzern darstellen?)
Hingegen scheinen die an den Hauswänden kletternden Weihnachtsmänner etwas ins Hintertreffen geraten zu sein. Oder sind die gar abgestürzt bei ihrem Tun? Ist ja auch ein Sch....Job, sich an Wänden hochhangeln zu müssen wie ein nasser Sack...

Ich laufe etwas unrund, es gelingt mir nicht so ganz, den Stress der letzten Tage abzuschütteln. Und dazu werde ich etwas anderes nicht los, das sich in meinem Kopf eingenistet hat. Ein Musikstück aus dem ach so traurigen Film "Der englische Patient" (Trailer),  auch schon fast 20 Jahre alt, dabei hab' ich den doch erst neulich im Kino gesehen... Jedenfalls geht mir ein bestimmtes wehmütiges ruhiges Klavierstück nicht aus dem Sinn, wer mag, kann es hier hören: Convento di Sant'Anna.
Passt eigentlich gar nicht zum Laufen - vielleicht sitzt der Floh deshalb so fest im Ohr?

4 Grad, 7,4 km, 48:02, (6:29 Min/km), HF 141

Samstag, 6. Dezember 2014

Weihnachtsmarktmathematik

Endlich habe ich heute Zeit, wieder einmal zu laufen, war einfach zuviel Arbeit und Stress. Und es tut richtig gut!

Ich nehme mir einen jahreszeitadäquaten Lauf in drei Etappen vor, nämlich von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt. Nicht dass mein Wohnort sooooo groß wäre, aber man trägt hier immer noch an der Vergangenheit...

Es waren einmal 13 Dörfer, die wurden vor 40 Jahren zwangsvereinigt zu einer Stadt. Die Stadt erhielt den Namen des Ortes, der zufällig damals gerade am größten war, heute würde sie dann anders heißen. Doch die Zwangsehe behagte den Menschen nicht und sie schworen sich, dass sie das niemals vergessen würden, nicht bis in die 20'ste Generation, mindestens! Und so kam es, dass sie hier nie einen gescheiten Weihnachtsmarkt hinbekommen. In diesem Jahr gibts es eine neue Rache-Variante: Drei Weihnachtsmärkte gleichzeitig in drei Ortsteilen. Wäre ja noch schöner, wenn der Nachbarortsteil die Ehre allein hätte!
Also mache ich mich auf, das neue Konzept laufend zu besuchen. Und meine Befürchtungen werden weitgehend bestätigt.

In meinem Wohnortsteil ist die Durchgangsstraße gesperrt. Womit ich wieder einmal in den Genuss komme, Asphalt mittig belaufen zu können. Denn die Stände sind dünn gesäht und die Besucher um die Mittagszeit auch. Völlig neuartige Weihnachtsware gibt es: Socken, Billigmode, Plastiktaschen. Attribut an den Charakter eines Weihnachtsmarktes: Die Verkäufer tragen rot-weiße Zipfelmützen.

Nichts wie weiter!

Im Hauptort wenige km weiter siehts schon etwas besser aus. Dort gibt es einen zentralen Platz, der wenigstens mit Holzbuden bestückt ist, ein schönes Karussell ohne Kundschaft. Die Ware scheint auch etwas weihnachtswürdiger. Aber ein paar kurze Blicke reichen, denn ich bin ja nicht zum Verweilen hier, sondern zur Ertüchtigung.
Ich beschließe, auf dem Weg zum dritten Markt statt Landstraße ein wenig Natur zu genießen.

Zum Beispiel diesen schönen alten Herrensitz mit Edelrestaurant, der am 4. Advent einen privaten Weihnachtsmarkt durchführen wird. Der wäre lohnenswert. Vor allem der Glühwein dort ist exzellent, da nach Hausrezept händisch angerührt. Wäre ich Bayerin, würde ich mich "niadalegn"...
Doch leider, wir werden in den Bergen weilen und müssen dieses Jahr auf den Genuss verzichten.


Der dritte Weihnachtsmarkt ist ein Mittelding aus den beiden vorangegangenen, auch nicht vom Hocker reißend. Schöner als ein Foto dieser mehr oder weniger gelungenen Weihnachtsmarktversuche ist da eher eine Aufnahme aus dem ruhigen Waldweg zwischen den Ortsteilen.
Ruhige Natur, man kann seinen Gedanken nachhängen, ohne dauernd an Ampeln zu Zwangspausen genötigt zu werden.

Meine Weihnachtsmarktmathematik lautet: Drei Drittel ergeben leider kein Ganzes.

Ein schöner Adventslauf mit munteren Beinen hingegen kann zu 100 % Freude machen!




29.11.:
5 Grad, 10,6 km, 1:08:49, (6:28 Min/km), HF 139

Heute:
5 Grad, 14,9 km, 1:35:47, (6:24 Min/km), HF 139

Mittwoch, 26. November 2014

Sehnsucht


Die Sehnsucht befällt mich, kaum dass ich den dicken Zeh mit dem ihn umgebenden Laufschuh über die Haustürschwelle geschoben habe.

Doch zuerst befällt mich ein plötzlich, aber nicht unerwartet aufkommender Regenguss, während ich darauf warte, dass der wieder aufgeladene V800 einen Satelliten findet. Ich erinnere mich an einen putzigen Sketch mit Heinz Erhardt, in dem er ein Lied mit der Textzeile "Ich steh' im Reeeegen..." sang und jedesmal von oben per Gießkanne bewässert wurde. Na wenigstens habe ich den Vorteil moderner Funktionsbekleidung mit heute wasserabweisender Jacke.

Es dauert ...  endlich Signal und ich kann loslaufen und warm werden. Schattige 5 Grad und dazu ein böiger nasskalter Wind kühlen unangenehm aus.
Und verstärken die Sehnsucht.
Die Sehnsucht nach dem Gefühl nämlich wie es ist, nach einer schönen Laufrunde in frischer Luft zurück ins Warme zu kommen. Ich liebe das! Doch obwohl die Dringlichkeit dieses Verlangens meist nach den ersten getrabten Metern nachlässt, bleibt mir dieser Wunsch heute durchgängig erhalten, ja er treibt zu weiter flottem Lauf.
Ist aber auch ungemütlich, da sollte man keinen Hund auf die Straße jagen. Wenigstens lässt der Regen bald wieder nach. Dennoch, muss sein heute. Wieder 2 Tage Sitzung mit reichlich Nahrungszufuhr und sitzender Tätigkeit liegen hinter mir (Die abendliche Gänsekeule mit Klößen und Rotkraut war aber auch ausnehmend gut). Wenigstens erlaubte der Sitzungsort mitten in der Kölner Altstadt 2 erste Weihnachtsmarktgänge - muss auch sein.

Ich renne flott, denn die Knie drohen bereits in eine Kältestarre zu verfallen, na fast jedenfalls.
So spule ich denn eine Runde um den Ort ab, hänge noch eine kleine Schleife dran, wundere mich, dass noch so wenig Weihnachtsdeko im Abendlicht zu sehen ist (Noch eine Erinnerung, Loriot, "Früher war mehr Lametta").

Und in einem Monat ist schon der 2. Weihnachtstag, Kinder, wie die Zeit vergeht!

5 Grad, 8,2 km, 49:16, (6:02 Min/km), HF 140

Sonntag, 23. November 2014

Zatopek-Prinzip

>Sonne strahlt,
>Kuhglocke bimmelt,
>Misthaufen stinkt,
>Läuferin läuft.
Das Leben kann so so wunderbar überschaubar sein.

Dank preiswerter Flugtickets sind wir für 48 Stunden (und einen Jubilumsanlass) kurz nach "Down-under" geflogen und dürfen die hiesige wunderschöne Herbststimmung geniessen. Eigentlich hatte ich ja beim Einsteigen in Köln auf so eine nette Einstimmung wie im vergangenen Jahr beim Flug nach Linz/Österreich gehofft. Beim Boarding lief seinerzeit in der kleinen Maschine einer kleinen östereichischen Linie Walzer als dezente Hintergrundmusik. Da wären Alphornklänge doch ein adäquates Pendant! Die schweizer Maschine war noch kleiner, doch leider wurde die musikalische Hoffung nicht erfüllt. Ersatzweise ergab der Akzent in den Ansagen von Stewardess und Co-Pilot doch unverkennbar ein instant-eidgenössisches Flair. 


Das Wochenende beschert eine wunderschöne Herbststimmung draussen und rasch werfe ich mich heute in meine Laufkleidung. Doch da muss ich das Zatopek'sche Zitat um eine Zeile erweitern:
>V800 funktioniert ... nicht!
Daheim noch frisch aufgeladen (bisher hatte der Akku prima funktioniert), gilt hier: Kein Bild, kein Ton. Das Ding stellt sich tot :-(  Aufladen nützt nun auch nichts mehr, denn die Zeit drängt, nachher gehts wieder gen Heimat. Also laufe ich heute technikfrei.
Und noch eine Überraschung: Mir begegnen gleich drei andere Läufer! Eine absolute Premiere, sonst sehe ich hier eher nur vereinzelte Wanderer oder Biker.




















Die Temperatur kann ich auch nur schätzen, denn die knapp 20 Grad, die unser uraltes Thermometer auf dem Balkon zeigt, sind wohl eher den Sonnenstrahlen und dem windgeschützten Aufhängepunkt zu verdanken. Langarm und -bein sind schon angezeigt, also wird es irgendwo um 10 Grad sein. Jedenfalls ist es noch so warm, dass die Misthaufen kräftig ihre Aromen verbreiten.

Es läuft gut. Ich habe keine Ahnung, wie schnell, aber das wird meine Buchhaltung nicht wirklich über den Haufen werfen. Ich schaffe sogar den liebsten Feind auf meiner Route, den Kirchhügel des Nachbarortes. Ich muss zwar kräftig schnaufen, aber einmal mehr in diesem Jahr will ich das Ding knacken. Und ich komme wirklich ohne Gehpause oben an.

Aus lauter Begeisterung laufe ich gleich noch eine weitere Schlaufe, zu einem Aussichtspunkt am anderen Ende unseres Dorfes, der einen schönen Blick auf das vom Dunst verhangene Thun erlaubt:

Im Gegenlicht (erstaunlich, was mein Kamerazwerg da so hinbekommt) ergibt sich fast ein Scherenschnitt mit Alpenhintergrund:

Unterwegs habe ich Gelegenheit, über mich selber zu schmunzeln. Als sich ein Schnürsenkel löst, sucht die Hand als erstes nach dem "Pause"-Knopf der nicht vorhandenen V800.
>Mensch ist Gewonheitstier ;-)

Zufrieden drehe ich um und laufe die letzten paar 100m sanft hügelabwärts. Am Nachbarhof erwische ich noch fotografisch eine glücklich schlummernde Sau in ihrem kleinen Freilauf :-)
Bei diesem Anblick weiss ich, warum ich nur ungern Fleisch esse...


 Ca. 10 Grad, ca. 1 Stunde, ca. 9 km.

Freitag, 21. November 2014

Flucht aus Absurdistan

Ein herrlicher Herbsttag, nachdem gestern der November sein üblich-trübes Gesicht gezeigt hat.
Ich muss raus, raus und das ausnutzen.
Ich muss geradezu weg vom Schreibtisch, an dem ich heute wieder stundenlang das tat, was mich die letzten Tage beschäftigte und auch weiter beschäftigen wird: Das Leben eines alten Menschen organisieren, der dazu nicht mehr fähig ist. Und das bedeutet, Unterlagen zusammensuchen, ordnen, verstehen, telefonieren, Auskünfte einholen, Termine machen, usw. Nicht, dass ich hier herumjammern will. Ich habe diese Aufgabe freiwillig übernommen und habe auch durchaus Erfolgserlebnisse, wenn ich einen Baustein nach dem nächsten zusammensetzen kann. Aber was man da so an "Blüten" im Dschungel der Papiere und Vertragsbeziehungen erleben darf, ist an manchen Punkten an Skurilität, Absurdität bis hin zu Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Da stellt eine Stelle fest, dass der Mensch nicht mehr in der Lage ist, das alles zu verstehen und zu regeln, und teilt ihm dies brav bürokratisch per Bescheid mit, inklusive Rechtsbehelfsbelehrung...

Die eine Rentenversicherung akzeptiert meine Zuständigkeit in dem Fall per Mail, eine andere Rentenstelle will es aber amtlich beglaubigt sehen.

Ich finde einen Rentenbescheid, der freudig einen Zuschlag, Stichwort "Mütterrente", verkündet und die neue Rentenhöhe mitteilt. Nur leider ist die Rente nun niedriger als vorher ohne Zuschlag....

Die Hausratversicherung schlägt gleich eine Vertragsanpassung vor, die nur Vorteile bringen soll.

Dass ich Stunden bei der Bank verbringe, hatte ich nicht anders erwartet, aber wie leicht man mit ein paar Klicks im Internet bei der Post die Post eines anderen Menschen umleiten lassen kann, ist schon sehr erstaunlich.

Die Krönung ist ein fleißiger Handwerker, der es über die Jahre verstanden hat, einen inzwischen fetten 5-stelligen Betrag durch ziemlich überflüssige bis sinnlose Arbeiten in sein Säckel zu manövrieren. Ich käme jedenfalls nie auf die Idee, in ungeheizte Schuppen Isolierglasfenster einzubauen und schicke Terrassentüren... ich würde so etwas aber auch nie jemandem aufschwatzen.
A propos: Kennt  zufällig jemand ein zuverlässig und dezent agierendes Killerkommando...?
(Das war nur SPAß!)

Jedenfalls kreist so genug Adrenalin in meinen Adern, das nach Abarbeitung verlangt...

Die Sonne taucht die letzten noch an den Bäumen verbliebenden Blätter in wunderbares Gold. Der Wind dazu allerdings lässt keinen Zweifel am demnächst zu erwartenden Winter, auch wenn der vielleicht nur kalendarisch sein mag.
Der aufgestaute Stress macht mir eine Art Druckgefühl, so ganz locker läuft es sich nicht. Auch nicht nach der Aufwärmphase. Der Puls will nicht in die sonst gewohnten ruhigeren Bereiche weichen. Aber die Bewegung tut

einfach gut und die frische Herbstluft ihr Übriges. Ich lege meine Route so, dass ich am Ende noch im Laden einkehren und Katzenfutter holen kann.

Interessant, wie schwer doch so ein paar kleine Futterdöschen werden können, wenn man sie läuferisch in einem Beutel an einer Hand mit sich trägt.
Wahrscheinlich ist da doch die Marianne-Methode besser, solche Trainingsgewichte gleichmäßig zu verteilen ;-)

8 Grad, 9,7 km, 1:01:24, (6:19 Min/km), HF 142