Donnerstag, 14. Mai 2015

Verlockungen der Berge

Nach dem GP Bern mit seinen 10 wunderbaren Meilen gönnen wir uns eine Woche Frühlingsferien.
Petrus ist uns gewogen und verwöhnt uns mit fast schon zu warmem Wetter.
Irgendwie komisch, wenn man nach strammem Marathontraining plötzlich "frei" hat und laufen nach Laune angesagt ist.





Heute ist es erfreulich angenehm, bestes Laufwetter, also auf auf die Hausrunde, die sich locker und mit erstaunlich niedrigem Puls nehmen lässt!



Irgendwie ergibt sich das Thema "laufend shoppen"...

Allerdings noch nicht an diesem "Hoflädeli" für Wurst und Geräuchertes, dessen kleine Eingangstür ein "Mutz" (Bär) bewacht.





Bald folgt der Kirchhügel des Nachbarortes, heute schaffe ich ihn laufend! :-)











Oben links vor der Kirche eine 24/24 Stunden geöffnete Verkaufsinstallation. Hier gibt es immer nette Deko-Kreationen aus Beton. Bei Interesse hinterlässt man den angegebenen Preis im "Kässeli", dem an einem Faden über dem Tisch hängenden Sparschweinchen. (Die Hühner sind unverkäuflich)





Für das leibliche Wohl gibts ein Stück weiter Käse, Konfitüren, Wurst und Sirup.












Das Bäre-Lädeli ist leider schon seit Jahren geschlossen. Es scheint eine Art Bäckerei mit Gemischtwarenhandlung gewesen zu sein.
Aber wer shoppen will, käme auch hier zum Zuge .....










... denn das ganze Anwesen steht zum Verkauf. Wer den siebenstelligen Betrag aufbringt, hätte hinterher ein paar Schönheitsreparaturen zu erledigen, dafür aber ein sehr "urchiges" Gehöft.










Gefährlich wirds dann eine Ecke weiter...! Hier hat ein neuer Selbstbedienungsstand eröffnet, wunderbare Tonarbeiten werden angeboten. Gleiches Prinzip: Käufer hinterlassen ihren Obolus im "Kässeli". Sogar Verpackungsmaterial liegt bereit. Hier ist nun doch eine längere Laufpause notwendig, um die Ware gebührend zu begutachten...
Einerseits kann ich der Verlockung widerstehen, denn Geld habe ich keins dabei. Andererseits ist der Weg per Auto hierher doch sehr kurz und damit zugleich eine komfortable Transportmöglichkeit gegeben.

Doch bevor ich mich dieser Versuchung ergebe, erst noch ein wenig Eintauchen in die wunderbare Bergfrühlingslandschaft! Gäbe es Geruchs-Internet wären die Bilder garniert mit wunderbaren Duftwolken aus frisch gemähtem Gras, Wiesenblumen, frischer Bergluft und hier und da ein wenig Gülle

Es gibt sogar Kühe, die ihre Hörner behalten dürfen.














Andere Verlockungen hatten wir vorgestern. Eine Bergtour auf First und Faulhorn war geplant. Steigt man in Grindelwald bei 27 Grad in die Gondel, kann man sich nicht vorstellen, dass die kleinen Schneeflecken da oben sich doch als extrem hinderlich erweisen. Jedenfalls ist der letzte Teil des Wegs bis zum Faulhorn noch schneebedeckt und ich gebe ein Stück unterhalb des Gipfels den Kampf gegen die weiße Masse entnervt auf. Denn der Schnee ist trügerisch. Mal kann man seine Schritte halbwegs gut setzen, mal sackt man unvermittelt bis zum Knie ein. Ein Fehltritt verschafft mir das "Vergnügen", bis zur Taille im Schnee zu verschwinden. Wobei das pappige Weiß sich verdichtet und die Selbstbefreiung ziemlich schwierig gestaltet.
Mein eidgenössischer Ehemann hingegen lässt sich und seine Berggene von solchen Widrigkeiten eher anstacheln: Er arbeitet sich durch bis ganz oben. Worauf er dann aber mit patschnassen Schuhen und Socken zu Tale muss... Überraschenderweise finden wir sogar Frösche - oder sind's Kröten?- in dieser Höhe. Wie die auf 2000 m und höher überleben? Eine Gämse können wir auch in der Bergeinsamkeit auf ihrem Streifzug beobachten, leider zu weit entfernt fürs Foto.
Ab hier nur gucken, nicht lesen:












20 Grad, 11,2 km, 1:11:26, (6:22 Min/km), HF 128

Sonntag, 10. Mai 2015

GP Bern 2015

 "Auuus! Auuus! Das Spiel ist auuuus!
Deutschland ist Weltmeister!!!"
Wer kennt nicht die entfesselte Begeisterung des Reporters beim Endspiel der WM 1954 in Bern?!
Zu diesem historischen Ort begeben wir uns heute, zum Start des GP Bern, dem Lauf mit den "schönsten 10 Meilen der Welt", wie die Veranstalter immer wieder -zu Recht- betonen.

Auf dem Weg von der Bahn zum Startgelände gehen wir an einer Polizeisperre vorbei. Einer der Polizisten ruft uns etwas mit "Köln" hinterher. Da wir keinerlei Erkennungszeichen tragen, schaue ich ziemlich dämlich, während der Polizist munter weiterplaudert. Es ist ein Vereinskollege meines eidgenössischen Ehemannes. Wie peinlich, dass ich ihn in der Uniform nicht erkenne... Er würde auch gern mitlaufen, hat aber Dienst und einen anderen Stress, nämlich den, dass er den ganzen Tag stehen muss und sich nicht hinsetzen darf...
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Original-Stadion von 1954 inzwischen abgerissen wurde, und an dieser Stelle das Stade de Suisse steht. Aber immerhin, an das 1954'er Ereignis wird noch heute optisch erinnert.

Schon von der Bahnstation aus bewegt sich ein endloser Läuferstrom zum Expo-Gelände.
Je näher wir diesem kommen, umso dichter wird das Gewusel.



Alles rennt durcheinander: Die einen wollen noch rasch ihre Startnummern holen, die anderen kommen von bereits absolvierten kürzeren Strecken zurück, andere hasten zum Wertgegenständedepot und natürlich zu den Garderoben und Toiletten. Wir treffen kurz Andi, einen Neffen meines Mannes, der heute auch mitlaufen wird, nachdem er sich bereits kürzlich beim Survival Run in Thun durch Schlamm und Wasser und über diverse Hindernisse arbeitete.


Ich bin unschlüssig, was ich anziehen soll. Entscheide mich letztendlich, und wie sich zeigen soll Gottseidank, für eine ziemlich luftige Variante. Da ich so aber nicht draußen im doch auskühlenden Wind lange stehen will, begebe ich mich in eines der riesigen Umkleidezelte. Wunderbar, eine Ruhe wie im Auge des Hurricans. Da es von hier aus nur rd. 50 Meter zum Start sind, optimal. Zeit habe ich. Während die Elite um 16:00 Uhr startet, ist mein Startblock für 16:40 Uhr aufgerufen.

Der GP ist in 30 Blocks aufgeteilt. Immer wieder erstaunlich, wie diszipliniert sich alle Läufer an die Einteilung halten. Ohne Trennbänder gruppieren sie sich um die großen Tafeln.










Und noch eine Berner Spezialität: Straßenbahnen fahren quer durch das Starterfeld der über 16.000 Läuferinnen und Läufer. Dank des unermüdlichen Ordnereinsatzes kein Problem. Der Start ist erst jenseits der Kreuzung.









Vor dem Start spricht mich ein anderer Läufer an, der hier erstmals läuft. Kein Berner, ich tippe auf Luzern. Es ergibt sich eine muntere Plauderei, während der ich ihm einiges über die Strecke sagen kann. Er fragt, wo ich zuletzt gelaufen sei und singt mir nach meiner Antwort vor "Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben..." Huch, der kennt sich aus!  Er findet noch, das mit den Luftballonläufern sei ja prima, aber er habe ja nun seinen persönlichen Coach...
Ähm...
Mit einem "Machets guet und g'niessets" wird unser Block auf die Strecke geschickt. Also gehts munter plaudernd über den ersten km, habe ich in dieser Form auch nicht nicht erlebt. Am Aargauerstalden kommt uns die Spitze auf ihrem km 15 entgegen. Der spätere Sieger, Tadesse Abraham (SUI) sprintet auf dieser Steigung seiner Siegzeit von 47:57 entgegen. Bald schon folgt die führende Dame (Ich meine, es sei aber nicht die spätere Siegerin). Mein Begleiter rastet aus, applaudiert und ruft. Das sei ja super, dass man die hier sehen könne! Ja, die hinteren Startblocks haben schonmal Vorteile... :-)
Weiter geht es in die Berner Altstadt, wo das Publikum begeistert klatscht und anfeuert. Man nimmt hier wahrlich ein Bad in der Menge. An einer Stelle wird eine große deutsche Fahne geschwenkt, was meinen schweizerischen Begleiter animiert, doch mal mit "Einigkeit und Recht und Freiheit..." lauthals unsere Nationalhymne anzustimmen. Es ergibt sich ein kurzer Gedankenaustausch über die aktuellen Gedenkfeiern zum Ende des 2. Weltkrieges, der dann aber durch eine Steelband umschwenkt auf die Frage nach typisch schweizer Musik.
Wie immer, wird am GP auch in diesem Jahr wieder wunderbar musikalische Stimmung gemacht in unterschiedlichsten Stilrichtungen.

Wir nähern uns der ersten Wasserstelle. Ein gutes System: Wasser immer in weißen Bechern, Iso in schwarzen. Zudem stehen große Wasserreservoirs bereit, in denen man Schwämme u.ä. wässern kann.
Hier verliere ich meinen munteren Begleiter aus den Augen und laufe ab nun für mich weiter.

Die ganz leichten Seitenstiche, die ich noch am Anfang hatte, sind nun bei km 5 weg. Ich genieße meine luftige Kleidung und frage mich, wie die vielen anderen, die teils sogar in langen Hosen antraten, zurecht kommen.
Bei mir läuft es gut. Ich bin mit deutlich unter 6:00-Zeiten unterwegs. Da ja gerade erst der Düsseldorf-Marathon war, habe ich mir keine Zeit vorgenommen und laufe, wie mir ist. Meine beste Zeit hier war 2012 mit 1:35. Wäre schön, wenn es in diese Richtung ginge.


Wir queren die Aare und können am anderen Ufer die nach uns Gestarteten sehen. Aber auch, wie hoch das Wasser steht.
Und genau wegen diesem hat der diesjährige Streckenverlauf eine Besonderheit: Es gibt eine Umleitung. Statt am Tierpark eine besonders steile Stelle absolvieren zu müssen, dürfen wir wegen Hochwassers die etwas leichter ansteigende Jubiläumsstraße laufen. Hier kommen uns zuvor gestartete Blocks entgegen. Ich linse auf deren Startnummern. Mein Mann müsste schon vorbei sein, aber Andi könnte ich eventuell erwischen. Und siehe da, er kommt angetrabt und wir winken uns kurz zu.

Wir biegen ab ins Dählhölzli, ein Waldstück mit weiteren Anstiegen. Ich bin verwundert, dass ich sie ganz gut laufen kann. Selbst hier harren unentwegte Anfeuerungstrupps aus und animieren immer wieder zum Durchhalten.
War mir der 1:35'er-Pacemaker zuvor aus den Augen verschwunden, treffe ich ihn am Thunplatz wieder. Gerade berichtet er einem Mitläufer, dass er eine Minute zu schnell sei. Das hält mich dennoch nicht davon ab, auf der nun wieder abschüssigen Strecke den Schwung mitzunehmen und ihn zu überholen. Einmal mehr wird mir bewusst, wie gut es ist, in Bern den Kursverlauf und vor allem die Steigungen zu kennen. Meine Uhr vermeldet mir nachher 150 Höhenmeter rauf und runter.
Ich nehme an jedem Stand Wasser, auch wenn ich mal wieder den Becher nicht austrinken kann. Doch es ist kein Vergleich zur letztjährigen Teilnahme, als ich mich mit Magenmedikamenten hier

abplagen musste. Als es damals auf die blauen Matten vor dem Bundeshaus ging,war mir ziemlich übel. Aber heute ... ich kann immer wieder überholen, die Beine laufen und laufen und laufen :-)
 Die "Gib Gas"-Aufforderung bräuchte ich gar nicht, weiß ich doch, dass nun bald das Ziel kommt, nochmals das Gefälle der Kram- und der Gerechtigkeitsgasse, aber auch der gefürchtete Aargauer Stalden, ein letzter böser langer Anstieg.









Die Stimmung auf der Kramgasse ist unvergleichlich! Hier tobt das Leben und boxt der Bär, es brodelt wie in einem Hexenkessel! Ein erneutes Bad in der Menge. Man kann gar nicht anders als laufen! Ein Stück weiter unten, auf der Gerechtigkeitsgasse, haben die Restaurants Tische an die Straße gestellt und man kann schon Anregungen für das Abendessen daheim sammeln, so dicht läuft man vorbei.
Und dann kommt der Stalden... Unten nehme ich noch ein Wasser, trinke gehend ein paar Schluck und sage mir, heute ist der Tag, heute LAUFE ich hier das Ding hinauf! Und siehe da, es klappt! Oh wie hatte ich mich 2014 hier gequält, und heute gehts sogar mit einem 6:18'er-Schnitt auf diesem km!
Gerade freue ich mich, als ein Bogen den letzten km anzeigt, als der untere Rippenbogen beim Atmen schmerzt. Ich kann plötzlich nicht mehr tief Luft holen, es geht nur noch Flachatmung. Nun gut, ist nur noch ein km und der ist überwiegend eben. Ich konzentriere mich, sammle die letzten Kräfte und versuche, nicht in Hecheln überzugehen.

Ein wenig beruhigt sich die Rippe und ich kann langsam wieder besser atmen.
Wird auch Zeit, denn der Zieleinlauf naht. Frenetisch jubelt hier das Publikum allem zu, was auf den roten Teppich einbiegt.
Ein herrliches Gefühl!
Im Ziel zeigt mir meine Uhr ...
1:34:06! Heureka, eine neue Berner PB!

Ungläubig und überglücklich, aber auch noch nach Atem ringend gehts langsam durch den Nachzielbereich. Es gibt Wasser, Bananen und für den Heimweg noch weitere Getränke. Überhaupt ist der GP sehr großzügig, was die Leistungen angeht. Es gab sogar 2 Starterbeutel: Einen mit diversen Pröbchen und dem diesjährigen Startergeschenk, 3 Paar Laufsocken. Zudem einen weiteren einer schweizer Supermarktkette gut befüllt mit Nudeln, Müesli, Schokoriegel, Gebäck, etc. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hervorragend.


Im Zielbereich wird dieser lustige Herr im Schwarzwälder Kostüm interviewt.
Auf alle Fälle passt seine Tracht irgendwie, denn gerade läuft das Lied vom Vogel-Lisi, mit dem Refrain "S'Berner Oberland isch schön" und "Grüezi wohl Frau Stirnimaa" mit dem für unsere Ohren unverständlichen Originaltext.
Herrlich!









Meinen Mann und Andi treffe ich am G-Punkt. Es gibt hier Ausgänge nach Buchstaben, an denen man sich im Gewühle sehr gut verabreden kann.
Andi ist nicht ganz zufrieden, erlitt einen Einbruch auf der 2. Hälfte. Mein Mann hatte auf eine sub-1:20 gehofft und knapp verfehlt. Aber so sind doch die Ziele für 2016 schon klar ;-)







Die Getränkeflasche für den Heimweg...
Sponsorseits ist bereits angekreuzt, das man sich aufs nächste Jahr freut, aber auch fast alle anderen "Krützli" kann ich setzen:
Ja, Durst habe ich, es war Weltklasse (vor allem das Publikum), das Ziel habe ich erreicht und letzte war ich nicht, eine Runde hätte ich auch noch anhängen mögen, ja und ha - neue Bestzeit!, nur Zeit für ein Müntschi hatte ich nicht, das gabs erst im Ziel für meinen Mann ;-)

Man muss immer wieder konstatieren: Der GP Bern ist ein MUSS!


Link zum Nacherleben
Knapp 20 Grad, 16,093 km, 1:34:06, HF 160
(Messung des V800: 16,25 km, 5:47 Min/km)

Mittwoch, 29. April 2015

Nachlese: Vom Maß einer Marathon-Messung

Ein kleines Rätsel, das der Marathon nicht nur mir aufgab, war die Distanzmessung. Wie am Ende meines Berichts angemerkt, zeigte mir mein V800 mit 43,11 km runde 900 m mehr an gelaufener Distanz an, als ein Marathon so haben sollte.
Ja und Rainer, der gleichfalls in Düsseldorf unterwegs war, berichtete von einer ähnlichen Messung seiner Suunto.
Mh, das ist doch mal eine Nachfrage wert.
Also kontaktiere ich Polar via FB. Dort bekommt man innerhalb kürzester Zeit eine Reaktion. Wählt man den Weg über die normale Service-Mailadresse, darf man mit 2 Wochen rechnen (selbst erlebt).
So erhielt ich also auf mein Anliegen diese Auskunft:

Das kann mehrere Gründe haben. Die drei wichtigsten sind folgende: 1. Jedes Messsystem hat einen Messfehler bzw. einen Toleranzbereich innerhalb dessen die gemessenen Werte von den tatsächlichen, abweichen können. Bei ALLEN GPS-Systemen liegt dieser bei ca. 1 bis 2 Prozent.
2. Auch die Streckenvermessung unterliegt diesen Toleranzen, so dass eine solche Strecke, selbst wenn sehr hochwertige Messtechnik zum Einsatz kommt, durchaus 100 oder 200 Meter zu lang oder zu kurz sein kann.
3. Die Angabe der Streckenlänge bei einem Marathon bezieht sich auf die Ideallinie. Auf der laufen aber in der Regel nur die Top-Läuferinnen und Läufer die ganze Zeit. Alle normalen Teilnehmer folgen ihr entweder gar nicht oder nur zweitweise. Sobald du aber von der Ideallinie abweichst, machst du aber einen "Umweg", deine tatsächlich zurück gelegte Strecke wird also länger. Auch diese Abweichung kann ich über die 42,195 Kilometer zu einigen hundert Metern summieren.
Insgesamt ist eine gemessene Streckenlänge von 43,1 Kilometern und damit eine Abweichung von 900 Metern also ausgezeichnet, da du vermutlich einfach tatsächlich ein paar Meter mehr als 42195 Meter zurück gelegt hast.
Gerade der dritte Punkt ist der in der Regel der entscheidende. Die Ideallinie, ist wie gesagt und wie der Name ja auch schon deutlich macht, die optimale Verbindung zwischen Start und Ziel. Bei einem perfekt vermessenen Marathon, den es ja wie gesagt auch gar nicht gibt, ist diese Linie 42,195 km lang. Wenn du also immer auf dieser Linie bleibst, ist alles in Ordnung. Das wird aber für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer spätestens an der ersten Kurve unmöglich. Einige wenige laufen sie innen auf der Ideallinie, die meisten aber mehr oder weniger weit entfernt von dieser. Wenn du eine normale 90° Kurve aber außen statt innen läufst, verlängert sich der Weg an einer einzigen Kurve, je nach Breite der Straße, um 10 bis 15 Meter. Du kannst jetzt ja selbst noch einmal überlegen wie viele Kurven es auf der Strecke gab und wie oft du genau auf der Ideallinie um so eine Kurve laufen konntest und bei wie vielen nicht. 25, 50 100? Das gleiche Spiel beginnt bei jedem Ausweich- und Überholmanöver. Wenn du bei jedem Ausweich- und Überholmanöver nur 2 bis 3 Meter zusätzlich zurück legst und du nur ei paar Dutzend Menschen ausgewichen bist, kommen auch dabei leicht 100, 200 oder 300 Meter zusammen. Allein diese beiden Effekte reichen schon vollkommen aus, um die 900 Meter Abweichung zu erklären. Selbst wenn die Strecke gut vermessen war (also viellicht nur ein paar Meter zu lang oder zu kurz) und das GPS perfekt funktioniert hat (der Fehler also deutlich unter 1% lag, was unter guten Bedingungen durchaus üblich ist).

Dass nenn' ich mal eine ausführliche Auskunft, Daumen hoch. Ich bin zu wenig in der Materie drin, um das nun werten zu können, klingt aber für mich halbwegs logisch. Ist ja überhaupt auch nur interessehalber.
Und ich sehe es positiv: Vielleicht liegt ja die Wahrheit in der Mitte, und ich darf mir wirklich eigentlich eine sub 4:30 an die stolz geschwellte Brust heften  :-)

Ja, der Stolz überwiegt nun deutlich! Eine neue PB, Option auf noch ein wenig mehr Verbesserung und die Erinnerung an die etwas zähen letzten km verblasst zunehmend.
Aus Qual wird Quälchen.

Die Regeneration verläuft bestens, schon Montag Abend hatte ich das Gefühl, die Lebensgeister sind wieder da und gehen auf ebenem Grund war auch wieder leicht.
Nun wird der nächste Marathon geplant, und dazwischen noch ein paar kürzere Distanzen.
Heute daher eine erste lockere kleine Runde.

15 Grad, 5 km, 32:02, (6:22 Min/km), HF 131

Sonntag, 26. April 2015

Düsseldorf Marathon 2015

Gelaufen, der Düsseldorf Marathon. Und gefinisht mit neuer PB, wenn auch nicht mit der angestrebten Zeit.
Aber ... alles gut! :-)
Daher ein -relativ- entspannter Post.

Früh am Morgen fuhren wir los zum ausgesuchten Park-and-Ride-Platz, um mit der U-Bahn, die hier auf Straßen fährt, die letzten Meter zurückzulegen. Durch die letzten Pfützen des nächtlichen Regens geht's. Was wohl der Tag in dieser Hinsicht bringen würde...?
Ob wohl die Entenfamilie, die friedlich auf der Autobahn kurz vor D'dorf watschelte, dort ihre Vorfreude auf neuen Regen kundtun wollte?

Vorweg: Die Düsseldorfer können Wetter machen! Beim Start wurde verkündet, frühestens 13:07 kämen erste Tropfen, und die fielen dann sogar noch später und nicht mehr in meinem Lauf!

Und noch was tolles: GENUG TOILETTEN!!! So eine überschaubare Schlange hatte ich noch nie! Für die holde Männlichkeit ist nachher an der Strecke massenweise Gebüsch, aber wir Frauen sind für Dixis dankbar.

Das Starterfeld von etwas über 2600 Läuferinnen und Läufern (Vollmarathon, Staffeln zuzüglich) ist weder zu groß noch zu klein und passt später perfekt auf die Strecke. Nur ein wenig Gedrängel auf den ersten beiden km.
Die Staffeln starten zeitversetzt, so dass sich alles gut verteilt.

Aber noch ist es nicht soweit. Das Getrennt-gemeinsame Team lässt sich erst noch fotografisch verewigen. Sind ja schließlich ganz besondere Momente :-)
Zudem: Auf dem Kopf trage ich eine Köln-Kappe, um den Hals das DUS-Tuch und am Oberkörper ein Kölner Nachtlauf-Shirt. Ich kann keinerlei Benachteiligungen oder negative Reaktionen berichten :-)
Meinen Rucksack habe ich mit Wasser und Maltodextringemisch gefüllt, tragetechnisch die ganze Distanz über kein Problem!

Mein eidgenössischer Ehemann wird später auf der Strecke mehrfach lauern, aber wo genau kann ich schon gar nicht mehr sagen. Gesehen habe ich ihn aber -meine ich- meistens.

Hier der Beweis: Blauer Himmel, unvorstellbar nach dem Regen am Samstag.
Der OB ist auch am Start, als Interviewgast. Er sagt, er würde nur "freizeitmäßig laufen", erst kürzlich habe er auf einer Reise nach Moskau 10 km auf dem Laufband absolviert...
Worauf der Sprecher schlussfolgert, dann liefe ja alles prima in der Stadt, wenn der OB so unterwegs sein könne. Ähm, klassischer Fehlschluss, kann ich nur sagen.





Und ein olympisches Feuer gibts auch! Es wurde extra von dort hertransportiert und flackert am Start. Pünktlich um 9 Uhr wechselt die Musik von Beat auf Beethoven und los gehts!



Wie die Betreuer bei motorsportlichen Veranstaltungen verlasse ich ein paar Minuten vor dem Start die Startaufstellung und wünsche meiner liebsten Frau alles erdenklich Gute und einen genüsslichen Lauf. Ich begebe mich zur Startlinie, um die Elite in Augenschein zu nehmen. Der mediale Fokus richtet sich natürlich ebenfalls auf diesen Punkt, dem entsprechend war dann da auch das Gedränge... Dennoch konnte ich ein paar Eindrücke einfangen.
Während sich einige warm liefen, unterhielten sich andere. Während die Startnummer 1 der Damen sich ruhig auf den Start vorbereitete, fiel die blonde Griechin mit Startnummer 3 weit mehr auf, stellte sie sich mit der Landesflagge und viel Aufhebens in Szene... Wie sich später zeigen sollte, wohl nur in dieser Phase der Veranstaltung. Mit einer Zeit knapp unter vier Stunden landete sie im Feld der Frauen nicht unter den ersten Hundert. Da stellt sich schon die Frage, wie man wohl zu einer solchen Startnummer gelangen kann.
In der dichten Menge konnte ich zu meinem Bedauern meine Favoritin nicht ausmachen - sie, wie sie später erzählte, mich allerdings auch nicht. Sie war zu sehr damit beschäftigt, im Gedränge den eigenen Rhythmus zu finden. Der Streckenverlauf ist für die Zuschauer sehr gut angelegt, ohne lange Gehwege, erreicht man innerhalb kürzester Zeit immer wieder Punkte der Strecke. So kann ich meiner liebsten Frau bei Kilometer 8, 19, 22, 33 und 40 beistehen und sie anfeuern.


Die ersten km laufen gut bei mir, dauernd bin ich zu schnell und muss mich bremsen, was schwer fällt. Erst die Oberkasseler Brücke bei km 9 mit ihrer Rampe und gutem Gegenwind schafft das kurz.  Auf der Brücke sehe ich die Spitze auf ihrem km 19 schon wieder zurück Richtung Innenstadt laufen.






Für mich sieht die führende Dame und zugleich spätere Siegerin von der Brückenrampe so aus:

Auf der anderen Brückenseite, in Oberkassel, ein Bild, das typisch ist für viele Stellen des Laufs: Ganz viel Stimmung, viele Hot Spots, aber auch viele kleine "Privatsupporternester", die alles anfeuern, was auf 2 Beinen daher kommt, ihre Musikboxen uneigennützig auf die Straße richten und Vollbeschallung, teils bis zur Schmerzgrenze erzeugen.
Unglaublich, und da rennt man natürlich wieder! Dicker Pluspunkt für Düsseldorf, eindeutig wird hier mehr aufgeboten als in der Millionenstadt ein paar km rheinaufwärts.


Noch ein Beispiel, die wohl positiv "berüchtigte" Fritz-Wüst-Straße bei km 28,5. Live-Musik, Party, dickes Zuschauerspalier - Wahnsinn. Man läuft immer wieder durch solche Stellen.

A propos laufen: Eigentlich läuft es gut, Puls ok, Tempo ok, aber das Gefühl insgesamt passt nicht dazu.
Der Magen beginnt wieder zu zicken, ich kann nicht so viel trinken, wie ich wollte. Eine Trinkbecherladungsmenge passt eben nicht in einen Magen, der heute wieder nur Schnapsglasmengen entgegennimmt. Wenigstens verrichten die Beine brav ihren Dienst, obgleich sie Müdigkeit signalisieren.
Bei km 32 treffe ich auf Frank Pachura, den liebenswerten Ultratyp mit seinen munteren Lauf-Videos, der sich kürzlich im TV mit Joey Kelly in einem Wüsten-Ultra maß. Es ergibt sich eine kleine Unterhaltung. Er muss auch beißen. Gemeinsam freuen wir uns, dass ab nun einstellige Rest-km vor uns liegen. Wir wünschen uns guten Lauf und er setzt sich langsam ab. Sein Video des Marathons ist hier zu sehen.

Ich dachte, ich hätte einen entspannten Tag und könnte mich amüsieren. Wenn man dann aber am Streckenrand steht und mitfiebert, sieht plötzlich wieder alles anders aus. Bei den ersten Punkten sah alles gut aus, das Lächeln im Gesicht meiner liebsten Frau, wenn sie mich jeweils ausgemacht hatte, bestätigte mir, dass alles im grünen Bereich lag. Innerhalb der zweiten Hälfte änderte sich dies ein bisschen, es war von außen zu erkennen, dass sie nun zu kämpfen und beißen hatte. Am folgenden Punkt steht man dann da und schaut immer wieder auf die Uhr - man weiß auch ungefähr, nach welchen Läufern die ersehnte Liebste auftauchen sollte. Umso größer dann die Freude, wenn sie ins Bild läuft...







Für mich jedenfalls werden die letzten 7-8 km zäh. Die Kniekehlen drohen mit Ungemach, machen aber noch mit. Zu Beginn des zweiten Kö-Abschnitts, ca. km 40, entdeckt mich Das Pulsmesser auf dem Kurs. Nette Begegnung und Motivation, wenngleich kaum danach der linke Fuß plötzlich einen Krampf erleidet, der ihn flugs nach außen dreht. Damit möchte ich allerdings keine sachliche Kausalität formulieren, sondern nur eine zeitliche Zufälligkeit. Dies ist dann doch etwas abträglich und ich muss eine weitere kleine Gehpause einschieben. Bei der mich dann auch noch mein Mann erwischt.

Das letzte Stück wird schwer und schwerer.
Die heiß ersehnte Markierung auf dem Asphalt. Allerdings vermag sie keinen großen Schub bei mir zu erzeugen, ich möchte krampffrei ins Ziel kommen.









In Düsseldorf gibts einen Vor-Zielbereich. Ab hier läuft man in einer Art "Tigerkäfig" zwischen hohen Absperrgittern.
Noch eine Kurve und rd. 300 oder 400 m.










Viel Platz für die Läufer, aber auch durch die Abstufung hin zur Promenade für die Zuschauer.










Endlich - die letzten Meter.
Gerade vor mir huscht noch ein Läufer in Ziel, der mir wegen seiner langen wehenden Haare unterwegs immer wieder auffiel. Mal war er vor mir, mal hinter mir.
Als ich im Ziel ermattet erholungstechnisch gerade mal über einem Gitter abhänge, kommt er zu mir und stubst mich an, zeigt den aufrechten Daumen und bedankt sich für das Zusammenlaufen.

Der Nachzielbereich ist sehr weitläufig. Kein Gedrängel wie in der anderen Stadt am Rhein. Pluspunkt.
Aber gleich auch ein Negativpunkt: Außer Wasser und Bier (Erdinger - kein Alt), finde ich nichts Ess- und Trinkbares. Auch im vollmundig angekündigten Zielbeutel nur eine Flasche Apfelsaftschorle, ein Duschgel und Spaghetti, doch dummerweise habe ich den Campingkocher gerade nicht hier... Ich hätte Bananen, Orangen &Co herbeigesehnt. Aber vielleicht entging es mir in meinem Tunnelblick.

Das Ziel ist erreicht, wenn auch unter großen Leiden - aber dennoch steht die neue PB bei knapp über 4:30! Genial!

Auch wenn das Bild die Freude darüber noch nicht so richtig zum Ausdruck bringen mag, bin ich mir sicher, dass morgen der Stolz und die Freude darüber endgültig Einzug gehalten haben wird!












Einen weiteren Minuspunkt erhält mein Polar V800: Der zeigt mir wahrhaftig 1 km mehr an, also 43,11 km. Das darf ja eigentlich auch nicht sein, denn damit sind auch meine angezeigten Zeiten unterwegs falsch. Aber das nur am Rande.

Ich hätte mir zwar eine 4:20 gewünscht und lag auch lange auf diesem Kurs. Aber nun ja, 4:31:26 sind auch eine PB mit Verbesserung um rd. 9 Minuten. Und so habe ich dann gleich ein Ziel für den nächsten Marathon. Und Hausaufgaben: Wie bekomme ich den Magen auf die Läuferreihe?

13-16 Grad, 42,195 km, 4:31:26, HF 151,
328. von 502 Frauen (und ich wäre 1764. von 2130 Männern ;-) )
Animation zum Nachereleben der Strecke: Polar Flow