Samstag, 21. März 2015

Titzer Volks- und Straßenlauf (10 km)


Für die Trainingsvorgabe des Wochenendes, einen 10-km-Lauf in 55 Minuten, habe ich die Qual der Wahl zwischen Köln, Bad Godesberg oder Titz. Think global, act lokal - ich wähle Titz, eine 8.000-Seelen-Gemeinde im Dreieck Köln-Aachen-Düsseldorf.

Es sind nur knappe 30 Minuten Autofahrt, doch ich komme mir vor wie ganz weit weg. Gegen meinen rummeligen Wohnort im Kölner Speckgürtel ist das hier pures Landidyll. Und so flach, hier kann man die Erdkrümmung förmlich anfassen.

Bei meiner Ankunft muss ich erstmal im Auto sitzen bleiben. Hatte ich unterwegs noch ein blaues Stück Himmel in den Wolkenbergen erspäht, so bläst der kräftige Westwind es zügig weg und dafür eine Regenwand heran. Es schüttet aus Eimern. Auch andere Sportler warten in ihren Gefährten erst einmal ab, wie ich sehe.
Nach einigen Minuten kann ich das kurze Stück zur Grundschule dann doch zurücklegen.

Hier findet gerade die Siegerehrung der vorhergehenden Kinderläufe statt. Mein Auge fällt auf ein üppiges Kuchenbuffet. Das wäre eine Option für hinterher... Ich suche nach dem Bürgermeister, mit dem ich beruflich Kontakt pflege. Und siehe da, ich erspähe ihn in der Volkesschar. Er mich auch, aber ich sehe in seinem Blick kurz die Not, die ich auch gut kenne: Da sieht man ein irgendwie bekanntes Gesicht in einer Menge, aber verflixt nochmal, wer ist das bloß...? Dann fällt aber der Groschen, er fährt sein internes Outlook hoch und gibt mir gleich noch eine Antwort auf eine kürzliche dienstliche Mail. (Darf ich mir nun 2 Minuten im Arbeitszeitkonto gutschreiben...?) Nicht ohne Stolz berichtet er, dass er nachher den Startschuss gibt.
Inzwischen hat der Regen aufgehört. Ich hole meine Startnummer (6 EUR) und trabe mich draußen ein. Ein wenig sorge ich mich um mein linkes Bein, in dessen Rückseite es seit gestern zieht. Doch beim Laufen spüre ich das nicht mehr.
Unprätentiös sammelt sich das überschaubare Läuferfeld (137 Starter) an der Startlinie. Die Sonne scheint, ein Mann mit buntem Hut hält eine Rede, die aber nicht bis zu mir dringt. Kurz darauf gehts los.
Der Kurs macht erst einen kleinen Schlenker im Wohngebiet, um dann in einen fast flachen Rundkurs einzubiegen, der dreimal zu durchlaufen ist. Schnell enteilt die Spitze. Der Regen setzt wieder ein. Ich finde mich gleich im hinteren Drittel wieder, wo man zwischen 5:00 und 5:15 pendelt, eigentlich zu schnell für mich. Doch wie das so ist, man will sich ja keine Blöße geben...
Es geht aus dem Ort hinaus auf Wirtschaftswege durchs Feld. Vorbei am Wahrzeichen des Ortes, einer Windmühle, die aber leider nach dem Pfingstunwetter 2014 nur einen jämmerlichen Anblick bietet, sie ist fast eine Ruine. Nachdem der Wind einen hier gut durchpusten kann, geht es bald wieder zurück in den Ort, windgeschützt durch ein Wohngebiet.

Ich bleibe hinter einem älteren Eifelvereinskämpen, der scheint etwa meine Pace zu laufen. Einmal dreht er sich zu mir, als wir gleichauf sind. Die km-Markierungen irritieren ihn. Erst 5 km und gleich dahinter 8? Ich erkläre ihm, dass wir hier dreimal entlang laufen. "Dreimal?" kommt es erstaunt zurück. Wir laufen weiter als Tandem.
Die erste 3,2-km-Runde ist bald beendet. Die zweite Runde macht mir Mühe, das hohe Anfangstempo rächt sich. Ich muss mich ranhalten. Wie hieß nochmal der wackere Ritter, der gegen Windmühlenflügel kämpfte...? An diesem Stück hier ist Gegenwind, doch auch ein wenig abschüssiges Gelände.
Bei km 5,5 kommen sie schon herangeeilt, erst das Fahrrad und dann die Spitze. Junge kräftige Kerle mit Schritten wie in Siebenmeilenstiefeln und schnaufend wie Dampfrösser. Von hinten sehen sie aus wie MTB-Fahrer, mit Dreck bespritzt bis zum Haaransatz, so sehr lassen sie die Beine fliegen.
Der Eifelkämpe und ich laufen auf einen weiteren Läufer auf. Irgendwie will der Kämpe nicht so recht überholen, linst nach mir, macht Platz. Ehe ich hier weiter mit 5:40 hinter denen herzockele, ziehe ich dann eben doch vorbei.
Das Tief, dass ich zu Beginn der zweiten Runde spürte, lässt ein wenig nach. Ich höre den Kämpen zwar hinter mir, aber er kommt nicht mehr heran. Allerdings nervt mich diese "Hasenrolle" schon, dieses tapp-tapp-tapp. Vorbei gehts zum zweiten Mal an Start und Ziel.
Immer noch höre ich die Schritte hinter mir, erst als ich in die dritte Feldpassage einbiege, verlieren sie sich langsam. Auch kommt von hinten nichts mehr nach. Die Schnellsten sind längst im Ziel und lassen sich wahrscheinlich schon das Buffet munden.

Wegen mir hätte das hier bei km 8 auch schon fertig sein können... ja aber nun. Die letzten 2 km müssen auch noch gehen. Endlich wieder der Ortsrand, noch 1,5 km.
Die wenigen Streckenposten klatschen für den Homerun. Nette Geste. Ich höre hinter mir zwar keine Schritte mehr, kann aber am Klatschen der Posten erkennen, dass da noch etwas kommt.
Eigentlich sollte es ja egal sein, ich laufe mein Rennen und fertig. Aber überholen lassen - wer mag das schon, so kurz vor dem Ziel? So hole ich das letzte Quentchen aus mir raus. Noch 2 Kurven, 200-300 m.
Ich sehe die Schule vor mir und lasse die Beine ausholen. Wie ich später sehe, ist der letzte der schnellste km, mit 5:08 Min/km. Als ich um die letzte Kurve eile und 100m vor mir der Zieleinlauf ist, höre ich die Leute einen Frauennamen rufen, der nicht meiner ist. Da scheint eine dicht hinter mir. Nochmals Gas geben, und dann habe ich es geschafft. Gleich hinter mir die Mitläuferin.
In der Finish-Freude habe ich den falschen Knopf meiner Laufuhr erwischt, es muss eine Zeit um die 53:45 sein, also sehr nahe an meiner PB (53:40) vom Januar. Manno, ich dachte, es wäre flotter. Aber egal, Hauptsache Vorgabe erfüllt.

Auf dem Heimweg noch rasch ein Bild der flachen Landschaft, die dem Himmel ganz viel Platz lässt.

Mein Lieblingsbäcker hat gerade noch offen und leckeren Kuchen für mich. Doch erst einmal lockt die Wonne einer heißen Badewanne :-)


7 Grad, 10 km, 53:44 (104. von 137), (5:22 Min/km), HF 164

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    super! Tapfer durchgehalten, auch wie kein Zugpferd mehr in Sichtweite war. :)
    Der Himmel ist toll - hat es während des Laufs noch geregnet? Hier sieht es ja schon wieder freundlich aus... :D

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    1. Liebe Doris,
      danke. Der Regen ließ beim Lauf nach, teils hatten wir dann sogar etwas Sonne. Doch so schön wurde der Himmel erst hinterher.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke
    Nie schätzt man eine heisse Badewanne (Dusche) mehr als nach einem regnerisch windig-kühlen Wettkampf über Feldweg-Matsch - einfach wohlig herrlich ;-) Und im Rückblick macht es grossen Spass und weckt Zufriedenheit im Nieselregen-Wetter draussen gewesen zu sein!
    Du bist eifrig am Testlaufen, lauftaktisch hochmotiviert unterwegs und hast die Laufeinteilung perfekt im Griff, lässt deine Konkurrenten stehen und schaffst auf dem letzten km die schnellste Pace und eine (fast) PB! Bravo!
    Nun wünsche ich dir gute Erholung und viel Erfolg für die nächste Hälfte der Marathon-Vorbereitung!
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Liebe Marianne,
      danke. Ja, da ich nach solch einem Lauf immer friere, ist die Wanne nachher doppelt wohlig ;-) Ich muss gestehen, das nasskalte Wetter war schon demotivierend. Ein Glück, dass wenigstens beim Start kein Regen war, wenn man einmal läuft, ist es mir dann egal.
      Genau, das war die Halbzeit der Marathon-Vorbereitung... möge es genauso gut weitergehen !
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Herzlichen Glückwunsch, Elke! Läuft bei dir! ;-)
    Der Kämpe war wohl im Tunnel. Dann klappt bei mir das Kapieren und Rechnen auch nicht mehr.

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    1. Danke Dir! Ja ich war auch erstaunt, dass der Herr sich nicht zuvor genau vergewissert hat, was man wie zu laufen hat. Das ging sogar ganz ohne GPS...
      Ich hoffe, bei Frau Pulsmesserin läuft die Vorbereitung auch gut?
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    es liest sich nach einem Kampf, der die letzten Kilometer ewig werden lässt. Aber geschafft. Tolle Zeit, find ich ja. Glückwunsch!
    Gruß
    Anja

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    1. Liebe Anja,
      ja, bei solchen Läufen merke ich immer, dass eben diese Kurzstrecken nicht so meine sind. Das müsste ich dann auch ganz anders trainieren. Dafür bin ich dann doch zufrieden-
      Danke Dir und liebe Grüße
      Elke

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  5. Für mich liest sich das nach einer reibungslos-perfekten Marathonvorbereitung!

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    1. Liebe Lizzy,
      ja, das Gefühl habe ich derzeit auch, es läuft gut. Muss gleich 3x auf Holz klopfen, dass es so bleibt.
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Prima, liebe Elke, Vorgabe eingehalten, alles im Plan für dein großes Ziel! Ich wundere mich nur, dass du für den Kuchen zum Lieblingsbäcker "musstest" - war das Buffet schon leergefuttert? ;-)

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,
      danke, ja, alles läuft. Das Kuchenbuffet war in der Tat beträchtlich dezimiert. Und wie so oft nach solchen Anstrengungen war dann doch der Appetit weg. Der kam erst auf dem Heimweg wieder.
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Herzlichen Glückwunsch! Eine tolle Zeit und eine gute Renneinteilung ohne Einbruch! Allerdins im 5er Pace bei euch schon im hinteren Drittel? Und Kuchenbuffet nach 55 min leer gefuttert? Da werde ich sicher nie nie nie an einem 10er starten.

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    1. Hallo Roni,
      ohne Einbruch aber mit Anstrengung. Ja, da ging vorne gleich die Post ab. Ich denke mal, da waren viele Ambitionierte dabei, weniger reine Spaßläufer. Der Lauf zählt für eine Kreismeisterschaft. Am Kuchen haben viele mitgefuttert, scheint, es war für viele gleich ein Familienereignis. Für einen neuen Streckenrekord hätte es eine Prämie von ich glaube 500 EUR gegeben. Vielleicht war das auch ein "Triebmittel"?
      Liebe Grüße
      Elke

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  8. Liebe Elke,
    das ist ne super Zeit. Glückwunsch zum erfolgreichen Finish :-)
    So ein 10er kann ganz schön anstrengend sein. Aber du hast das ja gut gemeistert.
    Und ich den du kannst bestimmt 2 Minuten Arbeitszeit aufschreiben wenn du doch die Antwort auf eine Email sogar persönlich abgeholt hast :-))
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Hallo Helge,
      danke Dir. Stimmt, ich finde 10er auch sehr anstrengend und fühle mich hinterher mindestens so gerädert wie nach einem Halbmarathon. Und irgendwie stressiger ist das auch. "Antwort abgeholt" - birngt mich gerade auf die Idee, dass ich da ja dann eigentlich auch Reisekosten abrechnen könnte... Nee, Spaß gemacht ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  9. Liebe Elke,

    137 Läufer, in so einem kleinen Läuferfeld fürchte ich immer einer der letzten zu sein ;-)

    Du hast Dich gut durchgebissen und Deine Form stimmt. Es muß ja nicht immer eine neue PB sein ;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      jetzt stapel mal nicht so tief. Nach hinten ist schon noch ziemlich Spielraum. Danke, ja, ich bin auch soweit zufrieden.
      Liebe Grüße
      Elke

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  10. Die Vorbereitungen läuft ja wirklich wie am Schnürchen! :)

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    1. Lieber Markus,
      ja, den Eindruck habe ich auch, so darf es bleiben ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  11. Antworten
    1. Hallo Daniela,
      och jo, watt mutt dat mutt ;-)
      LG
      Elke

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  12. Ich mag deinen Berichte und hätte auch mal große Lust auf so einen kleinen Lauf.
    Das letzte Foto macht tolle Stimmung.
    Und du bist perfekt im Plan, tolles Gefühl, oder?
    VG von Birki

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    1. Hallo Birki,
      ja, war ein sehr familiärer Lauf. Und ja, läuft alles bestens... :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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