Sonntag, 6. August 2017

Windige Sachen


21°, leicht bedeckter Himmel - ein Läuferwetter"träumschen", wie der Rheinländer sagen würde. Ich muss gemütliche 16 km abspulen und entscheide zunächst einmal unsere neue Megabaustelle anzuschauen. Sieht harmlos aus, eine Bundesstraße über eine Brücke, die für 4 Wochen voll gesperrt wird, um sie verkehrsfreundlicher auszubauen. Doch muss man wissen, dass sie die einzige direkte Verbindung zweier Ortsteile mit rd. 30.000 Einwohnern ist. Zudem führt sie über eine Autobahn und schneidet ein Autobahnkreuz an. Somit fallen auch diese Zu- und Abfahrten aus. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen herrschte regelmäßig, und freitags ganz besonders heftiger Stau, eine Abhilfe also ist dringend notwendig. Nun müssen sich seit gestern alle für 4 Wochen (wenn der Plan gehalten wird, oder sind Berliner Firmen mit am Start?) neue Wege suchen. Die Fahrt zwischen beiden Ortsteile erfordert ab sofort mehrere km Umweg.
Jedenfalls herrscht hier nun eine gespenstische Stille.
Und da man anscheinend mit der Renitenz der Bevölkerung rechnet, werden die Sperrungen sogar von Posten bewacht.

Ich nutze die Gelegenheit, über mich selbst (und die meisten anderen Radler und Fußgänger) zu schmunzeln. Obwohl kein Auto weit und breit ist, bleibt man brav auf dem Radweg. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, Pawlow lässt grüßen. Nur 4 Nonkonformisten (Bildmitte) geben sich den vollen Kick auf der Straßenmitte.

Ich kurve ein wenig durch Kerpen-"City" (Der Ortskundige versteht die ") und strebe auf einem Radweg Manheim-neu zu. Dabei passiere ich die Rückseite eines Autohauses, erhasche einen Blick auf die Vorderseite mit den Schaufenstern. Als ich schon ein paar Meter weiter bin, registriert mein Hirn, dass da doch was war...

Also zurück und über einen Grünstreifen hin zur Objektinaugenscheinnahme.
Oh wie schön! Aber das Fotografieren ist dank der blitzblanken Scheiben gar nicht so einfach...

Erster Versuch. Früher (also zu einer Zeit, als man noch Filme in den Fotoapparat einlegte) sah so eine klassische Doppelbelichtung aus.






Nächster Anlauf, einmal um die Schaufensterecke. Ich bin begeistert. Man beachte beispielsweise das hübsch ziselierte Seitenfenster!










Dritter Versuch, noch eine Scheibenecke weiter.
Ich glaube, ich muss da mal zur Öffnungszeit hin!











Hinter Manheim-neu verlasse ich meinen üblichen Weg entlang der Landstraße, teste eine neue Variante. Lohnt sich. Keine Autos, wunderbare Ruhe.
Nur der Wind...
Auf den ersten Kilometern in südlicher Richtung kam er von vorn. Nun laufe ich ein Stück nordwärts. Und der Wind?
Kommt von vorn.
Dann gehts ein Stück westwärts.
Und der Wind?
Kommt von schräg vorn.

Ist mir aber heute egal. Den Jungkühen auf der Weide sowieso. Ein seltener Anblick in unserer Region, Kühe draußen.

Die Beine sind heute lockerer als bei den letzten beiden Läufen. Ich hege die Vermutung, es könnte an den Schuhen liegen, denn heute habe ich etwas härtere Exemplare an den Füßen.

Die 16 km kommen mir sehr kurzweilig vor. So sollte es immer sein.
Am Ende laufe ich ostwärts.
Und der Wind?
Kommt von HINTEN!👍

Daheim angekommen, erhasche ich noch die Endphase des Herrenmarathons der WM in London. Doch mit der Reportage vom Donnerstag muss man die Bilder (wieder einmal oder immer mehr) ganz anders sehen: Geheimsache Doping: Wie Afrikas Sporthelden verkauft werden. Diesmal geht es weniger um Sperren, sondern um andere windige Schachereien. Die unschöne Seite des Sports.

21°, 16,2 km, 1:44:00

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    soso - ein Großstadtlauf sozusagen! ;)
    Zu Bild 2: ich verstehe die Radler schon, die auf der Seite bleiben. Ist doch viel netter, den Büschen entlang zu fahren, als mitten auf der Straße! :)
    Die WM-Übertragung hab ich heute auch nach dem Laufen noch angesehen. War ja sehr spannend! Die Reportage kenne ich noch nicht. Die werde ich mir heute vielleicht noch ansehen. Ich hoffe, sie ist nicht so deprimierend, wie eine, die ich mal über sogenannte "Sportmanager" gesehen habe, die afrikanische Läufer unter Vertrag (sprich: ausgebeutet haben. :(

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    1. Liebe Doris,
      Großstadt - ähm, für unsere Verhältnisse sind wir "Land" ;-)
      Hast Du den Damenmarathon geschaut? Das war ja wirklich gegen Ende atembereaubend!
      Oh, ich fürchte, der Ljnk wird Dir genau diese Reportage zeigen. Genau, ich fands auch deprimierend. Ich dachte, die Sklavenhaltung sei abgeschafft...!
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Puh, das ist zwar nicht die Dokumentation, die ich meinte, aber sie sagt auch nichts besseres/neues. :( Ich habe vor ein paar Jahren mal eine aus Österreich gesehen, in der es genau um das gleiche Thema ging. Die Ausbeutung der Läufer, die wenn sie Pech haben und an einen Ausbeuter geraten, noch nihct mal die Prämien bekommen, die man ihnen versprochen hat.
      Seit dem sehe ich die Läufer/innen aus Afrika, die hier bei allen möglichen kleinen Läufen starten (müssen?), mit ganz anderen Augen. Die können wahrscheinlich gar nicht verstehen, dass wir das alle einfach nur aus Spaß machen...

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    3. Stimmt, da sieht man die afrikanischen Starter mit anderen Augen. Ich finde es schlimm. Wäre mal eine interessante Frage, wie sie den Breitensport sehen. Ob man die ihnen schonmal gestellt hat?
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. 16 km? Zunächst dachte ich, mit ElliptiGo ... aber du bist gelaufen! Unglaublich! Aber sag, was hat das mit der Schuh-Härte zu tun? Und was gibt es da überhaupt für Alternativen/Unterschiede?

    Ich nenne dieses windige Phänomen übrigens 'Drehwinde' :-)

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    1. Liebe Irina,
      nun ja, für Marathontraining ist das noch eher harmlos...
      Gedämpfte (also "weiche") Schuhe oder nicht- darum gibt es wahre Glaubenskriege. Wenn man längere Distanzen läuft, merkt man da deutliche Unterschiede. Was beim ersten Anziehen so schön weich ist, wird beim Laufen manchmal zu weich, zu anstrengend. Ähnlich vielleicht wie eine Matratze, bei der man morgens gerädert wach wird. Eigentlich hat jeder Läufer so seine Lieblingsschuhe und Vorlieben beim Kauf, der eine hat lieber wenig Dämpfung, der andere läuft "Sofas".
      Hihi, "Drehwinde", gute Bezeichnung :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Liebe Elke,

      heute habe ich es auch mal mit härteren Schuhen probiert und siehe da, es hat besser geklappt. Danke für den Tipp :-)

      Knullz ... Irina

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  3. Liebe Elke,

    da hast du ja jetzt die nächsten 4 Wochen endlich deine freie Strasse, die nicht von Sherrifs bewacht wird.
    Und das Wind Phänomen kenne ich auch. Ich würde es als Murphys Wind bezeichnen.
    Gruß!

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    1. Liebe Roni,
      ja schön wärs, aber die straße wird verbreitert und da müsste ich dann wohl einen Slalom um Arbeiter und Maschinen hinlegen.
      Echt, Ihr habt den auch, diesen drehenden Wind? Der sich auch dann immer legt, wenn Läufer/in gerade den lauf beendet hat? Schon verrückt, und Murphy ist dabei ein guter Name ;-) .
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,

    ohne Ordnungskräfte scheint bei Euch einfach nichts zu gehen. Da würden sich sonst auch schon mal Läuferinnen auch stillgelegten Autobahnen rumtreiben :-P

    Doping oder aberwitzige Gehälter oder Ablösesummen, der Profisport geht mir schon lange am Popo vorbei.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      hihi, vielleicht müssen gerade deshalb dort 2 Posten die Zeit verbringen... Oder, da Taxen, Busse, Feuerwehr und Rettungskräfte drüber dürfen sollen, muss vielleicht kontrolliert werden, ob so ein rotes Fahrzeug wirklich Feuerwehr ist? Kann sich ja jeder einen blauen Knubbel aufs rote Autodach setzen...
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Die Kuh-Tuffewölkchenidylle kann locker mit der Schweiz mithalten. Jedenfalls auf dem Foto ;)

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    1. Liebe Lizzy,
      ja, das ist auch ein kleiner malerischer Flecken... Man beachte, die frisch gepflanzten Bäume, das wird mal eine sehr schöne Weidewiese mit natürlichem Schatten.
      Aber Schweiz ... ist schon eine Nummer schöner!;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    schöne kurzweilige 16 km :-)
    Und das bei euch da Kühe auf der Weide rumstehen, bedeutet vielleicht das es doch besser wird? Vielleicht lernen die Menschen?
    Wobei der Beitrag über die afrikanischen Läufer wieder das Gegenteil beweist. Ich würde Manager, Staatsbürgerwechsel und so Zeug einfach verbieten. Oder einfach Sport nur noch auf Amateurbasis erlauben. Wenn man kein Geld mehr verdienen kann, dann würde das doch alles aufhören, oder?
    Schrecklich, einfach nur schrecklich.
    Und dabei kann man doch auch völlig ungedopt schöne 16 km laufen :-)
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      ich kann nur hoffen, dass die Menschen lernen. Gerade sehen wir ja mal wieder beim Thema Ei, wohin Geiz-ist-geil führt. Jedenfalls freue ich mich beim anblick dieser glücklichen Kühe!
      Tja, das Thema Sport... früher gabs ja mal den Amateurstatus, was dann aber auch zu vielen Problemen führte bei der Auslegung. Die Doku zeigte ja auch gut, dass ein Sportler auch von irgendwas leben muss. Nur die Fehlentwicklungen, das ist ja das, was man unterbinden müsste. Doch ich glaube, der Sumpf geht kaum noch trockenzulegen.
      Genau, da laufe ich dopingfrei meine LANGSAMEN 16 km, und lasse es mir dabei gut gehen.
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Ha, von wegen langsam. Sieh es mal im Vergleich zu den ganzen Leuten, die ihre Freizeit ausschließlich vor dem Fernseher verbringen. Die sind ja wohl allesamt langsamer als wir :-)))
      So gesehen gehören wir bestimmt zu den schnellsten 25% in Deutschland. Wahrscheinlich noch viel schneller ;-)

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    3. Ok, das sind logische, unwiderlegbare und stimmige Fakten. :-)

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  7. Wow, was ein Auto. Aber wahrscheinlich unbezahlbar. Dann doch lieber laufen laufen und laufen. Egal wie der Wind steht.

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    1. Lieber Markus,
      zum Anschauen sicher schön, aber fahrerisch wohl eher für den Sonntagsausflug. Stimmt, dann lieber laufen :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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