Samstag, 14. Juni 2014

Ahrathon (HM-Staffel)


Der Ahrathon, genauer gesagt, die dritte Austragung, zieht uns als Dreier-Damenstaffel ins Weinbaugebiet an der Ahr, südwestlich von Bonn. Es handelt sich dabei um eine etwas spezielle Veranstaltung, eine Art deutscher Medoc. Geboten wird ein sehr bunt gefächertes Programm: Von Marathon über Marathon-Staffel, Halbmarathon und -Staffel bis zu Nordic-Walking und Kinderläufen reicht das Repertoire. Besonders zu erwähnen ist der Kostümlauf, der spürbaren Zulauf erfahren hat, doch auch das Halbmarathonfeld ist mit knapp 500 Startern deutlich besser besetzt als in den Jahren zuvor. Wir können es aus eigener Erfahrung beurteilen, denn dieser Lauf entwickelt sich quasi zu unserer "Traditionsmarke", seit der Premiere 2012 sind wir dabei!
In diesem Jahr hofften wir während der Hitzetage zuvor auf einen gnädigen Petrus und siehe da, er war uns gewogen. Es hat sich deutlich abgekühlt, auf 15-17 Grad, und die Sonne zieht sich dezent hinter Wolken zurück.
Bei unserer Ankunft können wir den Start des Marathonfelds beobachten, knapp über 100 Läufer machen sich auf den Weg.

Start und Ziel liegen im Kurgebiet von Bad Neuenahr, im Parkgelände eines großen Hotels (Letzteres ist schon allein deswegen ein luxuriöses Vergnügen, weil es Toiletten in ausreichender Anzahl gibt!). Unter schattigen Bäumen startet man zunächst entlang einer Allee.

Im Viertelstundenrhythmus gehen die verschiedenen Felder auf die Strecke, es ist ein kleiner Biergarten aufgebaut, so dass das ganze Gelände zum Verweilen einlädt.

Aus unserer Staffel mach sicht Heidrun als erste auf. Da sie die Losung ausgegeben hat, dass wir heute mindestens 6 Minuten besser sein müssen, lässt sie sich nicht lumpen und gleich zu Beginn die Beine fliegen. Waren 2012 noch 12 HM-Staffeln am Start, so sind es nun derer 32. Ob dies echte Konkurrenten sind, oder Teilnehmer, die das besondere Verpflegungsangebot (insbesondere das flüssige) unterwegs ausgiebig genießen wollen, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht.

Während also unsere Startläuferin unterwegs ist, machen Doris und ich uns auf zum Wechselpunkt. Per Auto ist er dank unserer Ortserfahrung bequem zu erreichen und wir können noch ein wenig die Landschaft genießen, denn vom Start/Ziel geht es nun ab in die Weinberge.


Es öffnet sich ein malerisches Panorama über das Tal, das man auch während des Laufs genießen kann. Weit vor uns sieht man als tanzende Farbkleckse die Läufer zwischen den Reben. Doch der Eindruck, dass sich alles auf einer Höhe abspielt, täuscht, zwischendurch geht es immer wieder bergauf und -ab.
Es herrscht gute Stimmung unter den Teilnehmern. Kein Wunder, um die Ecke wartet Essen&Trinken. Lobend sei hier erwähnt, dass die statistische Verpflegungspunktdichte enorm hoch ist: auf der 21-km-Runde (Die Marathonis laufen diese zweifach) gibt es 7 davon, jeweils mit Wasser, Iso, Wein, Obst und Fingerfood. Man muss sich diese Punkte leicht anders vorstellen, als auf normalen Strecken:


Was wie eine lustige Stehparty aussieht, ist die Nahrungsaufnahme der Läufer an einer Verpflegungsstelle. Die Strecke führt übrigens mitten hindurch. Wer auf Tempo bedacht ist, hat zumindest an dieser Stelle keine wahre Freude...






Bald kommt Heidrun den Berg hinaufgestürmt. Das Spezial-Training im Allgäu hat Früchte getragen ;-)
Rasch wechseln wir den Chip auf Doris, die trotz Knieproblemen nicht auf den Lauf verzichten will.






Der nächste Wechselpunkt liegt zwischen Feldern auf einem Hang. Himmel und wogendes Korn geben einen schönen Kontrast.

Am Verpflegungspunkt 5, zugleich zweiter Staffelwechselpunkt, sind einige Biertische aufgebaut und sogar liebevoll dekoriert. Da verweilt man gern ... wenn man nicht gerade noch laufen muss.



Man kann auch fachkundige Beratung des Winzers in Anspruch nehmen, während zwei Gitarristen wunderbare Musik machen. "Summertime - and the Living is easy..." - alles zusammen ergibt eine schöne Stimmung hier oben. Viele Läufer bleiben an diesem wie auch den anderen Verpflegungspunkten gern länger stehen.






Ein Läufer geht einen Bogen um mich und schaut auf meine gelbe Startnummer, die mich als Staffelläuferin erkennbar macht. Ob hier der Wechselpunkt sei, fragt er. Ich kann es bejahen und er erzählt, dass er dank der verwirrenden Informationen falsch unterwegs war und nun 1,5 km hierher gehetzt sei. Doch verschnaufen kann er nicht, denn während wir sprechen, kommt sein Staffelpartner vom Tisch herüber, der schon länger auf ihn gewartet hatte!
Auch ich kann bald von Doris übernehmen.


Es geht seitlich wieder an Weinhängen entlang, und schon bald beginnt eine kraftraubende Steigung.
Besonders die Läufer, die schon zehrende 12 km in den Beinen haben, haushalten mit ihren Kräften und gehen teilweise. Gleiches tun auch diejenigen, die schon gut dem gehaltvollen Flüssigkeitsangebot zugesprochen haben.
Alle sind dankbar, dass wir nun, zur Mittagszeit, nicht die Hitze des letzten Wochenendes erdulden müssen.


 

Während ich so vor mich hinlaufe, dringen plötzlich eigenartige Töne an mein Ohr. Seltsame Instrumente, .. Dudelsack, Leier .... Ich muss eine Weile grübeln, bis ich die mir vertraut vorkommende Melodie erkenne: Es ist die Ode an die Freude ("Freude schöner Götterfunken") - Wow! Trifft es wunderbar. Und als ich bald um die nächste Ecke biege, sehe ich die "Urheber", die nun leider gerade eine Pause einlegen.


Steil geht es bergab und kaum kann ich so große Schritte machen, wie die Schwerkraft es mir erlauben würde. Ich erreiche eine Pace von 4:03!





Wir passieren die Pfeiler einer nie vollendeten Brücke, die heute als Kletterwände genutzt werden.

Nach dieser Stelle folgt noch eine weitere Steigung, aber danach geht es letztmalig abwärts ins Tal und dann nur noch auf flachen Wegen entlang.




Am Ortseingang von Ahrweiler gibt es auch in diesem Jahr wieder einen besonderen Service durch die Polizei, den Freund und Helfer: Für jeden Läufer wird der Verkehr angehalten :-) Ich rufe dem Polizisten zu, dass dies ein schönes Bild werde, und er antwortet artig "Danke".


In Ahrweiler - welche Überraschung! Live-Musik und Nahrung...:-)
Doch die Strecke zeigt auch ruhigere und fast lauschige Winkel Es geht teils entlang der alten Stadtmauer, am Friedhof vorbei und schließlich ein längeres Stück der Ahr entlang. Hier kann ich nochmals ausführlich Taktik üben. Einmal laufe ich auf einen Mann auf, mit dem sich ein längeres Ringen entwickelt. Er mag nicht überholt werden und ich mag hier (noch) nicht meine Kräfte vergeuden. So laufe ich auf gleicher Höhe, gehe aber nicht vorbei. Das behagt ihm nicht, er legt ein wenig zu, setzt sich einige Meter ab. Ich bleibe nicht ganz dicht dran, halte Sichtabstand. Vermutlich läuft er am Anschlag. Und vielleicht verschießt er ja sein Pulver mit unserem kleinen Scharmützel. Am gegenüberliegenden Flussufer sehe ich das Zielgelände, Musik und Lautsprecheransagen schallen herüber. Ich kenne die Strecke: Wir sind auf dem letzten km. Es wird noch einmal über eine Brücke und durch den Kurpark gehen. Ich ziehe an, verlange mir die letzte Kraft ab. Er kann nicht mehr folgen.


Vor dem Ziel  kommt mir Heidrun entgegen, dann auch Doris. Ich schaffe es, auf den letzten 100 m nochmals Gas zu geben.

Endlich im Ziel - die Anstrengung ist vorüber :-)

Leider im Ziel - der schöne Lauf ist schon vorbei :-(








Im Gelände beim Hotel ist inzwischen einiges los, viele Besucher genießen die Athmosphäre. Zwei Schlagzeuger liefern eine mitreißende Show.
Wir verschnaufen, laben uns an alkoholfreien Getränken und beobachten noch ein wenig das Treiben um uns herum.

Mit einem tollen Erfolg können wir nun unserer Medaillensammlung die 3. Ahrtrophäe hinzufügen:


Denn von den 32 Staffeln eroberten wir Platz 9 in einer Zeit von 2:07:11, also eine Verbesserung um 7,5 Minuten! Das legt die Hürde für 2015 hoch, doch wir werden uns ihr stellen!





Es folgen noch einige Eindrücke aus dem Kostümlauf. Klasse, welche Phantasie die Teilnehmer dazu an den Tag legten!

 

 

 


 

 

 

 


Mein Streckenanteil:
16 Grad, 8,5 km, 47:46, (5:38 Min/km), Puls 164

Mittwoch, 11. Juni 2014

Staffelvorbereitungen

Nach dem wirklich extremen Gewitter am Pfingstmontagabend, das wir ohne Schäden überstanden haben, zeigt der Himmel heute immer noch (oder schon wieder?) eine eigenartige Stimmung. Das Gewitter war vorgestern so gründlich, dass die Bahn immer noch nicht aufgeräumt hat. Es fuhr heute Nachmittag kein einziger Zug von Köln nach Düsseldorf.  Schienenersatzverkehr mit Bussen. Das erwähne ich deswegen, weil ich morgen ... traraaa ... nach Düsseldorf muss! Na ich bin gespannt auf das Abenteuer. Auto ist keine Alternative, da es in die City geht.
A propos: Das Abenteuer zur Staffel am Köln Marathon nimmt Fahrt auf, es haben sich insgesamt 8 Mitstreiter gefunden, so dass wir 2 Staffeln angemeldet haben, nachdem alle recht zackig ihren Anteil des Startgeldes gezahlt haben. Es gab schon erste Teil-Gruppentrainings.

Doch zunächst geht es an die "gehaltvollere" Staffel, zum Ahrathon, am kommenden Samstag durch die Weinberge der Ahr. Wie wir feststellten, können wir 3 Damen unsere intime Kenntnis dieses Laufs als Staffel wieder voll ausspielen, denn erneut ist die Beschreibung der Staffelwechselpunkte sehr irreführend und Neulinge haben es schwer, diese eindeutig zu finden. Ob die Veranstalter da selber schon zu sehr die Läufergoodies (klar, eine Flasche Wein!) getestet haben...?
Jedenfalls steht heute natürlich nochmals Training an. Ursprünglich plante ich 10 zügige km, doch die Beine setzen sich durch und es werden 5 sehr zackige km im Renntempo. Fühlt sich trotz der schwülen Luft gut an, ich bin gespannt auf Samstag!

Und weitere Laufabenteuer führte ich mir am Montag (als noch die Sonne schien) virtuell auf der Terrasse zu Gemüte. Einige haben es richtig erkannt: Wigald Boning "Bekenntnisse eines Nachtsportlers".
Köstlich!
Und als Steigerung als Hörbuch von Autor selber gelesen, doppelt köstlich!!
Die Laufanfänge in Oldenburg sind ja noch harmlos, doch schnell wachsen die selbst gestellten Herausforderungen, Treppenlauf in Hotels, Marathon, Ultra, Bergläufe, Radfahren Köln-Paris fast Nonstop. Doch wie im wahren Leben geht nicht alles glatt, so muss ein 24-Std-Feuchtpedaliervorhaben (unsereiner würde sagen: Tretbootfahren) etwa zur Hälfte abgebrochen werden und ein Trailrun durch vermeintlich bekanntes Wandergebiet endet fast mit einem Einsatz der Bergrettung. Man erfährt, warum der Künstler den Hamburg Marathon mit einer gelben Krawatte lief und nun sogar von sich sagen kann, er habe den Olympiasieger Dieter Baumann niedergerungen ... Doch diese Schilderungen machen erst den halben Reiz des Werks aus. Besonders die atemberaubenden Wortkaskaden, die bildhaft-blumige Ausdrucksweise sind hörenswert. Ich habe noch nie drei Fehlversuche beim Diskuswurf mit solcher Verve und Hingabe beschrieben erlebt. Durch das Buch geistert zwar immer wieder Biel als Ziel, doch ist dieser Lauf nicht enthalten. Allerdings -das Internet verrät ja alles- hat der tollkühne Nachtsportler diesen Lauf dann anschließend gefinisht.

23 Grad, 5 km, 27:45, (5:34 Min/km), Puls 138

Montag, 9. Juni 2014

Pfingstmontagmorgenlauf


6:57 Uhr am Pfingstmontagmorgen.
Die Frisur sitzt.
Die Sportkleidung auch, und wir stehen bei duftigen 20 Grad vor der Haustür, ready to go.
Das ist ja ein schönes Vorgefühl auf Morgensport, bis es allerdings soweit ist, war es schon ein kleines Kämpfchen. Erst mit mir selber und gegen die horizontale Anziehungskraft der nächtlichen Liegstatt, und dann noch mit meinem eidgenössischen Ehemann, der zwar am Vorabend sofort "ja" sagte zum Plan des morgendlichen Laufs, nun aber seinerzeit arg gegen das Murmeltier-Gen in seinem Erbgut ankämpfen muss. Doch nachdem wir, ok, ich gestehe es,> ich<, gestern den ursprünglichen Plan eines Spätabendlaufs (angesteckt von Marianne) doch nicht umgesetzt habe/n, gilt nun keine Ausrede mehr.
Auf gehts zu einem erfrischenden Morgentrab. Es ist sehr feucht, mein Mann tippt auf Tau, aber mir erscheinen diese Tropfen auf den Autos doch als etwas arg überdimensioniert dafür. Spätestens beim Feldweg klärt sich die Frage: Die Pfützen am Wegesrand weisen eindeutig auf eine nächtliche Regendusche hin. Und erklärt auch die Luftfeuchte, die wir verspüren.

Und wenn man sich dann einmal durchgekämpft hat zum Lauf, ist es ja auch schön. Eine wunderbare Ruhe begleitet uns. Einmal schallt von fern ein Kirchenglöckchen, Feldlerchen singen hoch über uns ihr Lied. Der Horizont zeigt sich noch in pastelligem Grau. Doch die Sonne steigt und mit ihr spürbar die Temperatur.
Ich bin froh, eine kleine Wasserflasche dabeizuhaben. Überhaupt ist auch das Laufen mit leerem Magen sehr ungewohnt für mich und ich zweifle anfangs ein wenig, ob das eine gute Idee war. Doch die Zweifel legen sich bald. Wir hatten ca. eine Stunde angepeilt, spontan schlage ich unterwegs einen kleinen Schlenker vor, den ich kürzlich entdeckte, und der die Strecke einen guten km verlängern wird. Gesagt, gelaufen. Die kleine Variation bietet der bescheidenen Brise, die weht, volle Angriffsfläche auf uns. Wäre dies im Winter unangenehm, so freuen wir uns nun über die kleine Erfrischung, denn wir laufen glänzend - schweißglänzend.

Wir begegnen ersten Gassigängern und einzelnen Radfahrern. Ansonsten können wir unsere traute Zweisamkeit genießen.
Trotz der zunehmenden Wärme läuft es gut. Ich bin erstaunt. Die ersten km war der Puls erstaunlich niedrig. Nun klettert er zwar ein wenig, doch das Tempo ist auch recht hoch (für mich).
Aber der Frühstückstisch lockt...
Mein Mann zieht das Tempo die letzten paar 100 m an, will gar einen Schlussspurt zu Eiern und Croissants hinlegen ;-)
So sitzen wir dann kurz vor 9 Uhr an einem herrlichen Frühsommermorgen wunderbar innerlich und auch äußerlich erfrischt hier:


Und gleich werde ich die Terrasse mit dem Liegestuhl aufrüsten und mich einem ganz wunderbaren Buch der Läuferliteratur hingeben, das jeder, der Spaß am Laufen hat, gelesen haben müsste. Oder noch besser: Sich vorlesen lassen müsste, vom Autor selber. Von 0 auf Marathon und dann nach Biel.
Geschrieben von einem, dem man solche Sportaktivitäten gar nicht zutrauen würde.
Der sonst nur für schräge Klamotten bekannt ist, und uns früher Samstag Nacht erfreute.
Doch davon später mehr.

Ach das Leben kann so schön sein!!!

20-23 Grad, 12,1 km, 1:15:39, (6:13 km/Min), Puls 133

Freitag, 6. Juni 2014

Rheinischer Backofen und normannischer Strand

Der Sommer ist da! Während ich noch heute Mittag mit meiner Friseurin gemeinsam Vorfreude auf das als sehr sommerlich angekündigte Pfingstwochenende austausche, ändert sich zumindest meine Meinung ziemlich rasch, als ich dann am späten Nachmittag zu einer Runde aufbreche. Anfangs reicht noch der gut spürbare Wind zur Kühlung, doch schon bald fühle ich mich wie in einem Backofen, die 25 Grad potenzieren sich subjektiv geradezu.

Aber ich will das jetzt so! Schließlich steht in 8 Tagen der Ahrathon an, den wir als Damenstaffel zu dritt starten werden. Und da will man ja trainiert sein! Wenn es so weitergeht, haben wir gute Chancen irgendwann einmal zu den amtlich  bestätigten und womöglich ehrennadelverzierten Dauergästen zu gehören, denn seit der Erstaustragung 2012 haben wir keinen Lauf ausgelassen ;-) Dem profilierten Gelände und der besonderen Verpflegungsposten (Nach dem Medoc-Prinzip, wer Wasser nimmt, ist selber schuld ;-) ) gemäß liegt unsere letztjährige Zeit bei einer nicht näher erwähnenswerten Größenordnung, doch der Spaß am Lauf steht dort eindeutig in Vordergrund. In diesem Jahr gibt es neben den Kostümprämierungen noch einen "Stöckel-Stelzen-Flossenlauf", was immer das auch sein wird.

Gern verliere ich mich bei etwas längeren Läufen, und heute besonders zur Ablenkung von der Hitze, in irgendwelchen Gedanken. Kurz vor dem Loslaufen sah ich zufällig Bilder der Feierlichkeiten am Strand der Normandie zur Landung der alliierten Truppen 1944. Das erinnert mich an einige schöne Aufenthalte dort, u.a. in einem netten kleinen Hotel am Omaha-Beach. So rekapituliere ich die noch im Kopf vorhandenen Urlaubsbilder, die netten Begegnungen mit den Menschen dort, das Essen (lassen wir französisches Frühstück einmal außen vor). Wenn ich die Augen schließe, lässt der Wind fast die Illusion entstehen, ich sei dort, es fehlt nur das Meeresrauschen und die salzige Seeluft. Rasch daheim im Dateiendschungel geforscht und einige schöne Impressionen gefunden, kleiner Gruß an die Nachbarn im Westen:









Ach wie gern läge ich nun dort am Strand...!
Unglaublich sich vorzustellen, was dort vor 70 Jahren ablief. 7 Jahrzehnte - das mag langlang zurück liegen. Doch wenn ich mir vergegenwärtige, dass ich gerade einmal 16 Jahre danach geboren bin, und 16 Jahre ungefähr der Zeitraum ist, den ich in meinem heutigen Job bin, dann erhält dieser Zeitraum plötzlich eine ganz andere Perspektive. Es gibt übrigens noch viele Bunker und andere Kriegsbauwerke dort zu sehen, die einen schaudern lassen können.

Mit meinem Lauf heute bin ich trotz der Bedingungen sehr zufrieden. Und dem Lauf am Dienstag gingen immerhin 8 Stunden schweißtreibender Gartenarbeit voraus.


Lauf heute:
26 Grad, 12 km, 1:17:22, (6:26 Min/km), Puls 134

Dienstag:
22 Grad, 5 km, 31:42, (6:25 Min/km), Puls 140

Sonntag, 1. Juni 2014

OH-Lauf (10 km)


High-Noon am Sonntag. Kurzentschlossen nehmen wir am Oswald-Hirschfeld-Erinnerungslauf teil, einem Volkslauf mit familiärem Charakter im Kölner Norden.

Gestartet wird in Köln-Bilderstöckchen im Blücherpark, einer Parkanlage mit viel altem, bildschönen Baumbestand.


Es geht beschaulich zu. Parkplatzsuche ist kein Thema, das Läuferfeld ist übersichtlich (191 Teilnehmer für die 10 km, die heutige "Königsdisziplin", zudem die Läufer der kürzeren Distanzen und Walker).
Das Zielgelände liegt auf einer grooooßen Picknickwiese, so dass gegebenenfalls mitgebrachte minderjährige Familienmitglieder wunderbaren Zeitvertreib haben können. Der Start ist 100 m weiter.
Und während die einen sich startklar machen...


... sitzen die anderen mit Blick auf den Bootsteich (warum liegen eigentlich alle Leihboote am Steg?) und genießen den Blick auf die Wogen und ihr Mittagessen.









Ich laufe mich ein wenig ein und treffe in einem Carrée im Park auf 2 steinerne Löwen, die unter schattigen Bäumen wachen. 

A propos schattig: Die heutigen 19 Grad fallen unter dem Blätterdach eher kühl aus, während sie in den sonnenbeschienen Partien deutlich wärmer wirken. Zudem spüre ich einen Muskelkater in den Oberschenkeln - was Gartenarbeit so alles erzeugen kann...

Wir freuen uns auf einen schönen Lauf!
Um den Unterhaltungswert zu unterstreichen, habe ich irgendwie meinen Pulsmesser verbummelt. Den Gurt hatte ich daheim angelegt, die Messeinheit an einer Seite in die Halterung gesteckt (Einseitig, damit nicht schon die Batterie angezapft wird). Im Auto merke ich, dass die Einheit weg ist. Bei einem "großen" Lauf hätte mich das dann wohl an den Rand des Nervenzusammenbruchs geführt, aber heute sage ich mir nur, dass sich das Ding schon wiederfinden wird.

Am Start steht man locker zusammen. Obwohl die Zeit für alle ab dem Startschuss läuft (es gibt nur eine Zeitmessung im Ziel), gibt es keinerlei Geschubse und Gedrängele.

Während ich gerade noch meine "Bereifung" kontrolliere (Blinkt der Distanzmesser? Habe ich einen doppelten Knoten in den Schnürsenkeln? Sitzt die Zeitmessschlaufe gut am anderen Fuß?) ertönt urplötzlich und ohne Vorwarnung der Schuss. Auch einige andere schauen kurz irritiert, aber dann setzt der instinktgesteuerte Läuferimpuls ein und alles stürmt los.
Das erste Stück geht durch Alleen alter ehrwürdiger Bäume. Und obschon ich mir ja nur einen guten Trainingslauf vorgenommen hatte, spüre ich, wie der Geist des Namensgebers des Parks, der preussische Generalfeldmarschall Blücher, ein wenig von mir Besitz ergreift. Zu Beginn lasse ich mich zwar willig von den Sprintkanonen überholen, doch irgendwann ist auch mal gut, ne?

Nach den Parkalleen geht es hinüber in eine Schrebergartensiedlung. Hier sehe ich schon nach rd. 1,5 km den ersten Läufer stehend am Wegesrand. Nanu, sooo selektierend ist es hier doch wirklich nicht...!
Zwar können die angedrohten wahrhaftigen unwahrscheinlichen 9 (In Worten NEUN) Höhenmeter (Addition aller "Anstiege" 45 m) durchaus "fordernd" sein, aber die kommen ja erst noch. An einer ersten kleinen Brücke steht ein älterer Herr, sicherlich im früheren Leben einmal Trainer und ruft seine Kommentare ins Feld "Ja, die Arme schön nach vorne mitnehmen und SCHWINGEN!". Ich nehme mir vor, mich bei 5:30 Min/km einzupendeln, was mir dann erstaunlich gut gelingt.

Bald geht es durch eine offene Wiesen- und Baumlandschaft, in der sich wiederum Schrebergärten verbergen. Von hinten höre ich zwei Herren sich schwatzend nähern. Langsam schieben sie sich an mir vorbei, ein jüngerer und ein älterer, anhand ihres Slangs erkennbar türkischen Hintergrunds. Ich lasse es mir gefallen und hänge mich dran, laufen die beiden doch genau mein Tempo und außerdem ist hier Gegenwind. Der jüngere könnte flotter, doch der ältere hat schon leichte Mühe. Die Unterhaltung wandelt sich zum Zuruf einzelner Worte und Satzbrocken. Von hinten nähert sich eine junge Frau in körperbetont eng sitzender Kleidung, mit wehendem blonden Pferdeschwanz. Ich lasse sie passieren. Die beiden vor mir müssen sie notgedrungen ebenfalls passieren lassen. Es setzt ein paar türkische Worte, die ich allzugern verstanden hätte und danach herrscht Schweigen. Der ältere muss abreißen lassen, der jüngere lässt sich zu ihm zurückfallen und ich gehe auch an ihnen vorüber.

Bei km 5 gibt es eine Getränkestelle. Ein Wasser würde ich gern nehmen, mein Hals ist trocken. Es gibt nur eine Sorte Becher. Als ich danach greife bemerke ich den Aufdruck "Dextro". Das würde ich nun auch nicht gerne wollen, aber ein Schluck täte gut. Doch als die Flüssigkeit in meinen Mund rinnt - uuuuaaaah! Sprudelwasser!!! Wie kann man denn auf diese Idee kommen?

Eine Weile später sehe ich einen jungen Mann am Wegesrand gehen. Ich laufe vorbei, aber das scheint ihm nicht zu schmecken, mit seinen schlacksigen-staksigen Schritten kommt er von hinten an und schert so knapp vor mir ein, dass ich ihm fast in die Hacken gerate, ohne dass ich das wollte. Bald überhole ich ihn wieder, erneut versucht er an mir vorbeizugehen, aber dann schafft er es doch nicht nochmals.

Ich bin erstaunt, dass es doch relativ gut klappt, die Beine laufen rund, die Energiebereitstellung funktioniert. Gern hätte ich ja meinen aktuellen Puls gewusst...
Ich grübele, ob ich in diesem Tempo weiterlaufen kann bis ins Ziel, oder ob mir ein Einbruch droht. An der Strecke befinden sich keine km-Markierungen, und auf meiner Uhr kann ich die gelaufene Distanz ohne Brille nicht gut erkennen. Nur anhand der Zeitangabe (diese Anzeige ist größer) kann ich mich grob orientieren.

Eine Weile laufe ich in Schrittweite zu einem Teilnehmer mit wehender Lockenpracht, mal ist er vorn, mal ich, dann doch wieder er. Ca. 2 km vor dem Ziel versucht er, nach vorn wegzulaufen. Meine Polar zeigt mir 5:13 Min/km, soll ich dranbleiben? Ach, ich habe nichts zu verlieren und fühle mich noch immer ganz gut und überhaupt - wenn schon, denn schon! Ich entscheide, mich nicht abhängen zu lassen, bald lässt der andere nach, ich komme vorbei, kann mich absetzen.
Schon sehe ich von weitem das Ziel, doch erst heißt es noch einen Bogen daran vorbei zu laufen zum Südende des Parks. Erst ab dort geht es wirklich auf zur Zielmatte.
Mein eidgenössischer Ehemann ist natürlich schon da und kommt mir entgegen.


Ich reiche ihm meine Kamera und so kann er diese dynamische Bewegungsstudie schießen.
(Die anderen Bilder habe ich sicherheitshalber gelöscht...).

Noch 400 m, ruft er mir zu. Wie so oft, erlebe ich mein "Letzter-KM-Syndrom", habe das Gefühl, es geht nicht mehr. Aber da ich mich und meine Einbildung kenne, reiße ich mich einfach mal am berühmten Riemen.

Im Südbogen linse ich vorsichtig ein wenig nach hinten. Niemand zu sehen.
Noch ein kleines Schäufelchen kann ich auf den letzten Metern drauflegen, aber nur ein ganz kleines.



Erst auf dem Zielfoto erkenne ich, dass in einigem Abstand die Verfolger kommen.

Zufrieden laufe ich ein. Und was sagt mir die Zeit?
Unfassbar, neue PB, die bisherige um 40 Sekunden unterboten!

Auf der Heimfahrt (Ungeduscht, da solcher Luxus nicht zur Verfügung steht) finden wir, dass wir doch öfter einmal zu Trainingsabwechslungszwecken einen solchen Lauf einschieben sollten, auch wenn die Langstrecken uns eher liegen.



19 Grad, 10 km, 54:04, (5:27 Min/km), keine Pulsmessung (Den Sensor finde ich tatsächlich im Auto wieder)
122. von 191
26. von 65 Frauen
7. in der AK (letztes Jahr wäre ich 3. gewesen...)