Der Ahrathon, genauer gesagt, die dritte Austragung, zieht uns als Dreier-Damenstaffel ins Weinbaugebiet an der Ahr, südwestlich von Bonn. Es handelt sich dabei um eine etwas spezielle Veranstaltung, eine Art deutscher Medoc. Geboten wird ein sehr bunt gefächertes Programm: Von Marathon über Marathon-Staffel, Halbmarathon und -Staffel bis zu Nordic-Walking und Kinderläufen reicht das Repertoire. Besonders zu erwähnen ist der Kostümlauf, der spürbaren Zulauf erfahren hat, doch auch das Halbmarathonfeld ist mit knapp 500 Startern deutlich besser besetzt als in den Jahren zuvor. Wir können es aus eigener Erfahrung beurteilen, denn dieser Lauf entwickelt sich quasi zu unserer "Traditionsmarke", seit der Premiere 2012 sind wir dabei!
In diesem Jahr hofften wir während der Hitzetage zuvor auf einen gnädigen Petrus und siehe da, er war uns gewogen. Es hat sich deutlich abgekühlt, auf 15-17 Grad, und die Sonne zieht sich dezent hinter Wolken zurück.
Bei unserer Ankunft können wir den Start des Marathonfelds beobachten, knapp über 100 Läufer machen sich auf den Weg.
Start und Ziel liegen im Kurgebiet von Bad Neuenahr, im Parkgelände eines großen Hotels (Letzteres ist schon allein deswegen ein luxuriöses Vergnügen, weil es Toiletten in ausreichender Anzahl gibt!). Unter schattigen Bäumen startet man zunächst entlang einer Allee.
Im Viertelstundenrhythmus gehen die verschiedenen Felder auf die Strecke, es ist ein kleiner Biergarten aufgebaut, so dass das ganze Gelände zum Verweilen einlädt.
Aus unserer Staffel mach sicht Heidrun als erste auf. Da sie die Losung ausgegeben hat, dass wir heute mindestens 6 Minuten besser sein müssen, lässt sie sich nicht lumpen und gleich zu Beginn die Beine fliegen. Waren 2012 noch 12 HM-Staffeln am Start, so sind es nun derer 32. Ob dies echte Konkurrenten sind, oder Teilnehmer, die das besondere Verpflegungsangebot (insbesondere das flüssige) unterwegs ausgiebig genießen wollen, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht.
Während also unsere Startläuferin unterwegs ist, machen Doris und ich uns auf zum Wechselpunkt. Per Auto ist er dank unserer Ortserfahrung bequem zu erreichen und wir können noch ein wenig die Landschaft genießen, denn vom Start/Ziel geht es nun ab in die Weinberge.
Es öffnet sich ein malerisches Panorama über das Tal, das man auch während des Laufs genießen kann. Weit vor uns sieht man als tanzende Farbkleckse die Läufer zwischen den Reben. Doch der Eindruck, dass sich alles auf einer Höhe abspielt, täuscht, zwischendurch geht es immer wieder bergauf und -ab.
Es herrscht gute Stimmung unter den Teilnehmern. Kein Wunder, um die Ecke wartet Essen&Trinken. Lobend sei hier erwähnt, dass die statistische Verpflegungspunktdichte enorm hoch ist: auf der 21-km-Runde (Die Marathonis laufen diese zweifach) gibt es 7 davon, jeweils mit Wasser, Iso, Wein, Obst und Fingerfood. Man muss sich diese Punkte leicht anders vorstellen, als auf normalen Strecken:
Was wie eine lustige Stehparty aussieht, ist die Nahrungsaufnahme der Läufer an einer Verpflegungsstelle. Die Strecke führt übrigens mitten hindurch. Wer auf Tempo bedacht ist, hat zumindest an dieser Stelle keine wahre Freude...
Bald kommt Heidrun den Berg hinaufgestürmt. Das Spezial-Training im Allgäu hat Früchte getragen ;-)
Rasch wechseln wir den Chip auf Doris, die trotz Knieproblemen nicht auf den Lauf verzichten will.
Der nächste Wechselpunkt liegt zwischen Feldern auf einem Hang. Himmel und wogendes Korn geben einen schönen Kontrast.
Am Verpflegungspunkt 5, zugleich zweiter Staffelwechselpunkt, sind einige Biertische aufgebaut und sogar liebevoll dekoriert. Da verweilt man gern ... wenn man nicht gerade noch laufen muss.
Man kann auch fachkundige Beratung des Winzers in Anspruch nehmen, während zwei Gitarristen wunderbare Musik machen. "Summertime - and the Living is easy..." - alles zusammen ergibt eine schöne Stimmung hier oben. Viele Läufer bleiben an diesem wie auch den anderen Verpflegungspunkten gern länger stehen.

Ein Läufer geht einen Bogen um mich und schaut auf meine gelbe Startnummer, die mich als Staffelläuferin erkennbar macht. Ob hier der Wechselpunkt sei, fragt er. Ich kann es bejahen und er erzählt, dass er dank der verwirrenden Informationen falsch unterwegs war und nun 1,5 km hierher gehetzt sei. Doch verschnaufen kann er nicht, denn während wir sprechen, kommt sein Staffelpartner vom Tisch herüber, der schon länger auf ihn gewartet hatte!
Auch ich kann bald von Doris übernehmen.
Es geht seitlich wieder an Weinhängen entlang, und schon bald beginnt eine kraftraubende Steigung.
Besonders die Läufer, die schon zehrende 12 km in den Beinen haben, haushalten mit ihren Kräften und gehen teilweise. Gleiches tun auch diejenigen, die schon gut dem gehaltvollen Flüssigkeitsangebot zugesprochen haben.
Alle sind dankbar, dass wir nun, zur Mittagszeit, nicht die Hitze des letzten Wochenendes erdulden müssen.

Während ich so vor mich hinlaufe, dringen plötzlich eigenartige Töne an mein Ohr. Seltsame Instrumente, .. Dudelsack, Leier .... Ich muss eine Weile grübeln, bis ich die mir vertraut vorkommende Melodie erkenne: Es ist die Ode an die Freude ("Freude schöner Götterfunken") - Wow! Trifft es wunderbar. Und als ich bald um die nächste Ecke biege, sehe ich die "Urheber", die nun leider gerade eine Pause einlegen.
Steil geht es bergab und kaum kann ich so große Schritte machen, wie die Schwerkraft es mir erlauben würde. Ich erreiche eine Pace von 4:03!
Wir passieren die Pfeiler einer nie vollendeten Brücke, die heute als Kletterwände genutzt werden.
Nach dieser Stelle folgt noch eine weitere Steigung, aber danach geht es letztmalig abwärts ins Tal und dann nur noch auf flachen Wegen entlang.
Am Ortseingang von Ahrweiler gibt es auch in diesem Jahr wieder einen besonderen Service durch die Polizei, den Freund und Helfer: Für jeden Läufer wird der Verkehr angehalten :-) Ich rufe dem Polizisten zu, dass dies ein schönes Bild werde, und er antwortet artig "Danke".
In Ahrweiler - welche Überraschung! Live-Musik und Nahrung...:-)
Doch die Strecke zeigt auch ruhigere und fast lauschige Winkel Es geht teils entlang der alten Stadtmauer, am Friedhof vorbei und schließlich ein längeres Stück der Ahr entlang. Hier kann ich nochmals ausführlich Taktik üben. Einmal laufe ich auf einen Mann auf, mit dem sich ein längeres Ringen entwickelt. Er mag nicht überholt werden und ich mag hier (noch) nicht meine Kräfte vergeuden. So laufe ich auf gleicher Höhe, gehe aber nicht vorbei. Das behagt ihm nicht, er legt ein wenig zu, setzt sich einige Meter ab. Ich bleibe nicht ganz dicht dran, halte Sichtabstand. Vermutlich läuft er am Anschlag. Und vielleicht verschießt er ja sein Pulver mit unserem kleinen Scharmützel. Am gegenüberliegenden Flussufer sehe ich das Zielgelände, Musik und Lautsprecheransagen schallen herüber. Ich kenne die Strecke: Wir sind auf dem letzten km. Es wird noch einmal über eine Brücke und durch den Kurpark gehen. Ich ziehe an, verlange mir die letzte Kraft ab. Er kann nicht mehr folgen.
Vor dem Ziel kommt mir Heidrun entgegen, dann auch Doris. Ich schaffe es, auf den letzten 100 m nochmals Gas zu geben.
Endlich im Ziel - die Anstrengung ist vorüber :-)
Leider im Ziel - der schöne Lauf ist schon vorbei :-(
Im Gelände beim Hotel ist inzwischen einiges los, viele Besucher genießen die Athmosphäre. Zwei Schlagzeuger liefern eine mitreißende Show.
Wir verschnaufen, laben uns an alkoholfreien Getränken und beobachten noch ein wenig das Treiben um uns herum.
Mit einem tollen Erfolg können wir nun unserer Medaillensammlung die 3. Ahrtrophäe hinzufügen:
Denn von den 32 Staffeln eroberten wir Platz 9 in einer Zeit von 2:07:11, also eine Verbesserung um 7,5 Minuten! Das legt die Hürde für 2015 hoch, doch wir werden uns ihr stellen!
Es folgen noch einige Eindrücke aus dem Kostümlauf. Klasse, welche Phantasie die Teilnehmer dazu an den Tag legten!







Mein Streckenanteil:
16 Grad, 8,5 km, 47:46, (5:38 Min/km), Puls 164