Heidrun schlägt gemeinsames Lauftraining vor, etwa 21 km sollen es werden. In 6:40 Min/km, also recht gemütlich.
Und damit es nicht langweilig wird, können wir ja in Pulheim laufen.
"In Pulheim laufen" ist das Synonym für "bei der Winterstaffel in Pulheim mitlaufen". Das ist das neue Label des Pulheimer Staffellaufs, den wir schon wiederholt als Gruppe bestritten haben (
2014,
2015,
2017). Es werden aber auch für Einzelläufer Marathon und Halbmarathon, 5 km- und 10 km-Läufe angeboten.
So melden wir uns kurzentschlossen zum Halbmarathon an.
Auch mein Mann, obwohl er Achillesfersenprobleme hat.
Das Wetter ist uns hold. 7° und trocken, allerdings windig.
In der Startaufstellung friere ich wie eine Schneiderin, doch beim Lauf selber passt es dann.
Jedenfalls für mich.
Einige Raketen sehen wir allerdings in Laufshorts und schulterblattfrei. Klar, dass die so rennen, die wollen einfach nur schnell ins Warme...
Die Pulheimer Strecke ist nicht mit überbordender Attraktivität gesegnet. Alle Distanzen laufen im Wesentlichen über eine 5-km-Runde, nur eben unterschiedlich oft.
Dafür ist es wenigstens übersichtlich und flach, sieht man von ein paar unwesentlichen Höhenmetern ab.
Und es werden Lottozahlen angezeigt, oder sind es Liednummern..?
Wir laufen so flott dran vorbei, dass uns erst auf der zweiten Runde klar wird, was diese Ziffernfolge besagt.
Und auch wenn die Ansage war, 6:40'er Schnitt, so wird nachher kein einziger Kilometer in diesem Tempo sein, alle sind schneller.
So viel zu unserem Laufplan.😆
Es trabt sich aber auch einfach locker, wenn man dies & das unterwegs beschnattern kann. Nach kurzweiliger erster Runde durchlaufen wir schon bald gleich nach km 6 wieder den Start-/Zielbereich.
Auf zur zweiten Tour durch die rheinische Prairie. Inzwischen sind alle Teilnehmerfelder auf der Strecke und stellenweise haben wir zu tun, jeweils rasch den Schnelleren Platz zu machen. Was man sonst ja so gar nicht mag, ist heute völlig egal.
Kaum verlassen wir erneut den Ort, überholt uns ein Läufer und ruft mir ein munteres "Elkeee!" zu.
Ich bin perplex - und erkenne
Das Pulsmesser, das da schnittig an uns vorbeizischt!
Ich rätsele, woran ich für den Herannahenden so leicht erkennbar war...
Auf einem kurzen Abschnitt mit Begegnungscharakter kann ich ihn fotografisch festhalten, bevor er entschwindet und einer super Marathonzeit entgegenläuft.
Wir schlappen zum zweiten Mal den steilsten Anstieg hoch (8 HM auf ca. 300 m).
Danach die nächste Überraschung: Mein Mann steht am Streckenrand und wartet auf uns! Seine Achillesferse zwingt ihn zum Ausstieg. Er läuft noch wacker ca. 2 km mit uns bis zur nächsten Zielpassage und fährt dann nach Hause. Kein guter Auftakt zu seinem Jahresprogramm.
Heidrun und ich begeben uns auf die dritte Runde. Sie wird dann doch -da wir beide uns ja nicht mäßigen können- etwas anstrengender. Was Heidrun dazu nutzt, mir Tipps aus ihrem Laufmotivationsbuch weiterzugeben. Zum Beispiel den, dass man sich vorstellen soll, dass man wie ein Pfeil und völlig ohne Luftwiderstand nach vorn schießt, und zugleich noch von einem Seil gezogen wird - Ssssmmmmmm!
Alternativ geht, wenn es ganz schlimm wird, sich vorzustellen, mit jedem Einatmen nähme man neue Energie auf und mit jedem Ausatmen gäbe man seine Müdigkeit weg.
Gegen jammernde Waden stand nichts in ihrem Buch, oder sie ist noch nicht bis zu diesem Kapitel vorgedrungen.
Dann doch ganz gut erreichen wir zum dritten Mal Start und Ziel, nehmen wieder Wasser zu uns.
Auf zur letzten Runde.
Wir laufen auf eine Staffelläuferin auf und Heidrun setzt zur Überholung an. Nun ja, diese Läuferin hat sichtlich andere Hobbies als laufen. Aber dass wir zwei sie stehen lassen wollen, gefällt ihr auch nicht, und sie überholt ihrerseits wieder.
Wir freuen uns über die letzten Kilometer unseres "Trainingslaufs", der dann doch ein schnellerer wird, relativ jedenfalls.
Ein letztes Mal den 8-Höhenmeter-Anstieg (ich finde aber, hier wurde in der Zwischenzeit etwas angeschüttet...)
Meine Atmung wird ein wenig schwerer und von nebenan kommt etwas von "..wie ein Pfeil - sssssmmmmm!"
Endlich oben.
Plötzlich zeigt mir meine Uhr eine Pace von 5:50 Min/km. Heidrun behauptet, ich hätte doch angezogen!
Finde ich gar nicht. Also lassen wir nach.
Kurz darauf wieder um die 6:00.
Heidruns Alibi diesmal: Sie meint, ich wolle ein wenig zielsprinten und da wolle sie doch dranbleiben. Nö, war nicht meine Intention, noch nicht hier. Wohl nehme ich mir vor, die Staffelläuferin von vorhin noch einzuholen, die weiterhin einige Meter vor uns bleibt. Aber erst auf den letzten 1,5 km, die von einem kleinen Abwärtsstück eingeleitet werden.
Gesagt, gelaufen. Ich wills dann doch wissen und renne los, was das Laufwerk hergibt, Heidrun möchte das Training heute hingegen ruhiger ausklingen lassen.
So fliege ich (gefühlt) an besagter Staffeldame vorbei und nehme im Schwung gleich noch ein paar andere mit. Es tut gut, dann doch die Beine nochmals zu fordern, soweit es noch geht. Immerhin schaffe ich 4:21 Min/km als Spitzenwert.
Im Ziel werde ich nach rechts dirigiert, links ist die Gasse der Staffelläufer.
Und dann beende ich einen Trainingslauf, für den ich mit einer Medaille belohnt werde!
Hat man das schon erlebt!?
Ich verschnaufe kurz, und kann Heidrun im Ziel fotografisch festhalten. Wir freuen uns über 2 Std 15'er Zeiten.
Mir reicht im Ziel ein Becher süßer Tee, doch während ich mich dann in Ruhe umziehe, zieht es Heidrun bereits zur Essensausgabe, wo ich sie mit Cola ("Schon der zweite Becher!") und Wurstbrot antreffe.
Gemütlich gehts nach Hause, wo es noch eine Draufgabe zu diesem Lauf zu erleben gibt:
Habe ich doch wahrhaftig den 1. Platz meiner AK erreicht. Und das im Trainingsmodus!
Was es nicht alles so gibt!
Darauf einen Bienstich und eine Obstschnitte 😁
7°, 21,1 km, 2:15:16, 6:18 Min/km, HF 141