Solcherart beschwingt starte ich auf eine längere Runde durch Manheim, bis in den Hambacher Forst und fast an die Grubenkante. Wunderbare Laufbedingungen.
Am Abend verfolgen wir den Start des Ironman in Hawaii und den sich anschließenden spannenden Wettkampf bis zum Zieleinlauf von Frodo, Kienle und Haug. Bei mir allerdings unterbrochenen von einzelnen Schlafattacken.
Danach schließt sich fast nahtlos die Formel 1-Übertragung aus Japan an.
Unsere Zeit reicht genau bis zum Rennende gegen 9 Uhr, denn schon müssen wir zum Bahnhof, um uns auf den Weg zum Köln-Marathon zu machen.
Damit wir uns finden, habe ich aus 2 schweizer Fähnlein und einem orangefarbenen Stoffband ein Winkewerkzeug gebastelt. Und während wir so bei km 1 warten, erfahren wir ungeahnte Reaktionen. Schon recht bald findet ein erstes "Merci" an unsere Ohren. Und immer wieder ruft man uns ein "Hopp Schwiiz" zu oder grinst uns an. Dank der Fähnlein erkennt uns Mitblogger Vloggy, ein "echter" Schweizer. Erstmals treffen wir uns persönlich, wenn auch weitere Kommunikation an diesem Tag notgedrungen keinen Raum findet.
Unsere zweite Station liegt bei km 14. Und hier kommt sie auch schon, die muntere Helge, die erstmals einen Marathon isoliert läuft, also außerhalb eines Triathlons!
Das Wetter ist bestens, für Läufer und Zuschauer. Und einmal mehr ist das Beobachten vom Streckenrand fast spannender, als selber zu rennen: Die Verkleidungen, die munteren, später teils leidenden Gesichter, der Mann, der ein Alphorn dabei hat, ein älteres Paar in Ganzkörperkostümen als Tom & Jerry, die asiatische Seniorin, die ruhig trippelnd vor den Besenbussen läuft, bewundernswerte Teilnehmer wie die kleine Gruppe, die einen Rollstuhlfahrer schiebt oder auch einige sich selbst fortbewegende Rollstuhlfahrer, und und und...
Man kann gar nicht alle Eindrücke festhalten, die sich bieten.
Kurz vor km 24, Helge aufgedreht und munter, beneidenswert, während andere schon sichtlich Anstrengungen erleiden.
Plötzlich nennt jemand meinen Namen. Vloggys Partnerin steht uns genau gegenüber und erkennt mich an den Fähnlein. Ein kleiner Schwatz, ist doch toll, wie Sport Kontakte schafft!
Helge hat einen Kaffee für km 28 (!) bestellt. Da der nicht weit weg ist, sputen wir uns, beschaffen das gewünschte Getränk im nächsten Café und eilen zum Übergabepunkt...
... wo der Becher dankbar entgegen genommen wird und anscheinend für die weiterhin ungebrochene Lauflust sorgt.
Auch Vloggy naht und wird seinerseits versorgt. Seine Uhr hat ihn im Stich gelassen, er muss ohne diese technische Unterstützung laufen. Doch er wird sich davon nicht beirren lassen und finishen. Saggstark!
Wir begeben uns nun zu viert zum nächsten Treffpunkt bei km 39. Inzwischen kennt man uns schon aus dem Feld heraus. Als wir hören "Ach da sind ja die Schweizer wieder" macht uns das fast ein wenig stolz. Ansonsten versuchen wir, den Läufer*innen auf ihren letzten Metern noch einen Schub mit auf den Weg zu geben. Manche Krämpfe beobachten wir und mühsame Bewegungen, in sich Gekehrte, wie auch solche, die schon Zielluft schnuppern und in deren Gesichter sich ein Lächeln schleicht. Ach wie kann man das alles nachvollziehen!
Helge naht immer noch munter.
Wir ziehen weiter Richtung Ziel und schon bald können wir sie in Empfang nehmen, mit der neuen Medaille in Köln, einer Holzplakette am Lederband. Während mancher schlapp und gezeichnet von den Strapazen aus dem Nachzielbereich schlurft, wirkt Helge fit wie ein Eichhörnchen. Sie fühlt sich kaum erschöpft. Wenn das mir mal so ergehen würde..., beneidenswert!!!
Zwar hat sie die neue Zeit von Kipchoge um mehr als 2 Stunden verpasst, dafür aber konnte sie auch entsprechend länger den Lauf genießen.
Zusammen spazieren wir noch gemütlich über die Deutzer Brücke, die irgendwann einmal vor lauter Schlössern nicht mehr zu sehen sein wird, zum Hotel und lassen das Erlebte bei Kaffee und Kuchen ausklingen. Ein toller Tag, für Helge wie auch für uns.
Am muntersten von uns vieren ist dabei übrigens... Helge!

