Mittwoch, 16. Dezember 2020

Laufend fensterln

So kann es aussehen, wenn frau sich etwas in den Kopf setzt. Nämlich, im Nachbarort die Adventsfensterchen zusammen zu suchen. Vorweg: Das Ergebnis ist nicht ganz zufriedenstellend. Obwohl ich heute fast alle Sträßlein belaufen habe, und weitere bereits im Zuge der Besuche bei der Krippe mit dem wuscheligen Joseph erkundet hatte, kann ich die Kette nicht lückenlos schließen. Die noch nicht zu öffnenden Fenster mögen ja noch unkenntlich sein (bis auf 23), aber dennoch fehlen mir einige bis 16. Dabei bin ich schon nur 7'er-Schnitt gelaufen, weil ich in jeden Winkel geschaut habe....
Dafür gabs aber ein paar nette Zugaben.



"5" unter dem Schlitten des Weihnachtsmanns








Und nun die Zugaben:
In einer Sackgasse, die ich noch nie im Leben betreten habe, ein ganz spezieller Genosse:



Vor 30 Jahren oder mehr war es mal großer Trend, Blumentopfbasteln. Hier eine sehr große Reinkarnation (leider wars schon dunkel)

Das breiteste Grinsen erzeugte dieses Fenster, Wacken und Weihnachten im Doppelpack!

Gute 8 km habe ich nur auf diese Weise "fensterlnd" verbracht, mit Hin- und Rückweg erfrischende 12 km.

Samstag, 12. Dezember 2020

Holmes auf investigativer Mission

Gestatten, mein Name ist Holmes, Elke Holmes. (Und ich trinke Martini weder gerührt noch geschüttelt)

Heute bricht eine Neigung bei mir durch, die meine Eltern mir nur versehentlich nicht bei der Taufe namenstechnisch mit auf den Lebensweg gaben. Denn wenn ich mir etwas erklären will, und "Witterung aufgenommen" habe, gehe ich gern einer Sache auf den Grund. Und Witterung nahm ich gestern auf. Als ich nämlich nochmals das Bild der Krippe von vorvorgestern anschaute. Ganz plötzlich fiel es mir auf:

Bemerkt?

Da sind der strubbelige Joseph, mit Maria und dem Kind. 

Rechts 2 Könige mit ihren Gaben.

Links 2 weitere Könige.   Ähm...? 2 + 2 ist ... VIER!

Wie kann denn das sein?! Der Sache muss ich auf den Grund gehen! Also losgetrabt am rheinisch-trüben Samstag Morgen. Die Gelegenheit ist günstig, Tageslicht erhellt den Tatort.

Was gibt es zu Protokoll zu nehmen:

Joseph war beim Hair-Stylist. Sieht doch gleich gepflegter aus, schließlich stellt er ja etwas dar!

Schauen wir mal weiter: Ein knieender König will gerade ein Schatzkästlein überreichen. Maria hat das schon genau im Blick und hält ihre Hand auf. Rechts steht ein weiterer Gast, mit einer Art Turban, der ein Gefäß irgendwo zwischen Soßenterrine und Öllampe präsentiert.

Nun wirds spannend. Schwenk zum linken Flügel. Vorne ein dunkelhäutiger (ich hoffe, das ist die derzeit korrekte Ausdrucksweise) mit einem Schwenkeding am Arm. Und dahinter...  eine weitere Gestalt, die ich als König einordnete. Wohl wegen seinem Kopfputz, der dem des knieenden Königs ähnelte. Aber, bei nun näherer Analyse, er hat einen Hirtenstab in der Hand!

Der Fall ist seiner Lösung zugeführt: Das ist gar kein König, sondern ein Hirte!


Aber da, ein anderes Indiz! HA! Eine politische Mission gar? Man beachte die Hand:


Ghettofaust, würde ich schlussfolgern. Bedeutet? Ein frühes Statement von "Black Lives matter" etwa?

Mich interessiert außerdem die Zuordnung der Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhe und wer wer ist.
Der erste Teil ist leicht. Im Schwenkeding muss klar Weihrauch sein. Gold passt eher zum Schatzkästlein. Dann bleibt für Myrrhe das Soßen-Öllampen-Dingsda.
Und wer ist nun Caspar, wer Melchior und Balthasar? Konsultation der "Fach-"Quellen des Internets... Bringt aber wenig Erfolg. Die dunkle Hautfarbe eines Königs ist nicht biblisch, sondern tauchte erst Jahrhunderte später in Darstellungen auf. Mal soll dies Melchior, mal Balthasar sein. Viel wichtiger ist wohl in der Jetztzeit, ob einer der 3 Könige, die um den 6. Januar von Haus zu Haus ziehen, überhaupt noch dunkle Hautfarbe haben darf, von wegen Blackfacing. Ab da verlässt mich die Lust weiterer Recherche. Die Welt hat andere Sorgen, finde ich.

Ich trabe weiter, es läuft sich gut bei 7°. 
Weitere Ermittlungen bieten sich an. Wo ein Fenster mit einer "4" bezeichnet ist, müssen auch noch 23 andere sein. Die zu finden, wäre mal eine kleine Herausforderung in diesem Dorf. 


An der Straße noch ein Ansatz investigativer Aktion. Eine ehemalige Trafostation wurde inzwischen dem Naturschutz übergeben. Es soll ein Unterschlupf für Fledermäuse und Eulen sein. Gar zu gern würde ich das mal von innen sehen. Als ich diesmal ein Auto davor erspähe, erhoffe ich mir Auskunft. Doch leider ist das nur ein Gassigänger, der hier geparkt hat.


Also gehts weiter durch den trüben, aber für mich nicht trübsinnigen Samstag. 12 km, die sich gut anfühlen, auf ins Wochenende!



Donnerstag, 10. Dezember 2020

Abendstund' hat Gold im Mund

 
Es ist wie es Volker kürzlich so treffend beschrieb: Da überlegt und plant man seinen Lauf, Startzeit, Klamotte, Route. Und dann kommt es doch anders.
Ich plante einen Lauf in den Sonnenuntergang hinein. Doch es kam ein Telefonat dazwischen und es wurde zu knapp für dieses Ansinnen. Ok, laufe ich erst eine Feldrunde und dann durch unseren Ort. Nach 300m kommt mir eine junge Mutter mit 2 putzigen kleinen Hunden und Kinderwagen entgegen. Unsere Katzensitterin! Lange nicht gesehen, dies und das zu erzählen... bis mir ziemlich zu kalt wird.
Aber das Restlicht lässt immerhin noch einen kurzen Abstecher Richtung Feld zu.

Dann fällt mir auf, warum soll ich dann gleich in unseren Ort zurück, das Nachbardorf liegt ja näher. Und dort habe ich ja noch gar nicht die Adventsilluminationen gecheckt!

Also nochmals Planänderung. Aber wie so oft, genau so war es richtig! Denn so sah ich eine seit 2 Jahren vermisste Krippe wieder! 2017 hatte ich erstmals dort dieses wegen seiner Größe auffallende Arrangement gesehen. Hier nochmals die Bilder:



Ein Joseph im Beatles-Look, die Heiligen drei Könige schon Anfang Dezember dabei, über allem schwebt ein Putto und Tannengrün bildet die Einfassung. Das ganze gekoppelt mit einem Bewegungsmelder, der Licht und Weihnachtsmelodie in Gang setzt. Einfach herzerfrischend, auch wenn man es optisch nicht mögen muss. 2018 war dort Leere, auch 2019. Ich fands schade, wer weiß, was der Grund sein mag...?

Nun aber, bei erneutem Durchstreifen des Nachbardorfes, was sehen meine Augen?! Genau die Krippe steht 2 Häuser weiter vom alten Standort! Da hat sich wohl ein Nachbar der Sache angenommen. Auch der Bewegungsmelder erhellt bei Näherkommen die Hütte, nur die musikalische Untermalung und das Tannengrün fehlen. Und Josephs Haarpracht scheint ein wenig verrückt.
Da sie ihm arg ins Gesicht hängt, meine ich zunächst sogar eine Mund-Nase-Bedeckung zu entdecken. Doch bei näherer Betrachtung ist es nur sein Bart. Ja so prägen unsere Zeiten die Wahrnehmung!

Gleich gegenüber setzt sich ein Abrisshaus vor dem abdunkelnden Abendhimmel fast schon romantisch in Szene. Nur der Lärm des noch munter agierenden Baggers trübt die Beschaulichkeit.


Falsch geplant hatte ich meine Bekleidung. Zweilagig am Bein war bei 2° gut, aber bei auch nur 2 Lagen am Oberkörper musste ich ungeplant schnell rennen, um halbwegs auf Temperatur zu bleiben. Auch eine Form von Trainingsanreiz.

Montag, 7. Dezember 2020

Opposition lauert überall

Noch so ein alter Bekannter. Bewacht regelmäßig den Weihnachtsbaumverkauf eines geschäftstüchtigen Landwirts. Lustig wackeln seine beiden Bartspitzen im Wind.

Doch bevor ich überhaupt loslaufen kann, muss ich mich mit einem häuslichen Besetzer befassen. Kaum habe ich mein Laufshirt bereitgelegt, nimmt unser Kater es in Beschlag. Ob er meint, er könnte mich so vom Lauf abhalten? Ha, der hat wohl nicht damit gerechnet, dass frau durchaus für jedes Wetter mehrere Stücke im Fundus hat. Seine oppositionelle Handlung hilft ihm nicht.



Ich trabe eine Runde im Feuchtkalten durch den Nachbarort. Normalerweise ein Wetter zum Sofa-hüten, aber erstaunlicherweise macht es mir sofort Spaß. Ich schaue mich um auf der Suche nach schönen Dekorationen, aber außer einem speziellen Arrangement, das wohl das Fensterchen zum 23. darstellen soll (und daher hier verfrüht in der Bilddokumentation wäre) ist nichts Berauschendes dabei.
Wie von selber lenken sich meine Schritte zum Marienfeld.
Ich bin doch sooo neugierig, was sich am speziellen Weihnachtsbaum getan hat...
Und siehe da, es hat, es hat:


Zahlreiche Fans waren inzwischen hier und haben etwas beigesteuert. Mein kleines Objekt hat reichlich Gesellschaft bekommen. Mal näher rangehen:


Ein kleiner Wichtel hat es sich wohl mangels Aufhänger in einer Astgabel bequem gemacht.


Allerdings scheint mir die kleine Stickerei nicht mehr vorhanden...

Zufrieden mache ich mich auf den Rückweg, schließlich wartet Adventsstollen daheim.


Doch halt! Plötzlich nehme ich aus dem Augenwinkel heraus ein Blinken war, keine 100m von besuchten Baum entfernt:


Auch hier mal näher rangehen:


Da scheint sich eine oppositionelle Bewegung Raum&Baum vereinnahmt zu haben. 
Weg vom Main-Stream-everybodys-Darling-Bäumchen. Hin zu mehr Purismus. Nun laufe ich ja schon ein paar Jahre hier entlang, aber dies scheint mir neu zu sein. Interessant, interessant. Da habe ich ja noch mehr Anreiz, das weitere geschehen im Hinblick auf die Waldweihnacht zu beobachten!

In einem anderen Waldstück noch ein Zufallsfund. Gefällt mir.

13 km in frischer Winterluft haben Spaß gemacht. Und just als die Luftfeuchte in Tröpfchenform übergeht, bin ich wieder zu Hause. Wären das Schneeflocken, wäre ich sicher noch genussvoll weitergetrabt.

Samstag, 5. Dezember 2020

Symptomatisch

 

Mein Knie ist nach dem Malheur des verkorksten München Halbmarathons beleidigt bis zickig. Zwar nicht schmerzhaft, aber dauernd kommt die Meldung "Hallo hier bin ich". Im Homeoffice nicht weiter hinderlich. Aber ein Bürotag mit den damit einhergehenden Fußwegen zur Bahn, zum Bürogebäude, retour, und zwischendrin noch rasch zum Zahnarzt, war am Folgetag deutlich spürbar. Also Laufpause.

Bis gestern. Will ich doch mal schauen, was sich so in Sachen weihnachtlicher Dekorationsoffensive tut.

Aber was ich sehe, passt irgendwie zur trüben Gesamtstimmung. Wie schon das Bonmot eines bekannten Philosophen meiner Jugendtage besagt "Früher war mehr Lametta". Selbst in Köln war es viel zu ruhig für die sonst rummelige Weihnachtseinkaufszeit. Die Zahnarztpraxis, die ich kurz aufsuchte, liegt direkt an einem der großen Weihnachtsmärkte und man kann vom Behandlungsstuhl unmittelbar auf das bunte Treiben schauen, sich auf den Glühwein als Belohnung nach der Sitzung freuen. Diesmal blickt man auf einen leeren Platz und auch der Zahnarzt selber schildert mir, wie seltsam ihm gerade alles vorkommt. Meinen Termin dort bekam ich innerhalb von 2 Tagen, sonst undenkbar.

Kaum bin ich ein paar 100 m getrabt, höre ich Laute, als wäre irgendwo in der Nähe ein Rummelplatz. Ich muss der Ursache nicht speziell nachgehen, sie findet sich direkt an meiner Strecke. Vor dem Seniorenheim hat sich ein Alleinunterhalter mit Lautsprecherboxen postiert und schmettert aus vollem Hals poppige Weihnachtslieder. Leider führt Inbrunst nicht zwingend zu Wohlklang. Jedenfalls zeigt sich niemand an den Fenstern des Gebäudes und auch Passanten (gleich nebenan ist ein Supermarkt) sind rar. 

 
Ansonsten muss ich auf meiner kleinen Runde feststellen, dass die Lust am weihnachtlichen Dekorieren arg gebremst scheint. Der Ort wirkt wie sonst im Januar nach den Feiertagen, wenn schon einige wieder eingepackt haben und andere noch ein wenig dem Fest nachhängen.
Ich bin sehr beschäftigt, auf die Gehwegplatten zu achten, um im Dunkel nicht nochmals zu stürzen. Ansonsten nörgelt das Knie leise vor sich hin, tut aber seinen Dienst.
An einem kleinen unansehnlichen Grünstreifen, der Reihenhäuser vom Bahndamm trennt, war mir bereits im Sommer aufgefallen, dass dort wohl jemand seinen Weihnachtsbaum "freigelassen" hat. Schon von weitem sehe ich, dass er eine kleine bunte Beleuchtungskette trägt. 
Eine nette Geste, das Licht im Dunkel passt in die ganze Stimmung.


Einen festen Anlaufpunkt habe ich mir noch vorgenommen. Ein Haus in einer stillen Anliegerstraße, das jedes Jahr überbordend illuminiert ist. Na wenigstens auf diese Bewohner ist Verlass und sie bieten zuverlässig adventlichen Augenschmaus! Ich kann meine Kamera an einen Pfosten anlehnen, um ein gebührlich verwacklungsfreies Foto zu produzieren. Leider gibt das Bild die geballte Strahlkraft nicht ganz wider.


Ach ja, das Knie. Es macht die kleine Runde ohne weiteres Aufbäumen mit. Am Ende hänge ich noch eine Schlaufe dran um zu schauen, was der schmetternde Barde noch bietet. Aber am Seniorenheim ist schon längst wieder Ruhe eingekehrt.