Samstag, 9. November 2019

Leerzeit

Nach dem Marathon ist nicht vor dem Marathon. In den Tagen nach Frankfurt  schwebte ich erstmal ein wenig vor mich hin. Wie immer, am Montag nach dem Lauf ein gemütlicher Bummel durch die Stadt, diese und jene Ecke wiedererkannt vom Lauf, und ach, da ist sie, die blaue Linie! Irgendwann kratze ich von so einer mal ein paar Partikel ab und konserviere sie 😉.
Daheim konnte ich den Lauf nochmal erleben, hatte ich doch die TV-Übertragung aufgenommen. Also nochmals vom Sessel aus auf durch die Straßenschluchten und durch die ländlicheren Vororte gerannt.
Im Büro trug ich insofern zur Erheiterung bei, als dass ich in Frankfurt einen männlichen Kollegen um 5 Minuten geschlagen habe, ohne ihn auf der Strecke je zu sehen. Dabei muss ich ihn überholt haben auf den letzten Kilometern.

Seither habe ich mir Müßiggang erlaubt. Trainingsleere quasi. Abgesehen von 2 kürzeren Läufen am vergangenen Wochenende. Und heute einem 11er, der sich zwar gut lief, aber einen zu hohen Puls erzeugte.
Ein Infekt im Anzug? Ich werde es sehen.
Jedenfalls tut es gut, sich an der nun mit 7° frischen Luft zu bewegen. Auf Anhieb gelang mir auch die rechte Bekleidung. Zu den Jahreszeitenwechseln habe ich da manchmal so meine Problemchen. Öfter zu warm angezogen, gelegentlich zu kalt. Aber heute passte es.

Ansonsten laufe ich aber derzeit immerhin virtuell. Ich lese gerade das Buch von Philip Pflieger "Laufen am Limit". Wem der Name nicht gleich etwas sagt: Das ist der Läufer, der 2017 beim Berlin Marathon bei km 39 kollabierte und einem Passanten quasi in die Arme fiel. Zu lesen gibt es weder Trainingspläne noch Motivationscoaching oder dramatische Enthüllungen. Man erfährt einfach, wie er zum Laufsport kam und welche Mühen er auf sich nimmt, um seinen Sport zu leben, das Beste aus seinem Potenzial zu machen und wie er trotz einiger Rückschläge immer wieder aufs Neue Anlauf nimmt. Man liest von Erfahrungen, Erlebnissen, Ansichten und dem Druck, dem Sportler wie er ausgesetzt sind. Lesenswert!

Und angesichts des historischen Datums heute (30 Jahre Mauerfall) habe ich ganz tief im Regal gegraben und ein paar Vinylschätzchen aus der DDR hervorgekramt. Ich habe dort zwar nicht gelebt, hatte aber enge Kontakte. Ja, da kommt ein wenig Melancholie auf...
Lange nicht mehr gehört hatte ich dieses Lied auf einer schwarzen Scheibe von 1979 (das Video ist jünger) und bin überrascht, dass Holger Biege damals schon einen solchen Text verfasst hatte: Link😳
Und dann muss noch ein anderer persönlicher Klassiker aus dem Jahr 1977 auf den Plattenteller: City, Am Fenster, Langversion (das eigentliche Lied beginnt bei Minute 7). Da schmelze ich jedesmal, immer noch wunderbar! 😀

Ein interessantes Erlebnis hatte ich heute auch:
Ein bildschöner Husky kommt mir entgegen, an der Leine zieht er sein betagtes Frauchen hinter sich her. Kaum sieht er mich nahen, nimmt er eine stramme Haltung an. Frauchen zieht die Leine kurz und bugsiert ihn an den Rand eines Feldes. Normalerweise für mich das Zeichen, vorsichtig zu sein und einen mögichst großen Bogen zu laufen. Doch dies hier geht anders aus. Als ich etwa auf der Höhe von Hund und Frauchen bin, macht er einen gaaaanz langen Hals in die Luft, wirft den Kopf in den Nacken und stimmt ein kräftiges Heulen an.
Ja bin ich für den etwa der aufgehende Vollmond...?


12 Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    wie toll, den Marathon noch mal nachzu"fühlen", indem du dir die Übertragung ansiehst! Super Idee! :)
    Aber dass du deine Kollegen übersiehst, tststs. ;) Bist du denn wirklich an ihm vorbeigelaufen oder seid ihr so unterschiedlich gestartet, dass ihr unabhängig voneinander gelaufen seid?

    Danke für den Lese- und die Musiktipps. Ich kannte beide Lieder nicht. Am Fenster ist ja absolut unglaublich! Wie konnte ich so ein Lied so viele Jahr NICHT kennen??? Danke, dass du dieser Unwissenheit ein Ende bereitest hast! :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Doris,
      der Kollege lief ca. 2,5 Minuten vor mir los, aber am Ende war ich 5 Minuten flotter. Wir waren wohl jeweils argmit uns selber beschäftigt;-)
      "Am Fenster" ist einfach für mich eines der wunderwunderwunderschönsten Lieder! Es freut mich, dass es Dir auch gefällt!
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  2. Liebe Elke,
    na, der Hund hat dich eindeutig angefeuert :-)
    Das Buch muss ich auch mal lesen, danke für den Tipp.
    Viele Grüße,
    Irina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Irina,
      stimmt, wahrscheinlich hat der mein Talent erkannt ;-)!
      Gerne und liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  3. Du warst nicht zufällig in der Eifel? Dann hätte es nämlich ein Wolf sein können

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Heidrun,
      sooo weit war ich dann doch nicht gelaufen. Aber auch als Katzenbesitzerin kann ich einen Husky von einem Wolf unterscheiden ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  4. Liebe Elke,

    der Husky hat wohl nur sein Elend in die Welt hinausgeschrien, dass sein Bewegungsdrang durch Leine und Frauchen gebremst wurde, während Du locker und flockig an ihm vorbei gelaufen bist :-)

    Ansonsten ist es doch herrlich nach dem Marathon in frischer Herbstluft läuferischen Müßiggang zu pflegen. Irgendwann fängt es dann sowieso wieder an zu jucken :-)

    Liebe Grüße
    Volker

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Volker,
      aaah, ich glaube, Deine Erklärung für das Hundekonzert wirds sein!
      So ein wenig Müßiggang tut auch mal gut. Aber gestern juckte es dann schon wieder und wunderbare 17 km waren das Resultat ;-).
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  5. Liebe Elke,
    ich als Ossi bin ja mit dieser Musik aufgewachsen und trotzdem habe ich sie schon lange nicht mehr gehört. Unglaublich toll. Danke fürs Erinnern :-)
    Und Danke auch für den Buchtipp, ich denke, solche Erfahrungsberichte sind sehr wertvoll.
    Eine Erklärung für das Verhalten des Hundes habe ich nicht, aber mir gefällt die von Volker recht gut :-)))
    Der Hund wäre einfach liebend gern mit dir mit gelaufen.
    Ich denke, die Zeit nach dem Marathon ist gar keine Leerzeit, sondern eine Zeit, wo man einfach mal ein bisschen in der Luft hängt ... :-)
    Bevor die nächsten Ziele kommen. Die nächsten Plane gemacht werden. Und das Training wieder aufgenommen wird.
    Genieße es!
    Liebe Grüße
    Helge

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Helge,
      ja ich denke, bei Euch löst die gute alte Mucke nochmal ganz anderen Erinnerungen aus, und Mauerfalltag sowieso... Bei mir leben dann die Bilder der Verwandtenbesuche auf, aus einem Land mit komischen Gerüchen und Geräuschen.
      Kennst Du überhaupt so eine Leerzeit? Du bist doch quasi permanent im Training oder auf Wettkampfstrecken! ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  6. Liebe Elke,
    nach dem Laufjahr hast du dir das doch verdient, oder? ;-) ... das wollte dir der Husky nur zuheulen! LOL
    Genieße den Müßiggang ohne krank zu werden und wenn die Lust wiederkommt, dann kannste ja wieder angreifen! ;-)
    LG Manfred

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Manfred,
      so sehe ich das auch Nun ist mal stressless running angesagt, laufen nach Lust und Laune! ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen