Eigentlich hätte ich hier mit Begeisterung von meinem erneuten Höhenmeterlauf berichten wollen (8 km mit 225 HM). Aber dann erreichten uns erst verstörende, dann schockierende Überflutungs-Nachrichten von daheim. In Orten vor und nach dem unseren wurde in Erftnähe evakuiert. Der sehr schlimm betroffene Nachbarort Erftstadt-Blessem ist ansonsten der Wendepunkt meiner ganz langen Läufe. Wenn man das Terrain also kennt, ist das alles unvorstellbar, wie in einem schlechten Katastrophen-Film. Das gilt auch für Bad-Neuenahr-Ahrweiler, wo wir so gern den Ahrathon laufen. In den Nachrichten erkannte ich eine nun völlig zerstörte Brücke, die wir ca. bei km 2 querten. Wir überlegten, zurückzufahren. Aber dann? Kann man etwas ändern? Vielleicht wird man gleich wieder evakuierungsweise weggeschickt, in eine Turnhalle? Zudem blieb es in unserem Ortsteil, immerhin auch nur 1 km von der Erft weg, ruhig. Also blieben wir am Urlaubsort, mit Bangen. Lust auf laufen und Blog war erst einmal keine mehr.
Doch in Maßen kehrten die Lebensgeister zurück, mit der langsamen Entspannung daheim. Außerdem hatten wir etwas vor... Genauer: Nicht wir selber, aber andere liebe Menschen. In und um Grindelwald wurde der Eiger-Ultra-Trail ausgetragen. Und dorthin sollte es zum Supporten gehen.
Zunächst stand am Samstag der 51 km-Lauf an, garniert mit 3100 Höhenmetern. Wir trafen uns in Burglauenen, ca. km 44 mit Catrina, Kai, Reto ("Mapman") und Susanne, um Marion und Wolfgang anfeuern zu können. Zwar war die Temperatur läuferfreundlich, aber leider waren alle Gipfel wolkenverhangen. Daher auch für die Läufer*innen keine schöne Aussicht von oben. Im Gegenteil, teils Nebelfelder und Schnee galt es zu meistern. Reto, der die Strecke kennt, mutmaßte, dass besonders der Trail abwärts zu unserem Standort besonders heikel sei. Schon bei Trockenheit eine technische Herausforderung, nun, nach tagelangem Regen und von Hundertschaften Läuferfüßen "bearbeitet" dürfte es besonders schwer sein. Genau das berichteten dann auch Wolfgang und Marion. Was ihnen jedoch, wie man unschwer sieht, die gute Laune nicht nahm. Frisch wie der junge Frühling kommen sie angetrabt. Marion schon seit vielen Kilometern auf Platz 1 ihrer AK, Wolfgang nur minimal vom Äquivalent in seiner AK getrennt.
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| Bild: Catrina |
Unverzüglich nach dem Treffen machen wir uns auf den Weg nach Grindelwald, wollen sie noch zweimal erwischen. Zunächst ca. 2 km vor dem Ziel. Nachdem die beiden fast die ganze Strecke gemeinsam liefen, kommt nun doch zuerst Wolfgang. In sich hineingrinsend, wie man ihn so kennt ...
Und welch ein Generationenkontrast: Die junge Frau in türkis hat auch bewundernswerte knappe 50 km auf dem Tacho, aber wer schreitet da so munter herbei?
Schlussendlich dürfen wir Marion zu Platz 1 ihrer AK in 8.33 Std gratulieren, Wolfgang zu 8.31 Std als 2. der AK. Da ihre Distanz unter dem Patronat einer Läuferleuchtenfirma stand, dürfen sie sich über sehr gute neue Ausstattung in dieser Hinsicht und 2 Läuferrucksäcke freuen.
Bei einem gemütlichen Abendessen in großer Runde gaben die beiden, wie Reto es ausdrückte, positive Schwingungen an Catrina und ihn weiter, um für die 35 km mit 2500 Höhenmetern am nächsten Morgen NOCH besser gerüstet zu sein.
Marion, Wolfgang, Chris und ich wählten einen Streckenstandort ungefähr bei ca. km 30. Hier müssen alle Teilnehmenden vom asphaltierten Weg in scharfer Kurve in einen engen schmalen Pfad abbiegen. Wir entscheiden, uns nützlich zu machen und uns ein wenig wegweisend zu betätigen. Das kurze Flatterband und ein verblasster grüner Pfeil auf dem Boden könnten im läuferischen Tunnelblick unserer Erfahrung nach durchaus untergehen. Warm ist es und sonniger als am Vortag. Gelegentlich können wir Blicke auf die umliegenden Gipfel erhaschen.
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| Hiiier bitte rechts entlang! |
Leider verpasse ich fotografisch Reto. Mist, wir haben uns nicht erkundigt, welches Outfit er trägt. Allerdings nehme ich ihn wahr, als er fast Seite an Seite mit einem jungen Burschen auf die Abzweigung zusteuert und ich mich frage, wer von den beiden als erster dort einschwenkt. Genau damit setzt er sich gerade auch geistig auseinander, wie wir später von ihm erfahren. Jedenfalls kann er im allerletzten Moment Chris und Wolfgang grüßen, bevor er, längst auch auf Platz 1 seiner AK laufend, schwungvoll als erster auf den Pfad geht.
Wolfgang und Chris haben die uns passierenden Damen abgezählt. Wir wissen, am letzten Messpunkt lag Catrina auf Platz 25 aller Damen. Wir schauen und schauen .. und diesmal gelingt es! Auch sie erkennt uns und dank "herrlicher" Hilfe zweigt sie sicher ab.
Damit ist unser Job aber noch nicht vorbei. Natürlich möchten wir den Zieleinlauf erleben! Also ruckzuck-zackzack auf ins Dorfzentrum!
Dort entert erst Reto nach 5:18 Std als AK-Sieger das Ziel und bald darauf eine strahlende Catrina in ... ups ... das wird sie in ihrem Blog selber berichten
(> siehe hier).
Wir freuen uns jedenfalls riesig mit den beiden!
Kai als Rad-Supporter seiner Frau ist inzwischen ebenso eingetroffen wie Susanne. Einen besseren gemeinsamen Ausklang kann es kaum geben! Neue Pläne werden geschmiedet.
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| Bild: Kai |
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| Welch ein Wochenende! |
Nachklapp 1:
Während die 4 aus Zürich schon auf dem Heimweg sind, genießen wir noch Kaffee auf der Terrasse vor Marions und Wolfgangs Ferienwohnung. Der Hit: Von dort aus sehen wir den Punkt, an dem wir zuvor an der Strecke standen. Und erkennen immer noch winzige Läufer-"Ameisen" hügelabwärts kommen. Doch plötzlich.... Da läuft einer am Abzweig vorbei, tiefer und tiefer bis ins Tal, wo er plötzlich irritiert stehen bleibt. Von dort hat er kaum eine Chance, zurück zu finden! Und dann: Noch mehr fehlgeleitete einzelne Läufer. Schnell ist uns klar: Wir werfen uns ins Auto, fahren zurück dorthin und setzen unseren "Job" fort! Wir können noch 2 Deutsche aufsammeln, die ebenfalls den Abzweig verpassten, später einen Genussläufer außerhalb des Wettkampfs! Die Streckenposten packen gerade zusammen. Der Schlussläufer sei doch durchgekommen und das Rennen beendet. Uns tun die falsch Gelaufenen endlos leid. Nach so viel Plage und Mühe dann einfach an einer schlecht markierten Stelle von der Strecke abkommen...
Wenigstens konnten wir ein klein wenig helfen.
Nachklapp 2:
Inspiriert von so viel Läuferausdauer mache ich mich heute auf meine Runde. So viel gibt es im Kopf zu bearbeiten... Den Kirchhügel des Nachbardorfs nehme ich schnaufend aber laufend. Ebenso eine noch folgende knackige kleine Steigung. Doch dann in einem Waldstück werde ich unsanft ausgebremst.
Plötzlich ein peitschendes Geräusch, eine Art Knall.
20 - 30 m vor mir schlägt ein langer armdicker Ast oder ein junger Baum (ist nicht genau erkennbar) auf die Straße und blockiert sie von einer Seite zur anderen. Uff, Glück gehabt. Von hinten kommen ein Auto und 2 Motorräder. Ich gebe Zeichen anzuhalten. Der Autofahrer nimmt es als Chance, seinen SUV zu testen und rollt über das total ausgetrocknete Holz. Es bricht, er steigt aus und gemeinsam räumen wir die Bruchstücke zur Seite. Er sagt, er ginge dort immer mit seinem Hund spazieren und im ganzen Wald seien viele Bäume krank aus Wassermangel der letzten Sommer.
Hier oben sind dürregeschädigte Bäume die Gefahr, unten im Tal das Hochwasser der Aare und des Thuner Sees (das dann haarscharf vor einer Überschwemmung nicht weiter steigt), und zu Hause...
Was für eine Welt!