Sonntag, 19. September 2021

Vorausgelaufen

Ein wunderschöner Frühherbstsamstag. Chris möchte die 10-Meilen-Strecke des Grand Prix von Bern ablaufen, der in 3 Wochen in corona-konformer Durchführung stattfinden soll. Also stehen wir bei 17° und leichtem Wind an der Startposition. Gelegenheit, einmal Eindrücke festzuhalten, für die beim Rennen nicht immer die Zeit ist.



Nach dem ruhigen Startgelände beim Wankdorf gehts ein erstes Mal in die Altstadt. 




















Beim Marzili queren wir die Aare und laufen nun eine grüne Passage am Flussufer entlang, dann durch das ruhige Wohnquartier an der Jubiläumsstraße.



Ein Imker beim Werk



Beim Tierpark/Dählhölzli lohnen ein paar phantasievolle Skulpturen aus Baumstümpfen den Fotostopp. Im Wald selber nehmen wir wahrscheinlich nicht ganz die richtigen Wege, sieht alles so gleich aus... Schlussendlich aber erwischen wir den Ausgang zum Thunplatz, wo wir uns durch ein Thai-Straßenfest bewegen.






Schwimmer in der Aare





Denkmal des Weltpostvereins
Ein weiteres Mal geht es in die Altstadt, die sich nun deutliche belebter präsentiert. Markt auf dem Bundesplatz und in der Münstergasse, vor dem Münster Flohmarkt. Hatte ich vorher eher Sorge, wie wir einige Straßen zügig queren können, sind es nun die vielen Flanierenden, die es zu umrunden gilt. Aber es geht ja nicht um eine schnelle Zeit.


Kunst an Tramhaltestelle






Nochmals über die Nydeggbrücke, im Hintergrund links grüßt schon der Aargauer Stalden, der mich wie immer Puste kostet.


Der letzte Kilometer wird eingeläutet. Hier geht es nochmals leicht abschüssig und die müden Beine können wieder Schwung nehmen. Fast meinen wir, Speaker und Zuschauer im Zielbereich zu hören, im Geiste jedenfalls...


Ha, da ist es, das Ziel! Heute ohne Zielbogen, aber immerhin im Sonnenschein:


16 km und 180 Höhenmeter später. Eine schöne Runde wars. Chris hat seinen Selbsttest bestanden, die Beinmuskulatur hat durchgehalten. 
Wir freuen uns auf den Lauf und hoffen auf ebenso gute Laufbedingungen. Nette Leute werden wir ohnehin treffen!


Sonntag, 12. September 2021

Kultur-Tour

35 km in 7,5 Stunden - wahrlich kein Bestwert. Aber heute kommt es auf den Inhalt an! Zum Tag des offenen Denkmals bietet unser Heimatverein eine geführte Radtour für 30 Teilnehmer an. Passend zum Herbstmotto im Kreis, dem jüdischen Leben in unserer Region, führt unsere Route zu Friedhöfen, ehemals jüdischen Wohnhäusern und anderen relevanten Punkten unserer Stadt.

30 km, für Elli eigentlich keine große Nummer, doch als ich die Armada der Akku-bepackten Zweiräder sehe, kommen leichte Zweifel hoch. Aber die erweisen sich als unbegründet. Es geht gemütlich zu.

Immer wieder nutzen Mitradler/innen die Gelegenheit und befragen mich zu meinem seltsamen Gefährt. Ich erkläre gern, was ich da fahre. Für mich neue Fragen sind allerdings "Und wo setzen Sie sich dann unterwegs?" und "Wo ist denn der Akku?"

Nach der ehemaligen Kerpener Synagoge (heute Wohnhaus) erreichen wir eine Stelle, an der im vergangenen Jahr Stolpersteine niedergelegt wurden. Das Haus der 1930er steht nicht mehr. Einer der Bewohner überlebte im französischen Exil, baute sich dort ein neues Leben auf und legte seine Erlebnisse in Buchform nieder. Sehr beeindruckend.

Weiter geht es nach Brüggen. Hier erwartet uns eine kleine Überraschung, denn ein teilnehmendes Ehepaar hat für alle Kuchen gebacken. Dies, obwohl in ihrem Keller noch die Trockner laufen, die die Folgen der Überschwemmung beseitigen sollen. Unterwegs sehe ich einen interessanten Bildstock, leider kann ich nicht stoppen zum fotografieren (To-do für später). Nach einer ehemaligen jüdischen Metzgerei halten wir bei einem früheren jüdischen Kaufhaus.


Den dortigen jüdischen Friedhof können wir um ein Haar nicht betreten, das Tor ist verschlossen. Doch wir finden einen Weg über die Mauer. Und nachdem alle darüber gehievt wurden, entdeckt eine Teilnehmerin, das auch ein bequemer Schleichweg ebenerdig existiert. 😆


Weiter geht es mit einer weiteren kleinen Rast unterwegs nun zu unserem eigenen Ortsteil. Zunächst zum hiesigen jüdischen Friedhof, wo wir wie bisher auch an allen Haltepunkten Interessantes, Wissenswertes und vor allem nachdenklich Stimmendes erfahren. 



Vor der Weiterfahrt (immerhin sind rund 25 km absolviert) Einkehr zu Kaffee und Kuchen.
Im Dezember werden hier weitere Stolpersteine verlegt, den Termin werde ich mir nicht entgehen lassen. In diesem grauen Haus war früher eine große jüdische Metzgerei. Auf deren großem Areal (Schlachthaus, Viehställe, etc.) stehen heute Mietshäuser.


Wir schließen den geradelten Kreis und kehren zurück nach Kerpen. Auf dem dortigen jüdischen Friedhof begegnen uns einige Namen von Familien wieder, an deren Häusern wir vorbeifuhren.






Den Abschlusspunkt bildet das ehemalige Ghettohaus. Dort wurden Kerpener Juden zwangseinquartiert, nachdem man ihnen ihre Häuser und Wohnungen genommen hat. Doch dies nur als Zwischenphase. Von hier ging es per Viehtransporter weiter nach Köln zu den Transporten nach Osten. Niemand aus diesem Haus hat überlebt. Ein authentisches Foto eines solchen Transportes von dieser Stelle zeigt uns die uns führende  Stadtarchivarin.



Da unsere Gruppentour eher langsam war, gebe ich auf den 5 km Heimweg nochmals richtig Gas. Zumal die Sonne sich dem Horizont nähert und es schon langsam frisch wird.
Es war ein sehr interessanter Tag. Nicht ohne Beklemmung. Denn was man zwar aus Geschichtsbüchern kennt, rückt einem doch sehr nah, wenn es mit ganz konkreten Orten, Personen und Ereignissen verknüpft wird. Man sieht die altbekannten Straßen mit anderen Augen.

Mittwoch, 8. September 2021

Navigieren mit Irrungen

Manchmal sind die ungeplanten Touren die interessantesten.
Ich möchte eine Abendrunde mit Elli drehen, dabei eine ausgeliehene Zeitschrift zurückbringen und dann mal sehen. Das "mal sehen" bringt mich weiter an der Erft, zum Dorf, wo ich 2 Jahre die Grundschule besuchte. Lustig, es ist das Nachbardorf meines damaligen Wohnortes und als Kind kam mir das seeehr weit vor. Wir wurden sogar extra mittels Schulbus befördert. In Wahrheit sind es 1,5 km, heute für mich überhaupt keine Distanz!
Da kann ich doch, passend zum "Kreuz"-Motto, gleich nochmals in meinem Kindheitswohnort etwas nachschauen...
Dort gab es das Hagelkreuz.
In einer Baumgruppe abseits des Dorfes stand es.

Eine Baumgruppe gibt es immer noch ... aber die Bäume sind jünger.




Das Kreuz, das dort heute steht, scheint eher neu. Ich vermute, der Sockel davor trug das alte Kreuz, das ich wohl als Kind sah. Aber das war für uns damals in den 1960'ern nicht so interessant. Die Hauptattraktion war ein uralter Baum neben dem Kreuz, in dessen sehr ausladendem Stamm oben eine große nestartige Aushöhlung entstanden war, in der wir zu dritt oder viert hocken konnten. Unter dem immer noch dichten grünen Blätterdach dieses Baums. Ich vermute, er ist dann später abgestorben oder wurde mangels Standfestigkeit gefällt.


Früher stand das Kreuz und seine Baumfreunde zudem im freien Ackergelände, an einem Feldweg. Heute braust der Verkehr vorbei und ein Gewerbegebiet hat sich herangeschoben. So ändern sich die Zeiten


Ich rolle noch ein wenig durch mein altes Dorf. Richtig, an dieser Ecke stand ja auch noch was...


Dann verlässt mich das Navigationsglück ein wenig. Ich möchte die Bahnlinie queren (immerhin ca. 1x stündlich eine Bimmelbahn), doch die Überwege in meiner Nähe sind nur für Fußgänger und mit diesen speziellen versetzten Sperren so gesichert, dass Elli nicht durchpasst. Schlussendlich entdecke ich die alte Landstraße zu einem anderen Nachbarort wieder. Finde mich dann aber in einem mir völlig unbekannten Gewerbegebiet wieder (ich erwähnte schon, da war früher alles nur Ackerland)), muss gefühlt endlosen Schleifen folgen, vermute mich schon im angepeilten Nachbarort, nur um zu merken, dass ich nach Himmelsrichtung völlig abwegig rolle. Ich versuche einen anderen Ausweg, habe nur eine viel befahrene Straße ohne Radweg oder ein radwegähnliches Asphaltband zur Wahl. Wähle letzteres, doch was ein Radweg hätte sein können, wird erst zum Feldweg, dann fast zum Trail. Oh, die arme Elli schüttelt es! Dann stößt diese Strecke auch noch an die Autobahn und ohne weitere Absperrung rolle ich plötzlich auf ca. 3m neben dem brausenden Verkehr. Immerhin, der Trail wird wieder zum Feldweg - und ich finde mich auf wenige Meter beim Hagelkreuz wieder. Nun ja, immerhin habe ich ein Gewerbegebiet kennenlernen dürfen.
Eigentlich dachte ich immer, ich sei gut im Navigieren... meine Irrungen sehen später so aus:😂


Ich rolle Richtung Tagebaurand und bin erst positiv überrascht, dass man dort eine Radstraße gebaut hat. Nein, nicht einfach nur einen Radweg, gleiche eine Straße!
Doch zu früh gefreut, nach wenigen 100m ist Ende Gelände. Ab auf die Werkstraße, auf der der eine oder die andere Motorisierte flott an Radlern vorbeipreschen.


Am :terra nova-Aussichtspunkt gönne ich mir eine kleine Verschnaufpause mit Blick auf eine schöne Abendstimmung. 


Langsam werden die Beine müde. Kurz vor daheim, die Sonne steht tief, erste Herbststimmung auf dem Stoppelfeld.


Ich werde erwartet. Auf dem Garagendach sitzt unsere nun verwitwete Katze Sofia und schimpft mich aus, dass ich ihre Abendfressenszeit deutlich überzogen habe. Ja das Fellnasenpersonal ist auch nicht immer zuverlässig...



37,5 km in leicht über 2 Stunden. Schön wars.

Sonntag, 5. September 2021

Endlich wieder Elli

Nach meinem Halbmarathon bei den Eifelmaaren gönnte ich mir eine entspannte Woche. Mehr als 2 Läufe wollten die müden Beine auch nicht. Heute sollte es mal wieder eine Abwechslung sein, denn allzu lange hatte Elli in der Garage darben müssen. Wobei - die Dinge entwickeln sich. Chris hat nämlich sein Herz fürs Ellipieren entdeckt! Nicht ganz freiwillig, seine Piriformisprobleme verhageln immer noch ein wenig das Laufvermögen. Und da Elli mir schon bei meinen Fußproblemen nach einem kleinen Treppensturz so wunderbar das Trainieren ermöglicht hatte, darf nun er die wunderbaren Laufsamaritereigenschaften der grünen Dame nutzen.
Nach Absolvieren einer Marathondistanz in 2 Stunden fragte er nebenbei, was denn meine längste Elli-Tour gewesen sei. 56 km. Fast schon klar, was heute angesagt war, nach 60 km an einem Sommersonntagmittag kam er etwas ermattet aber zufrieden daheim an.
Weswegen ich dann meine Tour erst gegen Abend antreten konnte. Bei 26° ist Elli immer dank Fahrtwind eine gute Alternative zu laufen.
Erst noch rasch als Nachtrag zu meiner Kreuztour einen weiteren Bildstock neben einem sehr alten Gutshof etwas außerhalb unseres Ortsteils festgehalten. Die beiden Blüten des Rosenstocks duften herrlich!                                                                



Und dann strampele ich eine flotte Runde durch Manheim.





Hier ein nicht mehr vorhandenes Wegekreuz. Früher flankiert von zwei alten Bäumen stand es ca. 150 außerhalb des Dorfes. 



Der Sockel, vermüllt.
Gut möglich dass es noch weitere gab, die aber inzwischen spurlos verschwunden sind. Später fällt mir ein, dass ich noch einen weiteren kenne an einem abgelegen Gutshof. Das wäre nochmal ein Ziel für einen Lauf. Aber auch da ist nur noch die Lücke zu sehen.
Die Radwege wachsen langsam zu. Wahrscheinlich sagt sich die Stadt, dass hier sowieso niemand mehr radelt. Weit gefehlt. Mir kommt ein Radler entgegen und es ist sehr schwer, aneinander vorbei zu kommen.


Der eine oder andere Schnappschuss entgeht mir leider. Zum Beispiel das mir entgegenkommende Cabrio, in dem auf dem Beifahrerseits ein Rottweiler mit hoch erhobenem Haupte sitzt. Witzig!

Und ich werde nebenbei auch zum Wahrheitsgehalt von Werbung klüger. Derzeit sieht man ja öfter den Spot, der für Autokauf im Internet wirbt, und dass einem dann das auserwählte Gefährt in einem Transporter mit Glasbox-Garage hinten drauf nach Hause geliefert wird. Das hielt ich für eine schiere Werbeübertreibung.
Bis ich aus dem Augenwinkel im hiesigen Gewerbegebiet gleich ein halbes Dutzend dieser gläsernen Lieferwagen stehen sah.
Was es nicht alles gibt!
Da das Abendessen wartet, bleibt es bei einer knappen Stunde und 17,7 km. Die aber doch die Oberschenkel ziemlich fordern, ich habe Elli zu lange ignoriert...