Das Rheinland, in diesem Falle insbesondere rund um Köln (und wohl auch Düsseldorf), ist gerade echt arg betroffen.
Da wäre der Lockdown, daran hat man sich schon fast gewöhnt.
Dann die klirrende Kälte. Wenigstens ohne große Beeinträchtigungen durch Schnee.
Aber dieses Wochenende kommt es knüppeldick, jedenfalls für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, nämlich die Karnevalsliebhaber, die sich selber liebevoll als "Karnevalsjecke" bezeichnen.
Schon der 11. im 11. (der Startschuss zum närrischen Treiben im November) fiel aus. Man hat sich wacker dran gehalten. Aber nun .... am Donnerstag wäre Weiberfastnacht gewesen, heute am Sonntag wäre man "zom Zoch" gegangen, also einen Karnevalsumzug anschauen, und morgen Rosenmontag. Und alles fällt aus... Ein doppelter Lockdown quasi.
Doch so schnell lässt sich der Rheinländer nicht unterkriegen! Zumindest die Fenster werden dekoriert, passt ja zeitlich gut zwischen Weihnachts- und Osterdeko. Stellvertretend ein paar Bilder, unterwegs beim Laufen eingefangen:
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| Kölsche Deko mit Mozartkugeln! |
Das schöne Wetter lockt heute viele Familien hinaus, auf der Suche nach Ablenkung von diesem Elend. Ein wenig leid tun sie mir schon. Teils kostümiert sind sie unterwegs, um wenigstens einen Hauch von Karneval zu zelebrieren. Schon am Donnerstag um 8 Uhr am Morgen sah ich die erste vollverkleidete und geschminkte Dame. Abends beglückte eine ganze Familie mit dicker Trommel unser Viertel.
Ich suche mir heute Wege abseits, dachte ich jedenfalls. Entlang der Erft gegen den kalten Südostwind, um dann den Rückweg meiner langen Runde von Rückenschub profitieren zu können.
Dennoch wurde mein häufigster Satz "Könnte ich bitte vorbei?"
Einmal bin ich leider nicht schnell genug mit meiner Kamera: Eine junge Frau kommt mir kostümiert laufend entgegen, übergroßer Frack mit wehenden Schößen, weißes Hemd, übergroße Schleife am Hals, Plüschhund auf der Schulter. Ich schaffe es noch den Daumen hochzurecken und sie freundlich anzulachen. Sie strahlt freundlich zurück.
Im Wald scheint ein Rätselwettbewerb ausgeschildert, ich sehe 2 Ratestationen. Interessant, mein Wissen zum Leben der Regenwürmer ist lückenhaft, wie ich bemerken muss.
An anderer Stelle kann ich die Kamera dann doch schnell genug zücken. Erst denke ich, schon fast vorbei gelaufen, ob da etwa jemand eine Fellmütze neben dem Weg weggeworfen hat, und gehe die 2 Schritte zurück. Plötzlich bewegt sich die "Mütze" und ich frage mich, ob das eher eine dicke schwarze Katze ist, die die Sonne genießt? Da bewegt die Fellmützenkatze den Kopf zu mir und es ist ein Nutria, auch Biberratte genannt. Wir schauen uns kurz überrascht in die Augen, und schon macht sie sich in Richtung Wasser von dannen. Schade, ich hätte gern weiter zugeschaut.


Für den Rückweg wähle ich den Radweg einer langweiligen Bundesstraße. Immerhin spaziergängerfrei.
So öde wie die Straße wirkt, ist dann gegen Ende auch mein Laufgefühl. Dem böigen Wind habe ich ja noch getrotzt, aber gegen die immer schwereren Beine fällt mir kein Allheilmittel ein.
Ist das schön, nach 23 km endlich wieder ins Warme zu kommen!
Aber die lokale Entbehrungssituation weckt auch völlig neue Kreativität. Die Lokalzeitung hat zu selbstgestalteten Mini-Zugwagen aufgerufen:
Link, herrlich! Am besten gefällt mir der Wagen mit dem Sonderpreis...
Und auch wenn ich nicht so sehr zu den "Jecken" gehöre, werde ich mir morgen einen weiteren völlig neuen "Zoch" ansehen. Daheim, vorm Fernsehen. Das Kölner Hänneschen-Theater, eine Stockpuppenbühne, wird einen "Zoch" ihrer Puppen präsentieren:
Link Nee, wat et nit all jitt! Kölle alaaf!