Sonntag, 3. Juni 2018

Rhein-Ruhr-Halb-Marathon 2018

Ich habe mich gefragt, wohin mit der Energie, die in Salzburg nicht ganz abgerufen wurde, und die in Bern zu einer PB auf dieser "Hausstrecke" führte? Das Pulsmesser hat mir dann einen Floh ins Ohr gesetzt mit dem Halb-/Marathon in Duisburg. Man kann bis zum Morgen des Starttages überlegen, Nachmeldungen sind dann noch möglich.
Also auf ins Ruhrgebiet, von dem ich, das muss ich gestehen, bislang kein rechtes Bild im Kopf habe. Auch mein Mann ist neugierig, nachdem er sich im Netz ein wenig eingelesen hat. Laufen wird er nicht, sein Großprojekt steht kommendes Wochenende an.

Gut gelangen wir zum Start-/Zielgelände an der Schauninsland-Arena, nah an der Autobahn, ausreichende und kostenlose Parkplätze direkt davor. Und ein wenig Kunst erfreut auch das Gemüt.
Duisburg rühmt sich, mit Berlin und Frankfurt zu den ersten Stadtmarathons in Deutschland zu gehören. Doch dann starteten andere durch und Duisburg musste immer wieder mit neuen Problemen kämpfen (Wikipedia weiß mehr, Veranstalter-Link). Dennoch, der Lauf blieb, wenn auch im kleineren Rahmen. Einige 100 Marathonis und gute 2000 Halbmarathonis sowie Teilnehmer anderer Rahmenrennen finden sich gut gelaunt ein.
Ein Pfarrer spricht segensreiche Worte und wünscht uns helfende Engelein zur Seite.

Wir können einen Blick auf einen der meist fotografierten Männer werfen, die personifizierte "rote Laterne", man beachte selbige in der rechten Hand.









Nachdem schon um 8:30 Uhr die Marathonis auf die Strecke gingen, folgt der Halbmarathon um 10 Uhr. Der ersten km sind für beide identisch, dann biegen nach ca. 3,5 km die Marathonis auf eine lange Nordschleife ab, treffen später zwischen km 5 und 6 der "Halben" wieder mit diesen zusammen.
Gleich hinter dem Start eine Sambagruppe mit optisch hinreißender Damenbegleitung, ging leider nicht besser aufs Bild.



Auf den ersten km ist kaum ein selbstbestimmtes Tempo möglich, so dicht sind alle beieinander. Die schon leicht drückende Luft befördert damit einige olfaktorische Erlebnisse, die ich lieber nicht gehabt hätte. Man sehnt jeden Windhauch herbei.
Ich habe mich dem 2:00-Pacemaker angeschlossen, der mit einem knallroten Herz-Luftballon rennt. Da mein V800 teils aberwitzige Zeiten zeigt, bin ich um diese Hilfe dankbar. Doch leider passiert ein Missgeschick, schon nach 4 km sucht der Ballon das Weite, begleitet von zahlreichen "Oooohhhh"-Ausrufen. Dumm, nun muss ich nach grober Orientierung laufen. Und die sagt mir, das wird anstrengend heute.

Am Theater, das MUSS hier festgehalten werden, Aplhornklänge!











Vorne das Duisburger Rathaus, ein Gründerzeitbau mit Paternoster, wie ich aus einem früheren Termin dort weiß. Aber den lassen wir heute aus, alles wird zu Fuß gemacht.









Lange nicht gesehen, Michel feuert in bewährter Weise an. Schick hat er sich gemacht.
Er steht vor einem Seniorenheim, das wie an vielen Punkten in der Stadt, den Anlass zu einer Feier nutzt.
Hier an dieser Stelle stoßen die Marathonis wieder zum Feld, genauer gesagt, im Moment meiner Passage die, die eine 3:30'er-Endzeit anpeilen.
Das System ist gut, denn so konnten sie kühlere Morgenluft nutzen, und sind nun bis zum Ziel in Gesellschaft, also nicht ganz allein auf den langen Straßen.


Bierbänke und -tische, Rollatoren und Rollstühle stehen in Reih' und Glied. Akustisch schmachtet Elvis gerade volle Pulle "Don't be cruel", herrlich. Überhaupt die Stimmung... Zwar ist nicht die ganze Strecke lückenlos von Zuschauern bevölkert, aber immer wieder laufen wir an Straßenparties, Hot Spots und Zuschauergruppen vorbei. Oft wird "Privatmusik" geboten, von Schlager bis  Rock alles vertreten, hyper-hyper! Und überall wird geklatscht und angefeuert. Anders herum ausgedrückt: Wenn rheinaufwärts in Köln oder Düsseldorf jeder Zuschauer mal soviel Lärm machen würde, wie die hier im Pott, das gäbe ein wahres Erdbeben für die Ohren.

Ein paar weitere Eindrücke von unterwegs. Man läuft fast durchgängig durch Siedlungsgebiete, keine großen Highlights, aber auch keine Industriebauten.














Mein Mann erwartet mich kurz hinter km 9. Da habe ich schon etwas Mühe mit dem schwülwarmen Wetter. Bald danach meldet mein Kreislauf Mitmachprobleme, fügt sich dann aber schlussendlich in seine Pflicht.


Doch obwohl ich mir für diesen Lauf nichts vorgenommen habe und mit völlig entspanntem Puls am Start stand, fängt etwa zur Streckenhälfte der Magen mit Drückereien an, die sich gegen Ende immer übler entwickeln.
Das verleidet dann doch die Freude ein wenig. Aber wenigstens ermöglicht mir dies Praxistraining der Disziplin "Durchhalten und beißen".
Den "Hänger" bei km 12, 13, 14 kann ich nochmal überwinden, aber ab km 18 wird es hart, ich muss immer wieder kleine Gehphasen einlegen, um den Magen zu beruhigen, wie doof.


Dauernd habe ich dabei diesen Marathoni und seinen eigentlich nicht erlaubten Radbegleiter vor der Nase, die sich munter beplaudern, wobei die Zielzeit nachher wirklich um die 3:30 sein wird - die Welt ist gemein!
Aber es ist nicht mehr weit, das hält mich aufrecht.





An der Arena ist ein Vor-Zielbereich aufgebaut. Ein munterer Moderator gibt den Teilnehmern einen letzten Schwung mit.










Nur noch kurz an der schicken Glasfassade entlang...









... dann geht es durch einen Tunnel mit Leuchteffekten (hier die Passage der Inliner vom früheren Morgen)...














... und dann ENDLICH einbiegen in den Innenraum, der uns brummend wie ein Bienenkorb erwartet. Tolle Stimmung herrscht hier!








3 Seiten des Innenraums laufen wir ab
und dann
ist
es
ge-
schafft.
Ich auch.
Mein Mann hat meinen Zieleinlauf filmisch dokumentiert. (Das muss noch gelöscht werden, Datenschutz und so.) Mein optisches Erscheinungsbild stimmt diesmal mit dem schlappen inneren Gefühl ziemlich überein, nichts ist mit Schlussspurt. Wenigstens laufend das Ziel erreichen, das gelingt. Mit meiner 2:06'er-Zeit gerate ich dennoch ins erste Drittel meiner AK und ins Mittelfeld aller Damen, auch wenn ich schon schneller unterwegs war. Doch am Ende überwiegt die Freude über das Erreichte.
Es gibt Medaillen (mit unterscheidenden Halsbandfarben für die Halb- und Volldistanzler).
Zudem für jede Dame eine Rose! Und dann darf ich auf eine große Gemeinsamtkeit von Duisburg mit den Läufen in Paris, Biel und dem Jungfraumarathon hinweisen: ECHTE Finishershirts werden überreicht! Also solche, die nur die Finisher erhalten. Find' ich gut!

Im Nachzielbereich ist mir erst einmal k---übel. Was durch das bayerische Weißbier auch nicht behoben wird. Dann setzt Frieren ein. Glücklicherweise hat mein Mann meine Jacke zum Treffpunkt mitgebracht, die ich bei 22° dankbar anziehe.
Beim "Einsteigen" ins Auto muss ich meine Wasserflasche erst einmal auf dem Wagendach abstellen, um mich abstützen zu können. Dann folgt noch ein Krampf im Fuß.
Langsam rollen wir Richtung Ausfahrt, als ein paar junge Mädchen noch auf dem Parkplatz uns eifrig etwas zurufen.
Ähm, mein Auto ist ja nett und mein Mann sieht auch nicht schlecht aus, aber beides ist doch schon in die Jahre gekommen, kein Grund für Hysterie.
"Die Flaaaaascheeee!" rufen sie.
Jesses! Die steht noch auf dem Dach. Da ich des Aussteigens unfähig bin, kommt eine der freundlichen Frauen und reicht uns Senioren hilfsbereit die Flasche ins Innere. Die jungen Leute von heute sind doch nicht so schlecht, wie man manchmal glauben mag.
Ein Posten amüsiert sich über die Nummer, wir uns auch

Das war Duisburg. Gut organisiert alles, zahlreiche Helfer an der Strecke, viele Verpflegungspunkte, es gab sogar Shuttlebusse für Zuschauer und Staffelläufer. Zwar eine große Veranstaltung, aber dennoch mit viel familiärem Flair. Duisburg hat ein bemerkenswert herzliches Publikum!
Mich würde noch die Marathonstrecke interessieren, die Ruhr und Rhein überquert und wohl mehr Industriegebiete zeigt. Aber die Mehr-km hätte ich heute definitv nicht geschafft.

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    gratuliere!! :D
    Super Idee, deine Restenergie in einen weiteren Halben zu stecken! Aber gemein, dass dein Magen nicht mitspielen wollte. :(
    Aber nichtsdestotrotz scheint mir dein Eindruck des Rhein-Ruhr-Laufes sehr positiv. Die Stimmung scheint munterer gewesen sein, als in Salzburg! ;)
    Erhol dich gut! :D

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    1. Liebe Doris,
      danke :-) Nun ja, nun habe ich gelernt, dass ich demnächst auch beim Halben vorher Magentabletten nehmen sollte. Im Kontrast zu Salzburg ist Duisburg wieder etwas ganz anderes, aber eben mit seinen speziellen Eigenarten. Immer wieder schön, was man läuferisch kennenlernen kann.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Einfach mal wieder nen Halben rausgehauen. Wunderbar. Warum auch nicht wenn die Energie vorhanden ist :)

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    1. Hallo Markus,
      genau, mir war nach laufen mal in nicht so spektakulärer Umgebung.
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    Du sammelst ja fleißig Läufe Respekt. Respekt auch für Deine Zielzeit. Magenproblembehaftet mit Gehpausen ist das eine Superzeit.

    Die Stimmung liest sich wirklich super, aber die Pottler sind ja auch nicht gerade für Trübsinn bekannt. Scheint mir wirklich ein lohnender Marathonlauf zu sein.

    Liebe Grüße, auch an Deinen in die Jahre gekommenen Mann (laß ihn das bloß nicht hören :-) )
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      ja, ich denke ich darf zufrieden sein und freue mich, spontan hingefahren zu sein. Wirklich, die Menschen am Streckenrand machen Quantität mit Qualität wett!
      Och, was das Alter angeht, da sind wir Realisten ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    Glückwunsch!!! Ich finde die Zeit absolut respektable, zumal bei nicht ganz einfachen Wetterbedingungen und mit Magenproblemen. Haste super durchgezogen :-)
    Ein Finishershirt nur fürs finishen: Grandios. So muss es sein. Alles andere gehört verboten. :-))))
    Liebe Grüße und gute Regeneration
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      ich bin mit dem Resultat zufrieden, war eben nicht ganz mein Tag. Genau, das sind die wahren Finisher-Shirts. alles andere sind einfach "Veranstaltungs-Shirts".
      Danke, und liebe Grüße
      zurück
      Elke

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  5. Oh, bin ich jetzt schuld?
    Man gab mir einst den Tipp, den Halben in Duisburg zu laufen, den Marathon aber besser auszulassen. Bisher habe ich mich daran gehalten. Mal sehen, wie lange noch.
    Bei meinem Lauf gab es im Tunnel zum Stadion sogar Bühnennebel. Da kam man sich wie ein Rockstar vor, der das Stadion betritt ...
    Mein Glückwunsch zum schwer erkämpften Finish!

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    1. Also "Schuld" hört sich so negativ an... Nein, dank Dir hatte ich ein -unter dem Strich- schönes Lauferlebnis. Ich wäre sonst nie auf Duisburg gekommen. Also wenn die Volldistanz durch Hafen- und Industriegelände geht, würde mich das mal gerade reizen. Als Kontrast zu den sonst üblichen Ansichten bei Läufen.
      Bühnennebel gab es gestern nicht, aber die Ankunft im Stadion war dennoch sehr stimmungsvoll.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke, kurz entschlossen und gut gemacht, trotz Wetter und Magennerverei. Glückwunsch zur Zielzeit!
    Ruhrpottstimmung inklusive, da weiß man was an hat. Ich mag den Pott ja sehr :-) Vielleicht nehm ich den Halben oder Ganzen auch mal mit, ist ja ein Katzensprung von hier aus. Erhol dich gut!

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    1. Lieber Oliver,
      danke Dir! Ja, da man hier noch am Morgen nachmelden kann, ist ein kurz entschlossenes Mitmachen möglich. Und super erreichbar ist Start/Ziel auch.
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Hallo liebe Elke,

    da war ja mal noch ordentlich was an Energie übrig! Die Zeit finde ich genau wie die Platzierung toll! Noch dazu für so eine Spontanaktion bei suboptimalen Temperaturen.

    Herzlichen Glückwunsch!

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    1. Liebe Lizzy,
      danke Dir! Ja, es war in Anbetracht der Rahmenbedingungen ein gutes Ergebnis.
      Liebe Grüße
      Elke

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