Mittwoch, 7. Oktober 2020

Da sprinten selbst die Hühner

 

Heute soll endliche eine neue Errungenschaft getestet werden, meine kürzlich erworbene Regenjacke. Zwar bin ich nach wie vor mit meiner Gore-Jacke sehr zufrieden, doch die ist vornehmlich für kältere Temperaturen konzipiert. Etwas leichteres musste her.
Und gut sichtbar auch in der dunklen Jahreszeit solls auch sein.


Also wurde es nun eine hyperleichte On-Jacke. Leider geruhte der Himmel nicht, mir heute zum ultimativen Test Regen zu schicken, aber der stürmische Wind erlaubte gute Beurteilung der Wind-Undurchlässigkeit und des Halts der Kapuze am Kopf. 

In diesen Punkten vermochte das Stück zu überzeugen. Trägt sich leicht und angenehm und lässt sich in die Brusttasche hineinfalten.

Bin gespannt, wie sie sich bei Regen machen wird.


Heute liegt bei mir ein kleiner Zwischensprint an. Die tolle Form des  Halbmarathons vom Sonntag möchte ich zum nächsten Wochenende hinüberretten. Also gemütlich einlaufen, dann 6 km in 5:30 und nochmal gemütlich auslaufen. 
Klappt gut und fühlt sich prima an.
Und wie praktisch, dass ich eimal zu ungewohnter Uhrzeit lief, am späten Vormittag. Das ergab die Gelegenheit, den sprintenden Hühnern  zuzuschauen. Sie leben ja in einem hochtechnisierten Hühnermobil auf der Wiese. Abends schließt die Automatik die Pforten, damit der Fuchs sich nicht in den mobilen Stall verirrt. Am späten Vormittag, nachdem hoffentlich alle Damen ihre Eier im Wagen gelegt haben, öffnen sie sich wieder. Es sind unter dem Boden befindliche Rampen, die dann ausgefahren werden. So kann ich zunächst beobachten, wie die muntere Schar es kaum erwarten kann und die erst halb abgesenkte Rampe richtiggehend herauspurzelt.

Devise zum Auftakt in den Tag: Sammeln beim Wagen!


Sodann: SPRINT! Nämlich zum Rand der Weide, wo schon Fans und Anhänger erspäht wurden. Denn die halten erfahrungsgemäß meist Hühnerleckerlis bereit.


Die Hühnerprozession sieht schon lustig aus. Deutlich erkennbar am Boden, wie liebend gern sich das Federvieh am Zaun aufhält...


Einen kleinen Sprint habe ich auch an der Nähmaschine hingelegt. Ich horte ja allzu gern Devotionalien größerer Läufe. So zum Beispiel auch noch einen Startbeutel vom Berlin Marathon 2018. Eigentlich schade, wenn der nur im Schrank liegt... 
Also flugs eine etwas ansehnlichere Tasche draus gemacht. Innen gefüttert mit Köln Marathon-Shirt 2009. Auch wenn ich sie zur Schonung sicher nicht in den Supermarkt mitnehme, wird sie wohl nicht so lange halten. Das Material ist papierähnlicher Kunststoff. 
Aber bis dahin ist es eine schöne Erinnerung an ein tolles Lauferlebnis!



Sonntag, 4. Oktober 2020

Köln Halbmarathon 2020 (virtuell)

Ein wenig Herausforderung muss doch sein, so hatte ich mich entschieden, den virtuellen Kölner Halbmarathon zu buchen. Und wenn schon denn schon, das "große" Paket.
Rahmenbedingung war, dass man am eigentlichen Tag des Laufs, also heute am 4. Oktober, zwischen 8 und 18 Uhr läuft. Mittels Tracking-App erfolgte die Erfassung und Auswertung.
Das angesprochene große Paket hatte ich ja schon gezeigt, äußerlich.
Die "inneren Werte" können sich aber auch sehen lassen. Flüssige und feste Nahrung, Startnummer, Shirt, Stirnband, ein für mich unerklärliches Mini-Gummiband, das Editions-Kölschglas für diesen speziellen Lauf, eine Power-Bank (zur Handyunterstützung). Und die Medaille, als Ansporn zum ehrenhafen Erringen!


Im Vorfeld war die App zu installieren. Und eine Playlist zu laden. Jesses, ich habe noch nie im Leben eine solche Liste geladen. Wenigstens weiß ich, dass das dann wohl Musiktitel sind. Ich bin eben ein Kind der Epoche von Musik-Cassetten und schwarzen Scheiben. Es gelingt mir irgendwie, aber wo nun die Titel gespeichert sind, um sie später nochmals zu hören...? Ich bin einfach keine Digital-native 😣 Aber immerhin, es wird funktionieren.
Zur Einstimmung gibt es ein kleines Video in dieser 3D-Technik, bei der man sich "in" der Videowelt bewegen kann. Das fotografisch zu zeigen, ist allerdings schwierig...


So stehen also Chris, der sich selbstlos als mein persönlicher Pacemaker einspannt, und ich vor der Haustür und zugleich virtuell in Köln-Deutz. 14°, trocken, aber Windböen bis 60 km/h. Das Tracking kann man nur 1x starten und nicht mehr stoppen. Nach dem Start hat man gerade mal 10 Sekunden, um dann noch schnell das Handy zu verstauen. 
Die ersten Sekunden gehen mir hier schonmal verloren.
Dann begrüßt mich via App Sportreporter Tom Bartels und die schmissige kölsche Hymne des Köln-Marathons heizt mir ein. "Wenn du willst, kannst du's erreichen ...." (Restübersetzung liefere ich gern auf Anfrage). Ja, das alte Thema der Langläufer...
Nach wenigen Metern wird erst einmal die Musik plötzlich leiser. Mist, ich muss das Handy wieder rausnehmen, Lautstärke neu einstellen. Nochmals Sekundenverlust. Mit Ohrstöpseln bin ich überhaupt erst einmal gelaufen, vor vielen Jahren, und fühlte mich nur gestresst. Wenn ich nicht hören kann, was um mich herum geschieht, fühle ich mich unwohl. Und wenn der Rhythmus nicht zu meinem Tempo passt, steigt Unwille auf. Aber ich lasse mich, Gottseidank, wie sich herausstellen wird, auf das Experiment ein. Also wummern die Beats kräftig in meine Ohren. Chris merkt schnell, dass heute nur nonverbale Kommunikation geht, denn Lippenlesen beherrsche ich nicht.


Nach dem ersten Kilometer vermeldet mit eine freundliche Frauenstimme "Elke, du hast den ersten Kilometer in 5:47 geschafft". Das ist mir aber eigentlich zu schnell.
Erstaunlicherweise passt die Musik zu meinem Tempo bzw. umgekehrt und ich bin "drin". Daher wird der zweite Kilometer auch nicht langsamer. Meine neue Lauffreundin vermeldet mir sogar eine Zielzeitprognose von 2:06 Std. Das wäre ja klasse, aber scheint mir nicht machbar. Schließlich habe ich nicht systematisch trainiert. Nur einfach so, wie mir war, und mir war öfter nicht.
Doch es läuft richtig gut und fluffig. Im Nachbarort begegnet uns ein Läufer, den wir schon vom Frühstücktisch aus sahen. Ein junger Mann im gleichen Köln-Marathon-Shirt wie ich, in Begleitung von 2 Radlern. Ha, da weiß man doch, was der macht! Allerdings, wenn er seit unserem Morgenmahl immer noch läuft, ist wohl seins die Volldistanz.
So trabe ich hinter meinem Pacemaker her und ergötze mich an der Musik. Da jammert ein Bursche etwas von virtueller Liebe, und dass er nach Lissabon wolle. Ob sein Anfall vorüber geht? Ein anderer kalkuliert sein erstes Date mit der Angehimmelten. Lustig eine flotte Nummer, in der einfach sinnlos kölsche Begriffe aneinander gereiht werden, aber zu flotter Dancefloormucke. "Lecker Mettbrötschen, Karneval, Alaaf, Kölle, schäl Sick..." Und "I'm sexy an I know it", 😅 Nur wenn man manchmal genauer auf englischsprachige Texte lauscht, lässt mitunter die Erbauung nach.


Die mir vermeldeten Zwischenzeiten gehen nicht hoch, wohl sinken die Prognosen rapide unter 2:06 Std. Wo soll das enden?
Tom Bartels ist eher schweigsam. Ich hatte gedacht, er würde hier und da einstreuen, wo ich gerade virtuell laufe (so wie es beim GP Bern gemacht wurde). Aber er hält sich diesbezüglich bedeckt, steuert dann allerdings gelegentlich eine Liste der Sponsoren zu meiner Unterhaltung bei. Egal. Ich fühle mich richtig wohl! Außer bei km 9, wo wir einen guten km voll gegen den Wind rennen. Surfer ziehen bei so etwas Sturmsegel auf!
Nach knapp 11 km erreichen wir wieder die heimische Haustür, wo ich mein Getränk deponiert habe. Kurze Stärkung, weiter gehts. Ein wenig werden die Beine nun müde.
Den Rest traben wir kreuz und quer durch den Ort, der uns etwas Windschutz bietet. Die Zielzeitprognosen nähern sich inzwischen 2:02, dann  2:01 Std. Das ist der Wahnsinn hier und heute!

Bei km 17 komme ich drauf, warum sich die Füße etwas komisch anfühlen. Ich habe die falschen Schuhe gewählt. Keine Laufschuhe, sondern Alltags-Sportschuhe, solche, mit denen man eben tagsüber unterwegs ist. Nun denn, die Kenianer laufen ja auch mit allem, was ihnen die Sponsoren zur Verfügung stellen.
Inzwischen werden die Beine so richtig bleiern, aber die Zielprognose, nun bei 2:00:10, lockt mich wie die Möhre den Esel. Und dazu immer noch die heißen Rhythmen, die keine Verlangsamung zulassen.

2 km vor dem Ziel verrät mir Tom Bartels dann, dass hier der Hotspot Rudolfplatz wäre, mit viel Publikum und Menschen, die meinen Namen rufen und dass die letzten Kilometer nun von allein laufen... Die Vorstellung hilft tatsächlich. Die App hat auch eine Funktion, die einem jederzeit anzeigt, wo man virtuell in Köln gerade wäre. Aber bei der Lauferei und ohne Lesebrille am Handy herumfummeln - da verzichte ich lieber.

Den letzten km können wir mit Seiten- und Rückenwindböen absolvieren. Und gerade sollen wir den Dom sehen können, vermeldet begeistert Herr Bartels, theoretisch jedenfalls.
Längst renne ich am Anschlag. Ich stelle mir die echte Strecke vor, kratze alles zusammen, was geht. Die 2 Stunden müssen doch zu knacken sein....!
Plötzlich gratuliert mir unvermittelt die freundliche Dame, es sei geschafft. Die Musik stoppt, Ende, finito.
Die Zeit: 1:59:40! Meine PB ist 1:59:12. 
Was wäre da nicht alles möglich gewesen, wenn ich die richtigen Schuhe angehabt hätte...! 
Egal. Es war klasse. Es war richtig stimmungsvoll. Es war mitreißend. Es hat Spaß gemacht!
Der Muskelkater wird ein kräftiger sein. Aber der erinnert mich dann nachhaltig an dieses tolle Erlebnis!


Mittwoch, 30. September 2020

Schattenspiel

 

Der kleine Infekt ist fast überwunden. Ein 7-km-Läufchen vorgestern klappte ganz gut, nicht berauschend, aber hätte schlimmer sein können. Gearbeitet habe ich auch und heute schloss ich noch 12 km an. Die allerdings zu einem durchweg zu hohen Puls führten. Bei mir ein typisches Zeichen, dass da noch etwas in der Blutbahn kreist.

Aber das wird.

Zumal das kommende Wochenende seine Schatten voraus wirft.

Dies in Form eines putzigen Päckchens, das der Postbote justament am Montag ablieferte. Ich hatte im Überschwang etwas angeklickt im Netz. Und nun will die virtuelle Suppe ausgelöffelt sein. Zwar sind nur 2 Kleinigkeiten im Bild verändert, genauer gesagt, abgedeckt, aber sicherlich kommt ihr drauf...


Sonntag, 27. September 2020

Pulver, Hühnerbrühe und Geburtstagsküchlein

Die Woche fing ja prima an. Körperliche Bewegung im Rahmen des Jobs.
Als erstes eine geführte Exkursion zum Thema Klimawandel in der "bösen Stadt" (a.k.a. Düsseldorf). Interessant und deprimierend zugleich. Man hat dort heute schon 1,5° Temperatursteigerung. Auf der Kö gehen gerade die Rosskastanien wegen dieser Bedingungen ein. Man pflanzt hitzeresistentere Bäume nach, ungarische Silberlinden.

In der City ein Gebäude kurz vor der Fertigstellung. Statt eines Dachs trägt es 8 km (!) Hainbuchenhecken. Eine Ecke weiter ein Libeskind-Bau, dessen Dachbegrünung leider von der Straße aus nicht sichtbar ist, wohl die auch nicht uninteressante Fassade. Der Rundgang war zwar kurz, aber dank der Mittagshitze und dem Gehen-stehen-gehen-stehen-Rhythmus dennoch anstrengend.




Eine Elli-Runde konnte ich auch noch am letzten schönen Tag drehen, bevor es Donnerstag zu einer speziellen Veranstaltung ging. Mein Arbeitgeber wünschte einen ganztägigen Workshop mit möglichst vielen Mitarbeitenden in denk-anregender Umgebung. 
Der Weg dorthin führte mich vom Bahnhof aus eine halbe Stunde strammen Morgenmarschs durch den Kölner Rheinpark, vorbei an vielen Kanada- und Nilgänsen, entlang gepflegter Pflanzungen und einem malerischen Hafenbecken.






An ruhiger Stelle nahe des Rheins hatte man für uns einen zeltähnlichen Bau aufgestellt, der coronagerechte Durchführung erlaubte. Mehr Frischluft geht kaum. Das "kaum" wähle ich hier, weil uns ein kalter, kräftiger Wind um die Ohren pfiff, der die Moderationswände immer wieder umwarf. Glücklich, wer an eine Isodecke gedacht hatte und eine solche zum Einsatz bringen konnte. Ich hatte immerhin eine warme Winterjacke und Pulli gewählt. 
Und für den Rückweg war ich froh um meine Mütze...



Aber irgendwo scheine ich mir im Laufe der Woche Bazillen eingefangen zu haben. Rache der Düsseldorfer an Köln? Zu windiger Workshop?
Jedenfalls reichte es, mir einen Lauf zu verhageln, auf den ich mich gefreut hatte, den Bergheimer Abendlauf. Noch nie passte es zeitlich dort für uns. Wir hatten uns für die 10-km-Variante angemeldet, die wahrhaftig zur Durchführung gelangte.
In dem Fall dann ohne mich, aber Chris hielt die Ehre unseres Namens aufrecht und finishte mit 46:46. Einer fleißigen Streckenspionin verdanke ich Info und Bilder, noch bevor er mir selber berichten konnte. 😄 
Das silbrige in Chris' Hand ist übrigens ein kleiner Geburtstagskuchen, Chris hatte das Vergnügen, genau an seinem xx. Geburtstag dort laufen zu können!



Ich für meinen Teil gestaltete mir den Freitag und Samstag mit Vitamin-C-Pulver und Hühnerbrühe. Es führte auch zu einer Besserung. Zudem sah ich zufällig am Sonntagmorgen die Übertragung des Berlin-Marathon-Ersatzes, eines 4'er-Staffellaufs, mit dem Eliud Kipchoges in Berlin gelaufener Weltrekord angegriffen werden sollte. Es gelang dem Läuferkleeblatt auch mit wenigen Sekunden Vorsprung und machte mir gleich Lauflust. Aber dann gewannen die Bazillen wieder die Oberhand und ich musste mich ihnen für den Rest des Sonntags doch wieder beugen.
Schaun mer mal, was morgen ist. Ich sehe deutlichen Spielraum nach oben.





Sonntag, 20. September 2020

Swiss Trail Tour

Wahrhaftig ein Wettbewerb, ein richtiger mit Wertung und allem was dazu gehört! Natürlich auch mit Corona-Maßnahmen. In Lenk/Simmental findet die dritte Austragung der Swiss Trail Tour (swisstrailtour.ch) statt. Man hat die Wahl zwischen 3 Läufen an 3 Tagen, die addiert 100 km Gesamtstrecke ergeben. Oder man läuft samstags die 51 km in Einzelwertung. So wie Marion, Wolfgang und Chris. 

Ich konnte mich noch schnell genug wegducken, und beschränke mich aufs Zusehen. Der Grund meiner Abstinenz ist anhand des Höhenprofils rasch dargelegt. Das hier ist etwas für Liebhaber größerer Mengen an Höhen- und flachen Metern, in diesem Fall 2.500 Höhenmeter auf eben 51 km.

Start der etwas über 300 Läufer (1-Tages- und 3-Tagesläufer gemeinsam) ist  um 7 Uhr. Das Morgengrauen erlaubt genug Sicht, um die obligatorisch mitzuführende Stirnlampe im ebenfalls obligatorischen Rucksack zu belassen. Das Thermometer zeigt 12°, damit lässt sich läuferisch leben.

Ich habe nur eine Chance, die Läufer auf der Strecke zu sehen: Am "Leiterli" bei km 23,5, erreichbar per Seilbahn. Bevor diese um 8:30 Uhr überhaupt ihren Betrieb aufnimmt, ist genügend Zeit für einen kleinen Bummel durch den Ort. Plötzlich werden spezielle Konzerttöne hörbar. Während am Ortsausgang gerade die eine Horde losrennt, bewegt sich eine andere Herde durch den Ort. Eine ziemlich große Kuh- und Ziegenherde quert die Straße auf ihrem Weg zur Weide. Ihre Glocken (große Treicheln) machen einen Höllenlärm, aber ich liebe diese Akustik! Leider bin ich nicht schnell genug am Geschehen und das Foto gerät leicht unscharf.

Endlich nimmt gegen 8:30 Uhr die Gondelbahn den Betrieb auf. Die Sonne hebt sich müde den Wolken entgegen. Ich schwebe über die mir sonst nur verschneit bekannten Flächen. Skipiste im Sommer ist zwar grün, aber mehr auch nicht. Zudem wird gerade ein nicht gerade kleiner Speichersee gebaut, der die Skikanonen ab kommender Saison füttern soll.


An der Bergstation wird ein wenig Unterhaltung geboten. Eine Kuhglockenorgel, an der es mir aber nicht gelingt, Töne zu erzeugen. Man solle sehr fest in die Tasten hauen. Ist wohl mehr etwas für Männerarme.

Auch ein Murmelpfad ist hier zu entdecken. Man lernt etwas über die possierlichen Bergbewohner und für Kinder ist sogar ein kleines bekrabbelbares Höhlensystem vorhanden. Würde mich ja reizen... Aber heute geht es um anderes. Nur kurz die schöne Aussicht bewundert, dann suche ich mir einen guten Beobachtungsposten. Nicht zu spät, denn schon nach knapp 2.30 Std kommt der Führende und spätere Sieger angestürmt. Im Flachen wäre das für mich eine lockere Zeit für 23,5 km, aber nicht bei dem ziemlich harten ersten Anstieg!





Die Trailstrecke quert eine Kuhweide, hier finde ich einen guten Standort. Jedem Läufer gebe ich eine kleine Aufmunterung mit. Doch vor allem die Schnelleren scheinen darauf keinen Wert zu legen. Ist das hier wie im Flieger, wo der Linienflugkapitän Beifall als Beleidigung empfindet? Oder sind sie so tief im Tunnel? Immerhin, die späteren im Mittelfeld zeigen doch erfreute Reaktionen. Die ganze Szenerie wird musikalisch untermalt. Ganz oben auf der Felskuppe hat sich ein Ukulele-Spieler platziert und entbietet ein breites Spektrum. Songs wie "Blowin' in the wind", brasilianische Rhythmen, "Sex Bomb" geben einen netten Akzent. Als ein Bauer auf einer Nachbarweide Gülle versprüht, kommentiert die Ukulele "Go Johnny gogogo!"
Leider setzt dann der Regen ein, den der Wetterbericht hartnäckig nicht gemeldet hat. Gottseidank steht ein alter Schuppen auf der Weide, unter dessen überkragendes Dach ich mich flüchten kann. Leider flüchtet die Ukulele auch und die Musik verstummt.


Nach 3:45 Std naht Wolfgang, er ist guter Dinge und munter unterwegs. Eine gute Minute nach ihm Marion, die sich auch auf der Strecke wohlfühlt. Nach 3:55 Std folgt Chris. Ich gehe mit ihm zusammen zur Bergstation, wo an km 23,5 die zweite Verpflegungsstation positioniert ist. Ursprünglich sollte nach Reglement bei 4 Stunden hier Cut-off sein, aber wurde da gestern beim Briefing nicht 4:30 Std gesagt? Egal, alle 3 haben dieses Limit erfüllt.



Verpflegung in Corona-Zeiten. Jeder Läufer muss eine Gabel und einen Becher mitführen. Die Becheridee finde ich prima, dann so wird der Müll drastisch reduziert. Mit der Gabel sollen Riegel, Bananen u.ä. aufgenommen werden, die sich aber teils widerspenstisch zeigen.

Schnitt. Weitere Begegnungen mit den Läufern sind mir leider nicht möglich, sie laufen in einsamen Regionen.

Eigentlich wollte ich ins Tal hinabwandern, aber angesichts der Witterung wähle ich erneut die Seilbahn. So kann ich unten den Sieger im Ziel erleben, das er nach 5:00:03 Std erreicht. Wahnsinn! Der Regen legte zwar eine kurze Pause ein, aber nimmt dann auch erneut Anlauf. Unser Auto steht so günstig geparkt, dass ich vom Sitz aus die Läufer auf ihren vorletzten 100m beobachten kann.

Erfreulicherweise hört die himmlische Wassergabe rechtzeitig wieder auf, bevor das Trio das Ziel erreicht. Als erste nahen Marion und Wolfgang mit gut 8 Std. Im Bild hinter Marion eine Läuferin auf ihrem ersten Traillauf überhaupt. Ihr ganzes Training bestand darin, im Sommer auf 2000m eine Alp zu betreuen und wahrscheinlich im Rahmen dessen Höhenmeter zu sammeln. Ich überlege, ob ich vielleicht auch einmal solch eine spezielle Trainingsform angehen sollte...?


Wir warten auf Chris. Das Garmin-Tracking ist wie so oft ausgestiegen und wir haben keine Idee, wo er steckt. Plötzlich bringt ein weiterer Versuch des Trackingaufrufs Erfolg! Er ist nur noch einen km entfernt. Nach 9 Std erreicht auch er das Ziel.


Besonders feuen wir uns mit Marion, die den 1. Rang ihrer AK "Grand Masters Women" (50+) belegt! Ein Podest in Corona-Zeiten sieht speziell aus, jedenfalls zu 2/3.

Die Eindrücke des Trios kurz zusammengefasst: Fordernde Strecke, teils auch vor allem durch den Regen als fast gefährlich einzuordnende Passagen. Stürze hatten alle 3, Gottseidank ohne größere Folgen. 

Die Veranstalter bieten einiges auf, auch so ein 3-Tages-Event will gewuppt werden! Über ein paar Rumpeligkeiten darf man bei der erst dritten Austragung daher noch hinwegschauen.

Vorher-Nachher-Bilder. Was sind die Unterschiede? Ganz klar, die "Fangopackung" an den Beinen und die im Vergleich zum Morgen nun rundum zufrieden strahlenden Gesichter! 


Noch ein paar Eindrück aus Lenk. Ein sympathischer Ort, nicht mehr Dorf, aber auch nicht wirklich Kleinstadt. Ruhig, aber nicht langweilig.




Witzige Kunst an der Fassade der Mehrzweckhalle. Mir gefällt der kleine Hund am besten...

2 Poster im Schaufenster eines Bauunternehmers:


Ein spezieller Dachaufbau. Klärt sich später. Es findet eine Hochzeit statt und die Gäste haben ihre Autos jeweils speziell dekoriert. Der Korso, der sich am frühen Abend durch den Ort bewegt, jagt uns zunächst einen Schrecken ein, denn wir hören Martinshörner! Allerdings sind das Feuerwehr und Krankenwagen, die ebenfalls den Umzug begleiten und ihn akustisch bereichern. Soll niemand sagen, dass die Berner Oberländer nicht zu feiern wüssten!

Eine sehr sehenswerte Infotafel im Ort. Man muss wissen, dass hier als spezielle Kunst der Scherenschnitt gepflegt wird. Dies wurde wunderbar in Metall umgesetzt: