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Montag, 21. April 2025

Energetische Ostern

Endlich spüre ich wieder Energie! Mein seltsamer, eigentlich harmlos scheinender Infekt hat wohl im Verborgenen immer noch regiert. Aber nun ist er wirklich vorüber. Der Laufpuls liegt wieder in normalen Bereichen, ja ich fühle mich insgesamt wieder voller Tatendrang und nicht so antriebslos wie in den letzten beiden Wochen. Da macht man locker sogar mal Gardinenwäsche an Ostersonntag, einfach weil man's kann. 😁

Die Gretchenfrage stellt sich, was noch als Vorbereitung für kommenden Sonntag zu tun wäre bzw. getan werden könnte. 26 km beim Goethe.Kultur.Lauf in Weimar stehen an. Meine Vorbereitung war aus verschiedenen Gründen nicht optimal. Insbesondere hätte ich gern 2 oder 3 lange Läufe absolviert, nun war mein längster nur ein 17er. Also noch schnell was langes nachschieben oder lieber die erlaufene Basis konsolidieren? Ich entscheide mich für letzteres.

Denn Weimar ist kein ganz normaler Lauf. Ähnlich wie beim 100 jahre bauhaus marathon 2019 wird es Kulturauszeiten zum Thema Goethe geben. Auf den 26 km sind 8 solcher Auszeiten eingestreut. Angekündigt sind Gitarrenmusik, Malen, Honigverkostung, Selfie mit Goethe, Live-Darbietungen aus Goethe-Stücken, Musik aus Goethe's Epoche, usw. Das werde ich mir nicht entgehen lassen und sicher überall reinschauen bzw. mitmachen. So werde ich jede Menge ganz "legale" Pausen unterwegs haben und jeweils verschnaufen können. Da im Gegensatz zum Marathon von 2019 die Zeit dabei nicht gestoppt werden wird, kommt eh' ein recht bescheidenes Resultat für 26 km heraus. Sollte also dank der Verschnaufpausen trotz meiner nicht ganz runden Vorbereitung machbar sein. 


Vorgestern und auch heute fühle ich mich jedenfalls richtig gut bei meinen Laufrunden. Die Beine wollen vorwärts und ich freue mich auf dann bald mal wieder längere Strecken. Wilson ist auch dabei und ich probiere noch etwas mit ihm herum. Jedenfalls zeigt auch er sich in Form. Der Akku macht mit. Und vielleicht bringt seine Einfach-Optik mit ihren speziellen krummen Linien ein paar nette Schnappschüsse aus Weimar mit.



Die mittägliche Laufrunde heute war nur der Auftakt zu einem sportgefüllten Ostermontag. Es steigt die dritte Partie bei den Playoffs zur deutschen Eishockey-Meisterschaft. Die Gewohnheitsfavoriten Eisbären Berlin gegen die Kölner Haie, Underdogs im Finale. Für letztere hege ich Sympathien, da sie den Köln Marathon unterstützen und ich letztes Jahr als Marathon-Volunteer in den Genuss von Freikarten für ein Match kam. Die Kölner waren zuletzt vor 23 (!) Jahren Meister. Da wird es langsam mal wieder Zeit. Bei der laufenden Best-of-7-Endrunde haben beide Teams aktuell einen Sieg erzielt, es verspricht ein höchst spannendes Meisterschaftsfinish zu werden. Und Gottseidank wird es im Free-TV übertragen.
Zudem gilt es nicht nur für die Haie die Daumen zu drücken, auch für Catrina fiebern wir mit, die zeitgleich in Boston auf der Marathonstrecke unterwegs ist. Viel los an diesem Ostermontag!



Sonntag, 22. September 2024

Fünf, vier, drei...

Was für eine lockere Woche, nur 3 moderate Einheiten!

Die fünftletzte Einheit vor dem Marathon verlangt 14 km in 7 Min/km. Zwar sind die Beine nach den 33 Sontags-km noch etwas schwer, aber das Läufchen tut gut und lockert auf.

Aber dann, die viertletzte. 14 km, davon 10 in 6:25 Min/km. Eigentlich auch kein Thema. Aber wie man sich irren kann. Schon die ersten Meter laufen unrund, ich komme ich keinen gescheiten Laufrhythmus. Es ist nicht zu warm, ich hatte mich auf die Einheit gefreut, eine Runde in der Abendkühle ist doch was herrliches. Aber ich komme einfach nicht auf das vorgegebene Tempo.😟 Einerseits lege ich doch Kraft in meine Schritte, andererseits zeigt meine Uhr nur langsamere Zeiten. Kann doch nicht sein! Ich rechne nach, setze unterwegs die Kilometer und verstrichene Gesamtzeit in Relation. Mh, die Anzeige scheint doch nicht so daneben zu liegen... Nach 7 km schraubt sich mein Puls auch wieder in ungesunde Höhen. Ziemlich frustriert komme ich nach Hause. Was soll ich davon halten? Erklärbar durch Nachwehen des 33-km-Laufs?

Chris hat ähnliches erlebt. Er läuft nach gleichem Plan mit gleicher Struktur und Distanzen, allerdings mit schnelleren Zeiten. Auch er konnte die Vorgabe nicht erfüllen, wähnt allerdings den zu seiner Laufzeit noch stärkeren Wind als Ursache.


Die drittletzte Einheit, 16 km in 7:30 Min/km. Wunderbare Laufbedingungen, sanfte Spätsommersonne trifft auf frühherbstliches Blätterbunt. Anfangs laufe ich wie von selbst und ohne Mühe im in der vorherigen Einheit verlangten Tempo. Da das aber viel zu schnell wäre, müssen eben wieder Gehpausen eingeschoben werden. Später klappt das langsame Laufen dann besser, doch es wird ein wenig anstrengend.
Ähnliches erlebt wieder Chris auf seiner parallelen Runde.

Aber immerhin, 44 km nach Plan abgehakt. Was mir derzeit wenig erscheint, ist sonst ein ordentliches Wochenpensum. So kann sich die Wahrnehmung im Training ändern.

Nun folgen nur noch zwei und eins, und dann der große Tag...



 

Sonntag, 15. September 2024

Die Wundertüte füllt sich

Die zweite -und damit letzte- ganz harte Trainingswoche ist erledigt. Nochmal 80 km, ganz schön Holz für mich.

Dienstag: 14 km, darin 3x3000m in 6:20 Min/km. Die Intervalle laufe ich deutlich zu schnell (um die 6:05), einfach weil die Beine so wollen. Oder ist es mein persönliches Sicherheitsdenken? Lieber eins schneller, als hintenraus zu schwächeln...?

Donnerstag: 23 km, davon 20 in 6:25 Min/km. Schon beim Einlaufen zu schnell. Dabei laufe ich ganz locker im Wohlfühlmodus  im Gefühl, das sei viel langsamer. Die 20 flotten km gelingen mühelos. Woher das wohl kommt? Ok, ich habe zu den Carbon-Turbo-Schuhen gegriffen, die ich vor einer Weile in einem Lagerverkauf ergattert hatte. 20 EUR für das Top-Modell mit den drei Streifen und das nur, weil vorher jemand anderes sie schon an den Füßen und mit ein wenig Schmutz versehen hatte. Das ist mir das Ausprobieren wert. Und auch wenn ich nicht die Zielgruppe (nach Tempo) bin, vielleicht bringen sie ja auch in meiner "Leistungsklasse" etwas. Nach etwas Eingewöhnung komme ich jedenfalls ganz gut mit ihnen klar.

Freitag: Obwohl die Beine vom Vortag noch schwer sind, sollen es 10 km sein, aber in sehr gemütlichen 7 Min/km, kein Problem, tut sogar ganz gut.

Sonntagspensum: 33 km, in 7:30 Min/km. Ich entscheide mich gegen meine sonstige Praxis, halbe Distanz stur geradeaus und dann gleiche Strecke zurück. Diesmal wieder zunächst eine 10 km-Runde, an der Haustür Verpflegung und ggf. Wechselklamotten nutzen können und dann mal sehen. Die Option Wechselkleidung denke ich an, da es beim Start noch 13° sind, gegen Laufende aber 18° anstehen sollen.

Anna und Flocke, wärmen sich an der Backsteinmauer

Nanu, was mag da drin sein?

In der Tüte Körnerbrötchenmischung, nicht zu fassen
Schon während der ersten 10 km wird mir die dünne Überjacke zu warm, allerdings friere ich dann ohne sie wiederum. Ok, also bleibt die Jacke aus, und nach dem Zwischenstopp wird nur in der Sonne gelaufen.
Ich entscheide mich für nochmals eine 12-km-Runde, Haustürstopp mit Verpflegung und dann Schlussrunde. Auf dieser stimmt dann endlich für mich die Temperatur. Ich bin froh, dass die Sonne nun gut gegen den ziemlich kühlen Wind wärmt.
Die 7:30 unterbiete ich dann doch mit 7:15, sooo langsam kann ich einfach nicht, auch mit einigen eingestreuten Gehpausen. Der Puls gerät dennoch wieder phasenweise zu hoch. Erfreuliche Perspektive: Demnächst fehlen ja dann nur noch 9 km bis zum Ziel.... Auch wenn die hart sein werden.


Zusätzliche erfreuliche Aussicht: Die letzten beiden Wochen werden sehr gemütlich. Was mich ein wenig unruhig macht. Bisher kannte ich Trainingspläne im 3:1-Modus: 3 Wochen stramm, dann 1 Woche ruhiger. Dafür aber bis fast zum Marathon durchlaufen. Mit Wochenumfängen mit maximal 61 km. Mein derzeitiger Plan ist ganz anders, die Wochensteigerungen:
1. Woche: 49 km,
2. 56 km,
3. 66 km,
4. 63 km,
5. 68 km
6. 68 km,
7. 74 km,
8. 72 km,
9. 80 km,
10. 80 km,
11. 44 km,
12. 18 km (zzgl. Marathon)
Die jeweils 4. Woche ist in diesem Plan eben einfach knapp auf dem Level der vorherigen Woche gehalten, bevor weiter gesteigert wird.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie das bei mir wirkt. Einzelne arge Hänger waren drin, ansonsten habe ich aber öfter das Gefühl, dass mein Körper gerade solch eine Forderung braucht. Vielleicht waren die Hänger Zeichen der Anpassung des Organismus, der das Pensum ja auch erstmal verarbeiten muss? Aber hoffentlich geht die mühsam erlaufene Fitness nicht in den letzten 2 Taperingwochen verloren...

Wie dem auch sei, die Wundertüte ist fast gefüllt, in 2 Wochen wird sie geöffnet.😊

Sonntag, 8. September 2024

Einstieg in den Endspurt

Käse aus dem Emmental
Der größte Teil meines Trainings dieser Woche findet in der Schweiz statt. Streng genommen ist natürlich mein Heimatdorf in D, aber nach nun 16 Jahren hat Fahrni bei Thun doch auch eine Art Zweitheimatcharakter bekommen. Auch am Leben auf dem Bauernhof nehmen wir immer gern Anteil. Diesmal traurigen, eine Kuh war ernsthaft erkrankt, der Tierarzt versuchte alles. Doch nach der Geburt ihres Kälbchens brach sie endgültig zusammen. Nun steht das süße kleine Wesen nachts unter Rotlicht, damit es nicht friert.

Allerdings diente meine kleine Tour diesmal im Wesentlichen einem Arbeitseinsatz. Teppichreinigung nach Regenwasserschaden. Und wenn man schon ran muss, kann man auch gleich den Teppichboden so weit es geht (ohne Verrücken schwerer Möbel) gründlich shampoonieren. Es war ein ordentliches Stück Arbeit, aber es blieb auch Zeit fürs Laufen oder einen Abstecher im Lieblingslädeli dem "Leseglück" in Steffisburg oder einen Besuch im Museum und Gelände von Aventicum (heute Avanches), der einst mit ca. 20.000 Einwohnern größten Stadt in Helvetien zu römischer Zeit.

Ehemaliges Osttor von Aventicum






Läuferisch entwickelte sich die Woche ... durchwachsen.

Dienstag Intervalle. Ich sehe die Pace wegen des profilierten Geländes etwas gelockert, versuche, die Tempoabschnitte möglichst auf ebene Abschnitte zu legen und werte Bergaufanstrengung, wenn auch langsamer, so doch auch als schnell (da ja auch fordernd). Aber irgendwie ist immer jemand gegen mich. Beim ersten Intervall muss ich auf dem schmalen Weg einem Liefer-LKW Platz machen. Wenn auch kurz, so eine Unterbrechung ist doof. Bei den nächsten beiden kommt mir jeweils ein Landwirt mit überbreitem schweren Gerät entgegen, wieder seitlich raustreten. Aber man bedankt sich hier immer freundlich. Nur der Porschefahrer, der seinen froschgrünen SUV unbedingt auf Nebenwegen bewegen will, hätte gut vorbeigekonnt, hat die Sache aber doch nicht so im Griff, also wieder rechts draus. Ohne Dank.

Donnerstag komme ich verspätet weg, da eine nette Videoplauderei mit einem früheren Kollegen von gut 3 Stunden mich länger als geplant daheim festhält. Also Mittagswärmelauf. Doch die moderate Tempovorgabe lässt sich über die 15 km dennoch umsetzen.

Freitag entwickelt sich schlichtweg zum  Desaster. Plansoll: 20 km, davon 18 km in 6:25 Min/km. Normalerweise leicht machbar. Es ist noch nicht einmal zu warm, es gibt angenehm kühlenden Wind, ich habe Wasser dabei und kann auch Waldschatten mitnehmen. Trotzdem. Es wird nur schwer wie Wassergymnastik 😒😓. Ich quäle mich, keine Kraft im Körper, immer mehr Zwangsgehpausen. Die Tempovorgabe "übertreffe" ich mit 7:09 Min/km mehr als deutlich. Daheim falle ich umgehend in tiefen Schlaf. Später sehe  ich, dass der Puls nach einer Stunde viel zu hoch sprang und dort blieb. Und das, obwohl dies überwiegend Abwärtspassagen waren.😣 Das macht den ganzen Schwung der vorletzten miraculösen Superwoche gefühlt zunichte.

Samstag geht es zurück auf rheinisches Terrain. Sonntag steht ein langer Lauf mit 30 km an. Lust habe ich weniger als gar keine.



Immerhin ist es frühherbstlich kühl und zunächst bleibt die Sonne lieber hinter den Wolken. Ich laufe zuerst knappe 10 km, kehre zur heimischen Haustür zurück, wo ich Wasser und Energiegel deponiert habe. Auch auf ein nun angezeigtes leichteres Sommertop kann ich wechseln. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, aber nicht zu warm.

Möwen auf rheinischem Acker
Es läuft sich dann doch besser als erwartet. An einem Verkaufsschrank an einem einsam gelegenen Gutshof schaue ich immer gern neugierig hinein. Derzeit gibt es Produkte aus dem eigenen Garten.

SB-Hoflädchen


Dann geht es weiter in ein Nachbardorf, wo ich die Option hätte, durch eine Waldpassage an der Erft Schatten zu genießen. Doch diese Karte muss ich nicht ziehen. Inzwischen sind wieder dunkle Wolken über mir, fast friere ich in meiner leichten Bekleidung. Also trippele ich gemütlich weiter durch die Sträßlein des Ortes, bevor ich für die letzten 10 km wieder in meinen Ortsteil wechsle.

Dort ist heute Garagentrödel angesagt und ich kann an zahlreichen Ständen und vielen Kaufinteressierten vorbeilaufen. 
Gottseidank läuft es diesmal besser, als beim 20er zwei Tage zuvor. Klar, 30 km sind anstrengend. Aber ich kann die galante Tempovorgabe von 7:30 Min/km sehr gut umsetzen. Unterbieten will ich sie nicht, der Körper soll sich ja an lange Aktivität gewöhnen. Danach bin ich doch wieder zuversichtlicher und versöhnt mit dem Desasterlauf zuvor.

79,1 Wochenkilometer. So etwas hatte ich noch nie. 
Die kommende Woche wird genauso fordernd, aber dann folgt schon der planmäßige Cool-down vor dem großen Ereignis.

Sonntag, 25. August 2024

Miraculum

Was für eine Woche!

Nach dem 27-km-Lauf des letzten Sonntags wollte mein Plan gleich am Dienstag 10 km Tempodauerlauf in 5:55 Min/km (zzgl. Ein- und Auslaufen). Au weia, ich habe arge Zweifel. Aber dann, welch ein Mirakel, die Beine laufen flott und flotter, ich bekomme den Speed gar nicht gebremst, habe Freude daran, dass selbst bei km 9 und 10 keine Schwäche um Temporeduzierung jammert. Ergebnis: 5:45 Min/km. Ich schwöre, ich habe kein Wunderpülverchen genommen.

Am übernächsten Tag: Der Plan will 20 km, gemütlich. Zu meiner Überraschung, auch das klappt gut.

Da sind die 12 km, erneut gemütlich, gleich am Folgetag kaum der Rede wert.

Aber dann, Gewissensfrage: Am Samstag beim Berglauf Monte Sophia, 25 km mit vielen Höhenmetern auf neuer Strecke mit Chris und Oliver laufen? Oder brav beim Plan bleiben und Sonntag meine 30 km abreißen...? Ich entscheide mich für den Plan, der lauffreie Samstag hat ja einen Sinn und ich soll sicherlich auch nicht einfach so Energie verballern, sondern konstruktiv, also in moderatem Tempo, meinen Körper an die Marathondistanz heranführen.

Spätestens der Wetterbericht erleichtert die Entscheidung: Über 30° sind angesagt zum Berglauf am Samstag, nichts für mich. Aber Ehrensache, dass ich mit Chris hinfahre und wir Oliver begrüßen. Während die beiden dem Lauf, der da kommen mag, entgegenblicken, ...


... mache ich es mir im Schatten gemütlich, lasse mir den warmen Wind um die Nase wehen und erfreue mich, dass ich mir die Bergstrecke diesmal nicht antue. Ok, gereizt hätte es schon, aber vernünftig wäre es nicht gewesen. Dann schaue ich lieber dem Marienkäfer (?) bei der Erkundung meines Sonnenhuts zu.


Chris und Oliver haben die Strapazen gemeistert, sind sich aber einig, dass die neue Strecke, obwohl 3 km kürzer, deutlich fordernder ist. Oliver berichtet ausführlich.


Beide belegen Podestplätze in ihren AK's, aber Chris' Hoffnung auf neues Duschgel (das gab es letztes Jahr bei der Siegerehrung) erfüllt sich nicht. Diesmal Duftwasser für den Herrn...


Solcherart motiviert gehe ich heute auf meine lange Runde. Erfreulich, nur 20° und kräftiger Wind, gut so. In der Ferne ist die Sophienhöhe, Ort des gestrigen Geschehens, deutlich sichtbar.


Ungefähr hier (Folgebild) kommt mir eine Gassigängerin entgegen und erkundigt sich nach dem Weg. Sie scheint zugezogen und weiß nicht, wo man hier am Tagebaurand gehen darf und wo nicht. Sie führt ein prächtiges Fellpaket auf 4 Beinen an der Leine. Wir kommen ins Gespräch. Es ist ein Landseer, eine Unterart der Neufundländer. Ein Jahr alt, 60 kg schwer, noch nicht ausgewachsen. Ich kannte diese Rasse bisher nicht, aber er ist sooo süüüüß! Ich frage, ob ich ihn anfassen darf. Klar, und er genießt es, gewuschelt zu werden. Wie eine Katze drückt er seine 60 kg gegen mein Bein und wirft dann sich selber auf meine Füße, aber ganz sanft. So was aber auch. Als er dann aber meine Uhr und meine Laufshorts anknabbern will, greift Frauchen ein und jeder geht/läuft wieder seiner Wege.

Ich steuere den Aussichtspunkt am Tagebau Hambach an. Es wären sogar Logenplätze ganz vorn frei, verlockend. Aber ich widerstehe und weiter geht es, entlang der Straße am Tagebaurand. Leider gibt der Akku meiner Kamera auf. Aber es wäre auch nichts weiter zu berichten, als dass ich die 30 km absolviert habe. Doch 7:30 Min/km als Vorgabe konnte ich nicht erfüllen, es wurden 6:56 Min/km, langsamer ging nicht.

74 Wochen-km! Das hatte ich noch nie. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht!



Montag, 12. August 2024

Achterbahnwoche

Manchmal kommt es anders, als man denkt, jedenfalls beim Training.

Dienstag stehen 14 km Intervalle an. Easy, da nehme ich doch meine Standard-10-km-Runde und hänge eine Schleife dran. Dumm nur, wenn man während der Schleife merkt, dass die viel zu großzügig bemessen ist, und Abkürzungsmöglichkeiten auch nicht bestehen. Ok, es werden 15,5 km. Habe ich eben 1,5 Joker-km.

Die kann ich früher verbraten als gedacht. Donnerstag sollte es ein eher gemütlicher 15'er sein. Aber kaum habe ich ein frühes Minifrühstück eingenommen, revoltiert es im unteren Verdauungstrakt. Die Nähe der häuslichen sanitären Einrichtung ist notwendig, und flaches Liegen tut am besten. Gegen Mittag ist das Erlebnis weitgehend vorüber und und bringe immerhin 10 schlappe km zustande.

Dann wird Rückwärtskalkultation notwendig: Da Sonntag eine Familienfeier ansteht, scheidet dieser Tag für den langen Lauf aus. Montag soll es heiß und gewittrig werden, jedenfalls in der Schweiz, wo wir gerade sind. Der Samstag sieht günstiger aus. Aber wenn ich den langen Lauf auf Samstag vorziehe, sollte nicht auch noch nach Donnerstag am Freitag ein weiterer Lauf stattfinden. Den könnte ich ja Montag -vor der Hitze- einschieben, so werden Freitag und Sonntag zu Ruhetagen.

Samstag kann ich nach einem kurzen Frühstück immerhin die ersten km des olympischen Marathonlaufs anschauen. Solcherart beschwingt geht es auf 24 km. Aber schon die ersten km haben es in sich, es läuft unrund, fühlt sich gegen 9 Uhr bereits zu warm an, nach 4 km habe ich meine Flask fast leer - wo soll das hinführen? An einem Brunnen kühle ich den Kopf, aber Wasser möchte ich dort nicht nachtanken. Gottseidank sehe ich kurz danach eine Bäuerin einen Kuchen aus ihrem Vorratskeller in Richtung Haus tragen (Keller älterer Häuser haben hier Zugänge nur von außen, nicht durchs Haus). Ich frage höflich, ob ich bei ihr Wasser nachfüllen kann. Sie ist erstaunt, als ich weder sprudelndes noch stilles Mineralwasser erbitte, sondern nur Leitungswasser. Danach läuft es besser, anscheinend sind die Sorgen um Wassermangel bei steigender Temperatur nun deutlich geringer. Wie mag es wohl gerade in Paris laufen, wo man sich etwas über das Höhenprofil des Marathon echauffierte (als sei es ein Sakrileg, wenn die Elite auch mal ein paar Höhenmeter macht)?

Zwischen taunassen Weiden geht es nun Richtung Wald. Dort ist es bio-klimatisiert und ich genieße es, dort eine sehr große Runde zu drehen, um möglichst lange die Kühle auszunutzen. Das Betriebssystem läuft endlich rund.




Doch irgendwann muss ich doch das letzte Stück Richtung Haustür, wiederum sonnenbeschienen und -erwärmt, in Angriff nehmen. Ich komme schon nach 22,5 km dort an und hänge die noch fehlende Distanz auf 24 km schwitzend und schnaufend an. Die letzten km waren schlauchend, aber ich will nicht schon wieder zu kurz unterwegs sein und beiße mich durch.






Zufrieden bin ich mit der absolvierten Sollvorgabe von 24 km. Jedenfalls war ich sehr sicher, dass es 24 km hätten sein sollen. So sicher, dass ich nicht nochmals in den Plan schaute. Nun sehe ich, dass es 25 hätten sein sollen... 😯

Dumm gelaufen aber wohl auch kein Beinbruch. A propos, in Paris lief es auch nicht ganz nach Plan. Dort musste mein alter Berliner Laufkumpel (hüstel, Ironie!) Eliud Kipchoge leider aufgeben. Na da kann ich doch ganz zufrieden sein und die Nahrungsversorgung bei der Familienfeier des nächsten Tages ist bereits vorsorglich abgearbeitet 😁

Sonntag, 3. September 2023

Am Tatort

Für den anstehenden 30-km-Lauf sollte wieder etwas Abwechslung her. Ich wollte noch ein oder zwei besondere Fotogegenüberstellungen in Manheim recherchieren. Und dann mal sehen, wohin die Beine mich tragen.

Also geht es zunächst über einen zwischen Bahntrasse und Kohlebahn verlaufenden Radweg. Ein wenig mache ich mir Sorgen um die Witterung. Morgens noch Frühnebel bei 15° und nun setzt sich langsam die Sonne durch. Ob das wieder so eine Dampfkochtopfwitterung gibt? Gottseidank hält es sich im Rahmen. Und später wird mich bei 22° sogar auf dem Rückweg ein leichter Gegenwind aus Ost kühlen.


Vor Manheim selber erreiche ich den ebenfalls umgesiedelten Friedhof. Wenn man diesen Hintergrund nicht kennt, fühlt man sich in einem idyllischen, schattigen Park, inklusive munterem Gezwitscher.




Nur ... ein widerspenstiges Grab hält hier wacker die Stellung.


Dann folgt der inzwischen gewohnte Blick am Ortseingang. Übrigens lag rechts im Vordergrund des Bildes mit der Kirche die erste Wohnung des großen Sohns unserer Stadt, Michael Schumacher, und seiner späteren Frau. Die Kirche konnten sie allerdings so nicht sehen, war ja alles bebaut.
Danach folgt ein meist unkommentiertes Potpourrie fotografischer Eindrücke.












Eine lustige Begegnung möchte ich hervorheben. Ein Reh spaziert geruhsam durch das ehemalige Dorf. Da, beim gelben Vierkantstein, leider war es schwer zu fotografieren aus der Distanz.
Ich habe zwar versucht, näher heranzukommen, aber es war dann doch schneller als ich. Das erinnert mich an eine lustige Frage von neulich: Ist das Reh eigentlich die Frau vom Hirsch?


Aber kommen wir zu meiner Spezial-Recherche!
Im März lief der Kölner Tatort "Abbruchkante", der noch bis Ende September 2023 in der ARD-Mediathek abrufbar ist. Er spielte im fiktiven Kölner Ortsteil "Bützenich", in Wahrheit wurde in Manheim und in Dörfern Tagebau Garzweiler gedreht. Im Film übrigens leicht am immer wieder unterschiedlichen Kirchturm zu unterscheiden. 😉
Nun kann ich Film und Original gegenüberstellen:

Schenk und Ballauf nähern sich dem Ort
Fake-Ortschild, es steht dort in der Realität keines

Solche kleinen Projekte liebe ich!

Um meinen km-Tacho zu füllen, geht es weiter westwärts. Ein Stück über Landstraße ohne Radweg, dann auf ruhigeren und ungefährlichen Feldwegen. Ich lande in Buir. Hier wurde vor Jahren eine Art Wall mit Aussichtspunkt angelegt, der den Blick auf den sich aus Nord nähernden Tagebau bieten sollte.
Sollte.
Denn seit Änderung der Abbaupläne wird es nichts zu sehen geben, da der Tagebau hier nicht mehr näherrücken wird.
Aber auf alle Fälle ist die Anlage imposant, schon der Treppenaufgang...

  

Oben dann, jau, Aussicht eben.


Aussicht aufs Dorf:


Aussicht Richtung Eifel:


Und das wäre die Aussicht auf den Tagebau. Ganz weit hinten am Horizont links lässt sich die Sophienhöhe im Dunst erahnen. Diese Aussicht wird nun so bleiben, statt Schokoladenseite ein paar  Kekskrümel.


Oben ansonsten: Gestrüpp.
Doch halt, ein wenig Kunst liegt noch herum!


Ein eigentlich putziger Drachen. Doch er schaut etwas traurig. Kein Wunder, Vandalen waren am Werk, ein anderer "Tatort".



Ich trabe noch durch das sonntagsruhige Dorf und dann wieder entlang des Hinwegs Richtung Heimat. Auf dem einsamen Radweg eine kleine Weisheit:


Wie nicht anders zu erwarten, werden die km hinten heraus zäh. Dennoch, die 30 ziehe ich durch. Erfreulicherweise habe ich jedenfalls langsam den Eindruck, dass das Training Wirkung zeigt. Es fühlt sich an, wie ein Gummizug: Anfangs tut sich nichts, dann erhöht sich der Zug und etwas kommt in Bewegung. In Phase drei dann nimmt der Körper die Herausforderung an und kommt in Schwung.
Wenn ich so zurückdenke, war es vor 10 Jahren anders, nicht so zäh. Aber nun ja, man wird halt nicht jünger.😏