Donnerstag, 26. Mai 2022

Hin und weg

Feiertag. Ich nutze die freie Zeit in mehrfacher Hinsicht: Mein braves altes Auto muss dringend bewegt werden, ich besuche eine mir neue Stelle der römischen Via Belgica, betreibe ein wenig Ortserkundung und etwas gelaufen wird auch noch.

Auf zum Vicus Rimburg!

Nur 50 km von Zuhause verläuft hier heute die Grenze zwischen D und NL. Natürlich gibt es Erklärungen:



Besonderes wird geboten. Das Mahnmal des Friedens: 


Auch die kleine Brücke über den Grenzfluss birgt Kunst:




Die poetischen Schildkröten gefallen mir! Zudem sind sie eine höchste elegante Verkehrsberuhigung. Diese Metallkolosse ringen jeden Autokühler nieder!








Der Ort selber ist sehr klein, in jeder Hinsicht, die Häuser, die Straßen, die Ausdehnung. Aber süüüüüß ist es hier. Die niederländische Sitte, Gardinen eher wegzulassen, ermöglicht viele Blicke in die Häuser und auf die Dekorationskünste der Bewohner. Es ist ruhig und auffallend sauber. Herrlich. 

Ich bin hin&weg und trabe eine kleine Runde.



Tempolimit für Krötenwanderung




Gleich hinter dem Ort geht es bergauf. Ja, hier in Süd-Limburg bieten die Niederlande Höhenmeter!
Und natürlich freies Feld mit Angriffsfläche für den Wind.


Es ist geflaggt für Sonntag, wow! Selbst der Heilige (Josef, Christophorus?) zeigt Flagge! Mal sehen, wie es läuft.



Sonntag, 22. Mai 2022

Unwetter und Einsamkeit

Aus Wettergründen kam die Lauferei etwas zu kurz diese Woche. Donnerstag Unwetter mit Sturm. Wenn der Wind das Regenwasser durch den Falz der Terrassentür ins Wohnzimmer drückt (erstmals in 30 Jahren), ist das ein starkes Indiz für nicht wirklich lauffreundliche Bedingungen. Zum Glück zeigt mir unsere Katze die sich schnell vergrößernde Pfütze an, so dass ich einschreiten kann.

Ich hoffe auf Freitag. Ab 14 Uhr ist wieder eine Gewitterwarnung aktiv, es werden in Köln sogar Friedhöfe, Zoo und Schulen geschlossen. Um 13 Uhr bin ich daheim und startklar. Der Himmel sieht noch nicht gewittrig aus. Doch ich schaffe einen neuen Rekord: Runde 10 Meter bin ich unterwegs, als der erste Donner heranrollt. Sicherheitshalber kehre ich um, für den Rest des Nachmittags ist Aufenthalt im Haus angesagt.

Samstag dann eine kleine Runde, die hier und da die Kraft des Sturms zeigt:


Heute sollte es ein langer gemütlicher Dauerlauf werden. 20°, leichter Wind, herrlich. Als erstes nehme ich meine Berglauftraingsstrecke in Angriff, die ich inzwischen regelmäßig ansteuere. Mittlerweile klappt es gut mit den 100 Höhenmetern auf 1 km. 😊
Oben angekommen ein unschöner Anblick. Wie kann man bei ausgetrocknetem Land auf die Idee kommen, seine alten Möbel unter Bäumen zu verbrennen! Ich fasse es nicht. Ein Glück, dass nicht die ganze Baumreihe Feuer gefangen hat.


Danach kann ich wieder die Ruhe und Einsamkeit auf der Fischbachhöhe genießen. Immer wieder erstaunlich, dass es in unserer dicht besiedelten Ecke solche stillen, fast einsamen Flecken gibt.


Ich drehe auf dem Plateau eine größere Runde und genieße dann die wunderbar schattige erfrischende Passage unter Bäumen bergabwärts. Wenn ich jodeln könnte, würde ich hier einen Freudenjauchzer loslassen!



Danach streife ich noch ein wenig durch den Nachbarort. Auf der Pferdekoppel eines Gestüts grasen Stuten mit ihren Fohlen. Das "Jungvolk" lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen.

Die Sonne macht mir zwar nichts, habe mich gut eingecremt. Aber langsam ärgere ich mich, dass ich kein Wasser mitgenommen habe. Das könnte ich langsam brauchen. Im Geiste öffne ich daher schon diverse blaue Flaschen mit erfrischendem Radler, was ich nach 19 km dann auch endlich real tun kann.😅
Für morgen sind wieder Gewitter angekündigt.


Sonntag, 15. Mai 2022

Nicht ganz bis zur Kiesgrube

Der Tag soll sehr warm werden, bis 26° sind  angekündigt. Also wird etwas eher gefrühstückt, damit ich halbwegs zeitig auf meine lange Laufrunde gehen kann.

Es ist herrlich, vor allem im Schatten, bei leichtem Wind. Die Vögel zwitschern und es ist (noch) erfreulich leer. Entweder liegen alle noch nach dem ESC in den Federn, oder sie stürmen gerade die Wahlurnen zur Landtagswahl, oder sie stürzen sich auf das Warenangebot unseres lokalen Garagentrödels.

Ich hatte die Qual der Wahl zwischen zwei Routen und entscheide mich schlussendlich für die einfachere, immer entlang der Erft südlich bis zur ehemaligen Kiesgrube in Erftstadt-Blessem.


Beim Kerpener Parrig, dem lokalen geschützten Waldgebiet, kann ich die Entwicklung der hier vor einigen Jahren gebauten Wildbrücke sehen: Was vom Weg aussieht wie ein Hügel, ist eine Brücke über die A61.Vor allem Fledermäuse sollen über diesen Grünstreifen geleitet werden. Ich bin etwas erstaunt. Die Brücke kann keine große Erdschicht haben, dennoch hat sie sich gut begrünt, sogar Bäume wachsen auf ihr. Hier frühere Bilder des Bau: Link

Wildbrücke; die grünen Seitenwände flankieren den Zugang

"Wächter" an der Brückenrampe

An der Erft spenden die Bäume vielfach gut Schatten. Leichter Wind kommt aus Süd-Ost, also schräg von vorn. Es läuft sich wunderbar.



Normalerweise stehe ich bei km 16 am Rand der früheren Kiesgrube, aber nun ist der Radwanderweg gesperrt. Ca. 1,5 km vor meinem Wendepunkt ist Ende, anscheinend immer noch wegen der Überflutungsereignisse im Juli 2021.


Ich ärgere mich etwas, schaue mich um, sehe neben mir eine Brücke und erkunde den Ausblick dort. Auf der anderen Flussseite sehe ich - einen nicht gesperrten holperigen Feldweg!
Alles klar, dort geht es für mich heute weiter!


Etwa auf Höhe der früheren Kiesgrube, ein kleiner See auf einem Acker. Enten paddeln herum. Wie lange wohl dieser Teich sich halten kann? Im Hintergrund die Schallschutzwand der Autobahn, vor der Wand fließt die Erft, bevor sie in einem Bogen links von meiner Position weiterplätschert.


Ein Stück weiter wird das damalige Geschehen klarer: Die vor der Wand fließende Erft brach nach links in die Kiesgrube, deren Wände einstürzten und dabei Teile des Dorfes Blessem mit sich rissen. Auch die Autobahn wurde unterspült. Dort braust inzwischen wieder der Verkehr.


Im Dorf wird weiter an der Widerherstellung gearbeitet. Zwischen dem Ort (im Hintergrund) und der Erft (im Vordergrund) liegt die Kiesgrube. Derzeit werden Schuldfragen diskutiert. Und ein Schutzdeich wurde gebaut.

Von vorne nach hinten: Erft - Kiesgrube - Erftstadt-Blessem










So konnte ich doch noch das Ziel des Laufs doch noch aus der Entfernung sehen.

Die Temperatur ist inzwischen auf 26 ° gestiegen, ich erfreue mich für den Rückweg an sanftem Rückenwind. In den Schattenpassagen ist es weiter angenehm, aber auf den sonnigen Streckenabschnitten wird es zäh. Meine Waden jammern auch herum. Ich horche in den Körper hinein. Eigentlich gibt es keinen Grund, auf die nörgeligen Beine zu hören. Zumal mein Puls weiter schön niedrig bleibt. Aber die innere Ungeduld will nun doch lieber zu Hause die Beine hochlegen. Und die dort wartenden Labe-Güter erscheinen vor dem inneren Auge, machen die Reststrecke immer schwerer:

Erst ein kühles Getränk, es muss prickeln und zitronig schmecken. Da kommt mein mitgeführtes Wasser nicht mit.

Dann die Dusche, wie herrlich es immer wieder ist, wenn Schweiß und Staub weggespült werden und man sich aufs angenehmste erfrischen kann!

Und dann die Beine hochlegen, Nichtstun.

Manchmal folgen dann seltsame Gelüste, etwas Salziges muss her, oder etwas Süßes. Heute weder noch, nur Radler, Radler und noch ein Radler. 😅



Mit meinem Outfit war ich diesmal auch zufrieden, genau richtig für heißes Wetter.
Nicht wie neulich. 
Ich war etwas in Eile, wollte schnell los, griff mir meine Bekleidungsstücke. Und sehe plötzlich ...


In einer solch senilen Lebensphase wähne ich mich eigentlich noch nicht. Aber immerhin kann ich vermelden, dass es mir noch vor dem Schrank auffiel und ich dann doch auf Symmetrie an den Füßen umstellte.😆

Sonntag, 8. Mai 2022

Wings for Life World Run 2022

Der Wings for Life World Run als virtuelle Form per App, darauf hatte ich mich schon gefreut. Der Test, den die App bietet, ergab kleine GPS-Probleme, aber ansonsten funktionierte die Technik. 

Heute gibt es zunächst eine gemütliche Einlaufrunde. Dann letzte Vorbereitungen daheim im "Starterfeld" vor der Haustür. Chris hat seine neuen Laufschuhe angelegt (man beachte die Farbwahl!), wir verstöpseln uns und schon begrüßt uns 15 Minuten vorher der deutsche Kommentator "Buschi" Buschmann mit munteren Sprüchen.


Wir begeben uns zu unserer Startlinie am Gartenzaun, wo uns Katze Sofia noch verabschieden kommt (Oder wollte sie sich nur Krauleinheiten gönnen...?)



Und los geht's. Sonne, 19°, Wind, gute Bedingungen. Ich laufe um die 5:30 - 5:40 Min/km, dennoch darf ich Chris in seinem roten Shirt nach vorn entschwinden sehen. Der rote Fleck wird kleiner und kleiner, bald ist er außer Sicht.















Immerhin, wie schon 2021 laufen auch andere den Wings. Ein Läufer in Radbegleitung von rechts, wenn das mal nicht verdächtig ist! Sie kommen mir entgegen. Klar, er trägt ein Wings-Shirt, wir winken uns zu, weg ist er. Auch bei 2 anderen Paaren habe ich diesen "Verdacht", mangels Shirt bleibt er aber im Raume stehen.

Laufkamerad von rechts

Im Raume, bzw. Feld, muss auch in dann abrupt stehen bleiben. Gleichzeitig einatmen und trinken aus der Wasserflasche - keine gute Idee! Das Wasser spucke ich erstmal wieder aus und muss um Luft ringen, aber heftig. So ein Mist! So schnell wie möglich mache ich mich wieder auf die Socken!

Allerdings fällt mir auf, dass ich seit dem Start keine lockeren Sprüche mehr von Buschi hörte... Komisch... 

Dafür gelegentlich englische Statements des Rennleiters. Ach, und nach 30 Minuten die Ansage vom Catcher Car-Fahrer in seinem wirklich diabolischen Ton, dass er nun losfährt.

Irgendwas stimmt doch nicht...

Also genieße ich ersatzweise ein wenig die Landschaft, prächtiges Grün, knallgelber Raps.





Dann plötzlich, bei km 8,2 und nach 46 Minuten Hupen, Tusch, Ansage des Catcher Car-Fahrers, er habe mich eingeholt. Buschi dankt für den Lauf und wie toll es war, dass er mich begleiten durfte (...?). Stille. 

Da ist doch aber gehörig etwas schief gelaufen!

Das sehe ich später daheim, als ich mir mein Ergebnis ansehe:


0 km in 46 Minuten. Also wenn ich mich nach GPS überhaupt nicht bewegt hätte, hätte mich das Catcher Car doch schon nach 30 oder 31 Minuten haben müssen. Was ist mit den 16 Minuten dazwischen? Chris hat 17 km geschafft, wobei er allerdings "hinten raus" Speed lassen musste. Mit meiner Pace hätte ich ein ähnliches Ergebnis erzielen können.😞
Ich stehe erst einmal wieder ratlos zwischen Raps und Rübenacker.
Wenigstens wird damit klar, warum mir die munteren Buschi-Bonmots vorenthalten wurden.
Tja, das hätte ich mir anders vorgestellt.
Nun denn, trabe ich eben wieder locker, aber etwas enttäuscht Richtung Zuhause. Gönne mir an der Haustür ein dort deponiertes Gel und Wasser und laufe noch etwas. Dann mache ich halt die 30 km voll für heute, damit der Tag sich doch noch etwas gelohnt hat.