Posts mit dem Label Via Belgica werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Via Belgica werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 26. Mai 2025

Marathon Via Belgica Staffel (MMXXV)

AVE!
So lautet der dem Tage gebührende Gruß und man hört ihn sogar hier und da im Startbereich.
Nachdem der Marathon Via Belgica 2024 leider durch plötzlichen Sponsorenausfall abgesagt werden musste, ist es endlich wieder soweit. Und endlich kann ich auch meine persönliche Rechnung mit meinem gesundheitlich verursachten DNF 2023 mit Zieleinlauf in Maastricht begleichen. Wenn auch nicht über die Volldistanz, so doch als Staffel-Ehe-Duo mit Chris.

Im malerischen Rimburg treffen wir Oliver (mit Lisa und Otto), der seinerseits erneut den vollen Lauf angeht. Mein Eindruck, dass diesmal mehr Teilnehmer als zuletzt am Start sind, bestätigt sich.  Wobei die Steigerung von 151 Teilnehmern (Staffeln als ein Teilnehmer gezählt) auf 234 immer noch Luft nach oben lässt. Und mehr Teilnehmer wären diesem wunderschönen Lauf durch das Limburger Hügelland in den südlichen Niederlanden auch sehr zu gönnen. Einfach, damit er stabil weiter organisiert werden kann.
A propos: Der Lauf findet in den Niederlanden statt Der Namensteil "belgica" rührt schlichtweg von der römischen Bezeichnung der Fernstraße von Köln an den Ärmelkanal, die genau hier verlief.


Wie bei den letzten Austragungen erwartet uns ein Beflaggungspotpourri am Start. Leider diesmal keine Römer. Vielleicht weil sie um ihre Rüstungen bangen? Regen, Starkwind und eingangs 15° sind angesagt. Das lässt die Frage der Bekleidung nicht ganz marginal erscheinen. Aber man weiß und hofft ja, wenn man einmal läuft, läuft man durch.


Achtung Kunst!

Starttor römische Art

10 Uhr geht das Feld auf die Strecke. Für unsere Staffel startet Chris. Er kennt die erste Streckenhälfte noch nicht und kann sie daher nun erkunden.


Ich mache mich unterdessen auf zum Wechselpunkt. Er liegt an einer Landstraße, doch wenige 100m weiter gibt es einen großen Parkplatz für Zuschauer und Wechselläufer.

Chris hatte zwar sein Garmin-Tracking aktiviert, doch leider setzt das nach 7 Minuten aus. So muss ich mir eigene Gedanken machen, wann ich ungefähr draußen bereit sein müsste. Er wird sicher unter 2 Stunden kommen, aber wann genau und wie lange nach Oliver (den ich auch abpassen möchte)? Im Auto ist es zwar angenehm, doch der Blick durch die Frontscheibe auf dunkle Regenwolken und windgepeitschtes Laub verheißt Ungemach. Ich sollte erwähnen, dass Böen an 50 km/h angesagt sind aus Südwest. Also geht der ganze Lauf gegen den Wind.😏 Zudem ist die Strecke ja profiliert.


Schlussendlich gebe ich mir einen Schubs und geselle mich ca. 1:30 Std nach Startschuss laufbereit zu den anderen Zuschauern und Staffelläufern. Ein großer Schirm, senkrecht gegen den Wind gehalten, gibt ein wenig Schutz. Sehr bald schon kommt Oliver fluffig vorbeigetrabt. Kurz kann ich ihn durch rufen aus seinem "Tunnel" holen. 
Ein junger Niederländer kommentiert für seinen wartenden Staffelpartner ein munteres "Lekker windje", so kann man es auch nennen.😂
Chris hat mit selbigem zu kämpfen und kommt nach netto 1:56 Std ziemlich durchnässt an.


Ich weiß was mich erwartet. Sofort über 3 km sanft, aber stetig und zäh bergauf zu traben. Gegen den Wind. Die ca. 50 Höhenmeter fühlen sich daher nach mehr an. Dennoch hilft es, sich endlich warmlaufen zu können. Anfangs habe auch ich es noch mit Regen in mäßiger Menge zu tun. Weswegen leider manch schönes Fotomotiv buchstäblich ins Wasser fällt. Doch erfreulicherweise lässt er bald nach. Nur der Wind nicht, der stürmt weiter. Unerquicklich insbesondere, wenn man eine Höhe erreicht und Windschutz hinter sich lässt. Aber so kann man das Motto des Laufs perfekt umsetzen: 
"NULLA TENACI INVIA EST VIA" 
(Für den Geduldigen iskein Weg unpassierbar).



Erfreulicherweise grüßt schon aus der Ferne Valkenburg. Im Tal gelegen und daher windärmer.


Hier wie überall sind zahllose Helfer an der Strecke. Das Dankeschön dafür kann nicht groß genug sein, sich bei diesem Wetter stundenlang irgendwo hinzustellen, um dem Läufervolk den Weg zu bahnen. Für solches ist Valkenburg ein prägnantes Beispiel. Denn für jeden Läufer wird die Ampelregelung an der Durchgangsstraße außer Kraft gesetzt. Damit unsereiner ohne Stopp passieren kann, müssen die Helfer sich trotz "grün" dem Verkehr entgegen stellen. Ein Wahnsinn!


In Valkenburg (ca. km 7) sind diesmal die Cafés kaum besetzt. Hier weilten 2022 König Willem und Königin Máxima wahrhaftig beim Kaffee und ließen Selfies mit Läufern zu! Doch trotz der insgesamt wetterbedingt weniger Zuschauer an der Strecke - es werden überall immer wieder Hände zum Anklatschen gerührt oder aufmunternde Worte gerufen.



Immerhin, erste zaghafte Aufhellungen zeigen sich am Himmel. Und es wird wärmer. Noch besser, in dem folgenden Waldstück herrscht weiter perfekter Windschutz! Allerdings spüre ich auch, dass mich der Lauf bisher schon einiges an Körnern gekostet hat



Exakt zur Halbzeit meines Halbmarathons folgt dann auch der "Heartbreak" Hill von Limburg! Ein Anstieg über ca. 1 km mit gut 60 Höhenmetern. Eigentlich machbar, aber ich erlaube mir hier lieber zackiges Gehen als kraftraubendes Trippeln. Und wie heißt der Ortsteil oben am Ende? Genau, "Berg". 😄




Ich bin gespannt, wie es an einer anderen Straßenquerung läuft. Und tatsächlich wird auch diese Hauptverkehrsstraße für jeden Läufer kurz gesperrt. Die Autofahrer schauen nicht ganz so begeistert....
Später in Maastricht wird noch der Sperrungshöhepunkt folgen. 7 Helfer müssen an einer richtig großen Ampel-Kreuzung jeweils 5 Fahrspuren für jeden einzelnen Läufer sperren. Beeindruckend, wie sie das schaffen!

Autostau durch Läuferquerung

Maastricht in Sicht

Ich erinnere mich an fast jeden Streckenabschnitt und weiß, nun geht es nur noch abwärts und nur noch über flache 6 km.
An km 17 gilt ein kurzes inneres Gedenken meinem Lauf 2023. An diesem Verpflegungsposten endete damals mein sportliches Tun, weil der Kreislauf sehr abrupt seine Dienste auf Minimum zurückfuhr. Diesmal ist, trotz allem, solches nicht zu erwarten. Der Himmel reißt auf und die Sonne strahlt. Da ist man sogar um ein wenig Wind froh, der Kühlung verschafft.


Nun folgen lediglich ein paar Kurven durch ein langweiliges Gewerbegebiet, teils garniert mit Fähnchen und Wimpeln...


...bis sich endlich der ersehnte Blick auf die Maas öffnet, auf die Servaas-Brücke und damit den Zieleinlauf. Und nicht nur das: Hier hat man für ein paar 100 m Rückenwind!





Der erste Römer heute, er überreicht die Medaillen.




Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, es nun geschafft zu haben. Es war ziemlich fordernd, der Halbe reichte.  Die Volldistanzler hatten wirklich harte Bedingungen heute. Doch Oliver hat seine Zeit kräftig unterboten, klasse! Er berichtet hier: Link
Ich bin mit meinen 2:19 zwar deutlich langsamer als Chris, aber dennoch sehr zufrieden. Mit 4:17 liegen wir auf Platz 16 von 22 Duo-Staffeln, stimmt so für uns.
Wir genießen noch ein wenig die lockere Stimmung, gutes Getränk und den Sonnenschein (war da was mit Regen...?) , bevor es mit einem letzten Blick auf die Servaas-Brücke zurück zum Auto geht.
Schön war's. Aber nächstes Mal muss die Windmaschine nicht wieder angeworfen werden...




Sonntag, 11. Mai 2025

Römische Ente und einer weniger

41 km habe ich in dieser Woche abgespult. Wobei ich aber auch die schweißtreibenden Tätigkeiten im Garten  nicht gänzlich außen vorlassen möchte, auch die leisten einen Beitrag zur Fitness.

Heute sollte es ein langer Lauf werden. Ich hatte mir einen Rundkurs von ca. 15 km, maximal 16 km vorbei an den Resten des römischen Burgus Heidenburg vorgenommen. Die hatte ich 2021 zufällig entdeckt und seitdem lenke ich gern gelegentlich die Laufschritte dort entlang.

Sonnige 23° sind zudem ein gutes Training für Läufe bei Sommertemperaturen. Allerdings werden sie abgemildert durch einen kräftigen Ostwind.


Oben auf der Fischbachhöhe



Zudem enthält die Strecke ein kleines Berglauftraining, 80 Höhenmeter auf 1 km - das habe ich länger nicht mehr trainiert und komme schwer schnaufend oben an. Nach dem Erstürmen dieses Abraumhügels kann dann aber alles sanft abwärts rollend wieder abgebaut werden.

Am Burgus angekommen - es ist mal wieder zum Haare raufen. Der nächste Kiosk liegt mehrere Kilometer entfernt und motorisiert ist diese Stelle auch nicht erreichbar. Wer dann seine Pullen schon herschleppt, kann sie doch dann auch entsorgen.😡
Ich hatte mich schon zum weiterlaufen abgewendet, halt, da war doch sowas Gelbes...


Da, links über der Schrifttafel...




Ach wie süß, eine klitzekleine römische Ente! Hoffentlich wirft sie der nächste Sturm nicht runter!

Gegen Ende merke ich, dass ich mit meiner Distanzschätzung ziemlich daneben lag. Nicht 15, nicht 16 km wurden es, nein, deren ganze 19 brauche ich bis zurück zur Haustür. Auch gut, wenn auch zehrend.

Keine Ente ist leider, dass ein sehr schöner Landschaftslauf gestorben ist: Der Moormarathon. Ich war 2014 (Oh mein Gott, schon 11 Jahre!) so fasziniert von der Landschaft dort, zumal das Wetter auch wunderbar war. Dort wollte ich immer schon mal wieder laufen, aber wie das so ist, immer kam etwas anderes dazwischen. Nun ist es zu spät, kein Geld mehr, keine Helfer, da blieb wohl keine Wahl. Aber ich kann sagen, WIR waren DABEI! Und lernten dort auch erstmal den Deichläufer persönlich kennen: Link
Wieder ein schöner Lauf weniger. Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht gibt es ein Revival, ich wäre dabei!

Montag, 29. Januar 2024

Neues und Altbekanntes

So langsam plagt mich das schlechte Lauf-Gewissen. Ich willwillwill jetzt aber mal wieder in bessere Form kommen! Zudem war das Wetter trainingsoptimal: In einer Reportage wurde kürzlich verkündet, dass Läufer das beste Tempo  zwischen 1° und 10° erzielen. Von meiner Pace möchte ich hier nicht reden, aber in der letzten Woche kamen doch 49 km zusammen😁. Fühlt sich gut an, besonders jeweils nach dem Lauf, wenn man aufs Sofa sinken kann😉. 

Neue Ortserkundungen waren ebenfalls läuferisch möglich. Die Lokalpresse berichtete von kleinen Selbstbedienungsverkaufsschränkchen in unserem Kreisgebiet. Wie? Etwa so wie in der Schweiz? Eines liegt nur knapp 4 km entfernt, na da steht ja ein Etappenziel schon fest! Ein liebevoll gestaltetes und kreativ gefülltes Mini-Deko-Einkaufsparadies lädt dort zum Schnuppern ein:



Für den Sonntagslauf nahm ich mir eigentlich Bergtraining auf der Fischbachhöhe vor, ergänzt um einen Abstecher zur römischen Heidenburg. Doch dann entschied ich mich spontan um, wollte meine überschaubare Energie eher in die Horizontale statt in den fordernden Anstieg stecken. Die gerade im Sommer schöne und flache Passage entlang der Erft hat ja auch ihre Reize, besonders bei Sonnenschein im Januar.


So konnte ich dann doch noch meiner Aktivität eine kleine römische Note verpassen, indem ich einen kleinen Abstecher zur Nachbildung einer römischen Meilensäule einbaue. Sie steht am Verlauf der früheren Via Belgica von Köln zum Ärmelkanal. 
Erfreulicherweise ist die Säule wie auch ihr liebevoll gestalteter Hintergrund weiterhin von hässlichen Graffiti verschont.


Da kann, darf oder muss man dann über die nachbarschaftlichen Wandmalereien hinwegsehen. Schönheit liegt halt im Auge des Betrachters.


Die 17 km fielen mir natürlich nicht in den Schoß, waren aber nicht ganz so zäh, wie befürchtet.

Montag, 22. Mai 2023

Marathon Via Belgica (MMXXIII)

Auf die Teilnahme am "Römermarathon" Via Belgica hatten wir uns schon lange gefreut. Dieser schöne Lauf quer durch das hügelige Limburg in den südlichen Niederlanden, von der deutsch-niederländischen Grenze nach Maastricht hatte mir schon 2022 sehr gut gefallen.

Diesmal läuft auch Chris mit, als Staffelpartner von Luzia. Und Oliver, der sich kurzentschlossen noch anmeldete. Wir gönnen uns 2 Tage Maastricht, wollen etwas mehr Atmosphäre mitnehmen als nur bei einem Tagesabstecher zum Lauf. Daher können wir am Vortag ein wenig bummeln und vorab Zielluft an der mittelalterlichen Sint Servaasbrug schnuppern. Schon hängen die bewährten orange-gelben Marathonpfeile, die uns am Sonntag in unendlicher Menge den Weg weisen werden.



Sonntagmorgen. Ein fahler Sonnenaufgang über der Maas zeigt sich vor dem Fenster unseres Hotelzimmers. Der Wetterbericht verspricht von Start bis (meinem geplanten) Zieleinlauf eine Temperaturbreite von 16° - 23°. Was ziehe ich an? Ich entscheide mich für Radlerhose und hauchdünnes Finishershirt aus Berlin. Das sieht zwar warm aus, ist aber sehr dünn und so grobmaschig, dass Wind gut durchpusten kann. Unser Hotel liegt ca. 400m vom Ziel weg, sehr praktisch. Zumal von dort ein Transfer zum Start in Rimburg mit Bussen organisiert ist.


Später sind das die letzten Meter vor dem Ziel

Vom Bus aus können wir uns schon optisch etwas auf die sehr schöne Strecke einstimmen. Und mit Oliver Fachgespräche über Hunde- und Katzenhaltung führen. Mit Spannung sehen wir dem Tag entgegen. Das sonst sicher am frühen Sonntagmorgen eher ruhige Dörflein Rimburg ist heute wuselig. Der Ort ist beflaggt und bewimpelt, ein Banner grüßt die Läuferschar. Leider ist die Teilnahme erneut gering, nur knapp über 100 Marathonis und rund 40 Staffeln sind gemeldet. Dem Lauf wären mehr Teilnehmer zu wünschen, er ist es auf alle Fälle wert.


In diesem Jahr bietet man uns ein speziell römisches Starttor, und die Zahl der anwesenden Römer hat sich auch verdreifacht. 😁 Grimmig bis grinsend stellen sie sich den zahlreichen Fotowünschen.






Noch ein wenig Quassel-Zeit bleibt uns bis 10 Uhr. Chris macht sich mit Luzias Tochter Helen und Freundin Tineke auf zu seinem Wechselpunkt bei km 21,1. Luzia, Oliver und ich machen uns startbereit. Dann geht es wie schon letztes Jahr bei kräftigen Läuten der Kirchturmglocken und dem Jubel am Streckenrand los, grandios, Gänsehautmomente!



Schon gleich hinter Rimburg gilt es die ersten Höhenmeter zu bezwingen (der Lauf hat deren insgesamt ca. 360), bevor es an Feldern vorbei Richtung Landgraaf geht. Dort erwartet uns bei km 4 bereits der erste VP, der, wie auch einige muntere Streckenposten im Ort unverkennbar von einem Verein von Römerliebhabern organisiert wird.





Luzia und ich "rollen" uns ein. Wir haben ungefähr das gleiche Tempo und werden bis zur Halbmarathonmarke zusammen bleiben. Der eine oder andere kleine Gedankenaustausch macht es sehr kurzweilig. Außerdem kann sie dies und das zur Strecke erzählen, da sie sehr nahe beim Start wohnt.

Ich bin erneut erstaunt, wie geschickt die Route durch ein eigentlich dicht besiedeltes Gebiet so geführt wird, dass wir viel Grün erleben dürfen. 





In Heerlen (um km 14-15) durchlaufen wir kurz die Fußgängerzone. Sehr ruhig hier.





Die Dame besetzt einen Kreisverkehr

Wandbemalung unter einer Brücke

Danach folgt edleres Ambiente, Schloss, Park, Golfplatz.


Typischer Anblick: Die endlos vielen Fahnen an den Häusern entlang der Strecke. Zuschauer gibt es eher wenig, aber oft spontaner Applaus von Spaziergängern und draußen sitzenden Cafébesuchern.


Bis zum Staffelwechselpunkt läuft es bestens. War ich 2022 bei 2:13 Std hier, brauche ich diesmal 2:19 Std. Fühlt sich gut an. Luzia steigt aus und übergibt an Chris. Ich nehme wie an jedem der zahlreichen VP's Wasser und hier eine erste Salzpille. Ab nun laufe ich allein, plötzlich ein ungewohntes Gefühl.

Schwitzende Römer am Wechselpunkt

Kurz vor Craubeek dringen interessante Töne an meine Ohren. Die Urheber tauchen gleich danach im Ort auf. Schöne Musik. Blöderweise bin ich unkonzentriert und sehe nicht die Pylonen links, biege, begleitet vom Klatschen der Streckenpöstin, nach rechts ab. Kommt mir gleich komisch vor, unbekannte Straße und an der nächsten Abbiegung keine Pfeilmarkierung. Ich bleibe kurz irritiert stehen, drehe mich um, und sehe schon von weitem die Dudelsackspieler und einige Zuschauer winken und gestikulieren. Uff, rechtzeitig gemerkt. Auf diesbezügliche Kommunikation mit der Helferin verzichte ich und mache mich unter anfeuerndem Zurufen der Zuschauer auf den richtigen Weg.

Es folgen schöne Passagen mit weiten Ausblicken. Die Sonne macht mir nicht soviel aus, wie befürchtet. Weil der Himmel doch etwas wolkig ist, und dann der Wind angenehm kühlt. Teilweise fröstelt mich sogar leicht im nass geschwitzten Shirt. Ich nehme ein Gel. Muss aber leider konstatieren, dass die zweite Streckenhälfte schon bald nicht mehr so locker ist. Ich habe ein Gefühl, als gehe mir mit jedem Schritt mehr Energie verloren als gut ist, wie bei einem tropfenden Tank. Zwar nehme ich an jedem Posten, also alle 4-5 km einige Schlucke Wasser, doch wahrscheinlich müsste es mehr sein. Aber auch wenn der Magen sonst recht brav ist, viel Flüssigkeitszufuhr lässt er nicht zu. Als wenn man den Inhalt eines Kaffeepotts in eine Espressotasse quetschen will, es geht einfach nicht rein.




Also nehmen die Gehpausen sukzessive zu. Und es wird immer zäher. Ich überschlage meine bisherigen Erfahrungen. In Prag habe ich 2x trotz vieler Gehabschnitte und heftigerer Magenprobleme gefinisht, in Weimar ging es mir gegen Ende auch richtig schlecht und ich kam dennoch durch. Amsterdam, auch so ein düsteres Kapitel mit krampfenden Beinen, angekommen. 
Das wäre doch gelacht! Außerdem, hier ist weit und breit keine Bahn, die mich zurückfahren könnte.
Mein Gang wird staksiger. Ich kalkuliere, dass es mit der 6 Stunden-Grenze doch noch klappen sollte. Und-heureka- die Rest-km werden einstellig.
Hinter dem Weinberg ist im Dunst schon Maastricht erkennbar:


Längst bin ich völlig einsam. Doch halt, irgendwann nach dem 35-km-Schild taucht plötzlich eine junge Frau auf einem Rad auf. Sie spricht mich an, wie es mir gefalle und wie es mir gehe. Ich sage, was Sache ist. Dass der Magen nicht so recht trinken wolle, dass meine Beine zumachen und sich Krämpfe andeuten könnten. Ich trabe immer wieder mal an und falle in Schritt zurück, wenn die Waden zu fest werden.
Sie bleibt bei mir, wir unterhalten uns. Sie hat seit 13 Jahren kein Auto mehr. War früher selber Läuferin, aber nach einem komplizierten Beinbruch stieg sie um auf Rad. War gerade erst per Rad in Trier (!) und davor per Rad in 4 Tagen von Basel nach Maastricht gefahren (!!!). Toll.
Dann gibt sie zu erkennen, dass sie zum Veranstalter gehört und sich um die hinteren Läufer kümmert. Aber uns würde ja noch ein (!) Teilnehmer folgen.


Ich bin wirklich froh, nicht allein zu sein. Bald sehe ich hinter uns ein weiteres Läufer-Radler-Paar. Ok, das ist dann der Besenradler mit dem letzten Läufer. Sie passieren uns, der Besenradler bleibt nun auch bei mir und so bewege ich mich begleitet von zwei Radelnden fort, sehe mich im Geiste schon so ins Ziel einlaufen oder -gehen.
Die beiden geben sich so viel Mühe, mich aufzumuntern. Sie diskutieren in gebrochenem Deutsch, dass doch schließlich auch die Letzten einen Extra-Preis bekommen müssten, weil sie sich so quälen müssen. Sooo nett!

Wir drei erfreuen uns großer Beliebtheit bei den Streckenposten (es sind hier unzählige, sicher mehr Helfer als Teilnehmer), denn meine Eskorte sagt ihnen jeweils, sie hätten nun Feierabend und können heimgehen.

Es wird zäher.
Aber das sollte doch zu wuppen sein...😕

Wir nähern uns dem letzten VP bei km 38, knappe 5 Stunden sind vergangen. Letztes Jahr war ich da längst im Ziel. An diesem VP hatte ich damals Cola bekommen, die mich super aufbaute. Ich sehe das Dach des Postens, es zieht mich aus der Ferne an. Und danach nur noch 4 km!
Ich nehme ein Wasser, und noch eine Cola. Mache ein paar Dehnungen.
Plötzlich will der Magen sich entleeren. Ich kann doch nicht über den Tisch... drehe mich schnell um, gehe einen Meter zum Wegesrand. Da sind ein Zaun und eine kleine Hecke. Ich will mich mit der Hand am Zaun abstützen. Weiß aber nicht mehr, ob die Hand tatsächlich bis dorthin gelangt.
...
Ich schwebe in schwarzer Schwerelosigkeit. Ach wie herrlich leicht fühlt sich alles an, so entspannt, so wohltuend...
Wären da nicht diese komischen Stimmen. "Hallo!" "Hallohalloooo!"
Dann nehme ich das Gesicht meiner Radbegleiterin wahr. Sie schaut so besorgt ... das Gesicht schwebt über mir, wie auch noch weitere Gesichter.
Langsam dämmert mir...

Hände machen sich an meiner Laufweste zu schaffen, zerren sie mir weg. Jemand setzt sich hinter mich auf den Boden mit angewinkelten Beinen, so dass ich mich wie auf einem Liegestuhl gegen die Unterschenkel lehnen kann. Und zack, krampft das rechte Bein, ich muss vor Schmerz schreien. Die Radlerin handelt umgehend, drückt meine Fußsohle hoch. Die Frau ist klasse, es hilft sofort.
Ob ich einen Wasserschwamm über den Kopf wolle? Hm, joo. Der Schwamm kommt, aber das Wasser ist eiskalt, rinnt mir den ganzen Rücken hinunter, es setzt Schüttelfrost ein.
Ich will in die Sonne. Viele Hände helfen mir hoch, 3 Schritte weiter, und dann wieder hinsetzen. Wieder die Beine im Rücken. Ich zittere, man legt mir eine Jacke um. Ein Mann mit Handy am Ohr neben mir. Er scheint eine medizinische Fachkraft am Apparat zu haben und gibt Fragen weiter. Gebrochenes Deutsch, englische Brocken. Ob ich Herzrasen hätte? Atemnot? Druck in der Brust? Ist das schonmal passiert? 
Atmen soll ich, tief durch die Nase ein und durch den Mund aus (oder war das umgekehrt?)
Man will mir nasse Schwämme unter die Achseln legen. Nein, mir ist schon so kalt!
Ich kann vermitteln, dass mein Mann im Ziel wartet, und ich die Hotelschlüssel habe und er nun nicht ins Zimmer könne.
Ob ich ein Handy dabei habe? Gute Idee, aber es kommt keine Verbindung zustande. Ich schreibe eine Whatsapp, mit zitternden Fingern ganz schön schwierig. Fast 10 Leute sind zugegen und kümmern sich. Ein Mitglied des Veranstalterteams erfragt meinen Namen, man werde im Ziel meinen Mann ausrufen. Das geschieht auch und so erfahren Chris, Luzia, Helen, Tineke, Oliver und seine Frau wenigstens grob, was passiert ist.
Inzwischen konnte ich aufstehen, lehne mich an den leeren Tisch des VPs, man reicht mir ein Wasser, das in meinen zitternden Händen echten Wellengang entwickelt.
Ein Rettungswagen sei angefordert, doch das dauere noch. Ich will aber sowieso nicht ins Krankenhaus!
Dann tauchen zwei ambulante Sanitäter auf. Die haben nur einen Kleinwegen, keinen Krankenwagen, dafür einen großen Notfallkoffer. Diskussion auf niederländisch, die ich nicht wörtlich verstehe. Die Sanitäter wollen wohl nur hier vor Ort behandeln, sehen sich nicht als Taxifahrer. Die anderen reden auf sie ein.
Ich stehe zitternd daneben und wünsche mich sehnlichst in deren kleines altes Auto, das 30m weiter weg in der Sonne steht und sicher innen muckelig warm ist...

Dann darf ich doch dort einsteigen. Aber die beiden wissen nicht, wo das Ziel ist! Man sagte ihnen die Straße, doch erst einmal geht es in die falsche Richtung los. Dann aktiviert der jüngere Beifahrer Handy-Navigation. Wenden, endlich geht es in die richtige Richtung. Rund 300m  vor dem Ziel wollen sie plötzlich wieder falsch abbiegen. Ich protestiere, zeige auf die nahen Wimpel auf der Servaasbrücke und wünsche hier nun auszusteigen. Der Wunsch wird mir erfüllt, ich bedanke mich und habe wieder soviel Sprit im Tank, dass ich langsam gehend, die Startnummer verschämt versteckend, das Zielgelände erreiche. 
ENDLICH!

Chris, Luzia, Helen und Tineke sind noch da, ich freue mich sie zu sehen und es tut mir leid, dass sie sich solche Sorgen machen mussten. Es geht mir schon wieder halbwegs. Das köstliche niederländische Radler hilft, Luzia bringt mir Salznüsse, Banane, Orangenschnitz, Lakritz. Helen hat meinen Rucksack mit wärmender Kleidung zur Hand, die ich sofort anziehe. Ein Organisationsverantwortlicher kommt, legt seinen Arm fest um mich und sagt mir, dass man sich solche Sorgen gemacht habe und wie schön es sei, dass ich nun doch heil angekommen bin. 
Ja, da bin ich nun auch froh. So erleichtert war ich selten im Leben, irgendwo angekommen zu sein.

Mit bleiernen Beinen geht es den Gottseidank sehr kurzen Weg ins Hotel. Endlich heiß duschen (Ich friere unter der Dusche, Chris findet sie zu heiß) und dann ab ins Bett, warm einmummeln, Kaffee, Cola, Kekse. Der olle Magen nimmt brav alles entgegen, die Lebensgeister kehren zurück.
Später können wir sogar um die Ecke auswärts essen und trinken uns den Tag noch etwas zurecht. Wobei ich fairerweise sagen muss, da braucht es gar nicht viel Getränk. Denn der Lauf ist einfach wunderbar. Super organisiert, sehr schöne Landschaft, abwechslungsreiche Strecke, liebenswert.


Chris und Luzia haben ihre Strecke in 4,5 Stunden absolviert. Chris hatte etwas mit der Hitze zu kämpfen. Aber die beiden freuen sich.


Tja, das war nun wieder anders als gewollt. 
Natürlich hadere ich mit all dem. Die Gretchenfrage: Warum? Im Moment vermute ich, dass obwohl es mir nicht "heiß" vorkam, doch das nötige Quäntchen Flüssigkeit nicht reinging, so dass ich mehr und mehr in ein Defizit lief. Nur dass es am Ende so krass kam, das hätte ich mir nicht träumen lassen.
Ich lerne, auch wenn Marathon viel mit dem Kopf zu tun hat, in meinem Fall setzt der Körper der Schaltzentrale doch Grenzen. Ich sollte wohl schon jenseits von 20° solche Aktivitäten seeeehr vorsichtig angehen. Das passt auch halbwegs zu meinen bisherigen Erfahrungen. Eher (aber nicht immer) waren Läufe bei Wärme schonmal mit Problemen verbunden. Dafür lief ich Wien 2014 fast ohne Eisen im Körper bei kühleren Temperaturen recht gut. 
Es geht halt nicht auf Knopfdruck.
Ich werde dran zu knabbern haben, aber dann ist der Drops gelutscht und es wird weiter gelaufen.
Nur nicht in den nächsten Tagen. 
Via Belgica nächstes Jahr wieder. Als Staffel.