So gern ich mit Elli herumrollere, so ungern muss ich konstatieren, dass sie manchmal eine Zicke sein kann.
Nach Frühjahrsinspektion beim Händler begann sie wieder, dann und wann eigenständig den Gang zu wechseln. Ist nervig, weil man ja dauernd auf den Tretpaddeln steht und dann eben plötzlich plötzlich mal kurz ins fast Leere tritt. Meist findet sich der richtige Gang von selbst wieder, oder ich muss durch eine kurze Rückwärtsbewegung im Leerlauf nachhelfen. Also auf, mal zu einem anderen, "normalen" Fahrradhändler, ist ja eine handelsübliche Shimano 8-Gang-Schaltung. Eine Elli hatte man noch nie, nimmt sich ihrer aber gern an. Nach 2 Stunden darf ich sie abholen. Sie fühlt sich gut an, irgendwie geschmeidiger. Die Freude währt kurz. Auf ca. 2 km zeigt sie mir gleich mehrfach ihr Gezicke.
Also fahre ich sofort zurück. Man holt den Mechaniker aus der Werkstatt, der sie in den Händen hatte. Er ist überrascht, habe doch selber extra eine Probefahrt gemacht (So etwas habe er noch nie gesehen, sei ja auch sehr eigenartig, damit zu fahren). Er erklärt mir, dass bei dieser Schaltung im 4. Gang 2 Markierungen genau nebeneinander liegen müssen, was sie auch tun. Er schaltet die Gänge durch, ruckelt mal hier und mal da. Ich soll nun nochmals Probefahren, im 1. Gang beginnend alle durchschalten. Er schaut dabei zu. (Der Laden liegt wunderbar verkehrsberuhigt an einer breiten Straße). Wie nicht anders zu erwarten (ironisch gemeint) ist Elli brav, nichts passiert. Kopfkratzen. Mh, dann könnte es nur noch die Nabe sein. Aber vor der Aktion will ich doch erstmal noch schauen, wie sich Elli nun weiter verhält.
Auf den 10 km nach Hause jedenfalls bleibt Madame brav.
Und da bei Wärme der Fahrtwind so herrlich ist, geht es Sonntag gleich wieder los. Erst eine kurze Runde durch Manheim. Hier beginnt ein erneutes Grabungsprojekt und nach dem tollen Erlebnis 2023 darf ich wieder mitbuddeln! Ich darf dem Westwind entgegen rollen und freue mich auf den dann später ja logischerweise zu erwartenden Rückenwind.
Vorbei an vertrockneter Ackerlandschaft geht es weiter in die Reste des Hambacher Forsts. Ein trauriger Anblick, wie auch hier die alten Bäume unter der Trockenheit leiden.
Inzwischen habe ich knappe 13 km absolviert. Eigentlich wollte ich noch kurz Fotos der Ausgrabungsstelle von 2023 machen. Was mich zögern lässt ist, dass die Straße dorthin nicht gut für Räder geeignet ist. Kein Radweg, Leitplanken, da fühle ich mich unwohl. Also verzichte ich. Was auch insofern gut ist, als dass das ein Umweg wäre und der Wind inzwischen sowohl aufgefrischt UND die Richtung geändert hat. Krass, statt sanftem Westwind muss ich mich nun kräftigem und bei über 25° auch nicht mehr wirklich kühlendem Ostwind entgegenstemmen. Ziemlich k.o. komme ich nach 25 km daheim an.
Zu früh gefreut, just in dem Moment findet sie, sie müsse doch mal wieder.... und zack, haut sie mir den Gang raus, diese alte Zicke!😠😡
Auf die erstrebten Fotos möchte ich dennoch nicht verzichten und steuere die Stelle am nächsten Tag per PKW an.
Kurz zur Erläuterung ein Rückblick: Es gab einen Gutshof, erstmals erwähnt im 12. Jh, der dem Tagebau weichen musste und wo ein Grabungsprojekt in Erwartung römischer Hinterlassenschaften durchgeführt wurde. Man fand unerwartet einen Keller aus dem Mittelalter, siehe hier: Link
Ein Teil der Anlage kurz vor Abriss:
Zeitsprung, Sommer 2023.
Auf dieser nicht mehr vorhandenen Allee führte mein Fußweg zur Arbeit, also zur Grabung. Zu diesem Zeitpunkt war der Hof komplett weg und auch die Allee schon ohne Bäume. Nur der Asphalt war noch übrig:
Unmittelbar bei der Grabungsstelle war dann nur noch Wüste (Das Geflecht rechts war ein wiederentdeckter Brunnen):
Die Zufahrt zur Allee Ende 2024, also 1 1/4 Jahr nach der Grabung:
Gleiche Stelle Sommer 2025:
Ansicht heute, 2026, also 3 Jahre später:
Irgendwo halb rechts muss die Grabung gewesen sein. Dass dort heute eine Solaranlage steht und frisches Grün angelegt wurde, lässt vermuten, dass hier nicht mehr weiter gebaggert wird.
Allerdings, Blick nach links:
Dort wird weiter Erde bewegt. Etwas links vom Bagger erkennt man die Manheimer Kirche. Bis knapp davor soll es noch gehen.
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