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| Quelle: TV Huchem-Stammeln |
Im letzten Jahr konnte ich wegen Knieproblemen nur die 10-km-Distanz angehen (Link).
Also soll es nun endlich werden!
Die Bedingungen scheinen gut, knapp unter 20°. Zudem habe ich ja für meine Verhältnisse gutes Bergtraining genossen. Was nicht verkehrt war, denn es warten 430 Höhenmeter (Polar-Messung, lt. Veranstalter 370 m) auf ihre Bezwingung.
Obligatorisches Vorher-Bild. Mit dabei Heidrun und Vera.
Mein Mann trägt sein Monschau-Ultra-Shirt des letzten Wochenendes, was ihm die eine und andere anerkennende Bemerkung zuträgt.
Fast verplappern wir den Start. Auf Einlaufen haben wir verzichtet, denn es geht zunächst über flaches Terrain. Im Hintergrund zeichnet sich die Sophienhöhe ab, die wir gleich ausführlich belaufen werden.
Am Himmel ziehen von Westen dunkle Wolken auf. Mh, im Wetterbericht war von Regen für etwa ein Stündchen zu lesen. Wenn wenigstens der Wind so bliebe, hätten wir nachher hier leichten Rückenwind, gut für die letzten Kilometer.
Der erste Verpflegungspunkt kurz vor km 2, den wir später auch nochmals zur letzten Labsal nutzen können. Ein Mann fragt laut nach Schwämmen.
Na, der wird noch sein Wasser bekommen, wie wir alle.
Zunächst freuen wir uns über Windschatten im lauschigen Forst. Es läuft locker und eigentlich zu schnell, denn ich habe mir Training statt Vollgas vorgenommen. Bin daher am hinteren Ende des Feldes. Auch Heidrun lässt es langsam angehen, mit 56 ultra-km des letzten Wochenendes in den Beinen ein guter Vorsatz.
Die Wolken über uns werden dunkler. Und dann geht es los. Nach 25 Laufminuten öffnet Petrus die Pforten. Die Kamera bringe ich sofort in Sicherheit.
Aus dem Regen wird zeitweise ein richtiger Wolkenbruch. Im Nu sind wir klatschnass bis auf die Haut. Es prasselt von oben und plätschert auf den Wegen. Da, wo sie aus Kies sind, bahnen sich kleine Rinnsale ihren Weg, teils sind es fast schon Bächlein. Aber wehe, wo der Boden erdiger ist! Da hat man die Auswahl zwischen Pfützen und Schlamm. Alles durchgepflügt von den vor uns Laufenden wie von einer Wildschweinrotte. Anfangs finde ich das noch schlimm, aber als dann die braune Pampe sich ihren Weg in die Schuhe bahnt, ist es eh' egal. Wenigstens bleiben die Wege insgesamt halbwegs laufbar. Spaßeshalber denke ich, dass man beim Physiotherapeuten für Schlammpackung bezahlen muss, hier gibt es die inklusive!
Daheim würde ich nun den Kamin anzünden, es mir auf dem Sofa gemütlich machen, die Katzen wären auch drinnen. Doch bei solch einem Wetter laufen...? Aber nun sind wir hier und da wird das durchgezogen! Schließlich ist geteiltes Leid halbes Leid.
Inzwischen haben wir rd. 130 Höhenmeter bei km 5,5 überwunden, nun geht es alles wieder abwärts. Ich lasse die Beine fliegen und kann Heidrun wieder einholen, die üblicherweise anstiegsstärker ist als ich.
An der Rodelbahn komme ich bei km 10,5 als erste an. Eine stark ansteigende Wiese, wir gehen sie gemeinsam. Oben steht wieder ein freundlicher Helfer und filmt unsere Anstrengung. Allerdings kommt mir diese Passage viel kürzer vor, als vor 2 Jahren, als wir bei 26° eine wahre Hitzeschlacht hatten. Zum Video gehts hier entlang: Link.
Ab nun geht es über 9 km mal mehr, mal weniger steil permanent aufwärts.
Erfreulicherweise lässt der Regen nach, ich kann wenigstens ein Panoramabild festhalten.
Die Anstiege haben mir zu meinem inneren Erstaunen bisher ganz gut gelegen. Allerdings ist mir auch die Zeit egal, ich schalte einfach auf Trippelschritt.
Kurz vor Halbzeit. Der Regen hat aufgehört. Wir können nun der Trocknung unserer am Leib klebenden Shirts und Hosen entgegensehen. Dass der nun kühlere Wind teils böig von vorn kommt, ist nicht gerade angenehm. Aber ja nun, hinter der nächsten Kurve haben wir wieder Windschatten.
Wir lachen im Nachhinein über den Wunsch des Herrn am ersten V-Posten nach einem Schwamm...
So langsam setzt sich Heidrun ab nach vorn und ich laufe ziemlich allein. Inzwischen ist fast der höchste Punkt erreicht. Bei km 17,5 sehe ich schon von weitem den V-Punkt. Perfekt, denn ich will eine Salztablette einwerfen. Und so habe ich lange genug Zeit, sie mit klammen Fingern aus der Tasche zu angeln. Das tut gut und gibt neuen Schwung.
Der Hinkelstein, der in einer Art Mini-Runde zu umlaufen ist. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass sogar eine Plakette angebracht ist. Keine Ahnung, wem sie gewidmet ist.
Vom Hinkelstein abwärts kommt mir Heidrun entgegen und ich werde sie zum letzten Mal sehen.
Ein lang ersehnter Punkt, das Dach des Gipfelturms ist schon zu sehen, gleich bin ich oben! Auf der kurzen Gehpassage nehme ich ein Dextrotäfelchen, um die Speicher nochmals ein wenig zu füllen.
Dieser Anblick besagt, es ist geschafft! Zwar folgen noch 8 km, aber die sind weit überwiegend abwärts. Der freundliche Römer begrüßt jeden Ankommenden. Auf die angebotene Weintraube verzichte ich jedoch sicherheitshalber. Ja dem bisher friedlichen Magen keinen Anlass zu Murren geben!
Ab hier lasse ich rollen. Herrlich! Ich kann mich etwas weiter von hinter mir laufenden absetzen. Ja sogar gelingt es, vereinzelte andere Läufer zu überholen.
Zwar sind die Beine etwas schwer, aber das hindert nicht an flüssigem Laufen. Im Gegenteil, ich fühle mich richtig gut. Da vorne müsste doch irgendwo Heidrun sein, die ich bisher abwärts immer einholte? Nichts zu sehen von ihr. Dafür kann ich ein paar andere Läufer einsammeln. Beim letzten V-Posten 1,5 km vor dem Ziel zwei Rucksackträger. Ich merke, wie sie sich anhängen. Dann höre ich den Ruf der Frau, sie könne nicht mehr, ihr Partner will aber dranbleiben. Doch dann werden auch seine Schritte leiser und leiser.
Ich ziehe aus Spaß an der Freude noch ein wenig das Tempo an. wenige 100 m vor dem Ziel steht ein Passant, der klatscht, als ich vorbei bin. Oha, da wird doch nicht der eine Rucksackträger von hinten heransprinten? Kurz darauf kommt eine 180°-Kehre auf einer Brücke. Ich nutze die Gelegenheit, mich kurz umzuschauen. Da kommt ca. 20 m hinter mir eine junge Frau, die ich einige km zuvor überholt zu haben meine.
Will die mich etwa kurz vor dem Ziel noch erwischen?! Nein, das geht jetzt aber überhaupt gar nicht. Ich schalte auf turbo, kann meine Pace auf 5er-Schnitt steigern und so die Gefahr bannen.
Glücklich laufe ich mit 2:59:08 (netto) ein. Mein Mann war eine halbe Stunde flotter und hat das Podium leider um 13 Sekunden verpasst. Heidrun ist bereits seit knapp 4 Minuten im Ziel. Da ich nur einen Trainingslauf wollte, wäre noch ein wenig mehr drin gewesen, musste aber nicht sein heute. Immerhin bin ich 20 Minuten schneller als 2015!
Soviel Heldenschmutz an den Beinen ist mal ein anderes Motiv als Medaille oder Urkunde (Mein Mann hatte schon Zeit zur groben Reinigung und zum Schuhwechsel).😅
Ich hatte mich auf ein Stück Banane gefreut, mein Mann hatte sogar Melone abbekommen. Aber der Tisch ist leer, dafür war ich dann doch zu langsam. Egal, hat Spaß gemacht, war wie immer gut organisiert und die freundlichen Helfer an der Strecke überall aufmunternd dabei.
Nächstes Jahr wieder, vielleicht nochmals 20 Minuten schneller...😏
Und nächsten Samstag auf zur Kurzstrecke: Thuner Stadtlauf!
Animation der Strecke von Polar: Link
Webseite des ausrichtenden Vereins: Link
28,1 km, 2:59:08 (6:20 Min/km), HF 145


