Ich habe mir etwas nach Lehrbuch gegönnt: Eine Regeneration durch Nichtstun.
Oder jedenfalls fast nichts tun. Gelaufen nur in sehr bescheidenem und nicht weiter nennenswertem Umfang. Wie ich las, darf man sogar pro 5 gelaufenen Wettkampf-Kilometern 3 Tage die Füße stillhalten. Da der Vennlauf wirklich Kräfte gekostet hat, erlaube ich mir also knappe 2 Wochen fast lauffrei.
Ok, dann kam noch Regen dazu und andere Aktivitäten:
Von einem Schweizwochenende aus ging es nach Dijon in Frankreich. Dort wird nicht nur Senf hergestellt, es gibt auch eine Rennstrecke. Chris, der in jüngeren Jahren selber Motorrennsport betrieben hat, wurde zur Unterstützung gebeten, für einen Verwandten ein kleines Rennevent zu buchen. Klar, er würde da nicht selber zuschauen....
Also durften die beiden Herren 2 x 15 Minuten (natürlich nach vorheriger Einweisung, die Autos sind teuer) einen Formel Renault Sportwagen über den Rennkurs bewegen.
Anschließend wartete noch ein ganz besonderes Highlight, ein echter Formel 1- Bolide:
Ok, sieht irgendwie anders aus.... finde die Fehler... 😉
Natürlich gibt man ein solches Kraftpaket keinem Unerfahrenen in die Hände. Man erklärte uns, ein Crash dieses Autos würde die ganze Event-Firma in Schieflage bringen... Vorn sitzt also ein Profi und hinter ihm nehmen zwei Mitfahrer Platz.
Schon nach 2 Runden ist der Rausch planmäßig vorüber. Chris fand den Fahrstil noch moderat. Später stieg allerdings ein anderer Passagier kreidebleich und wankend aus.
Mir fiel bei der Reiseplanung auf, dass da in der Nähe etwas anderes wäre, Alesia, der Ort, an dem die Römer unter Cäsar 52 v.Chr. die Gallier endgültig besiegten. In Kurzform:
Die Gallier unter Vercingetorix (Asterix-Kennern ist der Name schon begegnet) zogen sich auf einem Hügel in ein gallisches Dorf zurück. Die Römer, nicht unklug, bauten einfach einen 16 km langen Wall um das Dorf. Es saßen nun dort zehntausende Kämpfer fest und es war klar, da kommt kein Pizzataxi durch. Vercingetorix gelang es, kurz vor Vollendung des Walls noch Boten auszusenden, um andere Gallier zu Hilfe zu rufen. Sie eilten auch herbei, doch konnte man keine Nachrichten zwischen Belagerten und Helfern austauschen, um eine Angriffstaktik abzusprechen. Die Römer ihrerseits fühlten sich unwohl mit den angekommenen Helfern in ihrem Rücken und bauten einfach einen zweiten Ring um Alesia, 21 km lang. So konnten sie sich zwischen den beiden Ringen verschanzen.
Am Ende gewannen die Römer trotz unterlegener Heeresstärke. Insgesamt waren wohl ca. 150.000 Kämpfer vor Ort (schwankt je nach Quelle). Anschließend wurde Alesia, dessen ursprüngliche Bewohner umgekommen waren, wieder besiedelt und als gallo-römisches Städtchen noch 500 Jahre bewohnt.
Es gibt Ausgrabungen zu besichtigen. Ich konnte eine Stunde netto vor Ort dort verbringen. Viel zu kurz... Man bekommt ein Tablet und kann damit dreidimensional sehen, was ursprünglich auf den ausgegrabenen Fundamenten stand. Interessant!
Wieder daheim fühlte ich ein kulturelles Defizit. Gute 100 km entfernt gibt es in Xanten am Niederrhein eine ehemalige römische Stadt, die in fast komplettem Ausmaß durch einen archäologischen Park erschlossen (Link: APX). Vor über 40 Jahren (>VIERZIG< Jahre, das tut fast weh) war ich erstmals dort, als die Anlage gerade entstand. Heute hat sich ein sehenswertes Gelände entwickelt. Die Stadtmauern sind durch Hecken nachgebildet, es gibt rekonstruierte Türme und Tore, ein Amphitheater, Häuser, und viel Interessantes zu erkunden:
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| Speisezimmer, man aß im Liegen |
Noch nicht genug der Kultur. Ich hatte mich vor Monaten spontan zu einem Wochenend-Zeichenkurs der lokalen VHS angemeldet. Die Materie interessiert mich schon immer, aber irgendwie gelang mir bislang der Zugang nicht. Das war die Gelegenheit!
Der Dozent war ein Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie. Eine Institution mit langer Tradition, die u.a. in diesem Jahrhundert durch Joseph Beuys und Gerhard Richter geprägt ist. Aber er wusste ja, dass er 8 Anfänger vor sich sitzen hatte. Und so lernten wir erste Schritte. Ok, es sind kleine Schritte, aber mir hat es viel Spaß gemacht und vor meinem Laien-Hintergrund bin ich durchaus zufrieden. Der Dozent gab sich auch redlich Mühe, uns durch Abstraktion den individuellen Weg zum eigenen Werk nahe zu bringen.
Wir konnten uns aus mitgebrachten Fotos Motive aussuchen und sollten diese nach bestimmten Kriterien umsetzen, Landschaft, Schattierungen, Portrait, Akt. Nach und nach wurden alle mutiger und suchten sich ihre persönlichen Herausforderungen:
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| Schattierungen auf einem dunklen Jeanshemd- uff |
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| Etwas zu breit geraten... |
Während wir Elevinnen mit unseren Aufgaben kämpften, schüttelte der Maestro mal locker seinerseits eine Skizze aus dem Ärmel... Wäre nicht ganz mein Stil, aber dennoch finde ich immer wieder beachtlich, wie Profis mit wenigen Strichen ein Motiv perfekt festhalten können...

























